Dreißig Jahre Funkstille. Seit dem filmischen Desaster von 1993 – das mit dem gleichnamigen Nintendo-Franchise kaum mehr als den Namen gemein hatte – hat sich Nintendo konsequent aus Hollywood herausgehalten. Jetzt ist The Super Mario Bros. Movie da, und mit ihm eine einfache Frage: Kann Illumination dem roten Klempner endlich gerecht werden?
Die kurze Antwort: Ja. Die etwas längere Antwort erklärt, warum das trotzdem kein Film für alle ist.
Ein Klempner, ein Pilz, ein Plan
Die Geschichte lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen: Mario (Chris Pratt) und Luigi (Charlie Day) werden durch ein magisches Rohrsystem in die Pilz-Welt gezogen. Bowser (Jack Black) will Peach (Anya Taylor-Joy) heiraten – und falls das nicht klappt, die Welt zerstören. Das ist alles. Und das ist eigentlich auch richtig so.
Wer Charakterentwicklung, innere Konflikte oder dramaturgische Überraschungen erwartet, wird enttäuscht. Doch das ist kein Versagen des Films, sondern eine Eigenschaft der Vorlage. Super Mario ist seit 1985 eine Reihe, in der ein Klempner durch ein Rohr gezogen wird und dann Pilzen auf den Kopf springt. Als Videospieladaption hat der Film hier keine tiefe Mythologie zu verarbeiten – und er ist klug genug, das nicht vorzutäuschen.
Liebe steckt im Detail
Was The Super Mario Bros. Movie stattdessen leistet, ist beachtlich. Das Universum ist mit einer Sorgfalt gebaut, die echte Zuneigung zur Vorlage verrät. Wer die Spiele kennt – vom NES-Original bis zu den Switch-Titeln der letzten Jahre –, wird in jedem zweiten Bild etwas entdecken. Musikmotive aus jahrzehntelanger Franchise-Geschichte, Level-Design-Referenzen, Charakterdetails, die kein Zufall sind. Die Pilz-Welt fühlt sich lebendig und kohärent an; die Animationen sind technisch makellos.
Besonders gelungen: Der Film funktioniert als echte Generationenbrücke. Ältere Zuschauer, die mit dem ersten Super Mario Bros. auf dem NES groß geworden sind, werden andere Momente erkennen als Kinder, die heute mit Mario Kart 8 Deluxe oder Super Mario Odyssey auf der Switch spielen. Beide kommen auf ihre Kosten, und das Gespräch danach führt sich von allein. Das ist kein kleines Kunststück.
Die Schwächen liegen auf der Hand
Nicht alles gelingt. Die Welt, in der Bowser und Peach agieren, bleibt für Nicht-Spieler merkwürdig kontextlos. Warum ist Bowser mächtig? Was ist das Mushroom Kingdom eigentlich? Wer ist Peach, und warum sollte man sich um sie sorgen? Der Film beantwortet das kaum – er setzt voraus, dass das Publikum diese Lücken mit eigenem Wissen füllt. Wer das nicht kann, schaut einem sehr schönen Spektakel zu, ohne wirklich darin zu versinken.
Chris Pratt ist als Casting-Entscheidung neutral: Er schadet nicht, er prägt auch nicht. Jack Black hingegen hat als singender, selbstverliebter Bowser sichtlich Freude – auch wenn die Figur eher komödiantisch als bedrohlich wirkt. Das ist ein stilistischer Entscheid, kein handwerklicher Fehler. Das Pacing lässt kaum Luft zum Atmen; wer einen Moment zur Besinnung braucht, hat ihn bereits verpasst.
Kritiker, Publikum – und wer recht hat
Die internationalen Kritiken sind gemischt bis kühl. Das überrascht wenig: Wer einen Animationsfilm an klassischen erzählerischen Kriterien misst – Charaktertiefe, Dramaturgie, thematische Substanz –, findet in The Super Mario Bros. Movie wenig Angriffsfläche für Lob und viel für Kritik. Doch das ist die falsche Brille für diesen Film.
Als Videospieladaption bewertet – und das muss man bei einem Franchise dieser Größe und Bekanntheit zwingend tun –, liefert der Film das, was möglich ist: Er überträgt das Lebensgefühl der Spiele in bewegte Bilder, ohne sich für seine Vorlage zu schämen oder sie zu verbiegen. Er macht keine Entschuldigungen. Das ist aufrichtiger als viele ambitioniertere Adaptionen, die am Ende trotzdem scheitern.
Fazit
The Super Mario Bros. Movie ist kein Film, der die Welt des Kinos verändert. Aber er ist einer, der genau das tut, was er tun soll – und das mit Herzblut. Nintendo-Fans werden strahlen. Eltern, die ihre Kinder mitbringen, werden Spaß haben. Und wer befürchtet hatte, Illumination würde das Franchise verbiegen: Der rote Klempner ist in guten Händen.
Wertung: 7,5 / 10

