Es ist die nächste große Umstrukturierung beim schwedischen Gaming-Konzern: Die Embracer Group hat heute Morgen angekündigt, sich in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen aufzuteilen. Das neue Unternehmen trägt den Namen Fellowship Entertainment und soll 2027 an der Nasdaq Stockholm gelistet werden.
Was ist Fellowship Entertainment?
Fellowship Entertainment wird als IP-getriebenes Entertainmentunternehmen positioniert, das sich auf Spieleentwicklung, Publishing und Lizenzgeschäfte konzentriert. Zu den Marken, die in das neue Unternehmen wandern, gehören Der Herr der Ringe und Mittelerde, Tomb Raider, Metro, Kingdom Come: Deliverance, Dead Island, Darksiders, Remnant und weitere. Mit dabei sind namhafte Studios wie Crystal Dynamics, Eidos-Montréal, 4A Games, Warhorse Studios, Dambuster Studios, Gunfire Games und Flying Wild Hog.
Was ein Publisher in der Gaming-Branche eigentlich macht und welche Rolle er im Verhältnis zu Entwicklerstudios spielt, erklären wir in unserem Erklärartikel.
Ehrgeiziges Ziel von Fellowship: Ab dem Geschäftsjahr 2027/28 sollen mindestens zwei größere AAA-Titel pro Jahr erscheinen. Zudem soll eine eigene Lizenzierungseinheit entstehen, die die IPs des Unternehmens für externe Partner öffnet — für Spiele, Filme und andere Medienformate.
Was bleibt bei Embracer?
Die verbleibende Embracer-Einheit behält THQ Nordic, Plaion, Limited Run Games, Milestone, CrazyLabs und weitere Labels. Zu den IPs, die bei Embracer bleiben, gehören Gothic, Killing Floor, Destroy All Humans!, Desperados, Wreckfest, Biomutant und viele mehr. Der Konzern versteht sich künftig als dezentralisierte Heimat für unternehmerisch geführte Studios — mit strikterem Kostenmanagement und selektiveren Übernahmen.
Embracer-CEO Phil Rogers wechselt als CEO zu Fellowship Entertainment. Für die verbleibende Embracer-Gruppe läuft bereits die Suche nach einem neuen CEO.
Schlafende Klassiker könnten aufgeweckt werden
Besonders spannend für Fans: Fellowship Entertainment will klassische, aktuell ruhende Franchises aktiv für externe Partnerschaften öffnen. Explizit genannt werden Deus Ex, TimeSplitters, Saints Row, Thief, Legacy of Kain und Red Faction. Das bedeutet, andere Studios könnten diese Marken lizenzieren und neue Spiele entwickeln. Zuletzt hatte Crystal Dynamics bereits mit einem Remaster und einem neuen 2D-Ableger gezeigt, dass Legacy of Kain wieder Bewegung bekommt. Was den Unterschied zwischen einem Remaster und einem Remake ausmacht, erklären wir gesondert.
Ob das auch für den eingestellten TimeSplitters-Reboot oder das angeblich gecancelte Deus-Ex-Projekt gilt, bleibt offen — die Ankündigung lässt aber Hoffnung.
Nicht die erste Aufspaltung
Für Embracer ist dies bereits die dritte große Ausgliederung in kurzer Zeit. Asmodee, der Brettspiel- und Tabletop-Arm des Konzerns, wurde bereits Anfang 2025 eigenständig börsennotiert. Coffee Stain Group folgte im Dezember 2025. Fellowship Entertainment ist damit der nächste und vorerst letzte Schritt der Konzernumstrukturierung, die Embracer nach dem Platzen eines milliardenschweren Deals und einer langen Phase von Stellenabbau und Projektcancellations eingeleitet hatte.
Was ein Spin-off bedeutet — nicht nur im Spielekontext, sondern auch im unternehmerischen Sinne — erklären wir im verlinkten Artikel.
Was bedeutet das für Spieler?
Kurzfristig ändert sich nichts. Die Studios arbeiten weiter, die Spiele erscheinen wie geplant. Langfristig könnte die neue Struktur aber mehr Fokus bedeuten — und im besten Fall die Wiederbelebung von Franchises, die unter dem Embracer-Dach keine Priorität hatten. Ob das reicht, um das Vertrauen einer Community zurückzugewinnen, die die Schließungswelle der vergangenen Jahre miterlebt hat, wird die Zeit zeigen.



