Super Mario Galaxy Film

Der Super Mario Galaxy Film (2026) Review – Ein Spektakel ohne Schwerkraft

Den Super Mario Bros. Film von 2023 (nicht den gleichnamigen von 1993) zu mögen war leicht. Er hatte einen einfachen, aber effektiven dramaturgischen Trick: Er zeigte uns zuerst die reale Welt — zwei Klempner in Brooklyn, bodenständig, vertraut — und warf uns dann zusammen mit Mario und Luigi kopfüber ins Pilzreich. Dieser Kontrast funktionierte. Das Absurde wurde durch den Normalzustand erst wirklich absurd. Der Super Mario Galaxy Film macht diesen Fehler nicht. Er macht einen anderen: Er verzichtet gleich ganz auf dieses Prinzip — und verliert dabei mehr, als er gewinnt.

Direkt im Orbit

Mario und Luigi haben sich im Pilzreich niedergelassen. Bowser ist geschrumpft und ansatzweise reformiert. Als Bowser Jr. Rosalina entführt und einen universumsvernichtenden Plan in die Wege leitet, bricht die Gruppe ins All auf. Soweit die Prämisse — und soweit auch schon der größte Teil der Story. Was folgt, ist eine Abfolge von Galaxien, Setpieces und Gegnern, die weniger als Erzählung funktioniert und mehr als bunte Diashow. Man sitzt gut eineinhalb Stunden im Kino, verfolgt das Geschehen mit aufrichtigem Interesse — und ist danach kaum in der Lage, eine kohärente Zusammenfassung zu liefern. Das ist kein Nebeneffekt. Das ist das Symptom.

Wenn alles durchgeknallt ist, ist nichts mehr durchgeknallt

Der erste Film wusste, wie man eine Geschichte um das Absurde herum baut. Galaxy hat das Rezept vergessen. Wir starten direkt in einer Welt, die längst etabliert ist — keine Reibung, kein Kontrast, kein Übergang. Das Absurde braucht aber genau das: einen Ausgangspunkt, von dem aus es als absurd wahrgenommen werden kann. Ohne diesen Anker folgen die kosmischen Schauplätze einander wie Level in einem Jump-and-Run, nicht wie Stationen einer Geschichte. Jeder Planet ist optisch neu, dramaturgisch aber gleichwertig — und gleichwertig bedeutet hier: austauschbar. Das Sequel expandiert das Universum, ohne es zu vertiefen.

Für wen ist das hier eigentlich?

Das ist eine rhetorische Frage — die Antwort ist ziemlich eindeutig. Der Super Mario Galaxy Film ist konsequent auf ein junges Publikum ausgerichtet: breite Gags, hohes Tempo, grelle Farben, kaum Ruhepausen. Wer das mitbringt, was Kinder mitbringen — unbegrenzten Enthusiasmus und keine Erwartungen ans Drehbuch — wird seinen Spaß haben. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Diagnose. Der Film weiß genau, was er ist und für wen er gemacht wurde. Das Problem ist nicht das Zielpublikum, sondern dass dabei wenig Substanz für alle anderen übrigbleibt.

Die 91 % Publikumswertung auf Rotten Tomatoes lassen sich so erklären: Ein sehr breites, sehr dankbares Zielpublikum — Kinder, nostalgische Eltern, Nintendo-Fans — nimmt den Film begeistert an. Dazu kommt ein ordentlicher Easter-Egg-Bonus für alle, die das Nintendo-Universum in- und auswendig kennen. Als verlässliches Qualitätsurteil taugt diese Zahl nicht — sie ist das Ergebnis einer perfekt kalibrierten Zielgruppenansprache, keine Aussage über handwerkliche Güte.

Das Spiel hat mehr zu bieten als der Film

Super Mario Galaxy (2007) ist eines der kreativsten Spiele, die Nintendo je gemacht hat — ein Platformer, der die Schwerkraft selbst zur Spielmechanik macht und dabei erstaunlich emotionale Momente findet. Die Geschichte von Rosalina und ihrer Beziehung zu den Lumas gehört zu den bewegendsten Momenten der gesamten Franchise. Der Film nutzt das Spiel vor allem als visuelles Reservoir: Planeten, Weltraum, Schwerelosigkeit. Die emotionale Tiefe, die die Vorlage besonders macht, bleibt unangetastet — leider im Sinne von: unberührt.

Wo der Film wirklich glänzt

Es gibt zwei Bereiche, in denen Der Super Mario Galaxy Film eindeutig liefert. Erstens: die Optik. Illumination hat hier ganze Arbeit geleistet. Die Darstellung der verschiedenen Galaxien, die kosmischen Schauplätze, die Farbpalette — visuell ist das schlicht herausragend und rechtfertigt allein schon das Kinoerlebnis. Zweitens: die Liebe zum Nintendo-Universum. Easter Eggs, Cameos und Anspielungen durchziehen den Film, Fox McCloud bekommt seinen Auftritt, Yoshi seinen großen Moment. Wer die Referenzen kennt, hat dabei aufrichtig Spaß. Das ersetzt keine Substanz — aber es ist zumindest echte, spürbare Zuneigung zum Material.

Fazit

Der Super Mario Galaxy Film ist ein visuelles Spektakel, das seinen Auftrag kennt und erfüllt — für das junge Publikum, für das er gemacht wurde. Als Familienfilm mit niedrigen Erwartungen ans Drehbuch funktioniert er. Als Nachfolger eines Films, der noch wusste, wie man Kontrast und Erzählbogen einsetzt, ist er ein Rückschritt. Und als Adaption eines Spiels, das emotional mehr zu bieten hätte als Schwerelosigkeit und bunte Planeten, ist er eine vertane Chance. Schöne Hülle, leerer Kern — aber die Kinder im Saal hatten ihren Spaß.

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