Was ist Metroidvania?

Was ist Metroidvania? Das Genre einfach erklärt

Der Begriff Metroidvania begegnet Spielern regelmäßig in Rezensionen, Store-Beschreibungen und Diskussionen über Spieledesign. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Kofferwort, und warum erfreut sich das Genre seit Jahrzehnten ungebrochener Beliebtheit? Dieser Artikel erklärt die Ursprünge, Merkmale und wichtigsten Vertreter des Genres.

Was bedeutet Metroidvania?

Metroidvania ist ein Subgenre der Action-Adventure-Spiele und setzt sich aus den Namen zweier legendärer Spielereihen zusammen: Metroid von Nintendo und Castlevania von Konami. Der Begriff beschreibt Spiele, deren Design sich durch eine große, zusammenhängende Spielwelt auszeichnet, die ohne klare Zielvorgabe erkundet wird. Der Fortschritt hängt davon ab, neue Fähigkeiten oder Ausrüstungsgegenstände zu finden, mit denen zuvor unzugängliche Bereiche erschlossen werden können.

Die Ursprünge des Genres

Die Wurzeln des Genres liegen im Jahr 1986, als Nintendo das erste Metroid für das NES veröffentlichte. Anders als bei linearen Plattformern erkundeten Spieler hier als Kopfgeldjägerin Samus Aran ein labyrinthartiges Planetensystem. Neue Upgrades wie Raketen oder spezielle Anzüge ermöglichten den Zugang zu zuvor versperrten Bereichen. Super Metroid verfeinerte dieses Konzept 1994 auf dem SNES und gilt bis heute als Meilenstein des Genres.

Die Castlevania-Reihe verfolgte anfangs einen anderen Ansatz mit linearen Levelstrukturen. Der entscheidende Wandel kam 1997 mit Castlevania: Symphony of the Night für die PlayStation. Produzent Koji Igarashi ersetzte die Levelstruktur durch eine frei erkundbare Burg und fügte Rollenspiel-Elemente wie Erfahrungspunkte und Ausrüstung hinzu. Die Kombination aus der Weltstruktur von Metroid und den RPG-Mechaniken von Castlevania bildete die Blaupause für das, was die Community fortan als Metroidvania bezeichnete.

Die typischen Merkmale

Metroidvania-Spiele zeichnen sich durch mehrere charakteristische Designelemente aus, die sie von anderen Genres unterscheiden.

Das zentrale Element ist die zusammenhängende Spielwelt. Statt einzelner, voneinander getrennter Level erkunden Spieler eine große, labyrinthähnliche Umgebung. Die verschiedenen Bereiche sind miteinander verbunden, und es gibt keine feste Reihenfolge für deren Erkundung. Diese Struktur fördert Neugier und belohnt aufmerksames Erkunden.

Eng damit verbunden ist das Konzept des Backtrackings. Spieler stoßen regelmäßig auf Hindernisse, die sie mit ihren aktuellen Fähigkeiten nicht überwinden können. Eine zu hohe Plattform, eine verschlossene Tür oder ein unüberwindbarer Abgrund markieren Grenzen, die erst später durchbrochen werden können. Sobald die passende Fähigkeit gefunden ist, etwa ein Doppelsprung oder ein Greifhaken, lohnt sich die Rückkehr zu bereits besuchten Orten.

Die Fähigkeitsprogression bildet das Herzstück des Spielerlebnisses. Neue Fertigkeiten erweitern nicht nur das Bewegungsrepertoire, sondern eröffnen auch neue Kampfoptionen. Ein Wandsprung ermöglicht den Zugang zu höher gelegenen Plattformen, eine Stampfattacke zerstört brüchige Böden. Diese Verzahnung von Erkundung und Charakterentwicklung erzeugt ein befriedigendes Gefühl wachsender Macht.

Viele Metroidvanias integrieren zusätzlich Rollenspiel-Elemente. Erfahrungspunkte, Ausrüstungssysteme und Charakterwerte verstärken das Gefühl von Fortschritt und erlauben individuelle Spielstile. Bosskämpfe stellen regelmäßige Prüfungen dar und belohnen oft mit besonders mächtigen Fähigkeiten.

Ein Kartensystem hilft bei der Orientierung in der komplexen Welt. Moderne Vertreter des Genres markieren häufig unerforschte Bereiche oder potenzielle Geheimnisse, ohne den Entdeckergeist zu schmälern.

Die Renaissance durch Indie-Studios

Nach einer kommerziellen Ruhephase erlebte das Genre mit dem Aufstieg digitaler Vertriebsplattformen und der Independent-Szene eine beeindruckende Wiedergeburt. Indie-Entwickler erkannten das Potenzial der bewährten Formel und bereicherten sie um frische Ideen.

Hollow Knight von Team Cherry erschien 2017 und entwickelte sich zum modernen Aushängeschild des Genres. Das Spiel verbindet die klassische Metroidvania-Struktur mit einer handgezeichneten Ästhetik, anspruchsvollen Kämpfen im Soulslike-Stil und einer atmosphärisch dichten Welt. Die Fortsetzung Silksong gehört zu den meisterwarteten Spielen der letzten Jahre.

Ori and the Blind Forest und dessen Nachfolger Ori and the Will of the Wisps von Moon Studios setzten neue Maßstäbe in Sachen Präsentation. Die emotional erzählten Geschichten, die atemberaubende Grafik und das präzise Plattforming begeisterten Kritiker und Spieler gleichermaßen.

Dead Cells von Motion Twin kombiniert Metroidvania-Mechaniken mit Roguelike-Elementen. Prozedural generierte Level und der permanente Tod sorgen für einen anderen Spielrhythmus, während das Freischalten neuer Fähigkeiten zwischen den Durchläufen die Genre-typische Progression beibehält.

Weitere nennenswerte Vertreter sind Axiom Verge, eine Hommage an klassische Metroid-Spiele vom Solo-Entwickler Thomas Happ, sowie Bloodstained: Ritual of the Night, das von Castlevania-Veteran Koji Igarashi entwickelt wurde und als spiritueller Nachfolger von Symphony of the Night gilt.

2D oder 3D?

Traditionell sind Metroidvanias zweidimensionale Spiele aus der Seitenansicht. Die Übersichtlichkeit dieser Perspektive eignet sich hervorragend für präzises Plattforming und die Darstellung verschachtelter Levelstrukturen. Die meisten modernen Indie-Vertreter halten an diesem bewährten Format fest.

Allerdings lassen sich die Designprinzipien auch auf dreidimensionale Spiele übertragen. Die Metroid Prime-Reihe bewies bereits Anfang der 2000er Jahre, dass das Konzept in der Ego-Perspektive funktioniert. Auch die Batman: Arkham-Spiele und Teile der Darksiders-Reihe werden gelegentlich als 3D-Metroidvanias bezeichnet, obwohl die Genre-Grenzen hier fließend sind.

Warum ist das Genre so beliebt?

Die anhaltende Popularität von Metroidvanias erklärt sich durch die geschickte Kombination von Freiheit und Struktur. Spieler bestimmen selbst, in welche Richtung sie vorstoßen, doch das Spiel lenkt durch Hindernisse und Fähigkeitsanforderungen auf subtile Weise. Jede neu entdeckte Fähigkeit fühlt sich wie eine Belohnung an und eröffnet gleichzeitig neue Möglichkeiten.

Das Erkunden einer zusammenhängenden Welt schafft zudem eine tiefere Verbindung zur Spielumgebung als lineare Level. Spieler lernen die Geografie, entdecken Abkürzungen und entwickeln mentale Karten. Wenn ein zuvor unüberwindbares Hindernis endlich bezwungen wird, entsteht ein befriedigendes Erfolgserlebnis.

Fazit

Metroidvania beschreibt ein Spielegenre, das auf Erkundung, Fähigkeitsprogression und Backtracking in einer zusammenhängenden Welt setzt. Benannt nach den prägenden Spielereihen Metroid und Castlevania, hat sich das Genre seit den achtziger Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und erlebt durch Indie-Titel wie Hollow Knight oder Ori eine anhaltende Renaissance. Die zeitlose Formel aus Entdeckerfreude und wachsender Spielermacht garantiert auch in Zukunft zahlreiche Vertreter dieses beliebten Genres.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist ein Metroidvania?

Ein Metroidvania ist ein Action-Adventure-Spiel mit einer zusammenhängenden, frei erkundbaren Spielwelt. Der Fortschritt erfolgt durch das Freischalten neuer Fähigkeiten, die Zugang zu zuvor unzugänglichen Bereichen ermöglichen.

Woher kommt der Begriff Metroidvania?

Der Begriff ist ein Kofferwort aus den Spielereihen Metroid von Nintendo und Castlevania von Konami, die das Genre maßgeblich geprägt haben.

Was ist Backtracking?

Backtracking bezeichnet die Rückkehr zu bereits besuchten Orten im Spiel. In Metroidvanias ist dies ein zentrales Element, da neue Fähigkeiten den Zugang zu zuvor versperrten Bereichen ermöglichen.

Welche Metroidvania-Spiele sind empfehlenswert für Einsteiger?

Hollow KnightOri and the Blind Forest und Guacamelee! gelten als zugängliche Einstiegspunkte mit unterschiedlichen Schwerpunkten auf Kampf, Plattforming oder Humor.

Sind Metroidvanias immer 2D-Spiele?

Traditionell ja, aber die Designprinzipien lassen sich auch auf 3D-Spiele übertragen. Die Metroid Prime-Reihe und Teile der Batman: Arkham-Spiele werden als 3D-Metroidvanias bezeichnet.

Was unterscheidet Metroidvania von Open World?

Während Open-World-Spiele oft von Beginn an eine weitgehend frei begehbare Welt bieten, sperren Metroidvanias Bereiche durch Hindernisse, die erst mit neuen Fähigkeiten überwunden werden können. Die Progression ist dadurch stärker an das Freischalten von Fertigkeiten gekoppelt.

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