Als ich Until Dawn zum ersten Mal gestartet habe, erwartete ich ein typisches Horror-Adventure. Wie sehr ich mich doch getäuscht hatte! Supermassive Games hat nicht nur einen der besten interaktiven Horror-Thriller erschaffen, sondern gleich neue Maßstäbe für das gesamte Genre gesetzt.
Until Dawn gehört zu den Spielen, die mich wirklich überrascht haben – und das passiert nicht oft.
Story: Eine Nacht, die alles verändert
Die Prämisse klingt nach klassischem Slasher-Stoff: Acht Freunde kehren zu einer abgelegenen Berghütte zurück, wo ein Jahr zuvor zwei aus ihrer Gruppe spurlos verschwunden sind. Standard-Horror? Absolut. Aber auf die allerbeste Art und Weise.
Hannah und Beth Washington
Die Zwillingsschwestern Hannah und Beth verschwanden vor einem Jahr auf Blackwood Mountain unter mysteriösen Umständen. Nun lädt ihr Bruder Josh die gesamte Clique erneut ein. Schon beim Betreten der Lodge wird klar: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht.
Was als entspanntes Wiedersehen geplant war, entwickelt sich rasant zum Albtraum. Und ich als Spieler entscheide, wer diese Nacht überlebt – und wer nicht.
Mehr als nur ein Slasher
Ohne zu spoilern: Until Dawn hat mich mehrfach überrascht. Was zunächst wie eine typische Teenager-Horror-Geschichte wirkt, entwickelt sich zu etwas deutlich Komplexerem. Die Wendungen sind clever platziert und haben mich mehr als einmal völlig unvorbereitet getroffen.
Die Charaktere wirken anfangs wie wandelnde Klischees – der Held, die Zicke, der Nerd. Aber je länger man spielt, desto mehr Facetten offenbaren sie. Selbst die unsympathischen Figuren gewinnen an Tiefe, sobald man ihre Hintergründe erfährt.
Hollywood-Besetzung: Starpower auf der PlayStation
Was Until Dawn sofort von anderen Spielen abhebt, ist die hochkarätige Besetzung. Und ich meine wirklich hochkarätig – das war 2015 für ein Videospiel außergewöhnlich.
Die Stars
| Schauspieler | Rolle | Bekannt aus |
|---|---|---|
| Hayden Panettiere | Sam | Heroes, Nashville |
| Rami Malek | Josh | Mr. Robot, Bohemian Rhapsody |
| Brett Dalton | Mike | Agents of S.H.I.E.L.D. |
| Peter Stormare | Dr. Hill | Fargo, Constantine |
| Meaghan Martin | Jessica | Camp Rock |
| Jordan Fisher | Matt | To All the Boys |
| Larry Fessenden | The Stranger | Independent-Horror-Legende |
Hayden Panettiere verleiht Sam eine Authentizität, die mich wirklich um die Figur bangen ließ. Rami Malek als Josh bringt genau die richtige Mischung aus Verletzlichkeit und verstörender Intensität mit – eine brillante Besetzung.
Aber der absolute Höhepunkt ist Peter Stormare als Dr. Hill. Der Charakterdarsteller-Veteran liefert Therapiesitzungen ab, die mich jedes Mal unruhig gemacht haben – im allerbesten Sinne. Seine Präsenz allein rechtfertigt schon das Spielen.
Motion Capture auf höchstem Niveau
Das Motion Capture ist so präzise, dass jeder Gesichtsausdruck, jede kleine Regung sichtbar wird. Die Performances der Schauspieler gehen nicht in der Technik verloren, sondern werden perfekt eingefangen. Das war 2015 beeindruckend und funktioniert auch heute noch.
Gameplay: Jede Entscheidung ein Herzschlag
Until Dawn macht vieles anders als andere Horror-Spiele – und genau das macht es so besonders.
Das Butterfly Effect-System
Das Kernkonzept ist simpel, aber genial umgesetzt: Jede Entscheidung kann weitreichende Konsequenzen haben. In meinem ersten Durchgang führte eine scheinbar harmlose Wahl in der ersten Stunde vier Stunden später zum Tod einer Figur.
Ich saß da und dachte: „Hätte ich das nur geahnt!“
Genau dieses Gefühl macht Until Dawn so packend. Die Entscheidungen fühlen sich gewichtig an, weil sie es tatsächlich sind. Das ist kein Marketing-Versprechen – das funktioniert wirklich so.
Don’t Move – Wenn der Controller zur Waffe wird
Das absolute Highlight sind die „Don’t Move“-Sequenzen. Der Controller muss mucksmäuschenstill gehalten werden, während auf dem Bildschirm pure Spannung herrscht. Mein Puls ging durch die Decke, und ich hatte Angst, auch nur zu atmen.
Das ist Immersion pur. Kein anderes Spiel nutzt die Hardware so clever für Horror-Momente.
Totems und Geheimnisse
Das Sammeln der Totems macht richtig Spaß. Diese kleinen Visionen der Zukunft helfen bei besseren Entscheidungen – manchmal. Andere Male machen sie nur noch nervöser, weil man weiß, dass etwas Schlimmes passieren wird, aber nicht wann oder wie.
Die versteckten Hinweise erzählen die dunkle Geschichte von Blackwood Mountain. Je mehr man herausfindet, desto unheimlicher wird es.
Dr. Hills Therapiesitzungen
Die Zwischensequenzen mit Dr. Hill sind brillant konzipiert. Je nachdem, was man in den Sitzungen antwortet, verändert sich das Spiel. Die eigenen Ängste werden gegen einen verwendet – ein cleverer Schachzug, der jede Spielerfahrung einzigartig macht.
Quick-Time-Events ohne Frustration
Die Steuerung ist bewusst einfach gehalten. Man erkundet die Umgebung, sammelt Hinweise, trifft in Gesprächen schnelle Entscheidungen. Die Quick-Time-Events sind fair dosiert und nie frustrierend – ein häufiges Problem bei anderen Spielen dieser Art.
Grafik: Decima Engine beeindruckt
Visuell war Until Dawn schon 2015 beeindruckend. Die Decima Engine, die auch Killzone: Shadow Fall antreibt, zaubert atmosphärische Bilder auf den Bildschirm.
Schauplätze mit Charakter
Jeder Ort hat seine eigene Atmosphäre:
- Die Lodge: Warm beleuchtet, gemütlich – und doch bedrohlich
- Der verschneite Außenbereich: Kalt, isoliert, unübersichtlich
- Die Minen: Klaustrophobisch, dunkel – da will man definitiv nicht hin
Die Charaktermodelle sehen fantastisch aus. Dank des Motion Captures wirken die Hollywood-Schauspieler authentisch und lebendig.
Kinoreife Inszenierung
Until Dawn fühlt sich wie ein interaktiver Film an. Die Kameraführung ist brilliant, die Schnitte sitzen perfekt, die Übergänge zwischen Gameplay und Cutscenes sind nahtlos. Manchmal vergisst man, dass man spielt und nicht einen Film schaut.
Sound: Gänsehaut garantiert
Ich spiele grundsätzlich mit Kopfhörern – bei Until Dawn war das eine sehr gute Entscheidung.
Atmosphärischer Horror
Jedes Knarren, jedes Geräusch in der Ferne, jeder plötzliche Knall sitzt perfekt. Der Soundtrack unterstützt die Stimmung, ohne sich aufzudrängen. Das Spiel versteht, wann Stille effektiver ist als Musik.
Deutsche Synchronisation
Die deutsche Synchronisation ist erstklassig. Auch wer normalerweise englisch spielt, kann hier bedenkenlos zur deutschen Version greifen.
Horror, der funktioniert
Until Dawn macht etwas, was viele Horror-Spiele falsch machen: Es verlässt sich nicht nur auf Jump-Scares. Natürlich gibt es die – und sie funktionieren, ich bin mehr als einmal zusammengezuckt. Aber das Spiel baut vor allem eine Atmosphäre auf, die durchgehend unruhig macht.
Das Wissen, dass jede Entscheidung das Todesurteil für einen Charakter bedeuten könnte, erzeugt eine konstante Anspannung. Das ist psychologischer Horror auf hohem Niveau.
Wiederspielwert: 256 mögliche Enden
Mit theoretisch 256 verschiedenen Kombinationen für das Ende bietet Until Dawn enormen Wiederspielwert. Jeder Durchgang fühlt sich anders an, je nachdem, welche Entscheidungen man trifft.
Mein erster Durchgang dauerte etwa 9 Stunden. Wer alles sammeln will und mehrfach spielt, kommt locker auf 25-30 Stunden.

Until Dawn Remake (2024): Schön, aber anders
Nach fast zehn Jahren hat Ballistic Moon Until Dawn in der Unreal Engine 5 komplett neu aufgebaut. Als großer Fan des Originals war ich gespannt – und leider auch etwas enttäuscht.
Technisch beeindruckend
Keine Frage: Das Remake sieht fantastisch aus. Die Charaktermodelle sind noch detaillierter, die Gesichtsanimationen noch realistischer, die Effekte noch beeindruckender. Schnee und Wasser bleiben an den Charakteren hängen, Verletzungen wirken brutaler.
Technisch ist das Remake dem Original klar überlegen.
Aber die Atmosphäre leidet
Das Original hatte eine wunderbar düstere, kalte Farbpalette, die perfekt zur winterlichen Bergkulisse passte. Das Remake ist heller, bunter, „freundlicher“. Für mich hat es dadurch viel von seinem charakteristischen Charme eingebüßt.
Die ikonischen festen Kamerawinkel, die so herrlich cineastisch waren, sind dynamischeren Einstellungen gewichen. Praktischer? Ja. Atmosphärischer? Nein.
Neue Inhalte
Erweiterter Prolog: Hannah und Beth bekommen endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Man kann Hannahs Zimmer erkunden und erlebt, wie der fatale Streich geplant wird. Das hat mir gefallen.
Josh retten möglich: Das war für mich das Highlight. Im Original war Joshs Schicksal besiegelt – jetzt kann man ihn tatsächlich retten. Die neue Therapieszene mit Dr. Hill ist gut gemacht.
Neue Totems: Die „Hunger“-Totems geben interessante Einblicke in Hannahs Perspektive. Alle alten Totems sind an neuen Stellen versteckt – auch als Veteran muss man wieder suchen.
Technische Probleme zum Start
Die PC-Version hatte zum Launch Performance-Probleme. Mittlerweile sind Updates erschienen, aber der erste Eindruck war ernüchternd.
Welche Version wählen?
Für Neulinge: Das Remake. Die verbesserte Grafik und zusätzlichen Inhalte machen es zur vollständigeren Erfahrung.
Für Fans des Originals: Schwierige Entscheidung. Die neuen Inhalte sind cool, aber der veränderte Look tut weh. Überlegt gut, ob ihr Kompromisse bei der Atmosphäre eingehen wollt.
Mein Tipp: Falls ihr eine PS4 habt, spielt zuerst das günstige Original für die authentische Until Dawn-Erfahrung. Danach könnt ihr immer noch das Remake für die neuen Inhalte ausprobieren.
Fazit
Until Dawn bleibt eines der besten Spiele, die ich je gespielt habe. Es zeigt, wie kraftvoll interaktive Geschichten sein können, wenn sie richtig umgesetzt werden. Die Mischung aus Horror, Drama und clever verzweigter Erzählung ist schlichtweg genial.
Supermassive Games hat hier etwas Besonderes geschaffen – ein Spiel, das emotional packt wie wenige andere. Die Hollywood-Besetzung, das Butterfly Effect-System, die Don’t Move-Mechanik – alles fügt sich zu einem stimmigen Gesamtpaket zusammen.
Das Studio hat diese Formel später mit The Quarry und The Casting of Frank Stone weitergeführt – aber Until Dawn bleibt der Ursprung und für viele der Höhepunkt.
Das Remake ist technisch beeindruckend und bietet coole neue Inhalte, hat aber etwas von der Seele des Originals verloren. Für Neulinge trotzdem die bessere Wahl, für Fans eine zwiespältige Angelegenheit.
Egal für welche Version ihr euch entscheidet: Ihr werdet eine unvergessliche Nacht auf dem Blackwood Mountain erleben.
Bewertung Original (2015): 9/10 ⭐
Bewertung Remake (2024): 7/10
Stärken (Original):
- Hollywood-Besetzung herausragend
- Rami Malek und Peter Stormare brillant
- Motion Capture auf höchstem Niveau
- Butterfly Effect-System funktioniert
- Jede Entscheidung hat Konsequenzen
- Don’t Move-Mechanik genial
- Atmosphäre durchgehend packend
- Psychologischer Horror statt Gore
- Dr. Hills Therapiesitzungen clever
- Totems und Geheimnisse motivieren
- Kinoreife Inszenierung
- Deutsche Synchronisation erstklassig
- 256 mögliche Kombinationen
- Hoher Wiederspielwert
- Decima Engine atmosphärisch
Schwächen (Original):
- Steuerung manchmal etwas träge
- Manche Charaktere anfangs klischeehaft
- Keine Kapitelauswahl beim ersten Durchgang
Stärken (Remake):
- Grafik deutlich verbessert
- Unreal Engine 5 beeindruckend
- Erweiterter Prolog gelungen
- Josh endlich rettbar
- Neue Totems interessant
- Detailliertere Charaktermodelle
Schwächen (Remake):
- Atmosphäre leidet unter hellerer Farbpalette
- Weniger gruselig als Original
- Ikonische Kamerawinkel fehlen
- Performance-Probleme zum Start
- Hoher Preis für Upgrade
- Charakteristischer Look verloren
Technische Daten (Original):
- Entwickler: Supermassive Games
- Publisher: Sony Computer Entertainment
- Genre: Interactive Drama / Horror
- Plattform: PlayStation 4
- Release: 25. August 2015
- Spielzeit: ca. 9 Stunden (erster Durchgang)
- Altersfreigabe: USK 18
Technische Daten (Remake):
- Entwickler: Ballistic Moon
- Publisher: Sony Interactive Entertainment
- Genre: Interactive Drama / Horror
- Plattformen: PlayStation 5, PC
- Release: 4. Oktober 2024
- Engine: Unreal Engine 5
- Altersfreigabe: USK 18


