Mit The Quarry liefert Supermassive Games sein neuestes Werk ab. Mit dem 2015 erschienenen Until Dawn hatte das Studio diesen Weg eingeschlagen und sich einen Ruf als Grusel-Profis erarbeitet.
The Quarry ist erstmalig wieder ein Titel dieser Art, der nicht zur Dark Pictures Anthology gehört – ein vollwertiger spiritueller Nachfolger zu Until Dawn.
Story: Eine letzte Nacht im Sommercamp
In The Quarry verfolgen wir die Geschichte von neun Betreuern eines Ferienlagers, die am Ende des Sommers noch für eine weitere Nacht im Wald festsitzen. Nichts anderes zu tun, als eine letzte Party zu feiern.
Doch in den Wäldern lauert irgendetwas – und dabei handelt es sich definitiv nicht um Pfadfinder, die Kekse verkaufen wollen.
Hackett’s Quarry
Der Hauptschauplatz ist ein Sommercamp im Bundesstaat New York. Im warmen Sonnenlicht vermittelt es das perfekte Sommererlebnis. Dann geht die Sonne unter, der Wald wird gefährlich still – und der Albtraum beginnt.
Spielbares B+-Movie
Was dann folgt, ist eine Reise durch die Nacht voller Teenie-Horror-Klischees, umgewandelt in ein spielbares B+-Movie. Das ist keinesfalls abwertend gemeint – als Spiel liefert es die faszinierende Macht, Entscheidungen zu treffen und zu beobachten, was danach geschieht.
Dass die knapp beschriebenen Auswahlmöglichkeiten nicht immer ganz genau das auslösen, was wir uns vorgestellt haben, macht den besonderen Reiz aus.
Gameplay: Interaktiver Film
In gewohnter Supermassive-Manier führen uns durch die Nacht:
- Erkundungsszenen
- Gesprächsentscheidungen
- Quick-Time-Events
- Schleichpassagen
Mehr Film als Spiel
Verglichen mit Until Dawn ist der Ansatz „interaktiver Film“ stärker ausgeprägt als „spielbarer Film“. Es gibt teilweise lange Passagen, in denen man nur zuschaut.
Mehrere Quick-Time-Events führen bei Scheitern nicht zwangsläufig zu negativen Ergebnissen – sie sind eher schnelle Entscheidungen als echte Herausforderungen.
Filmmodus
Wer keine Lust auf Gameplay hat, kann den „Filmmodus“ aktivieren, Einstellungen definieren und das Geschehen auf Autopilot laufen lassen. Man verpasst dabei aber optionale Szenen und Story-Kontext.
Kritik: Wenig Erkundung
Etwas ärgerlich: Manchmal gibt es zu wenig Erkundungsmöglichkeiten. Auch dass das Betreten bestimmter Bereiche direkt Sequenzen auslöst und die aktuelle Erkundung zunichtemacht, ist schade.
186 mögliche Enden?
Im Vorfeld wurde publik gemacht, dass The Quarry 186 mögliche Varianten für das Erreichen des Sonnenaufgangs bietet.
Realistische Einschätzung
Natürlich erleben wir keine 186 komplett unterschiedlichen Enden. Neun Teenager, die jeweils sterben können – damit ist schon die Hälfte der Möglichkeiten abgedeckt, die sich dann nur minimal unterscheiden.
Wiederspielwert: Definitiv vorhanden, aber jahrelang wird man sich damit nicht beschäftigen.
Spielzeit: Etwa 10 Stunden pro Durchgang.
Kein Überspringen möglich
Bei wiederholten Durchläufen ist es derzeit nicht möglich, bereits gesehene Zwischensequenzen zu überspringen. In The Quarry, das länger und weniger interaktiv ist als frühere Titel, ist das leicht frustrierend.
Grafik: Hochwertige Optik
Bereits Until Dawn 2015 sah ziemlich gut aus. The Quarry legt optisch noch mal nach – erst durch die hochwertige Grafik entsteht echtes „interaktiver Film“-Feeling.
Bekannte Gesichter
Die Motion Capture-Rollen wurden mit bekannten Akteuren besetzt:
- David Arquette (Scream) als Lagerleiter Chris Hackett
- Lance Henriksen (Detroit: Become Human)
- Justice Smith (Jurassic World, Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu)
- Evan Evagora (Star Trek: Picard) als Nick
Diese Verschmelzung von Film und Spiel funktioniert super.
Cinematische Inszenierung
Tolle Kamerafahrten und eindrucksvolle Bildkompositionen setzen das Geschehen gekonnt in Szene.
Sound: Stimmungsvolle Atmosphäre
Die Highlights sind die sehr stimmigen Umgebungsgeräusche. Gerade das, was sich nicht in den Vordergrund drängt, hilft beim Aufbau von Spannung.
Und dann gibt es die Momente, wo urplötzlich ein Geräusch ertönt und es einem eiskalt den Rücken runterläuft.
Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls klasse.
Death Rewind – Deluxe Edition
Die Funktion „Death Rewind“ gibt uns drei „Leben“ pro Durchgang. Damit können wir wichtige Entscheidungen, die zum Tod führen, erneut treffen.
Achtung: Man springt unter Umständen weit zurück, da das Schicksal mancher Charaktere nicht unmittelbar nach der Entscheidung eintritt.
Die Deluxe Edition bietet zusätzlich:
- Bonusoutfits
- Spezieller Filmmodus
- Retro-Filter für die Optik
Fazit zu The Quarry
Als Fan von Supermassives Geschichtenerzählung und besonders Until Dawn hatte ich hohe Erwartungen. The Quarry hat mir viel Spaß gemacht, wenngleich ich ehrlich gestehen muss, dass mich Until Dawn insgesamt mehr gepackt hat.
Until Dawn war für mein Empfinden gruseliger und die Atmosphäre dichter. Bei The Quarry hat man schnell den Eindruck, dass einem früh offenbart wird, womit man es zu tun hat – es fehlt etwas an Überraschung.
Trotzdem wird hier viel richtig gemacht: Das Konzept passt, die Präsentation ist stimmig, und am Ende gibt es die große Enthüllung.
Supermassive liefert genau das, was man erwartet – auf ziemlich hohem Niveau. Wer Until Dawn oder die Dark Pictures-Reihe mochte, wird hier ebenfalls fündig.
Bewertung: 8/10
Stärken:
- Spiritueller Until Dawn-Nachfolger
- 9 spielbare Charaktere
- Teenie-Horror-Atmosphäre gelungen
- Bekannte Schauspieler (David Arquette, Lance Henriksen)
- Motion Capture hervorragend
- Hochwertige Grafik
- Cinematische Inszenierung
- Tolle Kameraarbeit
- Stimmige Umgebungsgeräusche
- Deutsche Synchronisation klasse
- 186 mögliche Varianten
- Wiederspielwert vorhanden
- Death Rewind-Funktion
- Filmmodus für Zuschauer
- Sommercamp-Setting atmosphärisch
- Ca. 10 Stunden Spielzeit
Schwächen:
- Weniger gruselig als Until Dawn
- Atmosphäre nicht ganz so dicht
- Früh offenbart, womit man es zu tun hat
- Zu wenig Erkundungsmöglichkeiten
- Sequenzen unterbrechen Erkundung
- Cutscenes nicht überspringbar
- Mehr Film als Spiel
- QTEs selten herausfordernd
Technische Daten:
- Entwickler: Supermassive Games
- Publisher: 2K Games
- Genre: Interactive Drama / Horror
- Plattformen: PC, PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series X/S
- Release: 10. Juni 2022
- Charaktere: 9 spielbare Betreuer
- Enden: 186 mögliche Varianten
- Spielzeit: ca. 10 Stunden
- Altersfreigabe: USK 18

