Where Winds Meet

Where Winds Meet Test: Ein Wuxia-Epos mit Licht und Schatten

Westliche Spieler kennen japanische Spielkultur seit Jahrzehnten, doch chinesische Entwickler erobern erst seit wenigen Jahren die internationale Bühne. Nach dem Erfolg von Genshin Impact und Black Myth: Wukong wagt NetEase mit Where Winds Meet den nächsten großen Wurf: Ein Open-World-Action-RPG, das die romantische Welt des Wuxia-Genres zum Leben erwecken will. Das Besondere: Das Spiel ist komplett kostenlos spielbar. Kann ein Free-to-Play-Titel wirklich mit den großen Singleplayer-Abenteuern mithalten?

Eine Welt wie ein chinesisches Gemälde

Where Winds Meet versetzt uns in das China des 10. Jahrhunderts, in die turbulente Ära der Fünf Dynastien und Zehn Königreiche. Als junger Schwertmeister mit einer mysteriösen Vergangenheit erkunden wir eine Spielwelt, die schlichtweg atemberaubend ist. Everstone Studio hat hier Außergewöhnliches geleistet: Nebelverhangene Berge, von Weiden gesäumte Flüsse, geschäftige Städte und vergessene Tempel verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk, das an traditionelle chinesische Tuschemalerei erinnert. Die Wetterwechsel, der Tag-Nacht-Rhythmus und die saisonalen Veränderungen verleihen der Welt eine Lebendigkeit, die man so selten erlebt.

Die Fortbewegung selbst wird zum Erlebnis. Anders als in westlichen RPGs gleiten wir mit Leichtigkeit über Dächer, laufen Wände empor und schweben mit eleganten Sprüngen durch die Lüfte. Diese Qinggong-Techniken, bekannt aus unzähligen Wuxia-Filmen, wurden brillant in Spielmechaniken übersetzt. Das Erkunden jedes Winkels der Spielwelt macht schon allein deshalb Freude, weil die Bewegung so flüssig und befriedigend ist.

YouTube player

Kampfkunst als Philosophie

Das Herzstück von Where Winds Meet ist sein tiefgründiges Kampfsystem. Sieben Waffenarten stehen zur Verfügung: Schwert, Speer, Doppelklingen, Fächer, Schirm, die mysteriöse Mo-Klinge und das Seil mit Wurfpfeil. Jede Waffe fühlt sich grundlegend anders an und bietet eigene Kombos, Spezialangriffe und taktische Möglichkeiten. Das Besondere: Wir können zwei Waffen gleichzeitig ausrüsten und im Kampf fliegend zwischen ihnen wechseln.

Die zwölf Kampfstile verteilen sich auf sechs Pfade, die unterschiedliche Spielweisen ermöglichen. Der Bellstrike-Pfad etwa fokussiert sich auf Mobilität und verheerende Einzelziel-Attacken, während Silkbind entweder Heilung oder Fernkampf mit Luftkombos bietet. Der Bamboocut-Pfad hingegen überschüttet Gegner mit rasanten Angriffsserien, verlangt aber präzises Timing und bietet wenig Verteidigung. Diese Vielfalt erlaubt es, einen wirklich individuellen Kampfstil zu entwickeln.

Dazu kommen die mystischen Künste: Spezialfähigkeiten wie das Beschwören einer gigantischen Glocke, das Herbeireiten auf einem flammenden Ross oder das Verbreiten giftiger Nebel. Die Kombination aus Waffen, Kampfstilen und mystischen Künsten sorgt für beeindruckende Tiefe. Das Parieren und Ausweichen verlangt präzises Timing, erinnert durchaus an Soulslike-Spiele, bietet aber mit der Assist-Deflection-Option auch Einsteigern einen sanfteren Einstieg.

Mehr als nur Kampf

Where Winds Meet überrascht mit der schieren Fülle an Nebenaktivitäten. Wir können angeln gehen, Mahjong spielen, uns im Trinkspiel Pitch-Pot versuchen oder Musikinstrumente spielen. Ein eigenes Anwesen lässt sich aufbauen und mit rekrutierten NPCs bevölkern, die Ressourcen produzieren. Die Berufe Heiler und Gelehrter bieten eigene Progressionspfade mit Talismanen und Buffs. All das sorgt dafür, dass auch abseits der Kämpfe keine Langeweile aufkommt.

Die Hauptgeschichte erstreckt sich über mehrere Kapitel und soll über 150 Stunden Spielzeit bieten. Der erste Akt überzeugt mit packenden Charakteren und dramatischen Wendungen, die kinoreif inszeniert sind. Leider fällt der zweite Akt in der Kaifeng-Region deutlich ab. Die Charaktere bleiben blasser, die Handlung verliert an Schwung. Die optionalen Nebenquests hingegen überraschen positiv: Manche dauern bis zu einer Stunde, erzählen eigenständige Geschichten und enden sogar mit fordernden Bosskämpfen.

Der Fluch der Lokalisierung

Where Winds Meet stolpert leider über seine Übersetzung. Die englische Lokalisierung steckt voller Fehler, die von unpräzisen Formulierungen bis hin zu komplett falsch beschrifteten Menüs reichen. Wenn der Ausrüstungsbildschirm als Develop bezeichnet wird, muss man erst einmal raten, was gemeint ist. Begriffe wie Jianghu werden ohne Erklärung verwendet, obwohl westliche Spieler mit der chinesischen Begrifflichkeit für die Welt außerhalb der kaiserlichen Kontrolle wenig anfangen können.

Auch technisch zeigt sich das Spiel von einer durchwachsenen Seite. Charaktere clippen durch Wände, Controller-Belegungen werden plötzlich unresponsiv, und während einer handlungsentscheidenden Szene am Ende des ersten Akts fiel bei mir der komplette Ton aus. Die PS5-Version kämpft zudem mit aggressivem dynamischem Skalieren der Auflösung und erreicht selbst auf der PS5 Pro keine stabilen 60 Bilder pro Sekunde. Die PC-Version sieht deutlich besser aus, verlangt aber auch entsprechende Hardware.

Fair und kostenlos?

Ein Free-to-Play-Titel weckt immer Misstrauen: Wo ist der Haken? Where Winds Meet überrascht hier positiv. Die Monetarisierung beschränkt sich auf Kosmetik, Saisonpässe und optionale Monatsabonnements. In meinen Dutzenden Spielstunden fühlte ich nie den Drang, echtes Geld auszugeben, um voranzukommen. Die Spielwährungen sind allerdings verwirrend: Über ein Dutzend verschiedene Währungstypen, teils regional begrenzt, lassen anfangs den Kopf schwirren.

Der Live-Service-Ansatz zeigt sich von seiner besten Seite: Seit dem Start im November 2025 liefert Everstone Studio regelmäßig neue Inhalte. Version 1.4 brachte im März 2026 bereits die Hexi-Erweiterung mit drei neuen Karten und elf neuen Bossen. Der Cross-Play zwischen PS5, PC und Mobile-Geräten funktioniert reibungslos, wobei die mobile Version regional noch nicht überall verfügbar ist.

Fazit

Where Winds Meet ist ein ambitioniertes Projekt, das in seinen besten Momenten schlichtweg begeistert. Die Spielwelt gehört zum Schönsten, was das Genre zu bieten hat, und das Kampfsystem bietet eine Tiefe, die über Wochen fesseln kann. Die Wuxia-Atmosphäre wird mit Liebe zum Detail eingefangen, der Soundtrack ist herausragend, und als kostenloses Spiel bietet es ein bemerkenswert faires Gesamtpaket.

Gleichzeitig halten technische Probleme und die mangelhafte Lokalisierung das Spiel von der absoluten Spitze fern. Wer darüber hinwegsehen kann und sich auf ein Abenteuer im alten China einlassen möchte, findet hier dutzende Stunden Unterhaltung ohne einen Cent auszugeben. Für Fans von Open-World-RPGs und ostasiatischer Kampfkunst-Romantik ist Where Winds Meet trotz seiner Schwächen einen ausgiebigen Blick wert.

Wertung

7/10

Pro und Contra

Pro

  • Atemberaubend schöne Open World
  • Tiefes Kampfsystem mit vielen Optionen
  • Faire Free-to-Play-Monetarisierung
  • Elegantes Fortbewegungssystem
  • Regelmäßige Content-Updates
  • Cross-Play zwischen allen Plattformen
  • Herausragender Soundtrack
  • Vielfältige Nebenaktivitäten

Contra

  • Mangelhafte Lokalisierung mit vielen Fehlern
  • Zahlreiche technische Bugs
  • PS5-Version optisch schwächer als PC
  • Kein stabiles 60 FPS auf Konsolen
  • Verwirrendes Währungssystem
  • Zweiter Akt schwächer als der erste
  • KI-gestützte NPC-Dialoge funktionieren schlecht

Spielinfo-Box

Entwickler Everstone Studio
Publisher NetEase Games
Plattformen PlayStation 5, PC (Steam, Epic), Mobile (regional)
Release 14. November 2025
Genre Open-World Action-RPG
Preis Free-to-Play
Getestet auf PlayStation 5, PC

Hat dir dieser Beitrag gefallen?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Anzahl Bewertungen: 0

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil du diesen Beitrag nützlich fandest...

Teile ihn doch gerne in sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Was können wir verbessern?

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.