Lootboxen

OGH Österreich: Lootboxen sind kein Glücksspiel – Urteil zugunsten Sony und EA

Nach jahrelangem Rechtsstreit steht fest: Lootboxen sind in Österreich kein Glücksspiel. Der Oberste Gerichtshof (OGH), die höchste juristische Instanz des Landes, entschied am 18. Dezember 2025 zugunsten von Sony Interactive Entertainment und Electronic Arts. Das Urteil ist endgültig und nicht mehr anfechtbar – ein wichtiger Präzedenzfall für die gesamte Gaming-Branche.

Der Fall: 20.000 Euro für FIFA-Packs

Ein Spieler hatte zwischen Oktober 2017 und Oktober 2021 knapp 20.000 Euro in FIFA Ultimate Team investiert. Er kaufte sogenannte „Points“ von Sony, um damit Lootboxen im Spiel zu erwerben. Diese virtuellen Pakete enthalten zufällig ausgewählte Spieler-Karten, die im Online-Modus eingesetzt werden können.

Der Kläger argumentierte: Lootboxen sind Glücksspiel. Da weder Sony noch EA über eine Glücksspiel-Konzession verfügen, seien die Kaufverträge nichtig. Er forderte sein Geld zurück – unterstützt von Prozessfinanzierer Padronus.

Die Gerichtsinstanzen: Hin und Her

Der Fall durchlief mehrere Instanzen und führte zu widersprüchlichen Urteilen. Das Landesgericht Wien stufte Lootboxen zunächst als Glücksspiel ein. Die Begründung: Der Inhalt der Pakete ist vom Zufall abhängig, eine Gewinnerzielung möglich, und es wird Echtgeld eingesetzt.

Das Oberlandesgericht Wien sah das anders und entschied, dass Lootboxen kein Glücksspiel seien. Padronus legte daraufhin Revision ein, wodurch der Fall vor den Obersten Gerichtshof kam – die letzte Instanz in Österreich.

OGH-Begründung: Gesamtbetrachtung entscheidend

Der Oberste Gerichtshof wies die Klage ab. Die zentrale Argumentation: Man dürfe Lootboxen nicht isoliert betrachten, sondern müsse das gesamte Spiel bewerten. FIFA ist in seiner Gesamtheit kein Glücksspiel, weil der Spielerfolg nicht ausschließlich oder überwiegend vom Zufall abhängt.

Die Richter führten aus, dass Spieler durch eigene Fähigkeiten – Taktik, Strategie, Controller-Geschicklichkeit – den Spielverlauf mit ausreichender Wahrscheinlichkeit steuern können. Zwar ist der Inhalt der Lootboxen zufällig, aber die Verwendung der erhaltenen Spieler-Karten im eigentlichen Spiel ist skill-basiert.

Nach § 1 Abs. 1 des österreichischen Glücksspielgesetzes (GSpG) liegt Glücksspiel vor, wenn die Entscheidung über das Spielergebnis ausschließlich oder vorwiegend vom Zufall abhängt. Dies sei bei FIFA Ultimate Team nicht der Fall.

Endgültigkeit des Urteils

Da der Oberste Gerichtshof die höchste Instanz in Österreich ist, kann gegen das Urteil keine Berufung mehr eingelegt werden. Die Entscheidung ist final. Das bedeutet: In Österreich sind Lootboxen – zumindest in der Form, wie sie in FIFA Ultimate Team existieren – rechtlich kein Glücksspiel.

Für Sony und EA ist das ein wichtiger Sieg nach jahrelangem Rechtsstreit. Für Padronus und die Kläger ist es eine Niederlage, die jedoch nicht das Ende der Diskussion bedeutet.

Frühere Urteile: Erfolge für Kläger

Interessanterweise hatten Kläger in niedrigeren Instanzen durchaus Erfolge erzielt. Im August 2023 verurteilte das Landesgericht Wien Sony und EA zur Rückzahlung von über 10.000 Euro an einen FIFA-Spieler. Die Begründung damals: Lootboxen verstoßen gegen das Glücksspielgesetz.

Auch in anderen Fällen – etwa gegen Valve wegen Counter-Strike-Lootboxen – gab es Erfolge. Ein Gericht in der Steiermark verurteilte Valve 2024 zur Rückzahlung von 14.000 Euro. Die Argumentation: Da die erhaltenen Skins weiterverkauft werden können, sei Gewinnerzielung möglich, was den Kauf zum Glücksspiel mache.

Diese Urteile niedrigerer Instanzen sind durch die OGH-Entscheidung nicht automatisch aufgehoben, beziehen sich aber auf andere Fälle. Der OGH hat speziell über FIFA Ultimate Team entschieden – andere Spiele könnten theoretisch anders bewertet werden.

Reaktionen: EA spricht von „richtungsweisender Entscheidung“

Electronic Arts zeigte sich gegenüber der Presse zufrieden mit dem Urteil. Ein Sprecher erklärte, dass man bereits zuversichtlich gewesen sei, dass die Spiele kein Glücksspiel darstellen und alle lokalen Gesetze eingehalten würden. Aufsichtsbehörden und Gerichte weltweit hätten in ähnlichen Fällen zugunsten von EA entschieden.

Sony äußerte sich nicht öffentlich, dürfte aber erleichtert sein. Wäre das Urteil anders ausgefallen, hätten potenziell Tausende weitere Spieler Rückzahlungen fordern können – ein finanzielles Desaster.

Padronus-Geschäftsführer Richard Eibl zeigte sich in der Vergangenheit optimistisch, dass höhere Instanzen anders entscheiden würden. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Ob Padronus weitere rechtliche Schritte prüft – etwa auf europäischer Ebene – ist unklar.

Was bedeutet das Urteil für die Gaming-Branche?

Das OGH-Urteil ist ein wichtiger Präzedenzfall, aber kein Freibrief für alle Publisher. Es gilt spezifisch für Österreich und für die Art von Lootboxen, wie sie in FIFA Ultimate Team implementiert sind.

Andere EU-Länder könnten anders entscheiden. Belgien und die Niederlande haben Lootboxen teilweise verboten oder stark reguliert. In Deutschland ist die Rechtslage noch unklar – der Bundesrat forderte im November 2025 eine Prüfung zur Regulierung von Lootboxen auf nationaler und europäischer Ebene.

Die Gaming-Industrie argumentiert, dass Lootboxen Teil des Spieldesigns seien und Spielern optionale Inhalte bieten. Kritiker sehen darin manipulative Monetarisierungsmechaniken, die besonders Minderjährige und suchtgefährdete Personen gefährden.

Deutschland: Bundesrat fordert Regulierung

In Deutschland steht die rechtliche Bewertung von Lootboxen noch aus. Der Bundesrat forderte im November 2025 die Bundesregierung auf, die Regulierung von Lootboxen zu prüfen – sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene.

Der Branchenverband GAME lehnt eine solche Regulierung ab. Man argumentiert, dass bestehende Jugendschutzmaßnahmen ausreichen und dass Lootboxen kein Glücksspiel im rechtlichen Sinne darstellen.

Die deutsche Definition von Glücksspiel ähnelt der österreichischen: Laut § 3 Abs. 1 Satz 1 des Glücksspielstaatsvertrags 2021 liegt Glücksspiel vor, wenn für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt.

Ob deutsche Gerichte der österreichischen Argumentation folgen würden, ist offen. Bisher gibt es in Deutschland keine wegweisenden Urteile zu Lootboxen.

USK stuft FIFA höher ein

Interessanterweise reagierte die deutsche Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) auf die Lootbox-Debatte. EA Sports FC 24 – der Nachfolger der FIFA-Reihe – erhielt erstmals eine Altersfreigabe ab 12 Jahren statt der bisherigen Freigabe ohne Altersbeschränkung.

Die Begründung: „Handlungsdruck“ sowie „In-Game-Käufe + zufällige Objekte“ – die USK-Chiffre für Lootboxen. Die USK sieht also durchaus ein Gefährdungspotenzial, ohne Lootboxen rechtlich als Glücksspiel einzustufen.

Wird die Diskussion weitergehen?

Obwohl das OGH-Urteil endgültig ist, wird die Diskussion über Lootboxen weitergehen. Verbraucherschützer, Jugendschutzorganisationen und Prozessfinanzierer wie Padronus werden weiterhin argumentieren, dass Lootboxen problematisch sind.

Die Argumentation hat sich teilweise verschoben: Selbst wenn Lootboxen rechtlich kein Glücksspiel sind, könnten sie dennoch reguliert werden – ähnlich wie Tabak oder Alkohol, die ebenfalls legal, aber eingeschränkt sind.

Zudem bleibt die europäische Ebene relevant. Die EU könnte einheitliche Regelungen für digitale Monetarisierung in Spielen schaffen. Ob das passiert und wie streng solche Regelungen ausfallen würden, ist derzeit Spekulation.

FAQ

Hat der Oberste Gerichtshof Österreichs Lootboxen als Glücksspiel eingestuft?

Nein. Der OGH entschied am 18. Dezember 2025, dass Lootboxen in FIFA Ultimate Team kein Glücksspiel sind. Das Urteil ist endgültig.

Warum sieht der OGH Lootboxen nicht als Glücksspiel?

Weil man das Spiel als Ganzes betrachten muss. Der Spielerfolg hängt nicht überwiegend vom Zufall ab, sondern von Spielerfähigkeiten wie Taktik und Geschicklichkeit.

Gilt das Urteil auch für andere Spiele?

Das Urteil bezieht sich spezifisch auf FIFA Ultimate Team. Andere Spiele mit Lootboxen könnten theoretisch anders bewertet werden.

Können Spieler in Österreich nun keine Rückzahlungen mehr fordern?

Für FIFA Ultimate Team ist der Fall durch das OGH-Urteil geklärt. Für andere Spiele könnten theoretisch noch Klagen möglich sein.

Wie ist die Rechtslage in Deutschland?

Unklar. Es gibt keine wegweisenden Urteile. Der Bundesrat forderte im November 2025 die Prüfung einer Regulierung von Lootboxen.

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