Sequel, Prequel – und was steckt dahinter?
Wer regelmäßig Spiele kauft, Gaming-News liest oder Kinoankündigungen verfolgt, begegnet diesen Begriffen ständig: Sequel, Prequel, manchmal auch Midquel oder Sidequel. Klingt komplizierter als es ist. Hinter all diesen Begriffen steckt ein einfaches Prinzip: Sie beschreiben das zeitliche und narrative Verhältnis eines Werks zu einem anderen innerhalb derselben Reihe – ob bei Spielen, Filmen oder Serien. Dieser Artikel erklärt, was die Begriffe bedeuten, und zeigt anhand konkreter Beispiele aus Gaming und Kino, wie sie sich in der Praxis unterscheiden.
Was ist ein Sequel?
Ein Sequel (von lateinisch sequi, „folgen“) ist eine Fortsetzung. Es spielt zeitlich nach den Ereignissen des Vorgängers und setzt dessen Geschichte direkt oder indirekt fort. Das kann eine unmittelbare Handlungsfortsetzung sein oder eine lose Weiterführung, die Jahre später in derselben Welt spielt.
Im Gaming sind Sequels das Fundament ganzer Marken: The Last of Us Part II setzt nahtlos nach dem Ende des ersten Teils ein, God of War Ragnarök führt die Geschichte von Kratos und Atreus direkt weiter, und Reihen wie Mass Effect oder The Legend of Zelda bestehen aus einer langen Abfolge von Spielen, die denselben Kosmos teilen. Auch im Kino sind Sequels allgegenwärtig: Aliens, The Dark Knight oder Top Gun: Maverick sind Fortsetzungen, die teils Jahrzehnte nach dem Original entstanden – und die Erwartungen der Fans trotzdem oder gerade deshalb erfüllt haben.
Für Publisher und Studios sind Sequels attraktiv, weil sie auf einer bekannten Marke aufbauen und das wirtschaftliche Risiko eines völlig neuen Projekts deutlich reduzieren.
Was ist ein Prequel?
Ein Prequel (ein Kofferwort aus dem englischen pre für „vor“ und sequel) spielt zeitlich vor einem bereits erschienenen Werk. Die Geschichte zeigt Ereignisse, die dem Original vorausgehen – oft den Ursprung einer Figur, den Beginn eines Konflikts oder die Vorgeschichte einer ganzen Welt.
Im Gaming sind Prequels ein bewährtes Mittel, um etablierte Universen zu vertiefen: Red Dead Redemption 2 erschien 2018, spielt aber Jahrzehnte vor dem ersten Teil aus dem Jahr 2010 und zeigt, wie die Outlaw-Bande rund um Dutch van der Linde aufstieg und zerbrach. Halo: Reach schildert die Ereignisse unmittelbar vor dem ersten Halo, und Yakuza 0 beleuchtet die Ursprünge der Hauptfiguren Kiryu und Majima. Im Kino gilt dasselbe Prinzip: Die Star Wars-Episoden I bis III sind Prequels zu den klassischen Episoden IV bis VI und zeigen den Aufstieg und Fall von Anakin Skywalker. Rogue One spielt ebenfalls kurz vor Episode IV – und beantwortet eine Frage, die Fans seit 1977 beschäftigt hatte.
Prequels haben einen besonderen erzählerischen Reiz: Das Publikum weiß bereits, wie die Geschichte ausgeht – und verfolgt dennoch gespannt, wie es so weit kommen konnte.
Der Unterschied auf einen Blick
Der entscheidende Unterschied zwischen Sequel und Prequel ist die zeitliche Einordnung innerhalb der Handlung einer Reihe:
- Sequel: Spielt zeitlich nach dem Vorgänger – die Geschichte wird fortgesetzt.
- Prequel: Spielt zeitlich vor dem bereits erschienenen Werk – die Vorgeschichte wird erzählt.
Wichtig: Beide Formate erscheinen in der Regel nach dem Original. Der Unterschied liegt also nicht im Veröffentlichungsdatum, sondern in der Chronologie der erzählten Geschichte.
Weitere verwandte Begriffe: Midquel, Sidequel und Co.
Neben Sequel und Prequel gibt es noch einige Abwandlungen, denen man in Gaming und Film regelmäßig begegnet:
- Midquel: Spielt zeitlich zwischen zwei bereits erschienenen Teilen einer Reihe. Kingdom Hearts: Chain of Memories schließt etwa die Lücke zwischen dem ersten und dem zweiten Teil der Spielreihe. Im Kino füllt Rogue One eine ähnliche Funktion, da es zwischen Episode III und Episode IV angesiedelt ist.
- Sidequel: Spielt parallel zur Haupthandlung eines anderen Werks, folgt aber anderen Figuren oder Schauplätzen. Die zeitliche Verortung ist dieselbe, der Blickwinkel ein anderer.
- Spin-off: Ein eigenständiges Werk, das Figuren, Schauplätze oder das Setting eines anderen Spiels oder Films aufgreift, aber weder direkte Fortsetzung noch Vorgeschichte ist. Was genau ein Spin-off ausmacht, haben wir in einem eigenen Artikel ausführlich erklärt: Spin-off erklärt.
Prequel oder Sequel – oder doch ein Reboot?
Manchmal werden diese Begriffe mit Reboot oder Remake verwechselt. Der Unterschied ist wichtig: Ein Reboot startet eine Reihe bewusst von vorne – ohne Anspruch auf Kontinuität zum bisherigen Kanon. Ein Remake ist eine technische oder künstlerische Neuumsetzung eines bestehenden Werks, keine neue Geschichte. Beides hat nichts mit der narrativen Chronologie zu tun, die Prequel und Sequel definiert. Den genauen Unterschied zwischen Remake und Remaster im Gaming-Kontext erklärt dieser Artikel: Remaster vs. Remake – der Unterschied erklärt.
Warum setzen Entwickler und Studios so gerne auf Sequels und Prequels?
Die Antwort ist eine Mischung aus wirtschaftlichen und kreativen Gründen. Eine erfolgreiche Spielwelt oder Filmreihe ist ein Kapital: Sie hat eine eingespielte Fangemeinde, etablierte Figuren und ein bekanntes Setting. Ein Sequel oder Prequel kann dieses Kapital nutzen, ohne von Null anfangen zu müssen.
Gleichzeitig bieten Prequels eine elegante Möglichkeit, Welten zu vertiefen, ohne die bestehende Geschichte zu verändern. Entwickler und Regisseure können Lücken füllen, Figuren beleuchten und Hintergründe erklären – alles, ohne den Ausgang des Originals zu berühren. Sequels hingegen sind oft die logische Konsequenz eines kommerziellen Erfolgs: Wenn ein Spiel oder Film gut ankommt, ist eine Fortsetzung das risikoärmere Folgeprojekt. Wie eng Erfolg, Fortsetzungen und Geschäftsmodelle in der Gaming-Industrie zusammenhängen, zeigt unser Überblick zur Monetarisierung in Spielen.
Fazit
Sequel und Prequel beschreiben, wo ein Werk innerhalb der Zeitlinie einer Reihe steht – nicht, wann es erschienen ist. Sequels setzen Geschichten fort, Prequels erklären, wie alles begann. Dazwischen gibt es Midquels, Sidequels und Spin-offs, die weitere erzählerische Perspektiven eröffnen – in Spielen ebenso wie im Kino. Wer diese Begriffe kennt, kann Ankündigungen besser einordnen und weiß sofort, ob ein neues Projekt die Geschichte weiterschreibt oder zurück an den Anfang geht.

