Paizo überrascht mit der Ankündigung von 13 Omens, einem völlig neuen Horror-Rollenspiel. Anders als bei Pathfinder und Starfinder setzt der Verlag hier auf ein eigenständiges, rules-lite System. Entwickelt wird 13 Omens von Jason Bulmahn, Director of Games bei Paizo, und Joe Pasini. Das Spiel spielt in einer dunklen Spiegelung unserer Welt, bevölkert von übernatürlichen Schrecken, Killern und verfluchten Orten. Die zentrale Mechanik sind Omen Dice, die im Laufe einer Session dem gemeinsamen Würfelbeutel hinzugefügt werden und die Spannung kontinuierlich steigern. 13 Omens ist für One-Shot-Sessions konzipiert, die an einem Abend gespielt werden können. Erste Demos finden auf der UK Games Expo Ende Mai 2026 statt.
Das dritte RPG von Paizo
13 Omens markiert einen bemerkenswerten Schritt für Paizo. Der Verlag hat sich seit seiner Gründung fast ausschließlich auf Pathfinder und Starfinder konzentriert. Beide Systeme nutzen verwandte Regelwerke und teilen viele Mechaniken. 13 Omens ist nun das dritte eigenständige Rollenspiel des Verlags und das erste, das bewusst auf ein komplett anderes System setzt. Die Entscheidung, kein Pathfinder 2E als Basis zu verwenden, überrascht viele in der Community. Paizo hatte in der Vergangenheit mit Pathfinder 2E ein mächtiges und vielseitiges Regelwerk geschaffen, das sich auch für Horror-Settings eignet. Jason Bulmahn selbst hatte zuvor an Hopefinder gearbeitet, einem Horror-Zombie-Apokalypse-RPG, das auf Pathfinder 2E basierte.
Die Tatsache, dass Paizo nun ein völlig neues System entwickelt, zeigt, dass das Unternehmen bereit ist, neue Wege zu gehen. Ein rules-lite Ansatz unterscheidet sich fundamental von den umfangreichen Regelwerken, für die Paizo bekannt ist. Pathfinder 2E ist ein crunchy System mit detaillierten Regeln für jede Situation. 13 Omens hingegen soll schnell zu lernen sein und den Fokus auf atmosphärisches Spiel legen statt auf komplexe Mechaniken.
Modern Supernatural Horror
Das Setting von 13 Omens ist eine dunkle Version unserer Welt. Keine Fantasy-Reiche, keine fernen Planeten, sondern die Gegenwart, bevölkert von Gespenstern, Monstern und Flüchen. Paizo beschreibt das Setting als Welt, in der schreckliche Gestalten lauern, blutrünstige Killer auf der Jagd sind, verfluchte Orte existieren und Geheimnisse besser unentdeckt bleiben sollten. Das erinnert an moderne Horror-Settings wie Call of Cthulhu oder Monster of the Week, die ebenfalls in der realen Welt spielen, aber mit übernatürlichen Bedrohungen.
Der moderne übernatürliche Horror-Ansatz erlaubt es Spielern, sich leichter in die Welt hineinzuversetzen. Statt exotische Fantasy-Völker oder futuristische Technologien zu lernen, können sie normale Menschen spielen, die mit dem Unerklärlichen konfrontiert werden. Das senkt die Einstiegshürde und macht One-Shot-Sessions praktikabler. Spieler müssen sich nicht stundenlang in Weltenbau einlesen, sondern können direkt losspielen.
Omen Dice: Spannung durch Mechanik
Die zentrale Mechanik von 13 Omens sind die Omen Dice. Paizo erklärt, dass das Spiel einen gemeinsamen Würfelbeutel nutzt, aus dem alle Spieler ziehen. Im Laufe der Session werden diesem Beutel mehr und mehr Omen Dice hinzugefügt. Diese Würfel erhöhen die Gefahr und bauen Spannung auf. Details zur genauen Funktionsweise wurden noch nicht veröffentlicht, aber das Konzept ist klar: Je länger die Session dauert, desto gefährlicher wird es.
Diese Mechanik erinnert an das Dread-RPG, das statt Würfeln einen Jenga-Turm nutzt. Jede Aktion, die Spannung erfordert, bedeutet, einen Block zu ziehen. Irgendwann stürzt der Turm, und der Charakter stirbt. Omen Dice könnten ähnlich funktionieren. Vielleicht bedeuten mehr Omen Dice höhere Chancen auf kritische Fehlschläge oder schlimmere Konsequenzen. Vielleicht ziehen die Spieler blind aus dem Beutel, und je mehr Omen Dice drin sind, desto wahrscheinlicher wird ein schlechtes Ergebnis.
Was auch immer die genaue Implementierung ist, die Idee ist elegant. Statt dass der Spielleiter willkürlich entscheidet, wann Dinge gefährlicher werden, regelt die Mechanik das automatisch. Das nimmt Druck vom Spielleiter und gibt den Spielern ein klares Signal: Die Zeit läuft ab, die Gefahr steigt, das Ende naht.
One-Shot-Design: Designed für einen Abend
13 Omens ist explizit für One-Shot-Sessions konzipiert. Laut Paizo soll das Spiel an einem Abend gespielt werden können. Die Demo-Sessions auf der UK Games Expo sind auf drei Stunden angesetzt. Das ist eine bewusste Designentscheidung. Viele moderne Rollenspieler haben keine Zeit für langfristige Kampagnen. One-Shots sind beliebt, weil sie flexibel sind, wenig Vorbereitung erfordern und ein abgeschlossenes Erlebnis bieten.
Horror-Spiele eignen sich besonders gut für One-Shots. Die Spannung lässt sich über einen Abend hinweg kontinuierlich steigern, und ein definitives Ende sorgt für Entladung. Langfristige Horror-Kampagnen sind schwierig, weil die Bedrohung irgendwann ihren Schrecken verliert. Wenn die Charaktere übernatürliche Kreaturen regelmäßig besiegen, wird das Unheimliche zur Routine. Ein One-Shot hingegen kann bis zum bitteren Ende eskalieren.
Paizo betont auch, dass Charaktertod extrem wahrscheinlich ist. Das ist ein weiteres Zeichen, dass das Spiel nicht auf langfristige Charakterentwicklung ausgelegt ist. In einem One-Shot ist der Tod des Charakters ein dramatisches Ende, keine frustrierende Unterbrechung einer längeren Geschichte. Safety Tools und Content Warnings werden zu Beginn jeder Session besprochen, um sicherzustellen, dass alle Spieler wissen, worauf sie sich einlassen.
Jason Bulmahn und Joe Pasini als Designer
Jason Bulmahn ist kein Unbekannter in der Tabletop-Szene. Als Director of Games bei Paizo hat er maßgeblich an der Entwicklung von Pathfinder 2E mitgewirkt. Seine Arbeit an Hopefinder zeigt, dass er Erfahrung mit Horror-Settings hat. Joe Pasini ist ebenfalls bei Paizo tätig und hat an verschiedenen Pathfinder-Produkten gearbeitet. Die Kombination beider Designer verspricht ein durchdachtes System.
Bulmahn ist bekannt für seine Fähigkeit, komplexe Regeln verständlich zu machen. Pathfinder 2E ist ein detailliertes System, aber die Regelbücher sind gut strukturiert und nachvollziehbar. Wenn Bulmahn nun ein rules-lite System entwickelt, dürfte dieses besonders elegant sein. Ein Designer, der weiß, wie man komplexe Systeme baut, versteht auch, was man weglassen kann.
Erste Demos auf der UK Games Expo
Die UK Games Expo findet vom 29. bis 31. Mai 2026 in Birmingham statt. Paizo wird dort mehrere Demo-Sessions von 13 Omens anbieten. Geleitet werden diese Sessions von Jason Bulmahn selbst sowie von Erik Mona, Publisher bei Paizo. Das sind hochkarätige Namen, die zeigen, wie wichtig Paizo dieses Projekt nimmt. Normalerweise leiten Designer und Publisher keine Demo-Sessions auf Messen. Die Tatsache, dass sie es hier tun, deutet darauf hin, dass Paizo das Feedback der Community ernst nimmt und das Spiel noch in Entwicklung ist.
Die Sessions sind als 15+ eingestuft, und es wird explizit darauf hingewiesen, dass es sich um ein Horror-Spiel handelt. Content Warnings werden zu Beginn besprochen, und Safety Tools wie X-Card oder Lines & Veils kommen zum Einsatz. Das ist Standard für moderne Horror-RPGs und zeigt, dass Paizo verantwortungsvoll mit dem Genre umgeht.
Newsletter und weitere Informationen
Auf der offiziellen Website paizo.com/13omens können Interessierte sich für einen Newsletter anmelden. Paizo verspricht regelmäßige Updates zur Entwicklung und möglicherweise exklusive Einblicke in die Welt der Albträume. Die Website selbst ist minimalistisch gehalten und zeigt nur die grundlegenden Informationen zum Spiel. Das deutet darauf hin, dass sich 13 Omens noch in einer frühen Phase befindet.
Ein Release-Datum wurde noch nicht genannt. Auch Preis, Umfang und Format sind unbekannt. Es ist unklar, ob 13 Omens als großes Hardcover-Buch erscheint oder als schlankes Softcover für schnellen Einstieg. Angesichts des rules-lite Ansatzes wäre ein kompaktes Format denkbar. Möglicherweise plant Paizo auch digitale Releases oder Pay-What-You-Want-Versionen für die Community.
Was bedeutet das für Pathfinder und Starfinder?
Die Ankündigung von 13 Omens wirft die Frage auf, ob Paizo seine Strategie ändert. Bisher konzentrierte sich der Verlag fast ausschließlich auf Pathfinder und Starfinder. Adventure Paths, Regelwerke, Splat Books, Organized Play, alles drehte sich um diese beiden Systeme. 13 Omens ist ein Experiment. Ein rules-lite Horror-RPG spricht eine andere Zielgruppe an als die crunchy Fantasy- und Sci-Fi-Systeme.
Es ist unwahrscheinlich, dass 13 Omens die Hauptprodukte verdrängt. Pathfinder und Starfinder sind Cash Cows für Paizo. Aber 13 Omens könnte zeigen, ob es Raum für weitere eigenständige Systeme gibt. Wenn das Spiel erfolgreich ist, könnte Paizo in Zukunft weitere Genre-spezifische RPGs entwickeln. Ein Cyberpunk-RPG, ein Superhelden-System, ein historisches Spiel, alles wäre denkbar.
Community-Reaktionen
Die ersten Reaktionen in der Community sind gemischt. Viele Fans freuen sich über die Abwechslung. Pathfinder 2E ist großartig, aber nicht jeder will hunderte Seiten Regeln lernen. Ein rules-lite System, das man in 30 Minuten erklären kann, öffnet Türen für neue Spieler. Andere sind skeptisch. Paizo hat mit Pathfinder 2E ein starkes System geschaffen. Warum sollte man etwas völlig Neues entwickeln, statt das Bestehende zu nutzen?
Ein häufiges Argument: Horror funktioniert in jedem System, wenn der Spielleiter gut ist. Man braucht kein neues RPG, um gruselige Geschichten zu erzählen. Andererseits zeigen Systeme wie Dread oder Ten Candles, dass spezialisierte Mechaniken Horror unterstützen können. Wenn Omen Dice tatsächlich Spannung mechanisch erzeugen, könnte 13 Omens etwas bieten, das generische Systeme nicht leisten.
Ausblick auf die kommenden Monate
Die UK Games Expo Ende Mai wird der erste echte Test für 13 Omens. Dort werden echte Spieler das System ausprobieren und Feedback geben. Paizo wird diese Rückmeldungen nutzen, um das System zu verfeinern. Möglicherweise folgt eine Kickstarter-Kampagne oder eine offene Playtest-Phase, bei der die Community aktiv mitwirken kann. Paizo hat mit Pathfinder 2E gezeigt, dass sie Community-Feedback ernst nehmen. Der Playtest zu Pathfinder 2E war umfangreich und führte zu signifikanten Änderungen.
Parallel laufen die regulären Releases für Pathfinder und Starfinder weiter. Lost Omens Hellfire Dispatches erschien Anfang April 2026, weitere Adventure Paths sind geplant. 13 Omens ist ein zusätzliches Projekt, kein Ersatz. Fans von Pathfinder müssen sich keine Sorgen machen, dass ihr geliebtes System vernachlässigt wird.



