Resident Evil 5

Resident Evil 5 im Test – Actionfeuerwerk unter afrikanischer Sonne

Capcom löst sich vom klassischen Survival-Horror und taucht mit Resident Evil 5 in eine neue Richtung ein, die wohl am besten als „Action-Horror“ bezeichnet werden kann. Nach dem revolutionären vierten Teil, der die Serie grundlegend veränderte, geht der fünfte konsequent einen Schritt weiter – und entführt die Spieler ins sonnige Afrika. Für Hardcore-Fans ist das ein Stich ins Herz. Aber sind alle Änderungen am Spielkonzept wirklich schlecht?

Story: Chris Redfield kehrt zurück

Zehn Jahre nach der Zerstörung von Raccoon City ist Chris Redfield, ehemaliges S.T.A.R.S. Alpha-Team-Mitglied, nun Agent der B.S.A.A. (Bioterrorism Security Assessment Alliance). Diese paramilitärische Organisation reist um den Globus, um Umbrellas Hinterlassenschaften zu vernichten, die nach dem Zusammenbruch des Pharmakonzerns in die Hände von Terroristen gefallen sind.

Chris wird in die fiktive afrikanische Autonome Zone Kijuju geschickt, um den Waffenhändler Ricardo Irving zu fassen. Irving handelt mit Bio-Organischen Waffen und den aus den Vorgängern bekannten Viren. Doch Chris hat noch einen weiteren Grund für diese Mission: Er hat Informationen erhalten, dass seine alte Partnerin Jill Valentine, die bei einem Kampf mit Albert Wesker aus einem Fenster stürzte und für tot gehalten wurde, möglicherweise noch am Leben ist.

Sheva Alomar

In Kijuju trifft Chris auf Sheva Alomar, eine afrikanische B.S.A.A.-Agentin, die ihn auf seiner Mission begleitet. Auch sie hat einen persönlichen Grund für den Kampf gegen Umbrella – ihre Eltern wurden durch die Machenschaften des Konzerns getötet. Sheva ist keine hilflose Begleitung, sondern eine vollwertige Kämpferin, die Chris das gesamte Spiel über zur Seite steht.

Albert Wesker und Uroboros

Der große Antagonist ist einmal mehr Albert Wesker, der Erzschurke der Serie. Sein Plan: Die Weltbevölkerung mittels des neuen Supervirus „Uroboros“ auszulöschen und nur die wenigen Überlebenden, die gegen das Virus resistent sind, zu behalten – um eine Rasse genetisch überlegener „Supermenschen“ zu schaffen. Größenwahn in Reinform, aber genau das erwartet man von Wesker.

Die Geschichte greift viele offene Fragen aus den Vorgängern auf. Weskers Werdegang wird beleuchtet, die Entstehung der Umbrella Corporation dargestellt, und die Evolution der verschiedenen Viren skizziert. Für Fans der Serie gibt es viel Fanservice – das Wiedersehen mit Chris, Jill und Wesker ist ein Highlight.

Gameplay: Koop im Fokus

Das Spielprinzip ist größtenteils identisch mit Resident Evil 4. Die Third-Person-Perspektive, das Schulter-Zielsystem, die Melee-Attacken – alles vertraut. Die große Neuerung ist der Kooperationsmodus, bei dem zwei Spielfiguren parallel das Spiel bestreiten.

Partner-System

Sheva begleitet Chris das gesamte Spiel hindurch. Im Solomodus wird sie von der KI gesteuert, im Duomodus von einem menschlichen Mitspieler – entweder per Splitscreen oder online. Das Konzept stammt aus Resident Evil Zero, wurde hier aber deutlich ausgebaut.

Die KI macht ihren Job solide. Sheva ist keine Last, die man beschützen muss – sie kann sich im Kampf behaupten und ist besonders effektiv mit automatischen Waffen. Allerdings neigt sie dazu, mit Pistolen Munition zu verschwenden, und ihre Entscheidungen bei der Ressourcenverwaltung sind nicht immer optimal.

Der wahre Spaß entfaltet sich im Koop mit einem menschlichen Partner. Zusammen Orte erreichen, die sonst nicht zugänglich wären, gemeinsame Melee-Attacken ausführen, Ressourcen teilen – Resident Evil 5 bietet eine der besten Koop-Erfahrungen seiner Generation.

Inventar und Ressourcen

Die Inventarverwaltung wurde im Vergleich zum Vorgänger verändert – und nicht unbedingt zum Besseren. Das Inventar wird nun in Echtzeit verwaltet, ohne das Spiel zu pausieren. Das erhöht den Druck, kann aber auch frustrieren, wenn man hektisch nach Heilung sucht, während Gegner angreifen.

Der Händler aus Resident Evil 4 ist verschwunden. Stattdessen werden Waffen und Upgrades zwischen den Kapiteln gekauft. Es funktioniert, hat aber weniger Charme als der ikonische „What are ya buyin‘?“-Merchant.

Melee-System

Wenn es gelingt, Gegner an bestimmten Körperstellen zu treffen, werden Melee-Moves verfügbar. Chris kann das Genick herannahender Gegner greifen und brechen, Sheva hat ihre eigenen Finisher. Durch geschickten Wechsel zwischen Schüssen und Nahkampf lässt sich der Munitionsverbrauch stark einschränken – ein wichtiger Aspekt auf höheren Schwierigkeitsgraden.

Steuerung

Die Steuerung bleibt umstritten. Wie in Resident Evil 4 kann man nicht gleichzeitig laufen und schießen – eine bewusste Designentscheidung, die Spannung erzeugen soll. Wer sich daran gewöhnt hat, akzeptiert es. Wer von modernen Shootern kommt, wird fluchen.

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Setting: Afrika statt Albträume

Resident Evil 5 verlässt die dunklen Korridore und bringt die Action ans Tageslicht. Die Savannen Afrikas, verfallene Dörfer, Sümpfe, antike Ruinen, Forschungsanlagen und am Ende ein Vulkan – die Vielfalt der Umgebungen ist beeindruckend.

Atmosphäre

Hier scheiden sich die Geister. Die sonnendurchfluteten Anfangskapitel fühlen sich nicht wie klassisches Resident Evil an. Der Horror weicht der Action, die Spannung dem Adrenalin. Das ist keine Kritik – es ist eine bewusste Entscheidung. Aber wer den klaustrophobischen Horror der frühen Teile sucht, wird hier nicht fündig.

Die späteren Kapitel – unterirdische Anlagen, das Schiff, der Vulkan – bringen dunklere Atmosphäre zurück. Aber das Spiel ist und bleibt ein Action-Shooter mit Horror-Elementen, kein Survival-Horror mit Action-Elementen.

Bosskämpfe: Spektakel pur

Die Bosskämpfe sind ein Highlight. Jeder Boss hat eigene Schwachstellen, die ausfindig gemacht werden müssen. Von mutierten Monstern über riesige Kreaturen bis zum finalen Showdown mit Wesker – die Kämpfe sind abwechslungsreich und fordern taktisches Vorgehen.

Der finale Kampf

Der Endkampf gegen Wesker ist ein mehrstufiges Spektakel. Erst auf dem Schiff, dann im Bomber, schließlich im Vulkan. Der mit Uroboros verschmolzene Wesker ist ein würdiger Endgegner, der alles abverlangt. Das Finale – Wesker versinkt in der Lava, während Chris und Sheva per Helikopter gerettet werden – ist ikonisch.

Grafik und Präsentation

Resident Evil 5 ist ein grafisches Highlight der aktuellen Konsolengeneration. Die Umgebungen sind detailliert, die Charaktermodelle hervorragend animiert – besonders die Gesichter überzeugen.

Die Zwischensequenzen sind erstklassig inszeniert, wenn auch manchmal übertrieben. Der orchestrale Soundtrack unterstreicht das Geschehen perfekt, von ruhigen Ambient-Tracks bis zu den treibenden Melodien der Bosskämpfe.

Quick-Time-Events sind reichlich vorhanden und polarisieren. Sie erzeugen Spannung, können aber frustrieren, wenn man nicht schnell genug reagiert.

Umfang und Wiederspielwert

Die Kampagne dauert beim ersten Durchspielen etwa 10-12 Stunden – kürzer als Resident Evil 4, aber mit ordentlichem Wiederspielwert. Höhere Schwierigkeitsgrade, freischaltbare Waffen mit unbegrenzter Munition, und der Mercenaries-Modus sorgen für Langzeitmotivation.

DLC-Episoden

Zwei Zusatzepisoden erweitern die Geschichte: „Lost in Nightmares“ zeigt die Vorgeschichte mit Chris und Jill im Spencer-Anwesen – atmosphärisch stark an Resident Evil 1 angelehnt. „Desperate Escape“ erzählt Jills Flucht nach ihrer Befreiung. Beide DLCs sind in der Gold Edition enthalten.

Kritikpunkte

Die Steuerung ist gewöhnungsbedürftig. Nicht gleichzeitig laufen und schießen zu können, ist eine bewusste Designentscheidung, die nicht jedem gefällt.

Die KI-Partnerin ist solide, aber nicht perfekt. Munitionsverschwendung und fragwürdige Heilentscheidungen können nerven.

Der Horror ist weitgehend dem Action-Gameplay gewichen. Wer Survival-Horror sucht, ist hier falsch.

Quick-Time-Events sind überstrapaziert und können frustrieren.

Das Setting in Afrika sorgte bei Release für Kontroversen, die das Spiel nicht verdient hat – die Geschichte ist nicht rassistisch, aber die Debatte überschattete den Launch.

Fazit

Resident Evil 5 ist kein klassisches Resident Evil. Es ist ein Action-Shooter mit Horror-Elementen, der seine Stärken im Koop voll ausspielt. Mit einem menschlichen Partner ist es eine der besten Koop-Erfahrungen der aktuellen Konsolengeneration – alleine mit der KI solide, aber weniger packend.

Die Bosskämpfe sind spektakulär, die Grafik beeindruckend, und der Showdown mit Wesker ein würdiger Abschluss seiner Geschichte. Ja, der Horror musste weichen. Ja, die Steuerung ist gewöhnungsbedürftig. Aber als Action-Koop-Erlebnis überzeugt Resident Evil 5 auf ganzer Linie.

Wer den klaustrophobischen Horror der frühen Teile sucht, wird hier nicht glücklich. Wer aber einen packenden Koop-Shooter mit ikonischen Charakteren und spektakulären Bosskämpfen will, bekommt genau das – und das auf hohem Niveau. Resident Evil 4 hat die Serie revolutioniert, Teil 5 führt diesen Weg konsequent fort.


Bewertung: 8.0/10

Stärken:

  • Hervorragendes Koop-Erlebnis (lokal und online)
  • Spektakuläre Bosskämpfe
  • Grafisch beeindruckend (auch heute noch)
  • Würdiger Abschluss der Wesker-Saga
  • Abwechslungsreiche Umgebungen
  • Hoher Wiederspielwert
  • Mercenaries-Modus
  • DLC-Episoden erweitern die Geschichte
  • Solide KI-Partnerin
  • Erstklassiger Soundtrack

Schwächen:

  • Gewöhnungsbedürftige Steuerung (kein Laufen und Schießen)
  • Horror weicht der Action
  • KI-Partner nicht perfekt bei Ressourcenverwaltung
  • Überstrapazierte Quick-Time-Events
  • Kürzer als der Vorgänger
  • Kein klassisches Resident-Evil-Gefühl

Technische Daten:

  • Entwickler: Capcom
  • Publisher: Capcom
  • Plattformen: PlayStation 3, Xbox 360, PC, PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch
  • Release: 13. März 2009 (PS3/Xbox 360), 18. September 2009 (PC)
  • Genre: Action-Adventure / Third-Person-Shooter
  • Setting: Kijuju (fiktive afrikanische Region)
  • Protagonisten: Chris Redfield, Sheva Alomar
  • Antagonist: Albert Wesker
  • Koop: 2 Spieler (Splitscreen/Online)
  • Spielzeit: 10-12 Stunden
  • Altersfreigabe: USK 18

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