Xbox Series X

Xbox Series X im Test: Die schnellste Xbox aller Zeiten

Die nächste Generation beginnt

Seit der Ankündigung auf der E3 2019 unter dem Codenamen „Project Scarlett“ hat Microsoft große Versprechen gemacht: Die schnellste, leistungsstärkste Xbox aller Zeiten. 12 Teraflops Rechenleistung, eine blitzschnelle SSD und natives 4K-Gaming bei 60 fps mit Unterstützung für bis zu 120 fps. Jetzt steht die Xbox Series X für 499 Euro in den Regalen und tritt gegen die zeitgleich erscheinende PlayStation 5 an. Kann Microsofts monolithischer Kraftwürfel die hohen Erwartungen erfüllen?

Design: Der Gaming-Turm

Die Xbox Series X bricht radikal mit dem klassischen Konsolendesign. Statt eines flachen Quaders präsentiert sich die Konsole als aufrechter Turm mit quadratischer Grundfläche. Die Maße von 151 × 151 × 301 mm erinnern mehr an einen kompakten Gaming-PC als an eine Spielkonsole. Das schlichte, mattschwarze Gehäuse wirkt monolithisch und fast schon brutalistisch. Auf der Oberseite befindet sich ein großes, leicht konkaves Lüftungsgitter mit einem dezenten Grünton im Inneren. Dieser subtile Farbakzent ist das einzige Designelement, das die ansonsten minimalistische Optik auflockert. Die Konsole kann sowohl vertikal als auch horizontal betrieben werden, wobei die vertikale Aufstellung eindeutig bevorzugt wird. Die Front zeigt sich aufgeräumt: Oben links der Xbox-Einschaltknopf, unten links das Slot-In-Blu-ray-Laufwerk mit Auswurftaste, unten rechts ein USB-3.2-Anschluss und die Controller-Kopplungstaste. Auf der Rückseite befinden sich der HDMI-2.1-Ausgang, zwei weitere USB-Ports, ein Ethernet-Anschluss, der proprietäre Erweiterungssteckplatz für die Speicherkarte und der Stromanschluss. Mit 4,45 Kilogramm ist die Series X ein ordentlicher Brocken, aber das Gewicht verteilt sich gut auf die kompakte Grundfläche. Das interne Netzteil spart den externen Klotz der Original-Xbox One. Die Konsole passt in ein Standard-Kallax-Regal, sowohl stehend als auch liegend. Das vielleicht beste Designmerkmal offenbart sich im Betrieb: Die Xbox Series X ist überraschend leise. Selbst unter Last bleibt der Lüfter dezent im Hintergrund, deutlich leiser als die Xbox One X und erst recht leiser als die originale Xbox One.

Hardware: 12 Teraflops und Zen 2

Das Herzstück der Xbox Series X ist ein maßgeschneiderter AMD-Chip, der Prozessor und Grafik auf einem einzigen Die vereint. Die CPU basiert auf der Zen-2-Architektur mit acht Kernen bei 3,8 GHz Taktfrequenz. Bei Nutzung von Simultaneous Multithreading sinkt der Takt auf 3,66 GHz. Im Vergleich zur Jaguar-CPU der Xbox One X bedeutet das einen gewaltigen Generationssprung. Die integrierte GPU nutzt AMDs brandneue RDNA-2-Architektur mit 52 Compute Units bei 1,825 GHz. Das ergibt 12,155 Teraflops Rechenleistung, mehr als das Doppelte der Xbox One X und etwa 18 Prozent mehr als die PlayStation 5. Hardware-beschleunigtes Raytracing ist erstmals in einer Xbox-Konsole integriert. Der Arbeitsspeicher wurde auf großzügige 16 GB GDDR6 aufgestockt. Davon laufen 10 GB mit 560 GB/s Bandbreite für grafikintensive Aufgaben, die restlichen 6 GB mit 336 GB/s für weniger anspruchsvolle Operationen. Für Spiele stehen etwa 13,5 GB zur Verfügung, der Rest reserviert das Betriebssystem. In PC-Begriffen entspricht die Grafikleistung ungefähr einer GeForce RTX 2080 oder Radeon RX 6700 XT. Für eine 499-Euro-Konsole ist das beeindruckend, zumal ein vergleichbarer Gaming-PC mindestens das Doppelte kosten würde.

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Xbox Velocity Architecture: Die SSD-Revolution

Die vielleicht wichtigste Neuerung verbirgt sich im Speichersystem. Die Xbox Velocity Architecture kombiniert eine maßgeschneiderte 1-TB-NVMe-SSD mit neuer Software zu einem integrierten System, das die Spieleentwicklung grundlegend verändern soll. Die SSD liefert 2,4 GB/s rohen Durchsatz, was bereits etwa 50 Mal schneller ist als die Festplatte der Xbox One. Ein spezieller Hardware-Dekompressionsblock kann Daten in Echtzeit entpacken und steigert den effektiven Durchsatz auf bis zu 4,8 GB/s. Ladezeiten, die auf der Xbox One noch Minuten dauerten, schrumpfen auf Sekunden. DirectStorage als neue API ermöglicht es Entwicklern, Daten direkt von der SSD in den GPU-Speicher zu streamen, ohne den Umweg über die CPU. Sampler Feedback Streaming lädt Texturen nur in der tatsächlich benötigten Auflösung und spart so wertvollen Speicherplatz. Microsoft spricht von einem effektiven Multiplikator auf den physischen Speicher. Quick Resume ist das Highlight für den Alltag: Die Konsole speichert den Zustand mehrerer Spiele gleichzeitig, sodass man nahtlos zwischen ihnen wechseln kann. Ein Spielstand bleibt erhalten, selbst wenn man die Konsole ausschaltet, den Stecker zieht oder ein Systemupdate installiert. In der Praxis funktioniert das hervorragend, auch wenn nicht alle Spiele das Feature unterstützen.

4K bei 60 fps: Das neue Minimum

Die Xbox Series X zielt auf 4K-Gaming bei 60 Bildern pro Sekunde als neuen Standard ab. In der Praxis erreichen die meisten Titel dieses Ziel mühelos. Gears 5 läuft in nativem 4K bei stabilen 60 fps mit PC-Ultra-Einstellungen. Forza Horizon 4 sieht atemberaubend aus und bleibt butterweich. Assassin’s Creed Valhalla als großer Launch-Titel nutzt eine dynamische Auflösung zwischen 1440p und 4K bei 60 fps. Die Sichtweiten und Texturqualität übertreffen die Xbox-One-Version deutlich. Ori and the Will of the Wisps erreicht sogar natives 4K bei 120 fps auf kompatiblen Bildschirmen. Für Spieler mit entsprechenden Fernsehern unterstützt die Xbox Series X HDMI 2.1 mit allen aktuellen Features: Variable Refresh Rate (VRR) für tearing-freies Spielen, Auto Low Latency Mode (ALLM) für automatische Umschaltung in den Gaming-Modus und theoretische Unterstützung für 8K-Auflösung. Bei älteren Spielen ohne spezifische Optimierung greift der FPS Boost: Ausgewählte Xbox-One-Titel laufen automatisch mit höheren Bildraten. Auto HDR fügt Spielen ohne native HDR-Unterstützung nachträglich High Dynamic Range hinzu.

Raytracing und Dolby Atmos

Hardware-beschleunigtes Raytracing debütiert auf Xbox, allerdings noch in bescheidenem Umfang. Watch Dogs: Legion nutzt Echtzeit-Reflexionen für die regennassen Straßen Londons. Die Qualität ist beeindruckend, aber der Leistungshunger spürbar: Das Spiel läuft mit Raytracing nur in 30 fps. Auf der Audiofront überzeugt die Series X mit vollem Support für Dolby Atmos und DTS:X. Sowohl Spiele als auch UHD-Blu-rays profitieren von räumlichem 3D-Sound. In Shootern schwirren Projektile über den Kopf, in Rennspielen brüllen Motoren aus allen Richtungen. Wer ein entsprechendes Soundsystem oder Headset besitzt, erlebt Spielaudio auf neuem Niveau. Das UHD-Blu-ray-Laufwerk spielt 4K-Filme mit HDR10 und Dolby Vision ab. Die Xbox Series X eignet sich damit auch als hochwertiger Medienplayer. Netflix, Disney+ und andere Streaming-Dienste sind in 4K HDR verfügbar.

Der neue Controller

Der beiliegende Controller sieht dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich, bietet aber dezente Verbesserungen. Die Oberflächen sind strukturierter für besseren Halt, das D-Pad wurde überarbeitet und liegt nun präziser unter dem Daumen. Ein zusätzlicher Share-Button ermöglicht schnelle Screenshots und Clips. Die größte Änderung versteckt sich in der Stromversorgung: Der Controller nutzt weiterhin AA-Batterien oder den separat erhältlichen Akku, wechselt aber von Micro-USB auf USB-C zum Laden und für kabelgebundenes Spielen. Bluetooth ist integriert, sodass der Controller auch mit PCs und Mobilgeräten funktioniert. Dynamic Latency Input (DLI) synchronisiert die Controller-Eingaben mit dem Bildaufbau für minimal verzögerte Reaktionen. Im Zusammenspiel mit HDMI 2.1 und einem schnellen Fernseher fühlt sich das Spielen spürbar direkter an als auf der Vorgängergeneration.

Abwärtskompatibilität: Vier Generationen

Die Xbox Series X spielt Spiele aus vier Konsolengenerationen: Original-Xbox, Xbox 360, Xbox One und natürlich native Series-X-Titel. Das ist ein gewaltiges Bibliotheksversprechen, auch wenn nicht jeder Klassiker unterstützt wird. Für die abwärtskompatiblen Titel hat Microsoft Auto HDR und erhöhte Auflösungen nachgerüstet. Viele Xbox-360-Klassiker laufen in 4K, manche Xbox-One-Spiele profitieren vom FPS Boost auf 60 oder sogar 120 fps. Halo 5: Guardians zum Beispiel erreicht nun stabile 4K bei 60 fps ohne dynamische Skalierung. Alle Xbox-One-Peripheriegeräte funktionieren weiter: Controller, Headsets, Laufwerke. Spielstände und Erfolge werden automatisch übertragen. Smart Delivery sorgt dafür, dass man bei Cross-Gen-Käufen automatisch die beste Version für die jeweilige Konsole erhält.

Speicherknappheit und Erweiterung

Die eingebaute 1-TB-SSD klingt großzügig, bis man moderne Spielgrößen betrachtet. Von den 1 TB stehen nach Systemsoftware nur etwa 802 GB zur Verfügung. Call of Duty: Black Ops Cold War belegt allein über 130 GB, Assassin’s Creed Valhalla etwa 50 GB. Nach drei bis vier großen Spielen wird es eng. Zur Erweiterung bietet Microsoft eine proprietäre Speicherkarte von Seagate an. Die 1-TB-Karte wird einfach in den Erweiterungssteckplatz auf der Rückseite geschoben und erreicht die volle SSD-Geschwindigkeit. Der Haken: Sie kostet satte 240 Euro, fast die Hälfte des Konsolenpreises. Alternativ können USB-3.0-Festplatten angeschlossen werden, aber nur für Xbox-One- und ältere Titel. Native Series-X-Spiele müssen auf der internen SSD oder der offiziellen Erweiterungskarte installiert sein. Man kann sie auf USB-Speicher auslagern, muss sie aber vor dem Spielen zurück auf die SSD kopieren.

Das Launch-Lineup

Der größte Wermutstropfen zum Launch: Halo Infinite, das ursprünglich geplante Zugpferd, wurde auf 2021 verschoben. Microsoft muss ohne seinen wichtigsten Exklusivtitel in die neue Generation starten. Als Ersatz dienen Cross-Gen-Titel wie Assassin’s Creed ValhallaWatch Dogs: Legion und Yakuza: Like a Dragon. Alle drei sind exzellente Spiele, aber auch auf Xbox One und PlayStation spielbar. Devil May Cry 5 Special Edition und DIRT 5 ergänzen das Lineup. Microsofts Stärke liegt in den Enhanced-Versionen älterer Titel: Gears 5Forza Horizon 4Ori and the Will of the Wisps und Sea of Thieves sehen und spielen sich auf der Series X fantastisch. Der Xbox Game Pass liefert über 100 Spiele zum monatlichen Festpreis, inklusive aller Microsoft-Exklusivtitel am Erscheinungstag.

Xbox Series X vs. PlayStation 5

Der direkte Vergleich mit der PlayStation 5 ist unvermeidlich. Auf dem Papier hat die Xbox Series X mehr rohe Grafikleistung: 12,15 vs. 10,28 Teraflops. In der Praxis sind die Unterschiede in Multiplattform-Titeln minimal, manchmal zeigt die PS5 sogar leichte Vorteile durch ihre höher getaktete SSD. Sonys großer Vorteil sind die Exklusivspiele: Spider-Man, God of War, The Last of Us, Horizon. Microsoft kontert mit dem Game Pass und plant massive Investitionen in die Xbox Game Studios. Die Übernahme von Bethesda für 7,5 Milliarden Dollar zeigt die Ambitionen, aber deren Früchte werden erst in den kommenden Jahren reifen. Bei Abwärtskompatibilität liegt Microsoft klar vorne. Während die PS5 nur PS4-Spiele unterstützt, spielt die Series X vier Generationen ab. Für Spieler mit großen digitalen Bibliotheken ist das ein gewichtiges Argument.

Fazit

Die Xbox Series X ist technisch beeindruckend: 12 Teraflops Grafikleistung, eine revolutionäre SSD-Architektur, natives 4K bei 60 fps und Hardware-Raytracing in einem 499-Euro-Paket. Quick Resume und die blitzschnellen Ladezeiten verändern das Spielerlebnis grundlegend. Die Abwärtskompatibilität über vier Generationen ist vorbildlich. Was fehlt, sind die Systemseller. Ohne Halo Infinite zum Launch und mit einem Exklusivtitel-Portfolio, das noch Jahre braucht, um mit Sony gleichzuziehen, richtet sich die Series X primär an bestehende Xbox-Spieler und Game-Pass-Enthusiasten. Die Hardware liefert, die Software muss nachziehen. Für Spieler, die bereits im Xbox-Ökosystem verwurzelt sind, ist die Series X ein überzeugender Generationssprung.

Wertung

9/10

Pro und Contra

Pro:

  • 12 Teraflops für echtes 4K bei 60 fps
  • Blitzschnelle SSD mit revolutionärer Velocity Architecture
  • Quick Resume für nahtloses Wechseln zwischen Spielen
  • Abwärtskompatibilität über vier Xbox-Generationen
  • Hardware-beschleunigtes Raytracing
  • Überraschend leise trotz enormer Leistung
  • HDMI 2.1 mit VRR und 120-Hz-Support
  • Game Pass als exzellentes Preis-Leistungs-Angebot
  • Smart Delivery und FPS Boost für ältere Spiele

Contra:

  • Halo Infinite zum Launch verschoben
  • Schwaches Exklusivtitel-Lineup
  • Teure proprietäre Speichererweiterung (240€ für 1 TB)
  • Nur 802 GB nutzbarer SSD-Speicher
  • Ungewöhnliches Turm-Design passt nicht in jedes Regal

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was kostet die Xbox Series X?

Die Xbox Series X kostet 499 Euro und enthält eine 1-TB-SSD sowie einen Controller. Das ist der gleiche Preis wie die PlayStation 5 mit Laufwerk.

Wie viel Speicherplatz hat die Xbox Series X?

Die interne SSD fasst 1 TB, wovon nach Systemsoftware etwa 802 GB für Spiele verfügbar sind. Die Seagate-Erweiterungskarte mit 1 TB kostet 240 Euro.

Kann die Xbox Series X Xbox-One-Spiele abspielen?

Ja, die Xbox Series X ist vollständig abwärtskompatibel zu Xbox-One-Spielen. Auch viele Xbox-360- und Original-Xbox-Titel werden unterstützt. Manche profitieren von Auto HDR und FPS Boost.

Was ist Quick Resume?

Quick Resume speichert den Zustand mehrerer Spiele gleichzeitig auf der SSD. Man kann zwischen Spielen wechseln und genau dort weiterspielen, wo man aufgehört hat, ohne neu zu laden.

Wie groß ist die Xbox Series X?

Die Konsole misst 151 × 151 × 301 mm und wiegt 4,45 kg. Sie kann sowohl vertikal als auch horizontal aufgestellt werden.

Brauche ich einen neuen Fernseher für die Xbox Series X?

Ein 4K-HDR-Fernseher ist empfehlenswert, um die volle Grafikleistung zu nutzen. Für 120-Hz-Spiele und VRR wird HDMI 2.1 benötigt. Die Konsole funktioniert aber auch an älteren Fernsehern.

Was ist der Unterschied zur Xbox Series S?

Die Xbox Series S kostet 299 Euro, hat keine Disc-Laufwerk und zielt auf 1440p statt 4K ab. Sie besitzt nur 512 GB SSD und 4 Teraflops Grafikleistung, nutzt aber dieselbe CPU und SSD-Technologie.

Welche Spiele erscheinen zum Launch?

Zum Launch am 10. November 2020 erscheinen über 30 optimierte Titel, darunter Assassin’s Creed Valhalla, Watch Dogs: Legion, Yakuza: Like a Dragon, Gears Tactics und DIRT 5. Halo Infinite wurde auf 2021 verschoben.

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