Borderlands Keyart

Borderlands im Test – Der Shooter-RPG-Hybrid, der alles anders macht

Mit Borderlands hat Gearbox Software Ende Oktober ein Spiel auf den Markt gebracht, das viele Spieler zunächst nicht so recht einordnen konnten. Ist es ein Ego-Shooter? Ist es ein Rollenspiel? Oder doch eher ein Mehrspielertitel mit Action? Die Antwort lautet: Ja, zu allem. Gearbox selbst nennt das Genre „Rollenspiel-Shooter“, und genau das beschreibt das Spiel ziemlich treffend. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten – das Spiel sollte ursprünglich bereits 2008 erscheinen – wurde das Projekt komplett umgekrempelt, erhielt seinen markanten Comic-Look und erschien schließlich am 20. Oktober 2009 für Xbox 360, PlayStation 3 und PC. Herausgeber 2K Games setzte große Hoffnungen in diesen Titel, und die Entwickler selbst sprachen von einem „evolutionären Sprung im Spieledesign“. Große Worte für ein Spiel, das sich in einem Genre-Mix versucht, den bisher nur wenige Titel gewagt haben.

Doch kann Borderlands diese hohen Erwartungen erfüllen? Ist die Mischung aus Diablo-artiger Beutesucht und klassischem Ego-Shooter wirklich so innovativ wie versprochen? Und was hat es mit diesen „Millionen von Waffen“ auf sich, mit denen Gearbox in jeder Vorschau geworben hat? Wir haben uns für diesen Test mehrere Dutzend Stunden durch die karge Wüstenwelt des Planeten Pandora gekämpft, Unmengen an Loot eingesammelt und alle vier Charaktere ausgiebig getestet. Es folgt nun unser Testbericht zu Borderlands.

Die Jagd nach dem Vault

An dieser Stelle würde man normalerweise die große, epische Story eines Spiels präsentieren. Doch Borderlands ist in dieser Hinsicht eher minimalistisch aufgezogen. Die Geschichte ist schnell erzählt: Als sogenannter „Vault Hunter“ reist man auf den unwirtlichen Planeten Pandora, angelockt von Legenden über einen mysteriösen Alien-Tresor namens „Vault“, der unvorstellbare Schätze und Technologien bergen soll. Man landet mit dem Bus auf diesem gottverlassenen Wüstenplaneten und wird praktisch sofort von einer freundlichen, äh, etwas nervigen Robotereinheit namens Claptrap in Empfang genommen. Dieser kleine, klobige Roboter auf einem Rad wird schnell zum Markenzeichen des Spiels – ob man will oder nicht.

Die eigentliche Story entwickelt sich eher nebenbei. Verschiedene NPCs geben einem Aufträge, man erfährt nach und nach mehr über die mysteriöse „Angel“, eine geheimnisvolle Frau die einem per Funk hilft, und man stößt auf die Crimson Lance, eine brutale Privatarmee des Atlas-Konzerns, die ebenfalls hinter dem Vault her ist. Commandant Steele, die eiskalte Anführerin dieser Truppe, wird schnell als Antagonistin etabliert. Doch wenn man ehrlich ist: Die Story ist eher Beiwerk. Borderlands erzählt seine Geschichte nicht durch cinematische Zwischensequenzen oder dramatische Wendungen, sondern durch die Welt selbst, durch kleine Dialoge und vor allem durch das, was man während des Spielens erlebt. Das ist einerseits schade, weil durchaus interessante Ansätze da sind, andererseits passt es zum Gesamtkonzept: Hier geht es ums Looten, Leveln und Ballern, nicht um Oscar-verdächtige Drehbücher.

Was die Geschichte aber leistet, ist eine gewisse Atmosphäre zu schaffen. Pandora fühlt sich tatsächlich an wie ein verlassener Grenzplanet am Arsch der Galaxis. Die wenigen Siedlungen wirken heruntergekommen, die Menschen sind entweder Banditen, Wahnsinnige oder verzweifelte Siedler. Überall lauern Monster, aggressive Tiere und verrückte Psychos, die einem mit Äxten und Macheten an den Kragen wollen. Und über allem schwebt die Hoffnung, vielleicht doch noch den großen Jackpot zu knacken – den Vault zu finden. Diese Wild-West-meets-Mad-Max-Atmosphäre funktioniert erstaunlich gut und macht Lust darauf, jeden Winkel dieser kaputten Welt zu erkunden.

Vier Vault Hunters, vier Spielstile

Bevor man sich auf Pandora austoben kann, muss man sich für einen der vier spielbaren Charaktere entscheiden. Diese Wahl ist durchaus bedeutsam, denn jeder Vault Hunter hat nicht nur eine eigene Spezialfähigkeit, sondern auch drei unterschiedliche Skill-Bäume, die völlig verschiedene Spielstile ermöglichen. Da wäre zunächst Roland, der Soldat. Der ehemalige Crimson-Lance-Kämpfer kann ein Scorpio-Geschützturm aufstellen, das automatisch Gegner unter Beschuss nimmt. Das klingt zunächst nicht besonders spektakulär, doch mit den richtigen Skills wird dieses Türmchen zu einer wahren Wunderwaffe. Es kann Gegner mit Raketen beschießen, Verbündete heilen, zusätzliche Munition bereitstellen und vieles mehr. Roland ist der perfekte Team-Player und auch solo eine solide Wahl, allerdings fehlt ihm im Vergleich zu den anderen ein gewisser „Wow“-Faktor.

Lilith, die Sirene, ist hingegen genau das Gegenteil. Als eine der sechs Sirenen im Borderlands-Universum verfügt sie über übernatürliche Kräfte. Ihre Spezialfähigkeit „Phasewalk“ lässt sie unsichtbar werden, enorm schnell bewegen und bei Deaktivierung eine Schockwelle aussenden, die Gegner verletzt. Mit den richtigen Skills wird Lilith zur absoluten Nahkampf-Maschine, die sich durch Gegnergruppen teleportiert und dabei Elementarschaden verteilt. Sie ist wahrscheinlich der stärkste Charakter am Spielende, allerdings auch etwas anfällig, wenn man nicht aufpasst.

Mordecai, der Jäger, ist der Scharfschütze unter den Vault Hunters. Seine Spezialfähigkeit ist sein treuer Begleiter Bloodwing, ein vogel-ähnliches Wesen, das auf Kommando Gegner attackiert. Mordecai ist für alle gedacht, die gerne aus der Distanz agieren und präzise Kopfschüsse lieben. Mit massiven kritischen Treffern und der Fähigkeit, Gegner schon aus enormer Entfernung auszuschalten, ist er extrem befriedigend zu spielen – allerdings auch etwas spezialisiert. Wer keine Scharfschützengewehre mag, wird mit Mordecai weniger Freude haben.

Und schließlich gibt es Brick, den Berserker. Wer subtiles Gameplay hasst und lieber mit den Fäusten auf alles eindrischt, was sich bewegt, ist hier goldrichtig. Bricks Spezialfähigkeit „Berserk“ lässt ihn seine Waffe fallen und für kurze Zeit mit bloßen Händen auf Gegner losgehen. In diesem Modus regeneriert er Gesundheit, wird schneller und teilt ordentlich Schaden aus. Brick ist der Tank der Gruppe, kann immensen Schaden einstecken und ist besonders für Anfänger geeignet. Gleichzeitig kann er aber auch mit Schrotflinten und Raketenwerfern verheerenden Flächenschaden anrichten. Definitiv der spaßigste Charakter, wenn man einfach mal die Sau rauslassen will.

Die Charakterwahl beeinflusst das Spielerlebnis wirklich deutlich. Während Roland eher taktisch agiert und sein Türmchen klug platzieren muss, stürmt Brick einfach mitten rein und prügelt alles platt. Lilith spielt sich wie ein Teleport-Assassine, und Mordecai braucht Geduld und Präzision. Gearbox hat hier wirklich gute Arbeit geleistet, und die drei Skill-Bäume pro Charakter bieten enorm viel Spielraum für Experimente. Man kann seine Fähigkeiten übrigens jederzeit gegen eine kleine Gebühr zurücksetzen, was das Ausprobieren verschiedener Builds erleichtert.

Millionen von Waffen – Marketing oder Wahrheit?

Kommen wir zu dem Feature, mit dem Gearbox am meisten geworben hat: Dem prozedural generierten Waffensystem. Angeblich gibt es mehrere Millionen verschiedene Waffen im Spiel. Das klingt nach Marketing-Geschwafel, und ehrlich gesagt, ist es das auch ein bisschen. Aber das System dahinter ist trotzdem beeindruckend. Jede Waffe in Borderlands setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen: Hersteller, Waffenart, Lauf, Magazin, Zielfernrohr, Griff und mehr. Diese Komponenten werden zufällig kombiniert, und heraus kommt eine theoretisch einzigartige Waffe mit individuellen Werten für Schaden, Feuerrate, Genauigkeit, Nachladezeit und mehr.

Das Ganze funktioniert in der Praxis erstaunlich gut. Man findet ständig neue Waffen – in Kisten, bei besiegten Gegnern, in Automaten oder als Questbelohnung – und jede fühlt sich ein klein wenig anders an. Mal hat man eine Schrotflinte mit enorm hoher Feuerrate aber mieser Genauigkeit, dann findet man eine Sniper mit elektrischem Elementarschaden, der Gegner in Schockstarre versetzt. Es gibt Revolver, die mehr Schaden machen als manche Scharfschützengewehre, Raketenwerfer, die sechs Geschosse gleichzeitig abfeuern, und Sturmgewehre, die so schnell feuern, dass die Munition in Sekunden leer ist.

Die Hersteller spielen dabei eine wichtige Rolle. Atlas produziert solide Allzweckwaffen, Dahl setzt auf Präzision mit Burst-Fire-Modi, Hyperion hat bessere Genauigkeit je länger man feuert, Jakobs verzichtet auf Hightech und setzt auf Revolver mit immensem Schaden, Maliwan ist spezialisiert auf Elementarschaden, Tediore hat billige Wegwerfwaffen die man nach dem Magazinleeren wie Granaten wirft, Torgue baut explosive Ballermaschinen, und Vladof setzt auf hohe Feuerraten. Jeder Hersteller hat seinen eigenen visuellen Stil und Gameplay-Charakter.

Natürlich sind nicht alle der „Millionen Waffen“ wirklich sinnvoll nutzbar. Die meisten sind einfach Variationen mit leicht veränderten Werten. Doch gerade dieses ständige Finden und Vergleichen, das Aussortieren des alten Schrotts und das Freuen über ein besonders gutes Fundstück – das macht süchtig. Man spielt „nur noch eine Mission“ und zack, sind zwei Stunden vergangen, weil man ständig neues Zeug findet. Dieses Diablo-Gefühl haben nur wenige Shooter jemals so gut eingefangen. Hinzu kommen noch „Eridian“-Waffen, mysteriöse Alien-Technologie mit völlig anderen Mechaniken, und natürlich die begehrten orangefarbenen „Legendären“-Waffen, extrem seltene Unikate mit absurden Fähigkeiten.

Cel-Shading trifft Wüstenplanet

Als Gearbox Anfang 2009 erstmals den neuen Comic-Look von Borderlands präsentierte, waren viele Spieler überrascht. Die frühen Trailer hatten noch einen generischen, realistischen Sci-Fi-Look gezeigt, der an Spiele wie Fallout 3 oder Rage erinnerte. Doch dann entschied man sich radikal um und verpasste dem Spiel eine markante Cel-Shading-Optik, die aussieht wie ein interaktiver Comic. Dicke schwarze Konturen um Charaktere und Objekte, knallige Farben, flache Texturen mit gemalten Details – Borderlands sieht aus wie nichts, was man sonst so auf Xbox 360 oder PS3 zu Gesicht bekommt.

Diese Entscheidung war ein Volltreffer. Der Stil verleiht dem Spiel nicht nur eine unverwechselbare Identität, sondern hat auch praktische Vorteile: Die Grafik wird nicht so schnell alt aussehen wie fotorealistische Spiele, und technische Schwächen lassen sich besser kaschieren. Pandora selbst ist visuell relativ eintönig – hauptsächlich Wüste, Canyons, Industrieanlagen und verlassene Städte – doch durch den Cel-Shading-Look wirkt selbst diese karge Umgebung interessant. Die Charaktermodelle sind detailliert und ausdrucksstark, die Animationen flüssig, und die Waffenvielfalt spiegelt sich auch visuell wider. Jede Waffe sieht ein bisschen anders aus, was bei Tausenden von Modellvarianten schon beeindruckend ist.

Technisch läuft das Spiel auf allen Plattformen solide. Auf der Xbox 360 und PS3 hält die Framerate meist die 30 FPS, nur bei sehr vielen Effekten auf dem Bildschirm gibt es gelegentliche Ruckler. Die PC-Version läuft deutlich flüssiger, leidet aber stellenweise unter einer nicht optimal umgesetzten Portierung – das Menü ist offensichtlich für Controller designt, und einige Grafik-Optionen sind rar gesät. Wer einen halbwegs aktuellen Gaming-PC hat, kann Borderlands aber problemlos in höheren Auflösungen und mit besseren Frameraten genießen.

Besonders gelungen sind die Effekte bei Elementarschaden. Gegner, die von Feuerschaden getroffen werden, rennen schreiend herum während sie verbrennen. Elektroschocks lassen sie zucken und der Schaden springt auf nahe Gegner über. Ätzender Säureschaden lässt Rüstung wegschmelzen, und Explosivgeschosse zerreißen Gegner in spektakuläre Einzelteile. Das alles ist nicht nur optisch befriedigend, sondern auch spielerisch relevant. Das Spiel bietet zwar keine atemberaubenden Panoramen oder fotorealistische Gesichter, aber es hat Stil – und der ist wichtiger als pure technische Power.

Sound und Synchronisation

Audiovisuell überzeugt Borderlands auf ganzer Linie. Der Soundtrack von Komponisten Jesper Kyd (bekannt u.a. durch Hitman und Assassin’s Creed), zusammen mit Raison Varner, Cris Velasco und Sascha Dikiciyan alias Sonic Mayhem, schafft eine perfekte Mischung aus Western-Flair, Sci-Fi-Klängen und rockigen Gitarrenriffs. Die Musik ist nie aufdringlich, setzt aber immer dann die richtigen Akzente, wenn es darauf ankommt. Besonders die Kampfmusik pusht ordentlich und sorgt dafür, dass man sich mitten im Gefecht voll reingezogen fühlt.

Die Sprecher leisten durchweg gute Arbeit. Die englische Originalvertonung ist mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Jeder Charakter hat eine eigene Persönlichkeit, die durch die Stimme perfekt transportiert wird. Claptrap ist nervtötend-charmant (je nach Tageslaune), die Angel klingt mysteriös und manipulativ, und die diversen NPCs bringen mit ihren Dialogen immer wieder für Schmunzler. Besonders Scooter, der Mechaniker, bleibt im Gedächtnis mit seinen absurden Sprüchen und seinem Southern-Akzent. Die deutsche Synchronisation gibt es leider nicht – wer kein Englisch kann, muss auf Untertitel zurückgreifen. Das ist zwar schade, aber bei einem Titel dieser Größenordnung von einem US-Studio nicht völlig unüblich.

Die Waffensounds sind knackig und druckvoll. Jeder Waffentyp klingt anders: Jakobs-Revolver haben diesen satten „BOOM“-Klang, Hyperion-Waffen klingen futuristisch-synthetisch, und Torgue-Explosivgeschosse haben diesen befriedigenden „WUMMS“. Man hört sofort, ob man gerade einen schwachen Gegner erwischt oder einen gepanzerten Badass trifft. Auch die Umgebungsgeräusche tragen zur Atmosphäre bei. Der Wind pfeift durch die Canyons, Psychos schreien wirres Zeug, bevor sie einen angreifen, und Skags (die hundeähnlichen Monster Pandoras) geben grunzende, bedrohliche Laute von sich.

Gameplay – Wenn Diablo auf Halo trifft

Und nun zum Herzstück des Spiels: Dem Gameplay. Borderlands ist im Kern ein First-Person-Shooter mit all den Mechaniken, die man erwartet. Man zielt mit der rechten Maustaste bzw. dem linken Trigger, man feuert mit der linken Maustaste bzw. dem rechten Trigger, man wirft Granaten, man wechselt Waffen, man rennt, man springt. Die Steuerung fühlt sich solide an, das Aiming ist präzise (wenn auch nicht ganz so knackig wie bei dedizierten Multiplayer-Shootern wie Call of Duty oder Halo), und die Waffen haben ordentlich Wumms. Headshots machen spürbar mehr Schaden, und bei kritischen Treffern spritzt ordentlich Blut und es erscheint eine große Schadenszahl auf dem Bildschirm.

Doch hier hört die Ähnlichkeit zu klassischen Shootern auf. Borderlands ist ein RPG, und das merkt man an jeder Ecke. Gegner haben Lebensbalken über ihren Köpfen, man sammelt Erfahrungspunkte für Kills und Quest-Abschlüsse, man steigt Level auf und verteilt Skillpunkte, man findet Loot in Form von Waffen, Schilden, Granaten-Mods und Class-Mods (die die Charakter-Fähigkeiten verändern). Der RPG-Aspekt ist nicht nur Beiwerk, sondern fundamental für das Spielerlebnis. Ein Gegner, der fünf Level über einem ist, wird einen in Sekunden zerlegen, egal wie gut man zielt. Umgekehrt kann man Gegner, die deutlich unter dem eigenen Level sind, praktisch ignorieren – die Kugeln prallen ab wie an Superman.

Das Questsystem ist klassische Online-Rollenspiel-Kost: NPCs haben Ausrufezeichen über dem Kopf, man nimmt Quests an, erfüllt Quests (meist „töte X Gegner“ oder „sammle Y Items“ oder „gehe zu Ort Z“), kehrt zurück und kassiert Belohnung. Das klingt wiederholend, und ehrlich gesagt, ist es das auch. Die Hauptquests sind etwas abwechslungsreicher und treiben die Handlung voran, aber die zahlreichen Nebenquests sind größtenteils typische Sammelaufgaben. Das ist nicht weiter schlimm, denn der eigentliche Reiz liegt ja im Plündern und Aufsteigen, nicht in fantasievollem Questdesign. Trotzdem hätte man sich hier etwas mehr Erfindungsreichtum gewünscht.

Das Levelsystem ist gradlinig: Pro Levelanstieg bekommt man einen Skillpunkt, den man in einen der drei Skill-Bäume investieren kann. Jeder Baum hat mehrere Tiers, die nach und nach freigeschaltet werden. Die Skills reichen von passiven Boni (mehr Schaden, mehr Gesundheit, bessere Nachladegeschwindigkeit) bis zu Modifikationen der Spezialfähigkeit. Ein gut durchdachter Build kann den Unterschied zwischen „ich sterbe ständig“ und „ich bin ein unsterblicher Gott“ ausmachen. Das Skillsystem ist nicht so komplex wie in Diablo oder anderen Hardcore-RPGs, aber es bietet genug Tiefe, dass man sich Gedanken machen muss.

Ein besonderes Feature ist das Inventarsystem. Man kann vier Waffen gleichzeitig ausrüsten und per D-Pad bzw. Zifferntasten schnell zwischen ihnen wechseln. Das Inventar selbst ist auf 42 Slots begrenzt, was zunächst viel klingt, aber bei der Flut an Loot schnell voll ist. Ständig muss man entscheiden: Behalte ich diese Waffe oder verkaufe ich sie? Zum Glück gibt es überall Verkaufsautomaten, bei denen man Schrott loswerden kann. Auch ein geteiltes Bank-System gibt es, sodass man Items zwischen verschiedenen Charakteren transferieren kann – sehr praktisch.

Koop-Multiplayer – Gemeinsam macht’s mehr Spaß

Borderlands kann man zwar komplett alleine durchspielen, doch das Spiel entfaltet sein volles Potential erst im Koop-Modus. Bis zu vier Spieler können gemeinsam durch Pandora ziehen, und das Spiel passt die Gegnerzahl und -stärke entsprechend an. Im Koop wird aus dem soliden Shooter-Rollenspiel plötzlich ein chaotisches, urkomisches Loot-Fest. Man teilt sich Quests, ballert gemeinsam durch Gegnerhorden, belebt sich gegenseitig wieder wenn jemand am Boden liegt, und am Ende jeder Schlacht beginnt das große „Wer schnappt sich den besten Loot?“-Spiel.

Das Loot-System im Koop ist dabei bewusst kompetitiv gestaltet: Jeder kann alles aufheben, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das sorgt für lustige Momente, wenn alle gleichzeitig zur orangefarbenen Legendary-Waffe rennen, kann aber auch frustrierend sein, wenn ein Mitspieler konsequent alles einsackt. Hier hätte ein optionaler „Instanced Loot“-Modus (jeder bekommt seinen eigenen Loot) gut getan, aber das Feature gibt es leider nicht.

Der Koop-Modus funktioniert sowohl online als auch im LAN, und auf Konsolen gibt es sogar Split-Screen für bis zu zwei Spieler lokal. Die Umsetzung ist technisch solide, auch wenn es im Split-Screen gelegentlich zu Framerate-Einbrüchen kommt. Online-Matchmaking gibt es auch, allerdings ist es etwas rudimentär – man kann nach Level-Range filtern und dem Spiel beitreten, aber viel mehr Optionen gibt es nicht. Wer mit Freunden spielen will, wird deutlich mehr Spaß haben als mit Randoms.

Ein großer Pluspunkt: Spieler können jederzeit ein- und aussteigen, ohne dass der Host das Spiel neu starten muss. Die Charakterprogression bleibt erhalten, egal in wessen Spiel man mitspielt. Man kann also problemlos zwischen Solo- und Koop-Sessions hin und her wechseln. Das ist sehr komfortabel und ermutigt dazu, häufiger mit anderen zu spielen.

Die Synergie zwischen den verschiedenen Charakteren im Koop ist ebenfalls gut umgesetzt. Rolands Turret heilt die ganze Gruppe, Liliths Phasewalk-Explosion hilft beim Crowd Control, Mordecais Bloodwing lenkt Gegner ab, und Brick… nun ja, Brick macht einfach alles platt. Eine gut abgestimmte Vierergruppe ist deutlich effektiver als vier Solo-Spieler, und das merkt man auch an den höheren Schwierigkeitsgraden.

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New Game Plus und Wiederspielwert

Hat man die Hauptstory durchgespielt – was je nach Spielstil und Nebenquest-Intensität zwischen 20 und 30 Stunden dauert – ist das Spiel noch lange nicht vorbei. Borderlands bietet einen „Playthrough 2“-Modus, also im Prinzip New Game Plus. Man behält alle Items, Skills und das Level, aber die Gegner und Quests werden deutlich schwieriger. Das Level-Cap liegt bei 50 (ohne DLC, die ersten Erweiterungen sind bereits angekündigt und sollen das Cap erhöhen), und um dieses zu erreichen, muss man mindestens eineinhalb Playthroughs absolvieren.

Der zweite Durchgang ist nicht einfach nur „dasselbe nochmal schwerer“, sondern bietet tatsächlich neue Herausforderungen. Gegner haben mehr Lebenspunkte, teilen mehr Schaden aus, und es tauchen deutlich mehr „Badass“-Varianten auf – besonders starke Elitegegner mit besonderen Fähigkeiten. Gleichzeitig droppt besserer Loot, und man findet endlich die wirklich guten Legendary-Waffen. Für Hardcore-Spieler gibt es also definitiv genug zu tun.

Hinzu kommt, dass man ja alle vier Charaktere durchspielen kann, und jeder spielt sich wirklich anders. Wer alle vier auf Maximallevel bringen will und dabei auch noch verschiedene Skill-Builds ausprobiert, hat locker 100+ Stunden Beschäftigung. Und das ist noch ohne die angekündigten DLCs gerechnet. Die erste Erweiterung „The Zombie Island of Dr. Ned“ soll bereits im November erscheinen, und Gearbox hat weitere Inhalte versprochen.

Das Endgame besteht hauptsächlich aus Loot-Farming. Man wiederholt bestimmte Bosse oder Areale, um nach seltenen Waffen zu farmen. Das ist natürlich nicht jedermanns Sache – wer repetitive Tätigkeiten hasst, wird hier nicht glücklich. Aber für Loot-Junkies wie mich, die auch in Diablo 2 hunderte Stunden Mephisto-Runs gemacht haben, ist es pure Glückseligkeit. „Nur noch ein Run, vielleicht droppe ich ja diesmal das Hellfire…“

Für wen ist Borderlands geeignet?

Das Spiel passt zu euch, wenn ihr:

  • Loot-basierte Spiele wie Diablo liebt
  • Gerne mit Freunden im Koop spielt
  • Den Mix aus Shooter und RPG reizvoll findet
  • Stundenlang nach der perfekten Waffe farmen könnt
  • Humor und einen Comic-Look zu schätzen wisst
  • Keine ultra-tiefe Story erwartet
  • Spaß an repetitivem, aber befriedigendem Gameplay habt

Das Spiel passt nicht zu euch, wenn ihr:

  • Story-lastige Spiele mit cinematischer Inszenierung erwartet
  • Kompetitive Multiplayer-Shooter wie Halo oder Call of Duty bevorzugt
  • Keine Geduld für Grinden und Loot-Farming habt
  • Lieber linear durchdesignte Shooter spielt
  • Mit dem Comic-Look nichts anfangen könnt
  • Hauptsächlich solo spielt und keine Lust auf Koop habt
  • Keine Freude an Zahlen und Statistik-Vergleichen habt

Fazit zu Borderlands

Gearbox Software hat mit Borderlands etwas geschafft, was nur wenigen Entwicklern gelingt: Sie haben zwei Genres miteinander verschmolzen und etwas Neues, Eigenständiges kreiert. Der „Role-Playing Shooter“ ist keine bloße Marketing-Phrase, sondern beschreibt präzise, was das Spiel ausmacht. Es ist ein Shooter mit dem Herz eines Action-RPGs, ein Loot-Fest in Ego-Perspektive, ein Diablo mit Schusswaffen. Und es funktioniert verdammt gut.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Die Story ist dünn, die Quests sind größtenteils generisch, und solo kann das Spiel stellenweise etwas eintönig werden. Die Welt Pandora ist optisch nicht besonders abwechslungsreich, und wer keinen Spaß an repetitivem Gameplay hat, wird hier nicht glücklich. Auch fehlen manche Features, die man sich gewünscht hätte – ein Auktionshaus für Items, besseres Online-Matchmaking, mehr Charakterklassen.

Aber diese Schwächen werden durch die Stärken mehr als wettgemacht. Das prozedurale Waffensystem mag mathematisch gesehen vielleicht nicht wirklich „Millionen“ verschiedener Waffen erzeugen, aber das Gefühl, ständig neue, interessante Ausrüstung zu finden, ist absolut gegeben. Der Cel-Shading-Look verleiht dem Spiel eine unverwechselbare Identität. Die vier Charaktere spielen sich wirklich unterschiedlich und bieten genug Build-Vielfalt. Und im Koop mit Freunden entfaltet das Spiel eine Sogwirkung, gegen die man sich kaum wehren kann. „Nur noch eine Quest“ wird zu „nur noch ein Level“ wird zu „nur noch diesen Boss farmen“ wird zu „oh Mist, es ist 3 Uhr morgens“.

Gearbox hat hier den Grundstein für eine potentiell großartige Reihe gelegt. Mit den angekündigten DLCs und einem hoffentlich folgenden Borderlands 2 (auch wenn davon noch nichts offiziell bestätigt ist) könnte hier ein neues Franchise entstehen, das die nächsten Jahre prägen wird. Für jeden, der etwas für Loot-Spiele übrig hat, ist Borderlands ein absolutes Pflichtprogramm. Für Shooter-Fans, die mal etwas anderes ausprobieren wollen, ist es eine hervorragende Gelegenheit, in die Welt der Action-RPGs hineinzuschnuppern. Und für Koop-Enthusiasten ist es vermutlich das beste Mehrspieler-Erlebnis des Jahres 2009.

Willkommen auf Pandora, Vault Hunter. Die Jagd nach dem perfekten Loot hat gerade erst begonnen.

Wertung: 8.5/10

Stärken:

  • Geniales prozedurales Waffensystem mit enormer Vielfalt
  • Hervorragender Koop-Modus für bis zu vier Spieler
  • Vier sehr unterschiedliche spielbare Charaktere
  • Unverwechselbarer Cel-Shading-Look
  • Süchtiger machende Loot-Mechanik
  • Humorvolle Dialoge und charmante NPCs
  • Starker Soundtrack und gute Soundeffekte
  • Hoher Wiederspielwert durch New Game Plus und alle Charaktere
  • Solides Skill-System mit Build-Vielfalt
  • Funktioniert auf allen Plattformen technisch gut

Schwächen:

  • Story ist dünn und wenig episch erzählt
  • Quests größtenteils generisch (Kill X, sammle Y)
  • Solo-Gameplay kann eintönig werden
  • Pandora optisch recht eintönig (viel Wüste und Canyon)
  • Keine Loot-Instanzierung im Koop (kompetitiv statt kooperativ)
  • Menüs auf PC nicht optimal für Maus/Tastatur
  • Matchmaking-Optionen rudimentär
  • Wenig Gegnervielfalt (viele Reskins)

Technische Informationen:

Plattformen: Xbox 360, PlayStation 3, PC (Windows)
Release: 20. Oktober 2009 (konsolen), 26. Oktober 2009 (PC)
Entwickler: Gearbox Software
Publisher: 2K Games
Genre: Role-Playing Shooter, Action-RPG, Loot-Shooter
Spieleranzahl: 1-4 (Koop online/LAN), 1-2 (Split-Screen lokal auf Konsolen)
Sprachen: Englisch (Sprachausgabe), Deutsch (Untertitel)
Preis: ca. 59,99 Euro (Konsolen), 49,99 Euro (PC)
USK: Keine Jugendfreigabe (ab 18 Jahren)
Speicherplatz: ca. 8 GB

PC-Systemanforderungen (Minimum):

  • Betriebssystem: Windows XP/Vista
  • Prozessor: 2.4 GHz oder besser
  • Arbeitsspeicher: 1 GB RAM (XP) / 2 GB RAM (Vista)
  • Grafikkarte: 256 MB (GeForce 7 Serie / Radeon HD 2000 Serie)
  • DirectX: 9.0c
  • Festplatte: 8 GB freier Speicherplatz

PC-Systemanforderungen (Empfohlen):

  • Betriebssystem: Windows XP/Vista
  • Prozessor: 2.4 GHz Dual-Core
  • Arbeitsspeicher: 2 GB RAM
  • Grafikkarte: 512 MB (GeForce 8 Serie / Radeon HD 3000 Serie)
  • DirectX: 9.0c
  • Festplatte: 8 GB freier Speicherplatz

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Q: Kann man Borderlands auch alleine spielen oder braucht man zwingend Mitspieler?
A: Borderlands lässt sich komplett solo durchspielen. Allerdings ist das Spiel eindeutig für Koop-Gameplay designed und macht mit Freunden deutlich mehr Spaß. Solo kann es stellenweise etwas repetitiv werden, ist aber durchaus machbar.

Q: Wie viele Waffen gibt es wirklich?
A: Gearbox wirbt mit „über 17 Millionen“ Waffen, was technisch durch das prozedurale System stimmt. In der Praxis sind es verschiedene Kombinationen aus Waffenteilen, die ähnliche Waffen mit leicht unterschiedlichen Werten erzeugen. Die Vielfalt ist dennoch enorm und man findet ständig neue, interessante Waffen.

Q: Gibt es einen Competitive-Multiplayer-Modus?
A: Nein, Borderlands hat keinen PvP-Modus. Es ist rein kooperativ ausgelegt. Der einzige „Wettbewerb“ besteht darin, wer im Koop den besten Loot ergattert.

Q: Welcher Charakter ist am besten für Anfänger?
A: Brick ist vermutlich am einsteigerfreundlichsten, da er viel Schaden einstecken kann und seine Berserk-Fähigkeit im Notfall Leben rettet. Roland ist ebenfalls gut für Anfänger, da sein Turret automatisch kämpft und bei Bedarf heilt.

Q: Sind die DLCs schon verfügbar?
A: Zum Zeitpunkt dieses Tests (November 2009) ist das erste DLC „The Zombie Island of Dr. Ned“ bereits angekündigt und soll Ende November erscheinen. Weitere DLCs sind für die nächsten Monate geplant.

Q: Funktioniert der Split-Screen-Koop gut?
A: Der Split-Screen auf Konsolen funktioniert grundsätzlich, leidet aber unter gelegentlichen Framerate-Einbrüchen, besonders wenn viel auf dem Bildschirm los ist. Für gemütliches Couch-Koop reicht es, ist aber nicht ganz so flüssig wie Online-Koop.

Q: Gibt es eine deutsche Sprachausgabe?
A: Nein, die Sprachausgabe ist nur auf Englisch verfügbar. Es gibt aber deutsche Untertitel, sodass man der Story folgen kann, auch wenn man nicht perfekt Englisch spricht.

Q: Was ist das Level-Cap?
A: Momentan kann man maximal Level 50 erreichen. Mit den kommenden DLCs soll das Level-Cap erhöht werden – das erste DLC wird es auf Level 61 anheben.

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