Yoshi's Crafted World

Yoshi’s Crafted World im Test – Bastelspaß für die ganze Familie

Nintendo hat in diesem Jahr einige gute Games angekündigt, und mit Yoshi’s Crafted World ist ein heiß erwartetes Spiel des kleinen grünen Hüpfers erschienen. Entwickelt von Good-Feel, dem Studio hinter Yoshi’s Woolly World, erwartet uns ein kunterbuntes Plattform-Abenteuer im einzigartigen Bastel-Look. Ob der Titel den hohen Erwartungen der Community standhalten kann?

Eine einfache Geschichte

Die Traumsonne samt ihrer Juwelen wird in der kunterbunten Welt der Yoshis überfallen. Baby Bowser und Kamek hatten von ihrer Macht gehört und wollten sich ihre bösen Wünsche erfüllen lassen. Dummerweise werden die Traumjuwelen bei dem Überfall in der gesamten Spielwelt verteilt. Yoshi zieht los, um sie wieder einzusammeln.

Diese flache Story ist nichts Besonderes, aber auch für die Kleinsten gut nachzuvollziehen. Und seien wir ehrlich: Bei einem Yoshi-Spiel erwartet niemand eine komplexe Handlung.

Yoshi's Crafted World

Sammelwahn

Natürlich dürfen neben den Traumjuwelen auch andere Dinge gesammelt werden. Sehr wichtig sind die Grinseblumen, die als Währung dienen, um neue Teile der Welt freizuschalten. Sie winken als Belohnung für verschiedene Aufgaben:

  • Level abschließen
  • 100 Münzen in einem Level sammeln
  • Alle 20 roten Münzen finden
  • Mit voller Energie am Ziel ankommen

Besonders knuffig sind die Mini-Schnuffels, die immer wieder vor ihrer Mama flüchten und eingefangen werden wollen. In den um 180 Grad gedrehten Leveln – der sogenannten Rückseite – sind diese zu finden. Das ist bei den ersten Durchläufen noch lustig, wird aber schnell eintönig.

Die klassischen Münzen können im Wunderball-Automaten ausgegeben werden, um Outfits zu erhalten. Jeder Automat enthält neun Eier mit Kostümen in unterschiedlichen Seltenheitsstufen. Diese Verkleidungen sind thematisch an die „Crafted World“ angepasst und sehen selbst gebastelt aus – Pappkartons, Becher, Papprollen. Der praktische Nutzen: Outfits stecken bis zu fünf Treffer ein, bevor sie kaputtgehen. Erst dann wird die Lebensenergie angezapft.

Amiibo werden ebenfalls unterstützt. Einen Teil der knapp 200 Outfits erhält man sogar exklusiv über die Sammelfiguren per NFC.

Yoshi's Crafted World

Gameplay: Einfach, aber charmant

Die Steuerung ist schnell erlernt. Das Schießen der Eier allerdings bedarf etwas Eingewöhnung – diese können in alle Richtungen geschossen werden, auch in den Raum nach vorne und hinten. Ansonsten ist das Moveset Nintendo-typisch: Yoshi läuft, futtert Gegner, führt Stampfattacken aus und überbrückt größere Distanzen per Flatterflug.

Yoshi’s Crafted World spricht vor allem die jüngere Generation an. Das spürt der erfahrene Spieler beim Schwierigkeitsgrad – das Spiel ist super einfach. Die Gegner sind harmlos, und selbst die Bosse, obwohl grandios inszeniert, erfordern keinen Neuversuch. Alles geht locker flockig.

Dennoch ist Yoshis Welt mit so viel Liebe zum Detail kreiert, dass man beim Absolvieren der Level viel Spaß hat. Jede Ecke ist liebevoll gestaltet, überall gibt es kleine Details zu entdecken. Lediglich beim Sammeln der Collectibles wird es irgendwann langweilig, da Abschnitte wieder und wieder beendet werden müssen.

Die Hauptstory ist in knapp fünf Stunden abgeschlossen. Dazu kommt viel Zeit für die sammelbaren Gegenstände, sofern man darauf Wert legt.

Yoshi's Crafted World

Die Rückseite: Ein cleveres Konzept

Das besondere Gimmick von Yoshi’s Crafted World ist die Möglichkeit, Level von der Rückseite zu spielen. Nach Abschluss eines Levels kann man ihn „umdrehen“ und von hinten durchlaufen. Die Perspektive ändert sich komplett – man sieht die Rückseiten der Kulissen, die Klebestreifen, die Papprollen, die alles zusammenhalten.

Auf der Rückseite gilt es, die Mini-Schnuffels zu finden – drei pro Level, die sich verstecken. Das Konzept ist clever und zeigt, wie viel Arbeit in das Leveldesign geflossen ist. Nach einigen Leveln wird es allerdings repetitiv.

Grafik vs. Musik: Ein Kontrast

Die Liebe zum Detail haben wir bereits erwähnt. Das Resultat sind wunderschöne Spielwelten, die in jeder Ecke fantastisch aussehen. Der Look der „Crafted World“ ist einzigartig: Alles sieht aus wie aus Pappe, Papier und Alltagsgegenständen gebastelt. Milchkartons, Klopapierrollen, Eierkartons – die Kreativität kennt keine Grenzen. Besser können Level nicht designt werden.

Das genaue Gegenteil ist die musikalische Begleitung. Die Musik nervt spätestens ab dem dritten oder vierten Level. Zu wenig Variation, teils völlig abgedrehte Stücke. Selbst eine zum Test „angeheuerte“ Grundschülerin wollte die Musik irgendwann leiser machen. Das kann Nintendo viel besser – Mario Kart 8 Deluxe oder Super Smash Bros. Ultimate zeigen, wie es geht.

Yoshi's Crafted World

Koop: Am Rande des Chaos

Das Hauptspiel kann gemeinsam mit einem Freund absolviert werden. Jeder Spieler braucht nur einen Joy-Con. On-the-fly während eines Levels ist das Hinzufügen leider nicht möglich – nur auf der Weltkarte.

Der Koop ist eher frustrierend als spaßig. Man kommt oft nicht richtig voran, behindert sich gegenseitig, und das Chaos überwiegt. Für koordinierte Paare mag es funktionieren, für spontane Sessions mit Kindern eher weniger.

Umfang: Mehr als nur die Story

Das Hauptabenteuer umfasst mehrere thematisch unterschiedliche Welten – von sonnigen Wiesen über düstere Ninja-Dojos bis hin zu Unterwasser-Szenarien. Jede Welt besteht aus mehreren Leveln, die jeweils eigene Gimmicks und Mechaniken einführen. Mal fährt Yoshi in einem Pappzug durch die Gegend, mal steuert er einen Roboter-Anzug, mal muss er sich vor riesigen Schatten verstecken.

Die Story ist in etwa fünf Stunden abgeschlossen – für erfahrene Spieler sogar schneller. Doch wer nur die Credits sehen will, verpasst den Großteil des Spiels. Der wahre Umfang steckt im Sammeln.

Jedes Level bietet mehrere Ziele:

  • Grinseblumen: Die Hauptwährung. Durch Abschließen des Levels, Sammeln aller roten Münzen, 100 normale Münzen und volles Leben am Ziel.
  • Rückseiten-Level: Nach Abschluss kann jedes Level „umgedreht“ werden. Hier sucht man drei Mini-Schnuffels.
  • Souvenirs: Versteckte Sammelobjekte, die man für Blockafeller-NPCs finden muss.
  • Sprout: Ein kleiner versteckter Charakter in jedem Level nach Abschluss der Story.

Das Sammeln aller Grinseblumen ist Voraussetzung, um die letzten Welten freizuschalten. Wer also alles sehen will, muss sich mit dem Sammel-System auseinandersetzen. Das kann motivierend sein – oder frustrierend, je nach Spielertyp.

Die knapp 200 Outfits, die über den Wunderball-Automaten erspielt werden, bieten einen weiteren Anreiz. Jeder Automat hat ein eigenes Set, und die Seltenheitsstufen sorgen für Spannung beim Auspacken. Einige Outfits sind nur über Amiibo erhältlich, darunter Designs basierend auf Nintendo Labo.

Für Completionists bietet Yoshi’s Crafted World problemlos 20 bis 25 Stunden Spielzeit. Wer wirklich jedes Souvenir, jeden Sprout und jedes Outfit finden will, kann noch länger beschäftigt sein. Die Qualität der Inhalte rechtfertigt die Zeit – auch wenn das wiederholte Durchspielen der Rückseiten-Level irgendwann eintönig wird.

Yoshi's Crafted World

Fazit

Yoshi’s Crafted World ist sehr einfach und richtet sich klar an das jüngere Publikum. An den SNES-Klassiker Yoshi’s Island reicht es nicht heran – das bleibt ein unerreichtes Meisterwerk.

Dennoch ist das Spiel den Kauf wert, wenn man Yoshi liebt oder sanfte Kost genießen möchte. Die Welt ist derart toll gestaltet, dass man sich kaum satt sehen kann. Kurze Gaming-Sessions sind ideal – dann fällt die nervige Musik nicht so auf. Wer drei Stunden am Stück spielt, wird vermutlich ein bisschen verrückt.

In Summe ist Yoshi’s Crafted World ein empfehlenswerter Titel für Sammler und Familien. Wem Collectibles egal sind, bekommt relativ wenig Spielzeit fürs Geld. Aber die wunderschöne Bastelwelt ist definitiv einen Besuch wert.


Bewertung: 8.0/10

Stärken:

  • Wunderschöner Bastel-Grafikstil
  • Liebevolles Leveldesign mit viel Liebe zum Detail
  • Rückseiten-Konzept ist clever
  • Einsteigerfreundlich und familientauglich
  • Knapp 200 Outfits zum Sammeln
  • Amiibo-Unterstützung
  • Stabile 60 fps

Schwächen:

  • Viel zu einfach für erfahrene Spieler
  • Nervige, repetitive Musik
  • Sammeln wird schnell eintönig
  • Koop-Modus eher chaotisch als spaßig
  • Nur ~5 Stunden Hauptstory
  • Bosse bieten keine Herausforderung

Technische Daten:

  • Entwickler: Good-Feel
  • Publisher: Nintendo
  • Plattform: Nintendo Switch (exklusiv)
  • Release: 29. März 2019
  • Genre: 2.5D-Plattformer
  • Engine: Unreal Engine 4
  • Spielbare Charaktere: Verschiedene Yoshi-Farben
  • Multiplayer: 2 Spieler (lokal)
  • Spielzeit: 5 Stunden (Story), 20-25 Stunden (Komplett)
  • Altersfreigabe: USK 6

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