Borderlands 2

Borderlands 2 im Test – Gearbox liefert die perfekte Fortsetzung

Drei Jahre ist es her, dass Gearbox Software mit Borderlands für eine gehörige Überraschung sorgte. Die Mischung aus Ego-Shooter und Rollenspiel, gepaart mit einem einzigartigen Comic-Look und einem prozedural generierten Waffensystem, schlug damals ein wie eine Bombe. Das Spiel verkaufte sich über vier Millionen Mal und etablierte ein völlig neues Genre: Den Loot-Shooter. Nun, am 18. September 2012, ist die Fortsetzung erschienen, und die Erwartungen waren entsprechend hoch. Kann Gearbox an den Überraschungserfolg anknüpfen? Wird Borderlands 2 nur „mehr vom Selben“ oder tatsächlich eine würdige Fortsetzung? Und wie will man einen Nachfolger interessant gestalten, wenn der Vorgänger kaum eine nennenswerte Story hatte?

Die Antwort auf all diese Fragen ist eindeutig: Ja, Gearbox hat geliefert. Und zwar in einer Weise, die selbst optimistische Fans überraschen dürfte. Borderlands 2 ist nicht einfach nur „Borderlands mit mehr Waffen“, sondern eine Fortsetzung, die in praktisch allen Bereichen Verbesserungen vornimmt, ohne dabei die Seele des Originals zu verlieren. Das größte Ass im Ärmel ist dabei ein charismatischer Bösewicht namens Handsome Jack, der das Spiel von der ersten bis zur letzten Minute dominiert und für unvergessliche Momente sorgt. Wir haben die letzten Wochen mehrere Dutzend Stunden auf Pandora verbracht, alle vier neuen Vault Hunter ausprobiert und können mit Sicherheit sagen: Dies ist einer der besten Shooter des Jahres 2012.

Fünf Jahre später – Die Jagd geht weiter

Die Handlung von Borderlands 2 setzt fünf Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils an. Damals öffneten die vier Vault Hunter den legendären Tresor, nur um festzustellen, dass er leer war – bis auf ein mysteriöses Alien-Monster namens „The Destroyer“, das sie besiegten. Doch das Öffnen des Tresors hatte Konsequenzen: Es setzte Eridium frei, einen wertvollen und mysteriösen Rohstoff, der nun überall auf Pandora zu finden ist. Und genau hier beginnt das Problem.

Ein Mann namens Handsome Jack, Präsident des Waffenherstellers Hyperion, hat sich selbst zum Diktator von Pandora erklärt. Er beansprucht den Ruhm für die Entdeckung des Tresors für sich, behauptet, The Destroyer eigenhändig getötet zu haben, und hat eine gigantische H-förmige Raumstation namens Helios direkt vor Pandoras Mond positioniert. Von dort aus wirft sie einen permanenten Schatten auf den Planeten – eine ständige Erinnerung daran, wer hier das Sagen hat. Jack kontrolliert das Eridium, unterdrückt die Bevölkerung und bezeichnet jeden, der sich ihm widersetzt, als „Bandit“. Seine Mission: Pandora nach seinen Vorstellungen zu „zivilisieren“ und dabei nebenbei auch noch den nächsten Tresor zu finden.

Hier kommen die neuen Vault Hunter ins Spiel. Angelockt von Handsome Jacks Werbung für den nächsten Tresor, machen sie sich auf den Weg nach Pandora – nur um direkt in eine Falle zu tappen. Jack sprengt den Zug, mit dem die neuen Helden ankommen, in die Luft und lässt sie in den arktischen Wüsten von Pandora zurück. Gerettet wird man – wie sollte es anders sein – von Claptrap, dem nervigen aber liebenswerten Roboter aus dem ersten Teil. Fortan erhält man Hilfe von der mysteriösen Guardian Angel (die sich als deutlich wichtiger für die Story herausstellt, als man zunächst denkt) und von den vier Vault Huntern aus dem ersten Teil: Roland, Lilith, Mordecai und Brick sind nun Anführer der Crimson Raiders, einer Widerstandsbewegung gegen Hyperion, und schicken euch auf gefährliche Missionen, um Handsome Jack das Handwerk zu legen.

Was mich dabei am meisten beeindruckt: Borderlands 2 hat endlich eine richtige Story. Der erste Teil hatte im Grunde keine nennenswerte Handlung – man jagte einen Tresor, öffnete ihn, Ende. Punkt zwei hatte praktisch keine interessanten Charaktere oder einen echten Bösewicht. Borderlands 2 korrigiert beide Schwächen mit einer erstaunlich gut erzählten Geschichte voller Wendungen, emotionaler Momente und vor allem: Humor. Die Geschichte ist nie übermäßig ernst, aber wenn es drauf ankommt, weiß das Spiel durchaus zu berühren. Besonders das Schicksal eines bestimmten Charakters aus dem ersten Teil hat mich unerwartet mitgenommen.

Handsome Jack – Der Bösewicht des Jahres

Doch das wahre Highlight von Borderlands 2 ist zweifelsohne Handsome Jack. Dieser Mann ist die perfekte Mischung aus charmant, witzig, absurd und absolut abscheulich. Von der ersten Minute an macht er seine Präsenz bemerkbar: Er ruft euch per ECHO-Kommunikator an, verspottet euch, erzählt absurde Anekdoten und lässt dabei gelegentlich durchblicken, wie gefährlich und wahnsinnig er wirklich ist. Sprecher Dameon Clarke leistet dabei phänomenale Arbeit – Jack klingt immer wie jemand, der absolut von sich selbst überzeugt ist und sich für den Helden der Geschichte hält.

Ein typisches Beispiel für Jacks Humor: In einem frühen Anruf beschwert er sich darüber, dass ihn jemand mit Brezeln bezahlen wollte. „Brezeln? Wer macht sowas?“, fragt er entrüstet, bevor er beiläufig erwähnt, dass er gerade einen Diamantenpony gekauft hat. „Ich nenne ihn Butt Stallion. Sag mal Hallo, Butt Stallion!“ – gefolgt von Pferdewiehern. Solche Momente gibt es zuhauf, und sie machen Jack zu einem der unvergesslichsten Videospiel-Bösewichte der letzten Jahre. GLaDOS aus Portal lässt grüßen – nur dass Jack noch eine Spur wahnsinniger ist.

Doch Jack ist nicht nur komisch. Im Verlauf der Story wird deutlich, dass er ein Monster ist. Er ermordet Unschuldige auf bestialische Weise, foltert Menschen aus Vergnügen und hat keine Skrupel, selbst seine eigene Tochter für seine Zwecke zu missbrauchen. Die Balance zwischen Humor und Abscheu ist perfekt getroffen – man lacht über seine absurden Sprüche, während man ihn gleichzeitig abgrundtief hassen lernt. Und genau das macht einen guten Bösewicht aus. Man freut sich regelrecht auf das finale Aufeinandertreffen, bei dem man ihm endlich die Rechnung präsentieren kann.

Vier neue Vault Hunter, vier neue Spielstile

Wie im ersten Teil wählt man zu Beginn einen von vier Charakteren aus, die jeweils völlig unterschiedliche Spielweisen ermöglichen. Die Auswahl ist deutlich vielfältiger als im ersten Borderlands, und jeder Charakter fühlt sich wirklich einzigartig an. Da wäre zunächst Axton, der Commando. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein spiritueller Nachfolger von Roland aus dem ersten Teil – er kann ein Geschützturm aufstellen, das automatisch feuert. Doch Axtons Sabre-Turm ist deutlich vielseitiger als Rolands Version. Man kann es mit Raketen ausstatten, es an Wände und Decken heften, ihm ein Schutzschild verpassen und im späteren Spielverlauf sogar ein zweites Geschützturm gleichzeitig deployen. Axton ist der perfekte Allrounder, der sowohl solo als auch im Koop gut funktioniert.

Maya, die Sirene, ist die einzige Frau im Starterlineup und gleichzeitig der interessanteste Support-Charakter. Ihre Spezialfähigkeit „Phaselock“ erlaubt es ihr, einzelne Gegner in einer Energieblase einzufrieren und damit temporär aus dem Kampf zu nehmen. Das klingt zunächst simpel, wird aber durch ihre Skill-Bäume extrem vielseitig. Man kann die Phaselock so modifizieren, dass sie Schaden verteilt, Gegner automatisch mit Slag belegt (mehr dazu später), Teammitglieder heilt oder sogar gefallene Kameraden wiederbelebt. Maya ist perfekt für Teamspieler, kann aber auch solo ordentlich Schaden austeilen. Ihre Dialoge zeigen sie als wissbegierig und entschlossen – sie reist durchs Universum, um mehr über Sirenen zu erfahren.

Salvador, der Gunzerker, ist der ultimative Powerfantasie-Charakter. Dieser kleine, stämmige Kerl von Pandora kann als Spezialfähigkeit „Gunzerking“ aktivieren – und dabei zwei Waffen gleichzeitig führen. Das klingt zunächst nach einem netten Gimmick, ist aber in Wahrheit absolut übermächtig. Man kann zwei Raketenwerfer gleichzeitig abfeuern. Zwei Schrotflinten. Einen Raketenwerfer und ein Sturmgewehr. Die Kombinationsmöglichkeiten sind endlos, und mit den richtigen Skills kann Salvador praktisch unsterblich werden. Er regeneriert Gesundheit während des Gunzerkings, hat enorme Schadensresistenz und kann die Dauer seiner Spezialfähigkeit durch Kills verlängern. Er ist der einfachste Charakter für Einsteiger, aber auch derjenige mit dem höchsten Schadenspotential im Endgame.

Und dann ist da Zer0, der Assassin (geschrieben mit einer Null statt einem O). Zer0 ist der mysteriöseste Charakter im Spiel – niemand weiß, wer oder was er wirklich ist. Er trägt eine vollständige Cyber-Rüstung mit einem digitalen Gesicht, das seine Emotionen anzeigt, und er kommuniziert ausschließlich in Haikus. Seine Spezialfähigkeit „Deception“ lässt ihn unsichtbar werden und einen Hologramm-Köder zurücklassen. Wenn er aus der Unsichtbarkeit angreift, erhält er einen massiven Schadensbonus. Zer0 ist perfekt für Scharfschützen, die Gegner aus der Distanz mit Kopfschüssen erledigen wollen, funktioniert aber auch als Nahkampf-Ninja mit seinem energetischen Schwert. Er ist der anspruchsvollste Charakter, belohnt aber geschicktes Spiel mit enormem Schadenspotential.

Die vier Charaktere sind wirklich ausgewogen, und jeder bietet genug Tiefe für mehrere Durchgänge. Im Verlauf des Spiels wurden außerdem zwei weitere Charaktere als DLC angekündigt: Gaige, die Mechromancer (erscheint Anfang Oktober, Pre-Order-Kunden bekommen sie kostenlos), die einen Kampfroboter namens Deathtrap beschwören kann, und später noch ein Psycho-Charakter. Das erweitert die Auswahl auf sechs Klassen – mehr als genug für diverse Spielstile.

Millionen von Waffen – Jetzt noch besser

Das Waffensystem von Borderlands 2 ist im Kern identisch mit dem des Vorgängers: Waffen werden prozedural aus verschiedenen Komponenten zusammengesetzt, was theoretisch Millionen von Variationen ermöglicht. Doch Gearbox hat hier deutliche Verbesserungen vorgenommen. Die größte Änderung: Jeder Waffenhersteller hat nun einen eigenen „Gimmick“, der seine Waffen von denen der Konkurrenz unterscheidet. Tediore-Waffen wirft man beim Nachladen wie eine Granate, die explodiert und umso mehr Schaden macht, je mehr Munition noch im Magazin war. Hyperion-Waffen werden präziser, je länger man feuert. Maliwan hat die besten Elementarwaffen. Jakobs verzichtet auf Hightech und setzt auf pure Feuerkraft – je schneller man den Abzug drückt, desto schneller feuern ihre Waffen.

Neu ist der Hersteller Bandit, dessen improvisierte Waffen riesige Magazine haben, dafür aber langsam nachladen und ungenau sind. Die visuellen Unterschiede zwischen den Herstellern sind jetzt deutlich markanter – man erkennt auf den ersten Blick, ob man eine Hyperion-Waffe oder eine Jakobs-Waffe in der Hand hält. Auch die Waffenklassen wurden überarbeitet: Es gibt keine Revolver mehr als eigene Kategorie (sie sind nun Teil der Pistolen), dafür aber E-Tech-Waffen, experimentelle Alien-Technologie mit einzigartigen Effekten.

Das Beste: Die Waffen fühlen sich deutlich impactvoller an als im ersten Teil. Schrotflinten haben einen befriedigenden Knall, Scharfschützengewehre lassen Köpfe spektakulär explodieren, und Raketenwerfer verursachen ordentliche Explosionen. Gearbox hat auch das Feedback verbessert – kritische Treffer werden mit einem zufriedenstellenden „PLING“ und großen Schadenszahlen quittiert. Das Looten macht einfach Spaß, und man freut sich über jede orangefarbene (legendäre) Waffe, die man findet.

Eine weitere wichtige Ergänzung ist das Slag-Element. Neben Feuer, Elektro, Ätzend und Explosiv gibt es nun auch Slag, eine lilafarbene Substanz, die Gegner „markiert“ und anfälliger für Schaden macht. Im ersten Durchgang ist Slag noch optional, aber im späteren „True Vault Hunter Mode“ (dem New Game Plus) wird es praktisch unverzichtbar. Gegner haben so viel Gesundheit, dass man sie erst mit Slag belegen muss, bevor man effektiv Schaden machen kann. Das fügt eine zusätzliche Taktikebene hinzu, zwingt einen aber auch, ständig Waffen zu wechseln. Nicht jeder wird das mögen, aber es ist definitiv ein interessanter Ansatz.

Pandora in neuem Glanz

Optisch bleibt Borderlands 2 seinem Cel-Shading-Stil treu, verbessert ihn aber in allen Bereichen. Die dicken schwarzen Konturen sind geblieben, die Farbpalette ist noch immer knallig, aber die Detaildichte ist deutlich höher. Charaktermodelle sehen besser aus, Animationen sind flüssiger, und die Umgebungen sind abwechslungsreicher. Während der erste Teil hauptsächlich aus Wüsten, Canyons und Industrieanlagen bestand, bietet Borderlands 2 deutlich mehr Vielfalt: Eiswüsten, grüne Graslandschaften, Hochland-Gebiete, unterirdische Höhlen, vulkanische Zonen und sogar eine fliegende Stadt. Pandora fühlt sich lebendiger und abwechslungsreicher an.

Technisch läuft das Spiel auf Basis der Unreal Engine 3 und nutzt PhysX für zusätzliche Effekte. Auf dem PC mit einer NVIDIA-Grafikkarte bekommt man zusätzliche Partikeleffekte, herumfliegende Trümmerteile und dynamische Stoffsimulation. Das ist nett anzusehen, beeinflusst das Gameplay aber nicht. Die Konsolen-Versionen auf Xbox 360 und PlayStation 3 laufen solide mit 30 Bildern pro Sekunde, auch wenn es bei vielen Gegnern und Explosionen gelegentlich zu kleinen Rucklern kommt. Die PC-Version ist technisch überlegen, leidet aber wie der Vorgänger unter Menüs, die offensichtlich für Controller entworfen wurden.

Die Inszenierung ist ebenfalls deutlich verbessert. Es gibt mehr Zwischensequenzen (wenn auch im typischen Comic-Stil statt in Echtzeit-Grafik), die Charaktere haben mehr Persönlichkeit, und die Dialoge sind durchweg unterhaltsam. Besonders die Rückkehr der vier Vault Hunter aus dem ersten Teil als NPCs ist gelungen – Roland ist nun ein gereifter Anführer, Lilith leitet die Crimson Raiders, Mordecai trauert um seinen Vogel Bloodwing, und Brick… nun ja, Brick prügelt immer noch alles platt. Fans des ersten Teils werden sich freuen, alte Bekannte wiederzusehen.

Sound und Vertonung

Akustisch ist Borderlands 2 ein Fest. Der Soundtrack von Komponist Jesper Kyd und Team schafft wieder diese einzigartige Mischung aus Western-Atmosphäre, Science-Fiction und Rock. Die Musik ist atmosphärisch, ohne aufdringlich zu sein, und setzt in Kampfsituationen die richtigen Akzente. Besonders die Titelmelodie und das Hauptthema bleiben im Ohr und sorgen für Gänsehaut-Momente.

Die englische Sprachausgabe ist durchweg hervorragend. Dameon Clarke als Handsome Jack liefert eine der besten Videospiel-Performances des Jahres ab, aber auch die anderen Sprecher überzeugen. Die vier Vault Hunter kommentieren das Geschehen mit kurzen Einzeilern, die NPCs haben Persönlichkeit, und selbst Claptrap ist weniger nervig als im ersten Teil (auch wenn er immer noch Claptrap ist). Eine deutsche Synchronisation gibt es leider nicht, aber die deutschen Untertitel sind solide übersetzt.

Die Waffengeräusche sind kraftvoll und unterscheiden sich deutlich zwischen den Herstellern. Hyperion-Waffen klingen hightech und präzise, Jakobs-Gewehre haben einen satten, mechanischen Knall, und Torgue-Explosivgeschosse machen ordentlich „WUMMS“. Auch die Umgebungsgeräusche tragen zur Atmosphäre bei – der Wind pfeift durch die Canyons, Gegner rufen wirre Drohungen, und die ECHO-Kommunikation mit Handsome Jack unterbricht regelmäßig das Geschehen.

Gameplay – Perfektionierter Loot-Shooter

Das Kernspiel bleibt Borderlands: Ein Ego-Shooter mit RPG-Elementen, endlosem Loot und Koop-Fokus. Man ballert sich durch Gegnerhorden, sammelt Erfahrungspunkte, steigt im Level auf, verteilt Skillpunkte und findet ständig neue Waffen. Die Formel ist bewährt, und Gearbox hat sie nicht grundlegend verändert – stattdessen wurde an allen Ecken und Enden verfeinert.

Die größte Verbesserung ist das Questdesign. Während der erste Teil hauptsächlich aus „Töte X Gegner“ und „Sammle Y Items“ bestand, bietet Borderlands 2 deutlich mehr Abwechslungung. Es gibt immer noch viele Sammel- und Tötungsquests, aber dazwischen finden sich kreativere Missionen. Man muss etwa Raketen auf eine Falle abfeuern, Gegner mit einem bestimmten Element töten, bestimmte Gegnertypen auf bestimmte Weise erledigen oder skurrile Nebencharaktere bei absurden Projekten unterstützen. Besonders die optionalen Quests sind oft urkomisch und belohnen einen mit einzigartigen Gegenständen.

Das Level-System bleibt geradlinig: Man steigt im Level auf, bekommt einen Skillpunkt und investiert ihn in einen von drei Skill-Bäumen. Jeder Charakter hat drei Spezialisierungen, die jeweils einen anderen Spielstil fördern. Das System ist nicht übermäßig komplex, bietet aber genug Tiefe für interessante Builds. Man kann seine Skills jederzeit gegen eine kleine Gebühr zurücksetzen, was Experimente fördert.

Neu ist das Badass Rank System. Für das Erfüllen von Herausforderungen (z.B. 1000 Kills mit Pistolen, 500 kritische Treffer, 100 Gegner mit Feuer getötet) erhält man Badass-Punkte, die man in permanente, accountweite Boni investieren kann. Diese Boni sind klein (jeweils etwa 0,5% mehr Schaden, Gesundheit, Schild etc.), aber sie stapeln sich über Zeit und gelten für alle Charaktere. Das System belohnt Langzeitspieler und gibt einen zusätzlichen Anreiz, verschiedene Waffen und Spielstile auszuprobieren.

Die Gegnervielfalt ist deutlich besser als im ersten Teil. Es gibt nicht mehr nur „Banditen, aber größer“ oder „Skags, aber anders farbig“, sondern wirklich unterschiedliche Gegnertypen mit eigenen Taktiken. Hyperion-Roboter teleportieren sich, Thresher greifen aus dem Boden an, fliegende Surveyor-Drohnen heilen ihre Verbündeten, und die verschiedenen menschlichen Gegner haben unterschiedliche Waffen und Verhaltensweisen. Bosskämpfe sind ebenfalls deutlich interessanter geworden – sie haben Angriffsmuster, Schwachstellen und erfordern mehr als nur „Ballere, bis es tot ist“.

Koop-Modus – Gemeinsam macht’s noch mehr Spaß

Wie schon der Vorgänger ist Borderlands 2 für den Koop-Modus designt. Bis zu vier Spieler können gemeinsam durch Pandora ziehen, und das Spiel skaliert Gegner entsprechend. Im Koop wird aus dem ohnehin schon spaßigen Shooter ein absolutes Chaos-Fest. Die verschiedenen Charaktere ergänzen sich hervorragend: Mayas Phaselock hält Gegner fest, während Salvador mit zwei Waffen auf sie einprügelt. Axtons Geschützturm lenkt Gegner ab, während Zer0 aus der Unsichtbarkeit heraus kritische Treffer landet. Die Synergie-Effekte sind enorm.

Das Loot-System ist weiterhin kompetitiv – jeder kann alles aufheben, was droppt. Das sorgt für lustige Momente, wenn alle gleichzeitig zu einer legendären Waffe rennen, kann aber auch frustrierend sein. Eine Option für instanzierten Loot (jeder bekommt eigene Drops) wäre wünschenswert gewesen, gibt es aber leider nicht. Immerhin kann man Items jetzt handeln, indem man sie fallen lässt und andere aufheben lässt.

Der Koop funktioniert über Xbox Live, PlayStation Network und Steam problemlos. Matchmaking gibt es auch, allerdings ist es rudimentär – man kann nach Levelbereich und Questfortschritt filtern, aber viel mehr Optionen gibt es nicht. Mit Freunden macht es ohnehin am meisten Spaß. Split-Screen ist auf Konsolen für zwei Spieler möglich, allerdings leidet die Framerate merklich. Für gemütliche Couch-Koop-Sessions reicht es, aber Online ist definitiv die bessere Erfahrung.

Ein großer Pluspunkt: Die Level-Skalierung funktioniert gut. Wenn ein hochlevliger Spieler einem Anfänger hilft, werden die Gegner entsprechend angepasst, sodass beide eine Herausforderung haben. Der erfahrene Spieler bekommt allerdings weniger guten Loot, was gewollt ist, um Powerleveling zu verhindern. Trotzdem kann es frustrierend sein, wenn man als Level-50-Charakter in einem Level-20-Gebiet nur grünen Schrott findet.

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Endgame und Wiederspielwert

Nach etwa 25-35 Stunden (je nach Spielweise und Anzahl der Nebenquests) hat man die Hauptstory durchgespielt. Doch damit ist Borderlands 2 noch lange nicht vorbei. Es gibt einen „True Vault Hunter Mode“, der im Grunde ein New Game Plus ist. Man behält alle Items, Skills und das Level, aber die Gegner werden deutlich stärker und das Loot wird besser. Der Schwierigkeitsgrad ist merklich höher – Slag wird praktisch Pflicht, und man muss taktischer vorgehen.

Das Level-Cap liegt momentan bei 50, soll aber mit kommenden DLCs angehoben werden. Die erste Erweiterung „Captain Scarlett and Her Pirate’s Treasure“ ist bereits für Mitte Oktober angekündigt, weitere werden folgen. Wer alle vier (bald sechs) Charaktere auf Maximallevel bringen und verschiedene Builds ausprobieren will, hat locker 200+ Stunden Beschäftigung vor sich.

Das Endgame besteht hauptsächlich aus Loot-Farming: Man wiederholt Bosskämpfe, um nach legendären Waffen zu jagen. Gearbox hat diesmal mehr „Raid Bosses“ eingeplant – besonders schwere optionale Bosse, die für Vierergruppen gedacht sind und die besten Items droppen. Der erste Raid Boss, Terramorphous, ist extrem schwer und erfordert perfekt abgestimmte Teams. Das ist genau das richtige für Hardcore-Spieler, die nach einer echten Herausforderung suchen.

Auch die Badass-Challenges bieten Langzeitmotivation. Es gibt hunderte davon, und das Freischalten aller ist eine Mammutaufgabe. Das accountweite Badass-Rank-System bedeutet auch, dass man beim Starten eines neuen Charakters bereits leicht stärker ist, was Twinks angenehmer macht.

Für wen ist Borderlands 2 geeignet?

Das Spiel passt zu euch, wenn ihr:

  • Den ersten Borderlands geliebt habt
  • Lootbasierte Spiele wie Diablo genießt
  • Gerne mit Freunden im Koop spielt
  • Humor im Spiel schätzt
  • Stundenlang nach der perfekten Waffe suchen könnt
  • Den Comic-Look mögt
  • Spaß an wiederholbarem Gameplay habt
  • Charismatische Bösewichte liebt

Das Spiel passt nicht zu euch, wenn ihr:

  • Story-fokussierte, lineare Shooter bevorzugt
  • Competitive Multiplayer wie Call of Duty oder Battlefield sucht
  • Keine Geduld für Grinding habt
  • Fotorealistische Grafik erwartet
  • Hauptsächlich solo spielt (geht zwar, macht aber weniger Spaß)
  • Mit dem absurden Humor nichts anfangen könnt
  • Keine Freude an Zahlen und Stats habt

Fazit zu Borderlands 2

Gearbox Software hat mit Borderlands 2 eine nahezu perfekte Fortsetzung abgeliefert. Das Spiel nimmt alles, was am ersten Teil gut war – das Loot-System, das Waffengefühl, den einzigartigen Artstyle, den Koop-Fokus – und verfeinert es in allen Bereichen. Gleichzeitig korrigiert es die größten Schwächen des Vorgängers: Es gibt eine tatsächliche Story, charismatische Charaktere, einen unvergesslichen Bösewicht und deutlich mehr Abwechslung in Quests und Umgebungen.

Handsome Jack allein ist den Kaufpreis wert. Dieser Bösewicht ist so perfekt geschrieben, gesprochen und inszeniert, dass er sich in die Riege der großen Videospiel-Antagonisten einreiht. Seine ständige Präsenz durch ECHO-Anrufe, seine absurden Anekdoten und seine zunehmende Bösartigkeit machen ihn zu einem der besten Videospiel-Charaktere des Jahres 2012.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Das Questdesign ist zwar besser als im Vorgänger, aber viele Nebenquests sind immer noch „Töte X“ oder „Sammle Y“. Das Fahrzeug-Gameplay wurde kaum verbessert – Fahrzeuge sind weiterhin hauptsächlich Transportmittel ohne große Tiefe. Das kompetitive Loot-System im Koop kann frustrierend sein. Und das Slag-System im True Vault Hunter Mode zwingt einen zu ständigem Waffenwechsel, was nicht jeder mögen wird.

Aber diese Schwächen verblassen angesichts der Stärken. Borderlands 2 ist süchtig machend. Es ist witzig. Es macht im Koop mit Freunden unglaublich viel Spaß. Die vier (bald sechs) Charaktere bieten enorme Build-Vielfalt. Das Loot-System funktioniert perfekt und belohnt einen ständig mit neuen Toys zum Ausprobieren. Die Präsentation ist stilsicher und einzigartig. Und mit den angekündigten DLCs wird der Inhalt nur noch weiter wachsen.

Für Fans des ersten Teils ist Borderlands 2 ein absoluter Pflichtkauf. Für Loot-Junkies, Koop-Enthusiasten und Leute, die Spaß an absurdem Humor haben, ebenfalls. Und selbst für Leute, die den ersten Teil verpasst haben, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt einzusteigen – Borderlands 2 ist in jeder Hinsicht das bessere Spiel und steht für sich allein. Dies ist nicht nur einer der besten Shooter des Jahres 2012, sondern auch eines der besten Koop-Spiele der aktuellen Konsolengeneration.

Willkommen zurück auf Pandora, Vault Hunter. Handsome Jack wartet auf euch – und er wird euch hassen lernen.

Wertung: 9.0/10

Stärken:

  • Handsome Jack ist einer der besten Videospiel-Bösewichte aller Zeiten
  • Deutlich bessere Story und Charaktere als der Vorgänger
  • Vier (bald sechs) sehr unterschiedliche und interessante Charaktere
  • Verbessertes Waffensystem mit Hersteller-spezifischen Gimmicks
  • Abwechslungsreichere Umgebungen und bessere Grafik
  • Hervorragender Humor und Dialoge
  • Perfekt für Koop mit bis zu vier Spielern
  • Enormer Wiederspielwert durch New Game Plus und mehrere Charaktere
  • Badass Rank System belohnt Langzeitspieler
  • Verbesserte Quest-Vielfalt
  • Atmosphärischer Soundtrack
  • Raid Bosses für Hardcore-Spieler

Schwächen:

  • Viele Nebenquests sind immer noch repetitiv
  • Kompetitives Loot-System im Koop kann frustrieren
  • Fahrzeug-Gameplay wenig verbessert
  • Slag-Mechanik im True Vault Hunter Mode kann nerven
  • Solo-Spiel macht deutlich weniger Spaß als Koop
  • PC-Menüs weiterhin für Controller optimiert
  • Keine wirkliche Innovation, sondern Evolution

Technische Informationen:

Plattformen: Xbox 360, PlayStation 3, PC (Windows)
Veröffentlichung: 18. September 2012 (USA), 21. September 2012 (Europa)
Entwickler: Gearbox Software
Publisher: 2K Games
Genre: Action-RPG, Loot-Shooter, Ego-Shooter
Spieleranzahl: 1-4 (Koop online/LAN), 1-2 (Split-Screen lokal auf Konsolen)
Sprachen: Englisch (Sprachausgabe), Deutsch (Untertitel)
Preis: ca. 59,99 Euro (Konsolen), 49,99 Euro (PC)
USK: Keine Jugendfreigabe (ab 18 Jahren)
Speicherplatz: ca. 13 GB

PC-Systemanforderungen (Minimum):

  • Betriebssystem: Windows XP SP3 / Vista / 7
  • Prozessor: 2.4 GHz Dual-Core
  • Arbeitsspeicher: 2 GB RAM (XP) / 2 GB RAM (Vista/7)
  • Grafikkarte: NVIDIA GeForce 8500 / ATI Radeon HD 2600
  • DirectX: 9.0c
  • Festplatte: 13 GB freier Speicherplatz
  • Sound: DirectX 9.0c-kompatibel

PC-Systemanforderungen (Empfohlen):

  • Betriebssystem: Windows 7
  • Prozessor: 2.3 GHz Quad-Core
  • Arbeitsspeicher: 4 GB RAM
  • Grafikkarte: NVIDIA GeForce GTX 560 / ATI Radeon HD 5850
  • DirectX: 10
  • Festplatte: 20 GB freier Speicherplatz

Häufig gestellte Fragen

Frage: Muss ich Borderlands 1 gespielt haben, um die Story zu verstehen?
Antwort: Nein, absolut nicht. Borderlands 2 erklärt alle wichtigen Hintergründe und steht komplett für sich allein. Fans des ersten Teils werden natürlich mehr Freude an den Rückkehr-Auftritten der alten Vault Hunter haben, aber Neulinge können problemlos einsteigen.

Frage: Welcher Charakter ist am besten für Anfänger?
Antwort: Salvador und Axton sind am anfängerfreundlichsten. Salvador kann durch Gunzerking viel Schaden einstecken und austeilen, Axtons Geschützturm hilft in brenzligen Situationen. Maya ist toll für Teamspieler, Zer0 eher für erfahrene Spieler.

Frage: Gibt es PvP/Deathmatch?
Antwort: Nein, Borderlands 2 ist rein kooperativ. Es gibt keine Deathmatch-Modi oder ähnliches. Der einzige „Wettbewerb“ besteht darin, wer im Koop den besten Loot ergattert.

Frage: Wie lange dauert ein Durchgang?
Antwort: Die Hauptstory dauert etwa 25-30 Stunden, mit Nebenquests eher 35-40 Stunden. Der True Vault Hunter Mode dauert ähnlich lang, und mit allen Charakteren kommt man locker auf 200+ Stunden.

Frage: Funktioniert der Koop problemlos?
Antwort: Ja, der Online-Koop funktioniert sehr gut über die jeweiligen Netzwerke (Xbox Live, PSN, Steam). Drop-In/Drop-Out funktioniert nahtlos. Split-Screen auf Konsolen hat gelegentliche Framerate-Einbrüche, ist aber spielbar.

Frage: Wann erscheinen die DLCs?
Antwort: Der erste DLC „Captain Scarlett and Her Pirate’s Treasure“ erscheint Mitte Oktober 2012. Weitere DLCs sind angekündigt. Die Mechromancer-Klasse (Gaige) erscheint Anfang Oktober und ist für Pre-Order-Kunden kostenlos.

Frage: Gibt es eine deutsche Sprachausgabe?
Antwort: Nein, nur deutsche Untertitel. Die englische Sprachausgabe ist aber hervorragend, besonders Handsome Jack sollte man auf Englisch erleben.

Frage: Was ist das Level-Cap?
Antwort: Momentan liegt das Level-Cap bei 50. Mit kommenden DLCs wird es angehoben werden – beim ersten Teil wurde es von 50 auf 69 erhöht, Ähnliches ist zu erwarten.

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