Fast zehn Jahre sind seit XCOM 2 vergangen. Der kreative Kopf Jake Solomon ist weg, sein eigenes Studio gescheitert, Firaxis im Umbruch. Die Zeichen stehen eindeutig: XCOM 3 wird in absehbarer Zeit nicht kommen. Ein Nachruf auf eine Serie, die das Taktik-Genre revolutionierte.
Im Februar 2016 erschien XCOM 2 und begeisterte Fans rundenbasierter Taktikspiele weltweit. Das Spiel war sowohl ein kritischer als auch kommerzieller Erfolg, der die Messlatte für das Genre deutlich höher legte. Die Erweiterung War of the Chosen, die im August 2017 folgte, perfektionierte die Formel noch weiter und gilt bis heute als eine der besten Strategie-Erweiterungen überhaupt. Fans warteten gespannt auf XCOM 3 und die nächste Evolution der Serie. Doch dann kam einfach nichts. Neun Jahre später, im März 2026, ist die Realität mehr als ernüchternd: Der dritte Teil der Serie wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie das Licht der Welt erblicken.
Jake Solomon: Vom XCOM-Mastermind zur gescheiterten Life-Sim
23 Jahre bei Firaxis, dann der Abschied
Im Februar 2023 verkündete Jake Solomon seinen Abschied von Firaxis Games nach 23 Jahren im Studio. Solomon verließ damit das Unternehmen, bei dem er seine gesamte professionelle Karriere verbracht hatte. Er war nicht nur irgendein Entwickler – Solomon war der kreative Direktor und das Mastermind hinter XCOM: Enemy Unknown aus dem Jahr 2012 sowie dessen Nachfolger XCOM 2 von 2016. Er war nicht nur Lead Designer dieser beiden Titel, sondern die treibende Kraft hinter der erfolgreichen Wiederbelebung der gesamten Serie. Ohne Jake Solomon hätte es die moderne XCOM-Renaissance, die Millionen von Spielern begeisterte, vermutlich nie gegeben.
Der Abgang kam unmittelbar nach der Veröffentlichung von Marvel’s Midnight Suns, Solomons letztem Projekt bei Firaxis. Das Spiel war zwar kritisch gelobt und erreichte respektable Metacritic-Wertungen zwischen 83 und 84 Punkten, erwies sich jedoch als kommerzieller Misserfolg, der das Studio hart traf. Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten und waren deutlich spürbar: Es gab nur eine einzige Season mit Post-Launch-Content, und die ursprünglich fest geplante Nintendo Switch-Version wurde komplett gestrichen. Für ein Studio wie Firaxis, das an langfristige Unterstützung seiner Titel gewöhnt war und normalerweise jahrelang Erweiterungen und DLCs nachlieferte, war dies ein deutliches Zeichen des Scheiterns.
Midsummer Studios: Von der ambitionierten Life-Sim zum bitteren Scheitern
Im Mai 2024 gründete Jake Solomon sein eigenes unabhängiges Studio mit dem Namen Midsummer Studios. Das Team bestand aus handverlesenen Veteranen von Firaxis, die zuvor an Civilization und XCOM gearbeitet hatten, sowie ehemaligen Maxis-Entwicklern, die ihre jahrelange Erfahrung mit der Sims-Serie mitbrachten. Das ambitionierte Projekt trug den Arbeitstitel „Burbank“ und sollte eine innovative Life-Simulation im Stil von Die Sims werden, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied, der das Spiel abheben sollte: KI-getriebene Charaktere, die auf Spielerentscheidungen reagieren und sich weiterentwickeln sollten. Solomon beschrieb seine kreative Vision in Interviews als „Life Sims meets The Truman Show“, mit einem starken Fokus auf von Spielern gesteuerte Narrative anstelle der reinen Sandbox-Freiheit, die andere Spiele des Genres bieten.
Die Finanzierung schien zunächst mehr als solide und vielversprechend. Midsummer Studios erhielt stattliche sechs Millionen US-Dollar von verschiedenen Venture-Capital-Partnern sowie dem koreanischen Publisher Krafton, der bereits für PUBG und andere erfolgreiche Titel bekannt ist. Im November 2025 flossen sogar weitere 600.000 Dollar in das ambitionierte Projekt. Für ein neu gegründetes Indie-Studio klang das nach einem sehr guten Start in die Unabhängigkeit.
Doch die harte Realität der modernen Spielebranche holte das Team brutal ein. Im Februar 2026, nicht einmal zwei Jahre nach der Gründung des Studios, verkündete Solomon die überraschende und endgültige Schließung von Midsummer Studios. Das Spiel „Burbank“, in das das Team sein gesamtes Herzblut gesteckt hatte, wurde nie veröffentlicht und wird es auch nie werden. Der einzige öffentliche Einblick in das Projekt blieb ein zweiminütiges Gameplay-Video, das Solomon bei der Schließungsankündigung mit der Community teilte – ein letzter Gruß an die Fans, bevor die Lichter endgültig ausgingen.
In seinem emotionalen Abschiedspost auf der Plattform X schrieb Solomon: „Wir haben ein Studio aufgebaut, wir haben ein Spiel entwickelt, und ich bin wirklich stolz auf beides. Bevor wir die Türen der Midsummer Studios schließen, möchte ich euch einen kleinen Einblick in Burbank geben, das Spiel, in das wir unser ganzes Herzblut gesteckt haben.“ Die Worte klangen resigniert, aber dennoch würdevoll. Ein talentierter und erfahrener Designer, der trotz all seiner Verdienste an der brutalen Realität der modernen Spielebranche scheiterte.
Das Scheitern von Midsummer Studios ist aus mehreren Gründen besonders bezeichnend für die aktuellen Probleme der Branche. Jake Solomon, einer der nachweislich erfolgreichsten Taktik-Designer seiner Generation, schaffte es nicht, ein Indie-Studio wirtschaftlich über Wasser zu halten. Der Mann, der XCOM wiederbelebte und damit Millionen von Spielern weltweit begeisterte, scheiterte ausgerechnet an einer Life-Sim in einem Genre, das weitgehend von EA’s Die Sims dominiert wird. Die Spielebranche zeigt sich einmal mehr als brutal und absolut unversöhnlich, selbst für etablierte Namen mit nachweisbarer Erfolgsgeschichte.
Warum Solomon niemals XCOM 3 entwickeln wird
Jake Solomon ist endgültig aus dem XCOM-Universum ausgestiegen, und es gibt schlichtweg keine realistischen Anzeichen für eine mögliche Rückkehr. Erst verließ er Firaxis Games, um sich vollständig einer Life-Simulation zu widmen – ein drastischer Genrewechsel, der seinen bewussten Abschied von der rundenbasierten Strategie symbolisierte. Dann scheiterte sein eigenes Studio komplett und musste nach kurzer Zeit die Türen für immer schließen. Solomon ist mittlerweile 47 Jahre alt, hat drei nachweislich gescheiterte Projekte hinter sich – Midnight Suns war kommerziell erfolglos, und Midsummer Studios existiert schlichtweg nicht mehr – und hat in mehreren Interviews öffentlich und unmissverständlich erklärt, dass er „müde von rundenbasierter Strategie“ sei und etwas Neues machen wolle.
In einem ausführlichen Interview aus dem Jahr 2024, kurz nach der Gründung von Midsummer, sagte Solomon ganz offen: „Ich könnte ein weiteres Midnight Suns machen, ich könnte ein weiteres XCOM machen, das ich liebe. Aber diese Spiele waren einfach nicht mehr so aufregend für mich wie dieses hier.“ Er sprach damals voller Enthusiasmus über Burbank, bevor das ehrgeizige Projekt tragischerweise scheiterte und nie das Licht der Welt erblickte. Jetzt, nach dem bitteren Scheitern seines eigenen Studios, ist Solomon vermutlich auf Jobsuche und wird sich beruflich komplett neu orientieren müssen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass er zu Firaxis Games zurückkehrt und dort XCOM 3 entwickelt, liegt praktisch bei null Prozent. Selbst wenn Solomon den persönlichen Wunsch hätte, zur rundenbasierten Strategie zurückzukehren – was er nachweislich nicht hat und auch öffentlich so kommuniziert hat – würde Firaxis ihn nach dem kommerziellen Misserfolg von Midnight Suns und dem kompletten Scheitern von Midsummer Studios überhaupt wieder einstellen? Das erscheint aus geschäftlicher Sicht mehr als fraglich und unrealistisch. Die Tür zu XCOM 3 unter Jake Solomons kreativer Führung ist endgültig und unwiderruflich geschlossen.
Firaxis Games: Ein Studio ohne klare Richtung
Massiver Personalabbau und der Verlust der Schlüsselfiguren
Die Probleme bei Firaxis Games gehen weit über Jake Solomons spektakulären Abgang hinaus und ziehen sich durch das gesamte Studio. Im September 2025 gab es erneute schmerzhafte Entlassungswellen bei dem traditionsreichen Studio, nachdem bereits 2023 nach dem kommerziellen Misserfolg von Marvel’s Midnight Suns massiv Personal abgebaut werden musste. Die finanzielle Situation verschärfte sich zunehmend, als weitere wichtige Schlüsselfiguren das Unternehmen verließen und damit wertvolles Know-how mit sich nahmen.
Garth DeAngelis, der als eine der maßgeblichen Personen an der Entwicklung von XCOM 2: War of the Chosen beteiligt war und als eine der treibenden Kräfte hinter dieser gefeierten Erweiterung galt, verließ ebenfalls Firaxis und wendete sich neuen Projekten zu. Studio-Leiter Steve Martin ging bereits im Februar 2023, zeitgleich mit Jake Solomon – ein doppelter Abgang, der die gesamte Führungsstruktur des Studios erschütterte und für Unruhe sorgte. Das bedeutet in der Konsequenz: Das gesamte XCOM-Kernteam, das die erfolgreichen und hochgelobten Spiele der modernen Ära entwickelt hat, existiert schlichtweg nicht mehr. Die kreativen Köpfe sind weg, das über Jahre aufgebaute institutionelle Wissen über die Serie ist weitgehend verloren gegangen oder in alle Winde zerstreut.
Civilization 7 als alleinige Priorität
Aktuell konzentriert sich Firaxis Games mit all seinen verbliebenen Ressourcen vollständig auf Civilization 7, das im Februar 2026 auf den Markt kam. Das neueste Spiel der legendären Strategie-Reihe hatte allerdings einen sogenannten „langsamen Start“ zu verzeichnen, was in der Branche ein Euphemismus für enttäuschende Verkaufszahlen ist. Die kommerziellen Zahlen blieben deutlich unter den hochgesteckten Erwartungen des Publishers, und die Kritiken aus der Fachpresse fielen gemischt aus, was sich in einem soliden, aber nicht herausragenden Metacritic-Score von 81 Punkten widerspiegelt – für ein Civilization-Spiel mit dem Ruf der Serie eine eher mittelmäßige Leistung.
Firaxis entwickelt nach eigenen Angaben und langjähriger Tradition grundsätzlich nur ein einziges Hauptprojekt zur Zeit, um die volle Konzentration und alle Ressourcen darauf zu bündeln. Das bedeutet in der aktuellen Situation ganz konkret: Solange Civilization 7 kontinuierliche Unterstützung und Weiterentwicklung benötigt – und das wird erfahrungsgemäß mindestens zwei bis drei Jahre mit umfangreichen Erweiterungen, DLC-Paketen und Updates dauern – gibt es schlichtweg keine personellen oder finanziellen Kapazitäten für andere große Projekte wie das lang ersehnte XCOM 3. Die Ressourcen sind gebunden, das gesamte Team ist bereits voll ausgelastet, und neue Einstellungen sind in der aktuellen wirtschaftlichen Lage unwahrscheinlich.
Was kommt nach Civilization 7 und dessen Support-Phase? Aller Wahrscheinlichkeit nach die langfristige Arbeit an Civilization 8 oder einem anderen bewährten und kommerziell sicheren Projekt aus dem Portfolio. Aber XCOM, eine Serie mit höchst ungewisser kommerzieller Zukunft nach den herben Rückschlägen und dem Misserfolg von Midnight Suns? Das erscheint in der aktuellen angespannten Situation mehr als unwahrscheinlich und wirtschaftlich nicht vertretbar. Firaxis spielt derzeit erkennbar auf Nummer sicher und konzentriert sich auf bewährte Franchises, und XCOM ist nach den jüngsten Ereignissen alles andere als ein sicherer kommerzieller Erfolg.
Julian Gollop: Selbst der Originalschöpfer weiß nichts
Die bemerkenswerte Aussage: „Wo ist XCOM 3? Ich will es wissen.“
Julian Gollop, der Originalschöpfer des ersten XCOM aus dem Jahr 1994 und damit der geistige Vater der gesamten Serie, äußerte sich im Februar 2025 – also erst vor wenigen Monaten – in einem ausführlichen Interview zum Thema XCOM 3. Seine Aussage war nicht nur bemerkenswert, sondern geradezu bezeichnend für die aktuelle Situation: „Wo ist XCOM 3? Ich will es wissen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum sie die Serie nicht fortgesetzt haben.“
Julian Gollops offene Ratlosigkeit und sein fehlendes Wissen über die Zukunft der Serie unterstreichen eindrucksvoll, wie unglaublich weit entfernt XCOM 3 von jeglicher Realität ist. Selbst der Mann, der die gesamte Serie ursprünglich erschaffen und das Genre maßgeblich geprägt hat, tappt völlig im Dunkeln über deren mögliche Zukunft. Wenn nicht einmal der Schöpfer selbst Informationen oder auch nur vage Hinweise hat, was sagt das über die realistischen Chancen für eine Fortsetzung aus?
Die kommerzielle Nischen-Problematik
Gollop spekulierte in demselben Interview auch über die möglichen kommerziellen Gründe für das Ausbleiben von XCOM 3: „Vielleicht ist das Publikum für diese Art von Spielen einfach nicht so groß, wie wir es uns wünschen würden. Möglicherweise sind diese Spiele immer noch ziemlich nischig, trotz aller Erfolge. Vielleicht war die gesamte XCOM-Wiederbelebung durch Firaxis einfach etwas Ungewöhnliches, das in einer besonderen Zeit passiert ist und möglicherweise nicht wieder in dieser Form passieren wird.“
Diese brutale Einschätzung klingt hart, ist aber erschreckend realistisch, wenn man sich die nackten Zahlen anschaut. XCOM: Enemy Unknown verkaufte bis 2014 etwa 2,5 Millionen Exemplare – eine respektable Zahl, aber definitiv kein AAA-Blockbuster. XCOM 2 erreichte bis 2019 ungefähr 4 Millionen verkaufte Einheiten – besser, aber immer noch weit entfernt von den großen kommerziellen Hits. Marvel’s Midnight Suns? Die Schätzungen gehen von deutlich unter 1 Million verkauften Exemplaren aus, was für ein Spiel mit diesem Budget ein finanzielles Desaster bedeutet.
Für Publisher 2K Games, der an AAA-Budgets und entsprechende Verkaufszahlen gewöhnt ist, sind diese Zahlen schlichtweg zu niedrig für weitere Investitionen. Zum Vergleich: Grand Theft Auto 5 verkaufte über 200 Millionen Exemplare. Die NBA 2K-Serie verkauft Jahr für Jahr viele Millionen Exemplare und generiert zusätzlich massive Einnahmen durch Mikrotransaktionen. XCOM ist im direkten Vergleich zu diesen Blockbustern winzig und wirtschaftlich nicht annähernd so attraktiv.
Die wenigen Hoffnungsschimmer – und warum sie alle trügen
Der NVIDIA-Leak von 2021: Fünf Jahre Funkstille
Im Jahr 2021 sorgte ein umfangreicher Leak der NVIDIA GeForce Now-Datenbank in der Gaming-Community für erhebliches Aufsehen und wilde Spekulationen. In dieser geleakten Liste war unter anderem auch ein mysteriöser Eintrag namens „XCOM 3“ aufgeführt. NVIDIA bestätigte später in einem Statement die grundsätzliche Echtheit der Liste, betonte jedoch ausdrücklich, dass einige der darin aufgeführten Titel rein spekulativ seien und nicht zwangsläufig tatsächlich in Entwicklung befindliche Projekte darstellen würden.
Fünf Jahre später, im März 2026, gibt es noch immer keinerlei offizielle Bestätigung von Firaxis oder 2K Games, dass dieser Eintrag mehr war als ein Platzhalter oder das reine Wunschdenken eines NVIDIA-Mitarbeiters. Keinerlei konkrete Informationen, keine Ankündigung, nichts. Der NVIDIA-Leak hat sich in Bezug auf XCOM 3 als vollständige Sackgasse erwiesen.
Garth DeAngelis‘ vages Versprechen von 2022: „Absolut eine Zukunft“
Im Jahr 2022 bestätigte der damalige Firaxis-Projektleiter Garth DeAngelis in einem Interview noch optimistisch, dass es „absolut“ eine Zukunft für die XCOM-Serie gebe. Für Fans klang das zunächst nach einer hoffnungsvollen und konkreten Aussage.
Das Problem mit dieser Aussage: Vier Jahre später ist Garth DeAngelis selbst nicht mehr bei Firaxis Games beschäftigt und hat das Studio verlassen. In diesen vier Jahren seit seiner Aussage gab es keinerlei offizielle Ankündigung, kein konkretes Projekt, absolut nichts Greifbares. Diese Aussage wirkt im Rückblick wie typischer PR-Speak ohne jegliche Substanz – eine leere Versprechung, um Fans bei Laune zu halten, ohne tatsächliche Pläne oder Projekte dahinter.
Die aktuellen Alternativen für XCOM-Fans: Indie-Entwickler übernehmen das Erbe
Während die Fans weiterhin vergeblich auf XCOM 3 von Firaxis warten, haben findige und talentierte Indie-Entwickler aus aller Welt die Fackel aufgenommen und das Genre mit eigenen Interpretationen am Leben gehalten.
Xenonauts 2 bietet eine puristische und kompromisslose Interpretation der klassischen XCOM-Formel aus dem Jahr 1994. Das Spiel ist bewusst komplex, strategisch tiefgründig und oldschool in seinem Ansatz – genau das, was Hardcore-Fans der Originale suchen.
Classified France ’44 transferiert das bewährte XCOM-Gameplay geschickt in den historischen Kontext des Zweiten Weltkriegs und ergänzt es um einen starken Stealth-Fokus. Das Spiel wurde von der Fachpresse kritisch gelobt und erreichte einen respektablen Metacritic-Score von 79 Punkten.
Phantom Brigade wagt ein interessantes Experiment mit einem Mech-basierten Hybrid aus Echtzeit-Strategie und rundenbasierter Taktik. Das Spiel kombiniert verschiedene Genre-Elemente auf innovative Weise.
Jagged Alliance 3 bietet eine moderne und zeitgemäße Interpretation des legendären Taktik-Klassikers. Nach über 20 Jahren Wartezeit wurde das Spiel endlich veröffentlicht und zeigt, dass auch lang totgeglaubte Serien zurückkehren können.
Phoenix Point ist Julian Gollops ganz eigene Vision und sein persönlicher spiritueller Nachfolger zu seinem Original-XCOM. Der XCOM-Schöpfer entwickelt hier sein eigenes Taktikspiel mit vielen innovativen Ideen. Das Spiel erhielt gemischte Rezensionen, existiert aber und bietet eine Alternative.
Diese Spiele sind definitiv nicht XCOM 3 von Firaxis und können es auch nicht ersetzen. Aber sie füllen die schmerzhafte Lücke und halten das Genre lebendig. Das rundenbasierte Taktik-Genre lebt weiter – nur eben ohne die direkte Beteiligung von Firaxis Games.
Warum XCOM 3 wahrscheinlich nie erscheinen wird: Die harten, ungeschönten Fakten
Erstens: Kein funktionierendes Team mehr vorhanden. Die ursprünglichen kreativen Köpfe sind alle weg und arbeiten an anderen Projekten. Jake Solomon hat mit seinem gescheiterten Studio abgeschlossen und wird niemals zu rundenbasierter Strategie zurückkehren. Garth DeAngelis ist nicht mehr bei Firaxis beschäftigt. Sid Meier konzentriert sich vollständig auf die Civilization-Serie. Das XCOM-Entwicklungsteam, das die erfolgreichen Spiele erschaffen hat, existiert in dieser Form schlichtweg nicht mehr.
Zweitens: Absolut keine Priorität im aktuellen Portfolio. Firaxis Games konzentriert sich mit allen verfügbaren Ressourcen auf Civilization, ihre verlässliche Cash-Cow. XCOM ist nach dem Midnight Suns-Desaster ein kommerzielles Risiko geworden. Nach dem Flop ist Publisher 2K Games verständlicherweise äußerst vorsichtig geworden mit weiteren Investitionen in die Serie.
Drittens: Ein erhebliches kommerzielles Risiko. XCOM 2 verkaufte etwa 4 Millionen Exemplare über mehrere Jahre verteilt. Marvel’s Midnight Suns verkaufte geschätzt unter 1 Million Einheiten und war ein finanzielles Fiasko. Diese Zahlen reichen für moderne AAA-Budgets, die oft dreistellige Millionenbeträge verschlingen, einfach nicht aus. 2K Games investiert sein Geld lieber in NBA 2K, das jährlich viele Millionen Exemplare garantiert verkauft, als in XCOM mit seiner unsicheren kommerziellen Zukunft.
Viertens: Eine begrenzte Nischenzielgruppe. Rundenbasierte Taktikspiele sind und bleiben eine kommerzielle Nische, so brutal das auch klingen mag. Selbst Julian Gollop, der Schöpfer, gibt das offen und ehrlich zu. Die große Masse der Spieler bevorzugt Shooter, Battle Royales und Open-World-Spiele. Nicht komplexe 40-Stunden-Taktik-Grind-Erfahrungen, die volle Konzentration erfordern.
Fünftens: Der generelle Genre-Shift in der Industrie. Die gesamte Spielebranche bewegt sich erkennbar weg von komplexer, anspruchsvoller Strategie. Casual-Gaming dominiert die Charts. Mobile Gaming boomt und generiert Milliarden. Hardcore-Taktikspiele? Kommerziell weitgehend tot außerhalb des Indie-Bereichs, wo kleinere Budgets realistische Erwartungen ermöglichen.
Ein neues Team würde ein fundamental anderes Spiel erschaffen
Falls XCOM 3 jemals tatsächlich erscheinen sollte, wäre es zwangsläufig von einem komplett neuen Team ohne die ursprüngliche Vision und die jahrelange Expertise der Originale entwickelt. Die zentrale Frage ist: Wäre ein solches Spiel überhaupt noch das XCOM, das Fans kennen, lieben und erwarten? Oder wäre es lediglich ein generisches Taktikspiel mit aufgesetzter XCOM-Optik?
Ein warnendes Beispiel liefert Firaxis‘ eigenes XCOM: Chimera Squad aus dem Jahr 2020. Das Spiel wurde von einem anderen, kleineren Team innerhalb des Studios entwickelt und erhielt gemischte bis mittelmäßige Rezensionen. Kommerziell verkaufte es sich schlecht und verschwand schnell wieder aus den Charts. Das wäre mit großer Wahrscheinlichkeit auch das Schicksal eines XCOM 3 ohne Jake Solomon und das ursprüngliche Kernteam.
Fazit: Zeit für einen endgültigen, würdevollen Abschied
Stand März 2026 stehen alle Zeichen eindeutig und unmissverständlich: XCOM 3 wird in absehbarer Zeit nicht erscheinen. Die realistische Einschätzung lautet sogar: wahrscheinlich niemals.
Fast zehn Jahre sind seit der Veröffentlichung von XCOM 2 vergangen. Drei Jahre sind seit Jake Solomons Abgang von Firaxis verstrichen. Zwei Jahre seit der Gründung von Midsummer Studios, das mittlerweile gescheitert und geschlossen ist. Alle Hoffnungen haben sich als illusorisch erwiesen. Es ist Zeit, die harte Realität zu akzeptieren und loszulassen.
Die Serie, die 2012 mit Enemy Unknown die Renaissance der rundenbasierten Taktikspiele einläutete und das Genre zu neuer Blüte führte, scheint ihr definitives Ende gefunden zu haben. XCOM: Enemy Unknown und XCOM 2 inklusive der herausragenden Erweiterung War of the Chosen bleiben unbestrittene Meisterwerke des Genres, die noch jahrelang Maßstäbe setzen werden. Vielleicht ist es tatsächlich besser, sie als vollendete und in sich abgeschlossene Duologie in ehrenhafter Erinnerung zu behalten, anstatt auf einen möglicherweise enttäuschenden und minderwertigen dritten Teil zu warten, der dem Erbe der Serie nicht gerecht werden könnte.
Für die Fans der Serie bleibt dennoch einiges: Die bestehenden, exzellenten Spiele in vollen Zügen genießen. Umfangreiche Mods installieren, von denen Long War 2 für XCOM 2 quasi als inoffizielles XCOM 2.5 gilt. Die zahlreichen Indie-Alternativen ausprobieren, die das Genre mit frischen Ideen bereichern. Oder andere taktische Perlen entdecken wie Samurai Warriors 5, das zwar ein anderes Genre bedient, aber dennoch taktische Tiefe und strategisches Gameplay bietet.
XCOM ist tot. Lang lebe XCOM. Und lang lebe das rundenbasierte Taktik-Genre – auch und gerade ohne die direkte Beteiligung von Firaxis Games.

