Der deutsche Online-Händler Mindfactory verzeichnet einen drastischen Einbruch bei den CPU-Verkäufen. Aktuelle Daten von Marktbeobachter TechEpiphany zeigen, dass die wöchentlichen Verkaufszahlen von rund 1.400 bis 1.600 Prozessoren zu Jahresbeginn auf nur noch etwa 500 Einheiten pro Woche gefallen sind. Das entspricht einem Rückgang von über 50 Prozent. In der Kalenderwoche 13 des Jahres 2026 wurde ein historischer Tiefstand erreicht. TechEpiphany, der seit zehn Jahren CPU-Verkaufszahlen im Einzelhandel beobachtet, bezeichnet den Einbruch als beispiellos. Betroffen sind sowohl AMD als auch Intel gleichermaßen. Die Ursache liegt in der globalen Speicherkrise, die DDR4- und DDR5-Preise in die Höhe treibt und PC-Upgrades für viele Nutzer unwirtschaftlich macht.
Zahlen sprechen eine klare Sprache
Die von TechEpiphany regelmäßig über X veröffentlichten Verkaufsdaten liefern einen detaillierten Einblick in den deutschen DIY-Markt. Während Mindfactory im Dezember 2025 noch über 2.100 CPUs pro Woche verkaufte und damit fast 550.000 Euro umsetzte, sind es mittlerweile nur noch 500 bis 600 Prozessoren bei einem Umsatz von rund 360.000 Euro. Der Rückgang verläuft kontinuierlich über die Kalenderwochen 3 bis 15, ohne Anzeichen einer Erholung.
Besonders auffällig: Der Einbruch betrifft beide großen Hersteller. AMD verkauft zwar nach wie vor etwa 90 Prozent aller CPUs bei Mindfactory, aber die absoluten Zahlen sind massiv gesunken. Intel kämpft ebenfalls mit schwachen Verkäufen. Die meistverkaufte Intel-CPU in der Kalenderwoche 13 war der Core Ultra 7 265K mit gerade einmal zehn verkauften Einheiten. Das deutet darauf hin, dass es sich nicht um eine Verschiebung von Marktanteilen handelt, sondern um eine generelle Nachfrageschwäche.
TechEpiphany: Noch nie so einen Rückgang gesehen
TechEpiphany, ein etablierter Marktbeobachter auf X, kommentierte die Entwicklung mit deutlichen Worten. In zehn Jahren Beobachtung von CPU-Verkäufen und damit verbundenen Umsätzen im Einzelhandel habe er noch nie einen so steilen Rückgang erlebt. Die Grafiken, die PC Gamer basierend auf TechEpiphanys Daten erstellt hat, zeigen eine dramatische Abwärtskurve, die vor allem AMD-Prozessoren betrifft. Das liegt allerdings primär daran, dass AMD den Markt bei Mindfactory ohnehin dominiert. Proportional trifft es Intel genauso hart.
Die Daten eines einzelnen Händlers haben natürlich nur begrenzte Aussagekraft für den Gesamtmarkt. Mindfactory ist zwar ein großer Online-Händler in Deutschland, aber nicht repräsentativ für Europa oder gar weltweit. Dennoch gilt Mindfactory als verlässlicher Indikator für Trends im DIY-Segment. Die Community nutzt die Verkaufszahlen seit Jahren, um Entwicklungen am Prozessormarkt zu verfolgen. Der aktuelle Einbruch ist so deutlich, dass er kaum als statistischer Ausreißer abgetan werden kann.
Speicherkrise als Hauptursache
Die Ursache für den Verkaufseinbruch ist klar identifiziert: Die globale Speicherkrise. DRAM-Hersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron produzieren am Limit, aber die Nachfrage aus dem KI-Sektor übersteigt das Angebot deutlich. Rechenzentren kaufen HBM-Speicher für KI-Beschleuniger in enormen Mengen. Das führt zu Engpässen bei Consumer-Speicher. DDR4- und DDR5-Preise sind in den vergangenen Monaten drastisch gestiegen.
Für PC-Bastler bedeutet das: Ein Mainboard-Upgrade zieht automatisch den Kauf von neuem Speicher nach sich. Wer von AM4 auf AM5 wechselt, braucht DDR5. Wer von Intels LGA-1700 auf LGA-1851 geht, ebenfalls. Die hohen Speicherpreise machen solche Upgrades teuer. Viele Nutzer entscheiden sich daher, mit ihrer aktuellen Hardware weiterzumachen. Ein neuer Prozessor allein bringt wenig, wenn das Mainboard nicht passt. Ein neues Mainboard ohne neuen Speicher funktioniert nicht. Die Speicherkrise blockiert den gesamten Upgrade-Zyklus.
AM4 erlebt ein Comeback
Interessanterweise profitiert AMDs ältere AM4-Plattform von der Situation. Die Verkaufszahlen zeigen, dass AM4-Prozessoren mittlerweile 35 bis 39 Prozent aller CPU-Verkäufe bei Mindfactory ausmachen. Der Ryzen 7 5800X, ein Prozessor aus dem Jahr 2020, verkauft sich besser als viele aktuelle Intel-Modelle. AM4 wurde 2017 eingeführt und nutzt DDR4-Speicher. Wer bereits ein AM4-Mainboard besitzt, kann problemlos auf einen stärkeren AM4-Prozessor upgraden, ohne neuen Speicher kaufen zu müssen.
Das erklärt auch, warum AM4 sich fast neunmal so häufig verkauft wie Intels neueste Plattform LGA-1851. Intel-Nutzer stehen vor einem Problem: Die aktuellen Plattformen erfordern DDR5. Ältere Generationen mit DDR4-Support sind technisch überholt. AMD hingegen bietet mit AM4 eine Ausweichmöglichkeit. Der Ryzen 7 9800X3D und der Ryzen 7 7800X3D führen die Verkaufscharts an, aber direkt dahinter folgt der Ryzen 7 5800X. Das zeigt, dass viele Käufer bewusst bei DDR4 bleiben, um Kosten zu sparen.
Mainboard-Verkäufe ebenfalls eingebrochen
Parallel zu den CPU-Verkäufen sind auch die Mainboard-Absätze massiv zurückgegangen. TechEpiphany berichtet, dass Mindfactory im vergangenen Jahr monatlich zwischen 4.000 und 8.000 Hauptplatinen verkaufte. Aktuell sind es nur noch etwa 1.000 Stück pro Monat. Das bestätigt die These, dass Nutzer komplette Upgrades verschieben. Wer keinen neuen Prozessor kauft, braucht auch kein neues Mainboard. Die Speicherkrise lähmt den gesamten DIY-Markt.
Für Hersteller und Händler ist das eine unangenehme Situation. Der PC-Markt war in den vergangenen Jahren relativ stabil. Die Pandemie sorgte sogar für einen Boom, weil viele Menschen ins Homeoffice wechselten und neue Hardware brauchten. Jetzt schlägt das Pendel in die andere Richtung. Nutzer, die während der Pandemie aufgerüstet haben, sitzen auf aktueller Hardware und sehen keinen Grund für ein Upgrade. Die hohen Speicherpreise liefern ein zusätzliches Argument, zu warten.
Saisonale Effekte oder strukturelles Problem?
Eine Frage, die sich stellt: Handelt es sich um saisonale Schwankungen oder ein strukturelles Problem? Typischerweise sind die Verkaufsmonate nach Weihnachten schwächer. Viele Leute haben während der Feiertage Hardware gekauft, entsprechend sinkt die Nachfrage im Januar und Februar. Allerdings ist der aktuelle Rückgang deutlich stärker als in den Vorjahren. Die Kalenderwoche 13 liegt bereits im März, also außerhalb der typischen Flaute. Zudem spricht das Ausmaß des Einbruchs gegen einen rein saisonalen Effekt.
Analysten gehen davon aus, dass die Speicherkrise noch Monate anhalten wird. DRAM-Hersteller haben angekündigt, die Kapazitäten zu erhöhen, aber neue Fabs brauchen Zeit. Samsung produziert bereits am Limit, kann die Nachfrage aber nicht bedienen. Solange die KI-Branche weiterhin massiv Speicher kauft, wird sich am Consumer-Markt wenig ändern. Das bedeutet: Die schwachen CPU-Verkäufe könnten sich über das gesamte Jahr 2026 hinziehen.
Was bedeutet das für AMD und Intel?
Für AMD und Intel ist die Situation unterschiedlich herausfordernd. AMD hat den Vorteil, dass die Marktdominanz bei Mindfactory ungebrochen ist. Selbst in der Krise verkauft AMD neun von zehn CPUs. Die X3D-Prozessoren, insbesondere der Ryzen 7 9800X3D, sind nach wie vor sehr gefragt. Allerdings helfen hohe Marktanteile wenig, wenn der Gesamtmarkt schrumpft. AMD verkauft zwar prozentual mehr, aber absolut deutlich weniger als vor Monaten.
Intel steht vor größeren Problemen. Die Arrow Lake-Generation, vertreten durch die Core Ultra 200-Serie, verkauft sich schlecht. Der Core Ultra 7 265K kommt auf zehn Verkäufe in einer Woche. Das ist katastrophal für einen aktuellen Mainstream-Prozessor. Selbst ältere Intel-Generationen wie die 12. und 14. Generation verkaufen sich besser, aber insgesamt bleibt Intel weit hinter AMD zurück. Die Kombination aus schwachem Gesamtmarkt und geringen Marktanteilen trifft Intel doppelt.
Nutzer warten auf bessere Zeiten
Aus Nutzersicht ist die Entscheidung nachvollziehbar. Wer eine funktionierende CPU hat, braucht nicht zwingend ein Upgrade. Die Leistungssprünge zwischen den Generationen sind in den vergangenen Jahren kleiner geworden. Ein Ryzen 5000 oder Intel Core i7 der 12. Generation reicht für die meisten Anwendungen und Spiele völlig aus. Die hohen Speicherpreise liefern ein zusätzliches Argument, das Budget lieber für andere Dinge auszugeben.
Gamer, die primäre Zielgruppe im DIY-Segment, setzen aktuell verstärkt auf GPU-Upgrades statt CPU-Upgrades. Eine neue Grafikkarte bringt in den meisten Spielen mehr als ein neuer Prozessor. Allerdings zeigen die Daten, dass auch GPU-Verkäufe bei Mindfactory rückläufig sind, wenn auch nicht so dramatisch wie bei CPUs. Die gesamte PC-Hardware-Branche befindet sich in einer schwierigen Phase.
Ausblick: Wann kommt die Erholung?
Die Frage ist, wann sich der Markt erholt. Optimisten hoffen auf eine Entspannung der Speicherkrise in der zweiten Jahreshälfte 2026. Neue Produktionskapazitäten könnten das Angebot erhöhen und die Preise senken. Zudem könnten neue CPU-Generationen von AMD und Intel frische Impulse setzen. AMD arbeitet an neuen X3D-Prozessoren, Intel an verbesserten Arrow Lake-Varianten und der nächsten Generation.
Pessimisten warnen, dass die Speicherkrise länger anhalten könnte als erwartet. Die KI-Nachfrage zeigt keine Anzeichen einer Abschwächung. Große Tech-Konzerne investieren Milliarden in KI-Infrastruktur und kaufen entsprechend Unmengen an Speicher. Solange diese Nachfrage anhält, wird der Consumer-Markt weiter unter Druck stehen. Möglicherweise normalisiert sich die Situation erst 2027.
Mindfactory als Marktindikator
Trotz der Einschränkungen bleibt Mindfactory ein wichtiger Indikator für den deutschen und europäischen DIY-Markt. Die regelmäßigen Berichte von TechEpiphany werden in der Community aufmerksam verfolgt. Sie zeigen Trends, bevor offizielle Quartalszahlen der Hersteller veröffentlicht werden. Der aktuelle Einbruch ist ein deutliches Signal, dass 2026 ein schwieriges Jahr für die PC-Hardware-Branche wird. Hersteller, Händler und Nutzer müssen sich darauf einstellen, dass die Speicherkrise den Markt noch Monate belasten wird.
