Nach gut einem Jahr voller Action und Patches hat Tom Clancy’s The Division 2 mit „Warlords of New York“ sein erstes großes Addon erhalten. Die Erweiterung bringt Spieler von Washington D.C. zurück nach New York – und schließt endlich offene Fragen aus dem ersten Teil. Hat sich das Warten gelohnt?
Die Story: Aaron Keener im Visier
Den Mittelpunkt des Addons bildet die Jagd nach Aaron Keener, dem berüchtigten Rogue Agent aus dem ersten Division-Teil. Viele Fragen um den abtrünnigen Agenten sind offen geblieben – Warlords of New York klärt sie endlich auf.
Keener hat Lower Manhattan eingenommen und kontrolliert ein riesiges Gebiet. Mit Hilfe von Dr. Amhersts Notizen zum Green Poison und dem entführten Virologen Vitaly Tchernenko hat er eigene biologische Waffen entwickelt. Sein Ziel: Die Division zerstören – und mit ihr jeden, der ihm im Weg steht.
Als Division-Agent ist es deine Aufgabe, vier neue Gebiete zu erobern und Keeners Leutnants auszuschalten:
- Vivian Conley im Civic Center
- Javier Kajika in Two Bridges
- James Dragov in Battery Park
- Theo Parnell im Financial District
Jeder dieser Rogue Agents hat eine eigene Geschichte und einzigartige Fähigkeiten. Nach ihrem Tod erbeutest du ihre Skills – ein cleveres System, das an Mega Man erinnert. Der Decoy (Täuschungs-Hologramm) und die Sticky Bomb sind besonders mächtig.
Die Spur führt schließlich zu Keener selbst auf Liberty Island, wo der finale Showdown wartet. Ohne zu spoilern: Das Ende ist befriedigend und emotional – besonders für Veteranen der Serie.
Kurz, aber gut erzählt
Die Kampagne ist relativ schnell beendet. Die vier Gebiete lassen sich in etwa 8-10 Stunden durchspielen, wenn man sich nicht ablenken lässt. Das klingt kurz für 30 Euro, aber die Qualität stimmt.
Die Story ist deutlich besser erzählt als im Hauptspiel. Keeners Motivation wird nachvollziehbar, die Rogue Agents haben Tiefe, und die Verbindungen zum ersten Teil werden sauber aufgelöst. Wer The Division 1 gespielt hat, bekommt noch mehr aus der Geschichte heraus.
Das Setting fühlt sich trotz bekannter Engine irgendwie neu an. Lower Manhattan nach einem Hurrikan – überflutete Straßen, zerstörte Gebäude, eine ganz andere Atmosphäre als das sommerliche D.C. Die Schauplätze sind fantastisch gestaltet.
Gear 2.0: Das überarbeitete Loot-System
Die größte Änderung betrifft das gesamte Loot- und Stat-System. Massive Entertainment hat das System von Grund auf überarbeitet – und es ist ein Segen für Spieler.
Was sich geändert hat:
- Mehr und besseres Loot: Drops sind häufiger und qualitativ hochwertiger
- Vereinfachte Stats: Weniger verwirrende Attribute, klarere Auswirkungen
- Rekalibrierungsbibliothek: Das Highlight des Updates
Die Rekalibrierungsbibliothek verdient besondere Erwähnung. Einzelne Stats lassen sich jetzt von Items extrahieren und in einer Bibliothek speichern. Diese gespeicherten Werte können später – gegen Materialkosten – auf andere Items derselben Kategorie übertragen werden. Das ermöglicht gezieltes Farming statt purem Zufalls-Grind.
Als Spieler verbringt man viel Zeit damit, nicht benötigte Gegenstände an der Station zu zerlegen und die Bibliothek zu füllen. Jäger, Sammler und Grinder kommen voll auf ihre Kosten. Die perfekten Werte zu bekommen erfordert Zeit, aber es fühlt sich lohnend an.
Ein Wermutstropfen: Exotische Items lassen sich weiterhin nicht rekalibrieren. Manche Exotics mit schlechten Rolls bleiben dadurch uninteressant – hier muss Ubisoft nachbessern. Aber das Balancing war schon immer eine Baustelle bei Division.

Level 40 und der SHD-Rang
Das maximale Level wurde von 30 auf 40 angehoben. In New York erlebt man einen Item-Reset: Die alten Level-30-Gegenstände werden schnell durch neues Gear ersetzt. Der Schwierigkeitsgrad steigt spürbar.
Nach Erreichen von Level 40 und Abschluss der Story ändert sich das Progressionssystem fundamental. Statt Gear Score steigt man jetzt im SHD-Rang – vergleichbar mit dem Paragon-System aus Diablo. Jeder Rang gibt einen Punkt, um einen selbst gewählten Stat zu verbessern. Das System ist endlos und bietet langfristige Ziele.
Die Skalierung nach Level 40 ist anfangs brutal. Die Spielwelt wird sofort auf das neue Maximum skaliert, obwohl das eigene Equipment noch nicht mithalten kann. Aber dieser Zustand ist schnell überwunden.
Seasons: Das neue Endgame
Nach der Hauptstory ist das Spiel nicht vorbei – es fängt erst richtig an. Warlords of New York führt Seasons ein: Dreimonatige Inhaltszyklen mit wechselnden Aktivitäten und Belohnungen.
Jede Season bietet:
- Manhunts: Jagd auf neue Ziele mit Story-Hintergrund
- Leagues: Zeitlich begrenzte Herausforderungen mit Ranglisten
- Global Events: Wiederkehrende Events mit speziellen Modifikatoren
- Season Pass: Belohnungspfad mit kosmetischen Items und Gear
Für Langzeitspieler ist das ein zweischneidiges Schwert. Wer täglich spielt, macht schnell Progress an allen Fronten – die Season ist rasch abgeschlossen. Echtes Hardcore-Endgame fehlt noch. Aber für Gelegenheitsspieler bieten die Seasons genug Motivation.
Schwierigkeitsgrade: Legendär wartet
Der Schwierigkeitsgrad lässt sich jetzt noch weiter steigern. Neben Schwer, Herausfordernd und Heroisch gibt es nun Legendär – die höchste Stufe, die nur mit perfektem Gear und koordiniertem Team machbar ist.
Kontrollpunkte auf Stufe 4 sind schon auf „Schwer“ knackig. Missionen auf „Herausfordernd“ lassen sich mit zufälligen Teams via Matchmaking gut farmen. Alles darüber erfordert ein festes Squad mit Voice-Chat.

Bugs und technische Probleme
Leider hat Warlords of New York auch Schattenseiten. Missionen starten manchmal nicht, einzelne Gegner spawnen nicht – man hängt fest. Bounties waren im Testzeitraum für mehrere Tage kaum spielbar.
Sound-Bugs machen Gefechte unübersichtlich: Schüsse kommen aus Richtungen, wo keine Gegner sind. Manche „alten“ Bugs aus Division 1 sind zurück. Massive patcht regelmäßig, aber zum Launch war die Erfahrung holprig.
Umfang
Warlords of New York bietet:
- Kampagne: 8-10 Stunden für die Hauptstory
- Nebenaktivitäten: Kontrollpunkte, Konvois, Propaganda-Sendeanlagen
- Vier neue Gebiete: Civic Center, Two Bridges, Battery Park, Financial District
- Vier neue Skills: Von den Rogue Agents erbeutet
- Level 30-40: Plus unendlicher SHD-Rang danach
- Seasons: Laufende Inhalte über Monate
Nach Abschluss kann man frei zwischen New York und Washington D.C. wechseln. Das gesamte Endgame beider Karten steht zur Verfügung.

Fazit
Die Warlords von New York machen richtig Spaß. Die Story um Aaron Keener ist ein würdiger Abschluss für Fans der Serie. Das überarbeitete Loot-System und die Rekalibrierungsbibliothek sind ein Segen für Grinder. Lower Manhattan bietet fantastische Schauplätze.
Neueinsteiger sollten zumindest eine Zusammenfassung der Story aus Teil 1 und 2 gesehen haben, um die Handlung zu verstehen. Für Veteranen ist Warlords of New York Pflicht – endlich werden offene Fragen beantwortet.
Die Bugs trüben das Bild etwas, aber Massive patcht fleißig. Für 30 Euro bekommt man soliden Content, der Division 2 wieder relevant macht. Die Jagd auf Keener lohnt sich.
Die Division braucht euch – in New York und Washington!
Bewertung: 8.0/10
Stärken:
- Packende Story um Aaron Keener
- Fantastisch gestaltetes Lower Manhattan
- Komplett überarbeitetes Loot-System (Gear 2.0)
- Rekalibrierungsbibliothek ist ein Segen
- SHD-Rang bietet langfristige Progression
- Vier neue Skills von Rogue Agents
- Seasons für laufenden Content
Schwächen:
- Kampagne relativ kurz (8-10 Stunden)
- Nervige Bugs zum Launch
- Sound-Probleme in Gefechten
- Exotics nicht rekalibrierbar
- Seasons für Hardcore-Spieler zu schnell abgeschlossen
- 30 Euro für den Umfang ambitioniert
Technische Daten:
- Entwickler: Massive Entertainment
- Publisher: Ubisoft
- Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One, Stadia
- Release: 3. März 2020
- Typ: Kostenpflichtige Erweiterung (30€)
- Voraussetzung: The Division 2 + Level 30 / World Tier 5
- Neues Max-Level: 40 (+ SHD-Rang)
- Neue Gebiete: Lower Manhattan (4 Distrikte)
- Spielzeit: 8-10 Stunden (Story), 30+ Stunden (Komplett)
- Altersfreigabe: USK 18

