Noch vier Monate bis zum Release von The Blood of Dawnwalker – und in der Community ist bereits eine Debatte entbrannt, die weniger mit dem Spiel selbst zu tun hat als mit dem Studio, das dahintersteckt. Rebel Wolves, gegründet von ehemaligen Entwicklerinnen und Entwicklern von CD Projekt RED, bekommt eine Skepsis zu spüren, die eigentlich ein anderes Spiel verdient hätte.
Die Community-Sorge: Ehemalige CDPR-Devs, also Bugs?
In Foren und sozialen Netzwerken mehren sich Stimmen, die ankündigen, den Kauf von The Blood of Dawnwalker zunächst zurückzustellen. Das Argument: Viele der Schlüsselpersonen bei Rebel Wolves kamen einst von CD Projekt RED – und The Witcher 3: Wild Hunt sei damals mit zahlreichen Bugs erschienen. Wer wolle schon riskieren, ein weiteres fehlerhaftes Spiel aus derselben Küche zu kaufen?
Dass diese Sorge existiert, ist verständlich. Dass sie auf die falsche Referenz zeigt, ist aber ebenfalls klar.
Worum geht es bei The Blood of Dawnwalker?
The Blood of Dawnwalker ist das Debüt des polnischen Studios Rebel Wolves und erscheint am 3. September 2026 für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S, veröffentlicht von Bandai Namco Entertainment. Das Spiel ist ein narratives Open-World-Rollenspiel im Dark-Fantasy-Stil, angesiedelt im 14. Jahrhundert in einem fiktiven Karpatenkönigreich. Der Protagonist Coen ist ein sogenannter Dawnwalker – halb Mensch, halb Vampir – der 30 Tage und 30 Nächte hat, um seine Familie zu retten. Jede Entscheidung, jede verbrachte Stunde hat Konsequenzen für die Spielwelt.
Rebel Wolves wurde 2022 von Konrad Tomaszkiewicz gegründet, dem Game Director von The Witcher 3: Wild Hunt. Zum Kernteam gehören unter anderem Narrative Director Jakub Szamalek und Art Director Bartłomiej Gaweł – beide ebenfalls frühere CDPR-Mitarbeiter, die an der Witcher-Reihe und an Cyberpunk 2077 beteiligt waren. Inzwischen zählt das Studio rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter auch Veteranen von Capcom, Epic Games, Guerrilla Games und Techland.
Das falsche Beispiel: Nicht Witcher 3, sondern Cyberpunk 2077
Hier liegt der Denkfehler der Community-Kritik. The Witcher 3: Wild Hunt erschien 2015 mit Bugs – wie fast jedes Open-World-Spiel seiner Größenordnung. Spielbrechend war der Launch jedoch nicht. Das Spiel gewann in jenem Jahr zahlreiche Game-of-the-Year-Auszeichnungen und gilt bis heute als einer der besten Titel des Genres. Die Bugs wurden in den Wochen danach gepatcht, das grundlegende Spielerlebnis war von Anfang an solide.
Das Spiel, das tatsächlich für einen der krisenhaftesten Launches der jüngeren Gaming-Geschichte steht, war Cyberpunk 2077 – ebenfalls von CD Projekt RED, erschienen 2020. Der Titel war auf Last-Gen-Konsolen in einem Zustand, der zur Rückgabe aus den digitalen Stores führte und Sony dazu veranlasste, das Spiel zeitweise aus dem PlayStation Store zu nehmen. Auch an Cyberpunk 2077 waren mehrere der heutigen Rebel-Wolves-Mitglieder beteiligt. Wer also eine CDPR-Referenz für eine Buggy-Launch-Sorge sucht, greift zum falschen Spiel – landet dabei aber trotzdem bei denselben Personen.
Warum Bugs in der Spieleentwicklung so schwer zu vermeiden sind und wer dafür die Verantwortung trägt, erklären wir ausführlich in unserem Artikel: Warum haben Videospiele Bugs?
Was Rebel Wolves von CDPR unterscheidet
Selbst wenn man die Cyberpunk-Erfahrung als legitimen Maßstab akzeptiert, greift der Umkehrschluss „gleiche Leute, gleiche Probleme“ zu kurz. Rebel Wolves ist kein AAA-Konzern unter Investorendruck, sondern ein unabhängiges Studio, das nach eigenen Angaben bewusst mit dem Modell der großen Publisher bricht. Tomaszkiewicz selbst äußerte sich zuletzt dahingehend, dass Unternehmen seiner Meinung nach zu stark darauf fokussiert seien, Geld zu verdienen, anstatt Kunst zu schaffen – eine klare Abgrenzung vom Umfeld, das den Cyberpunk-Launch mitverursacht hat.
Dort spielten Faktoren eine zentrale Rolle, die bei Rebel Wolves strukturell anders sind: massiver Publisherdruck, ein zu früh gesetzter Releasetermin und der Versuch, ein Spiel gleichzeitig für eine laufende und eine auslaufende Konsolengeneration fertigzustellen. Tomaszkiewicz hat zudem öffentlich erklärt, dass die Entwicklung von The Blood of Dawnwalker bislang vergleichsweise ruhig und ohne größere Rückschläge verlaufen sei. Das Spiel ist nach aktuellen Berichten bereits vollständig auf PlayStation 5 spielbar – ein Zeichen dafür, dass die Entwicklung technisch auf solidem Stand ist.
Skepsis ist legitim – aber sie sollte präzise sein
Es ist vollkommen vernünftig, bei einem Debüttitel eines neuen Studios mit dem Kauf abzuwarten. Das hat nichts mit mangelndem Vertrauen in einzelne Entwicklerinnen und Entwickler zu tun, sondern mit der simplen Erfahrung, dass erste Veröffentlichungen neuer Studios unvorhersehbare Schwächen haben können – unabhängig davon, wer vorher wo gearbeitet hat. Wer nach dem Launch auf Patches und Bewertungen warten möchte, macht prinzipiell nichts falsch.
Die Begründung sollte jedoch stimmen. The Witcher 3 als warnendes Beispiel für einen Bug-verseuchten Launch heranzuziehen ist historisch nicht korrekt und tut einem Spiel Unrecht, das als eines der handwerklich sorgfältigsten seiner Zeit gilt. The Blood of Dawnwalker mag am 3. September 2026 gut oder schlecht sein – das wird der Launch zeigen. Einen fairen Prozess verdient es aber allemal.




