Ein Jahr ist es her, seit Assassin’s Creed Unity als technisches Desaster die Franchise beinahe ruinierte: Gesichter ohne Texturen, Abstürze im Minutentakt, Framerate-Einbrüche bis zur Unspielbarkeit. Ubisoft stand massiv in der Kritik – zu Recht. Die Frage war nicht, ob das nächste AC besser werden würde, sondern ob Ubisoft überhaupt noch in der Lage ist, ein stabiles Spiel abzuliefern.
Mit Assassin’s Creed Syndicate – entwickelt vom bisher wenig bekannten Studio Ubisoft Quebec – liefert der Publisher nun die dringend benötigte Wiedergutmachung. Das Spiel katapultiert uns ins viktorianische London des Jahres 1868, mitten in die Industrielle Revolution, an der Schwelle zwischen Dampfmaschinen und Elektrizität, zwischen mittelalterlicher Unterdrückung und modernem Fortschritt.
Die Protagonisten sind diesmal die Zwillinge Jacob und Evie Frye – zum ersten Mal in einem Haupttitel der Serie können wir frei zwischen zwei vollwertigen Charakteren wechseln, jeder mit eigenem Spielstil, eigenen Missionen und eigener Persönlichkeit. Jacob ist der impulsive Straßenkämpfer, der eine Gangster-Armee (die Rooks) aufbaut, um London von Templer-Kontrolle zu befreien. Evie ist die strategische Denkerin, die nach einem Edensplitter sucht und lieber im Schatten agiert.
Nach etwa 30 Stunden mit der PlayStation-4-Version steht fest: Syndicate ist das technisch stabilste, spielerisch zugänglichste und unterhaltsamste Assassin’s Creed seit Black Flag. Es ist kein revolutionäres Meisterwerk, aber ein solides, poliertes und verdammt spaßiges Action-Adventure, das die Serie wieder auf Kurs bringt.
Story: Zwillinge gegen das viktorianische Establishment
Die Handlung spielt ausschließlich im Jahr 1868, am Ende der Zweiten Industriellen Revolution. London ist die mächtigste Stadt der Welt – das Herz des Britischen Empire, das ein Viertel des Planeten kontrolliert. Doch hinter der glänzenden Fassade aus Gaslaternen und Stahlbrücken herrschen Armut, Kinderarbeit und Unterdrückung.
Die Frye-Zwillinge: Brains & Brawn
Jacob Frye (gesprochen von Paul Amos) ist 21 Jahre alt, impulsiv, charmant und ein geborener Anführer. Er glaubt nicht an langfristige Strategien – er will jetzt handeln, Templerkontrolle brechen, die Arbeiterklasse befreien. Seine Methode: Eine Straßengang aufbauen, die Blighters (die Templer-Gang) verdrängen und London Bezirk für Bezirk zurückerobern.
Evie Frye (gesprochen von Victoria Atkin) ist Jacobs Zwillingsschwester – analytisch, vorsichtig, fokussiert. Während Jacob Gangs rekrutiert, sucht Evie nach dem Edensplitter, einem mächtigen Artefakt der Ersten Zivilisation, das der Templer-Großmeister Crawford Starrick besitzt. Sie glaubt, dass der Splitter der Schlüssel ist, um die Templerkontrolle dauerhaft zu brechen.
Die Geschwisterdynamik ist das Herz der Story. Jacob und Evie streiten sich ständig – über Methoden, Prioritäten, Risiken. Jacob wirft Evie vor, zu passiv zu sein; Evie wirft Jacob vor, rücksichtslos zu agieren ohne an die Konsequenzen zu denken. Erst im Finale erkennen sie, dass sie nur zusammen erfolgreich sein können.
Mein Eindruck: Die Zwillinge sind sympathischer als Arno (Unity), charismatischer als Connor (AC III) und besser geschrieben als die meisten AC-Protagonisten. Sie fühlen sich wie echte Geschwister an – mit Liebe, Rivalität und gegenseitigem Respekt. Paul Amos und Victoria Atkin liefern exzellente Performances ab, besonders in den Banter-Szenen zwischen Missionen.
Der Antagonist: Crawford Starrick
Crawford Starrick (gesprochen von Kris Holden-Ried) ist der Templer-Großmeister und kontrolliert London durch ein Netzwerk aus Industriellen, Politikern und Verbrechern. Er besitzt Fabriken, Banken, Zeitungen, Eisenbahnen – seine Macht ist total.
Starrick ist kein schreiender Wahnsinniger wie Cesare Borgia. Er ist kalt, kalkulierend, kultiviert. Er glaubt ehrlich, dass Ordnung durch Kontrolle der einzige Weg zu Frieden ist. Seine Leutnants repräsentieren verschiedene Sektoren Londons:
- Pearl Attaway: Eisenbahn-Magnatin, kontrolliert Transport
- Maxwell Roth: Gangster-Boss, kontrolliert Unterwelt
- Dr. John Elliotson: Arzt, experimentiert an Patienten
- Lucy Thorne: Okkulte Forscherin, sucht Edensplitter
Problem: Starrick ist zu wenig präsent. Er erscheint selten, hat kaum Screentime, wirkt distanziert. Seine Leutnants sind interessanter als er selbst – besonders Maxwell Roth (brillant gespielt von Jaz Deol), ein charismatischer Psychopath, der eine obsessive Faszination für Jacob entwickelt.
Die historischen Figuren
Syndicate bindet geschickt historische Persönlichkeiten ein:
- Alexander Graham Bell: Erfinder (Telefon), repariert den Rope Launcher, liefert Gadgets
- Charles Darwin: Biologe, braucht Hilfe beim Sammeln seltener Pflanzen
- Charles Dickens: Schriftsteller, schickt die Fryes auf „Geisterjagd“-Missionen
- Karl Marx: Philosoph, kämpft gegen Kapitalismus
- Florence Nightingale: Krankenschwester, rettet verwundete Arbeiter
- Queen Victoria: Britische Königin, erscheint im Finale
Positiv: Die Figuren sind nicht nur Name-Dropping. Sie haben eigene Questlines mit historischem Kontext. Darwin erklärt Evolution, Dickens erzählt von seinen Penny-Dreadfuls, Marx predigt Klassenkampf.
Die moderne Ebene: Minimalistisch
Anders als in Unity gibt es keinen spielbaren Modern-Day-Protagonisten mehr. Die Geschichte wird von einem namenslosen „Initiate“ (dem Spieler) erlebt, der via Helix-Konsole Jacobs und Evies Erinnerungen durchlebt.
Rebecca Crane und Shaun Hastings (bekannt seit Brotherhood) infiltrieren Abstergo in London, um den Edensplitter zu finden. Das war’s. Die Modern-Day-Segmente sind auf Zwischensequenzen reduziert – keine spielbaren Abschnitte.
Fazit: Für manche Fans ist das Enttäuschung (keine Desmond-Nachfolge), für andere Erleichterung (keine nervigen Modern-Day-Unterbrechungen). Ich persönlich finde es schade – die Modern-Day-Story war jahrelang das verbindende Element der Serie. Jetzt ist AC reiner historischer Tourismus.

Gameplay: Rope Launcher revolutioniert Parkour
Syndicate baut auf dem Unity-Grundgerüst auf, vereinfacht vieles und fügt geniale neue Mechaniken hinzu.
Parkour: Runter-Knopf ist zurück!
Die größte Verbesserung gegenüber Unity: Es gibt wieder einen dedizierten „Runter“-Knopf. In Unity war das Runterklettern eine Qual – Arno hing oft fest, sprang in die falsche Richtung, ignorierte Befehle. In Syndicate hält man X (PlayStation) + R2 und klettert kontrolliert nach unten.
Das Parkour-System ist flüssiger, responsiver und fehlertoleranter als in Unity. Die Zwillinge springen präziser, greifen zuverlässiger nach Kanten, landen sicherer. Es fühlt sich wieder wie AC II/Brotherhood an – gut genug, um Spaß zu machen, ohne frustrierend zu sein.
Der Rope Launcher: Game Changer
Die absolute Kern-Innovation ist der Rope Launcher (Seilwerfer) – ein mechanischer Greifhaken am Handgelenk. Mit L1 feuert man ihn ab und kann:
- Senkrecht hochziehen: Gebäude in Sekundenschnelle erklimmen. Haltet L1 gedrückt, zielt auf ein Dach, drückt X – zack, oben. Keine mühsame Kletterei mehr.
- Horizontale Seilrutschen erstellen: Zwischen zwei Gebäuden eine Zipline spannen. Perfekt, um breite Straßen zu überqueren ohne runterzuklettern.
Warum das funktioniert: London ist breiter als Paris (Unity). Die Straßen sind Prachtboulevards für Kutschen, nicht enge Gassen. Ohne Rope Launcher würde man ständig auf Straßenebene zurückfallen. Der Seilwerfer löst das elegant.
Kritik: Es ist zu mächtig. Vertikalität verliert an Bedeutung, wenn man jedes Gebäude in 2 Sekunden hochzischen kann. Das Erfolgsgefühl, ein hohes Gebäude zu erklimmen, ist weg. Aber ehrlich: Die Zeitersparnis ist es wert.
Kampf: Einfacher, schneller, befriedigender
Das Kampfsystem ist massiv vereinfacht – und das ist gut so. Unity’s Kämpfe waren langsam, schwammig, frustrierend. Syndicate
orientiert sich an den Batman Arkham-Spielen: Schnelle Schläge, fließende Combos, spektakuläre Finisher.
Steuerung:
- Viereck: Nahkampfangriff
- Dreieck: Fernkampf (Revolver, Wurfmesser)
- Kreis: Konter/Parieren
- X: Ausweichen
Waffen:
- Kukri-Messer: Schnell, tödlich, Evies bevorzugte Waffe
- Stockdegen (Cane Sword): Versteckte Klinge im Gehstock
- Schlagring (Brass Knuckles): Für Faustkämpfe, Jacobs Favorit
- Revolver: Fernkampf, 6 Schuss
- Wurfmesser: Lautlose Kills aus Distanz
- Halluzinogene Pfeile: Gegner greifen sich gegenseitig an
Multi-Kills: Wie in den Arkham-Spielen kann man nahtlos zwischen Gegnern wechseln. Bei 20+ Hit-Combo kann man einen Raum voller Blighters in Sekunden ausschalten. Das sieht cool aus, ist aber mechanisch flach.
Problem: Kämpfe sind zu einfach. Selbst auf hohem Schwierigkeitsgrad stirbt man selten. Gegner telegrafieren Angriffe, Konter sind zu mächtig. Es fehlt die taktische Tiefe von Unity (wo man zumindest auf Waffenwahl achten musste).
Stealth: Entführung als neue Mechanik
Die Stealth-Optionen wurden erweitert:
Entführung (Kidnapping): Man kann Gegner von hinten packen und als menschliches Schild nutzen. Solange man sie hält, kann man durch feindliches Gebiet laufen ohne aufzufallen. Ein grüner Ring zeigt, wie nah Wachen kommen dürfen. Zu schnell laufen = Opfer versucht zu fliehen.
Das ist nützlich für Infiltrationen, fühlt sich aber gezwungen an. Die KI ist zu dumm – Wachen bemerken nicht, dass ihre Kollegen gewaltsam weggeschleppt werden.
Unsichtbarkeit (Evie-Skill): Evie kann durch Skill-Tree ein Outfit freischalten, das sie für kurze Zeit unsichtbar macht. Das ist absurd mächtig – sie kann mitten durch Wachposten laufen, ohne entdeckt zu werden.
Verstecke: Büsche (wie in AC III), Heuhaufen, Kutschen, Züge. Standard-AC-Mechaniken.
Fahrzeuge: Kutschen & Züge
Syndicate führt steuerbare Fahrzeuge ein:
Kutschen (Carriages): Kann man kapern (GTA-Style) und durch London fahren. Funktioniert überraschend gut – Steuerung ist arcadig, aber flüssig. Man kann:
- Wachkutschen rammen
- Auf fahrende Kutschen springen (Parkour auf bewegten Fahrzeugen!)
- Kutschrennen fahren (Nebenmissionen)
Problem: Die KI-Kutschen fahren oft chaotisch, bleiben in Ecken stecken oder rasen in Mauern.
Der Zug: Die Fryes besitzen einen Eisenbahnwaggon, der als mobile Basis dient. Hier kann man:
- Upgrades kaufen
- Missionen starten
- Mit NPCs sprechen
- Gang-Management betreiben
Der Zug bewegt sich auf Schienen rund um London. Reine Ästhetik, aber atmosphärisch cool.
Die Welt: Viktorianisches London in all seiner Pracht
Das Spielgebiet umfasst sieben Stadtbezirke (Boroughs) Londons:
- Whitechapel: Armenviertel, Slums, Docks
- The Strand: Theaterviertel, lebhaft, belebt
- The City of London: Finanzviertel, Banken
- Southwark: Industriegebiet, Fabriken
- Lambeth: Wohnviertel
- Westminster: Politisches Zentrum, Parlament, Big Ben
- Thames (Themse): Fluss mit Schiffen, Brücken
Größe: Etwa 30% größer als Unity’s Paris. Fühlt sich aber durch breitere Straßen noch größer an.
Atmosphäre: Absolut fantastisch. Gaslaternen flackern im Nebel, Dampfmaschinen zischen, Fabrikschlote rauchen, Zeitungsjungen rufen Schlagzeilen. Die Themse ist verschmutzt, Kinderbettler sitzen in Gassen, Polizisten patrouillieren. London lebt.
Historische Wahrzeichen:
- Big Ben (Elizabeth Tower): Kann erklettert werden
- Tower Bridge: (1894 fertiggestellt – historisch inkorrekt für 1868, aber trotzdem im Spiel)
- Houses of Parliament
- St. Paul’s Cathedral
- Buckingham Palace (Finale)
- Trafalgar Square
Kritik: Tower Bridge ist ein Anachronismus – wurde erst 1886–1894 gebaut, nicht 1868. Ubisoft hat es trotzdem eingefügt, weil es ikonisch ist. Historiker werden das hassen, aber für die Spielatmosphäre ist es der richtige Call.
Gang Warfare: Rooks vs. Blighters
Der Kern des Side-Content ist das Gang-System. London wird von den Blighters (rot gekleidete Templer-Gang) kontrolliert. Jacob gründet die Rooks (grün gekleidete Assassinen-Gang), um sie zu vertreiben.
Territorien erobern:
Jeder Bezirk hat mehrere Gang-Stützpunkte. Um sie zu erobern, muss man:
- Strongholds infiltrieren: Lautlos alle Wachen ausschalten
- Bounty Hunts: Zielpersonen entführen und zur Polizei bringen
- Child Liberation: Kinder aus Fabriken befreien
- Templar Hunts: Templer-Leutnants assassinieren
Sobald alle Stützpunkte eines Bezirks erobert sind, folgt ein Gangkrieg – ein offener Straßenkampf zwischen Rooks und Blighters. Danach kontrollieren die Rooks den Bezirk.
Vorteile:
- Rooks erscheinen auf Straßen und unterstützen euch im Kampf
- Passive Einnahmen (Geld pro befreitem Bezirk)
- Neue Fähigkeiten (Rekrutiere Kinderbanditen, sabotiere Blighter-Waffen, besteche Polizei)
Kritik: Es wird schnell repetitiv. Die Missionen sind variationsarm – „Infiltriere Stützpunkt, töte alle Wachen“ funktioniert beim ersten Mal, beim zehnten Mal langweilt es. Die Gangkriege sind chaotisch, aber mechanisch flach – einfach draufhauen, bis alle Blighters tot sind.
Jacob vs. Evie: Zwei Playstyles, ein Spiel
Das große Versprechen: Zwei Protagonisten, zwei Spielstile. Wie gut funktioniert das?
Jacob: Der Brawler
Skill-Tree: Fokus auf Nahkampf, Multi-Kills, Gang-Upgrades Bevorzugte Waffen: Schlagring, Kukri Spielstil: Aggressiv, laut, direkt Missionen: Gang-Warfare, Straßenkämpfe, Templar-Attentate
Jacob ist perfekt für Spieler, die Action wollen. Seine Multi-Kill-Fähigkeiten machen ihn zur Nahkampf-Maschine. Seine Gang (die Rooks) kann man rufen, um Unterstützung zu bekommen.
Evie: Die Schattenjägerin
Skill-Tree: Fokus auf Stealth, Unsichtbarkeit, Lockpicking Bevorzugte Waffen: Stockdegen, Wurfmesser Spielstil: Leise, präzise, taktisch Missionen: Edensplitter-Suche, Infiltrationen, Rätsel
Evie ist für Stealth-Puristen. Ihre Unsichtbarkeits-Fähigkeit ist absurd mächtig – sie kann komplett unentdeckt durch Hochsicherheitsbereiche laufen.
Switch-Mechanik
In Story-Missionen: Festgelegt. Manche Missionen sind Jacob-exklusiv (Gangkriege), andere Evie-exklusiv (Edensplitter-Suche). Finale ist gemeinsam.
Im Open-World: Jederzeit wechselbar (außer in Missionen). Einfach Pause-Menü öffnen, Charakter wechseln.
Mein Eindruck: Das funktioniert besser als erwartet. Jacob und Evie fühlen sich unterschiedlich an – Jacobs Kämpfe sind brutal und direkt, Evies Infiltrationen sind elegant und präzise. Aber: Evie bekommt zu wenig Story-Missionen. Etwa 70% der Hauptstory sind Jacob-Missionen. Evie wirkt wie Nebendarstellerin im eigenen Spiel.
Nebenmissionen: Quantität über Qualität
Syndicate ist voll mit Side-Content:
Story-Nebenmissionen
Charles Dickens Ghost Club: 10 Missionen. Dickens schickt euch auf „Geisterjagden“ – die sich als Betrügereien herausstellen. Unterhaltsam, aber belanglos.
Dreadful Crimes (PS4-exklusiv, später für alle): 10 Kriminalmissionen. Ihr untersucht Tatorte, sammelt Beweise, verhört Verdächtige. Das Beste am ganzen Spiel. Brillant geschrieben, atmosphärisch dicht, echte Detektivarbeit.
The Darwin and Dickens Conspiracy (DLC): Charles Darwin braucht Hilfe bei Pflanzensammlung. Nett, aber kurz.
The Last Maharaja (DLC): Duleep Singh, der letzte indische Maharaja im Exil, bittet um Hilfe. Solide 2-Stunden-Story.
Sammelgegenstände
- 200 Schatztruhen
- 50 Londoner Geheimnisse (versteckte Musikboxen)
- 10 Königliche Korrespondenzen (Briefe an Queen Victoria)
- 32 Pressed Flowers (Blumen für Darwin)
- 15 Helix-Glitches (für Modern-Day-Story)
Kritik: Zu viel Filler. Die Karte ist überladen mit Icons. Es gibt hunderte Sammelgegenstände, aber wenig Belohnung. Unity hatte das gleiche Problem.
Fight Clubs
Faustkampf-Turniere. Man boxt gegen immer stärkere Gegner. Spaßig für 2-3 Kämpfe, dann repetitiv.
Conquest Activities
Um Bezirke zu erobern: Kidnappings, Stützpunkte, Kinderbefreiungen. Siehe Gang Warfare.
Racing
Kutsch- und Bootsrennen. Arcadig, simpel, okay für Zwischendurch.
Technische Aspekte: Stabil, aber nicht perfekt
Nach Unity’s Desaster war die größte Sorge: Läuft Syndicate überhaupt?
Grafik (PS4)
Positiv:
- London sieht fantastisch aus: Die Gebäude, Gaslaternen, Themse – alles detailverliebt und atmosphärisch
- Charaktermodelle: Jacob und Evie sehen großartig aus, Gesichtsanimationen sind gut
- Beleuchtung: Nebel, Sonnenuntergänge, Nachtstimmung – wunderschön
- Wettereffekte: Regen, Schnee, Nebel – sehr stimmungsvoll
Negativ:
- Pop-in: NPCs und Kutschen tauchen plötzlich auf, besonders bei hohen Geschwindigkeiten
- Textur-Qualität: Manche Gebäude haben matschige Texturen aus der Nähe
- Clipping: Kostüme glitchen manchmal durch Charaktere
Im Vergleich zu Unity: Syndicate sieht etwas schlichter aus (weniger Details, einfachere Architektur), läuft dafür aber deutlich stabiler.
Performance (PS4)
Framerate: Locked auf 30 FPS. Läuft stabil – keine massiven Einbrüche wie in Unity. In dichten Bereichen (Themse mit vielen Booten, Gangkriege mit 30+ NPCs) kann es auf 26-28 FPS fallen, aber nie unter 25 FPS.
Ladezeiten: Akzeptabel. Fast Travel dauert 15-20 Sekunden. Missionsstarts 10-15 Sekunden.
Bugs: Ich bin in 30 Stunden auf genau drei Bugs gestoßen:
- Kutsche ist in Wand stecken geblieben (Neustart half)
- NPC hatte keinen Sound (nach Reload behoben)
- Questmarker verschwand (nach Pause-Menü wieder da)
Das ist Lichtjahre besser als Unity (wo es hunderte Game-Breaking-Bugs gab).
Sound
Musik: Austin Wintory (Journey, The Banner Saga) komponierte den Score. Orchestral, episch, mit viktorianischen Einflüssen. Nicht so ikonisch wie Jesper Kyds AC-II-Soundtrack, aber atmosphärisch passend.
Voice Acting: Paul Amos (Jacob) und Victoria Atkin (Evie) sind exzellent. Ihr Banter ist witzig, ihre Emotionen glaubhaft. Kris Holden-Ried (Starrick) ist solide, aber untergenutzt.
Soundeffekte: Revolverschüsse knallen befriedigend, Schlagring-Treffer klingen brutal. Gut gemacht.
PC-Version (19. November 2015)
Die PC-Version erscheint am 19. November – ich habe sie nicht getestet. Aber basierend auf Unitys PC-Desaster sollte man vorsichtig sein. Ubisofts PC-Ports sind historisch problematisch.
Systemanforderungen (empfohlen):
- CPU: Intel i7-3770 / AMD FX-8350
- GPU: GTX 760 / R9 280X
- RAM: 8 GB
- HDD: 50 GB
Das ist heftig. Erwarte Optimierungsprobleme.
Fazit: Zurück auf Kurs
Assassin’s Creed Syndicate ist nicht das beste Spiel der Serie. Es revolutioniert nichts, überrascht selten, spielt es meist sicher. Aber nach Unity’s Katastrophe ist das exakt, was die Serie brauchte: Ein solides, poliertes, unterhaltsames Action-Adventure, das Spaß macht und funktioniert.
Was Syndicate richtig macht:
✅ Technisch stabil: Keine Game-Breaking-Bugs, stabile Framerate ✅ Jacob & Evie: Sympathische Protagonisten mit guter Chemie ✅ Rope Launcher: Geniale Mechanik, die Parkour vereinfacht ✅ Viktorianisches London: Atmosphärisch brillant ✅ Vereinfachtes Gameplay: Zugänglicher als Unity ✅ Dreadful Crimes: Beste Nebenmissionen der Serie ✅ Kampfsystem: Schnell, befriedigend, flüssig
Was Syndicate falsch macht:
❌ Evie wird vernachlässigt: Zu wenig Story-Missionen für sie ❌ Schwacher Antagonist: Starrick ist langweilig und untergenutzt ❌ Repetitiver Side-Content: Gang-Warfare wird schnell öde ❌ Zu einfach: Kämpfe sind mechanisch flach ❌ Modern-Day-Story: Auf Minimum reduziert ❌ Kartenüberladung: Zu viele Icons, zu viel Filler ❌ Rope Launcher zu mächtig: Parkour verliert an Bedeutung
Für wen ist Syndicate geeignet?
- Unity-Geschädigte: Syndicate ist die Wiedergutmachung, die ihr verdient
- Action-Fans: Schnelle Kämpfe, spektakuläre Verfolgungsjagden
- Viktorianische-London-Fans: Die Atmosphäre ist unschlagbar
- Zwillinge-Fans: Jacob und Evie sind großartig
Wer sollte vorsichtig sein?
- Stealth-Puristen: Das Spiel belohnt Action mehr als Stealth
- Story-Fans: Die Handlung ist solide, aber nicht tiefgründig
- Modern-Day-Fans: Fast keine Gegenwarts-Sequenzen
Syndicate ist das Comfort Food der Assassin’s-Creed-Serie: Nicht das innovativste, nicht das tiefgründigste, aber verdammt lecker und befriedigend. Nach einem Jahr Unity-Trauma ist das mehr als genug.
Wertung: 8.0/10
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie lange dauert die Hauptgeschichte? Die Hauptstory dauert etwa 15-18 Stunden. Mit Nebenmissionen, Gang-Eroberungen und Sammelgegenständen seid ihr 30-40 Stunden beschäftigt. 100% Synchronisation erfordert 50+ Stunden.
Muss ich Unity gespielt haben? Nein. Syndicate ist komplett eigenständig. Es gibt keine Story-Verbindungen zu Unity. Die Modern-Day-Charaktere (Rebecca, Shaun) kennen zu lernen hilft, ist aber nicht notwendig.
Kann ich nur als Jacob oder nur als Evie spielen? Jein. In Story-Missionen ist der Charakter festgelegt. Im Open-World könnt ihr frei wechseln. Aber: Etwa 70% der Hauptmissionen sind Jacob-exklusiv.
Ist Evie wirklich gleichwertig? Leider nein. Evie bekommt deutlich weniger Story-Missionen als Jacob. Sie wirkt eher wie Nebencharakter. Das ist schade, denn sie ist der interessantere Charakter. (Erinnerungen an Aveline in Liberation werden wach – auch dort wurde die weibliche Protagonistin im Marketing unterrepräsentiert.)
Funktioniert der Rope Launcher lore-freundlich? Er ist ein anachronistisches Gadget – 1868 gab es keine mechanischen Greifhaken dieser Art. Aber Alexander Graham Bell hat ihn im Spiel „erfunden“. Gameplay > Realismus.
Gibt es Multiplayer? Nein. Nach Unity’s Co-op-Problemen hat Syndicate keinen Multiplayer. Reine Single-Player-Erfahrung.
Lohnt sich die Season Pass? Jein. Der Season Pass enthält:
- Jack the Ripper: 5-Stunden-Story-DLC (1888, spielt als Evie). Sehr empfehlenswert.
- The Last Maharaja: 2-Stunden-Story. Nett, aber verzichtbar.
- Dreadful Crimes: PS4-exklusiv zum Launch, später kostenlos für alle.
Jack the Ripper lohnt sich, der Rest ist Bonus.
Wie ist die Performance auf PS4? Stabil 30 FPS, selten Einbrüche auf 26-28 FPS. Keine Abstürze. Deutlich besser als Unity.
Wann erscheint die PC-Version? 19. November 2015. Wartet auf Reviews – Ubisofts PC-Ports sind oft problematisch.
Gibt es historische Inkorrektheiten? Ja. Tower Bridge (gebaut 1886-1894) steht bereits 1868. Ubisoft rechtfertigt das als „künstlerische Freiheit“. Auch andere Details sind vereinfacht (z.B. Gaslaternen-Dichte).
Ist London größer als Paris (Unity)? Ja, etwa 30% größer. Fühlt sich durch breitere Straßen noch größer an.
Technische Informationen:
Entwickler: Ubisoft Quebec (Lead), Ubisoft Montreal, Ubisoft Singapore (Support)
Publisher: Ubisoft
Plattformen: PlayStation 4, Xbox One (23. Oktober 2015), PC (19. November 2015)
Genre: Action-Adventure, Stealth, Open World
Engine: AnvilNext 2.0
USK: Ab 16 Jahren
Spieleranzahl: Einzelspieler
Ungefähre Spieldauer: 15-18 Stunden (Hauptstory), 30-40 Stunden (mit Side-Content), 50+ Stunden (100%)
Getestet auf: PlayStation 4
Weiterführende Links:
- Offizielle Website
- Assassin’s Creed Syndicate auf Wikipedia
- Viktorianisches Zeitalter auf Wikipedia
- London 19. Jahrhundert auf Wikipedia
- Industrielle Revolution auf Wikipedia
Dieser Test basiert auf der PlayStation-4-Version von Assassin’s Creed Syndicate. Die PC-Version erscheint am 19. November 2015.

