Endlich ist es soweit – die Testversion von Forza Motorsport 6 ist bei uns eingetroffen. Als Forza Motorsport 5 zum Launch der Xbox One erschienen ist, waren viele Spieler unzufrieden. Weniger Inhalt als beim Vorgänger auf der Xbox 360 und eine gewöhnungsbedürftige Fahrphysik waren die Hauptgründe für die Kritik. Die Frage, die sich nun stellt: Hat es Turn 10 Studios geschafft, mit Forza 6 alle Kritikpunkte zu beseitigen und die Serie wieder auf die Überholspur zu bringen? Die Antwort lest ihr im folgenden ausführlichen Bericht.
Karrieremodus: Das absolute Inhaltsmonster
Eines vorweg: Forza Motorsport 6 ist ein absolutes Inhaltsmonster! Turn 10 hat die Kritik am mageren Umfang von Forza 5 offensichtlich sehr ernst genommen und liefert nun einen Titel ab, der vor Inhalt nur so überquillt.
Die beeindruckenden Zahlen:
- Über 450 Fahrzeuge – vom klassischen Straßenauto bis zum hochgezüchteten Rennboliden
- 26 Strecken – jede einzelne mit verschiedenen Streckenvarianten und Layouts
- 5 Rennklassen – von gemütlichen Straßenautos bis hin zu brutalen Formel-Rennwagen
- Über 70 Stunden potenzielle Spielzeit allein im Karrieremodus
Die Fahrzeugauswahl ist schlichtweg beeindruckend. Von ikonischen Klassikern wie dem Ford GT40 über moderne Supersportwagen wie den McLaren P1 bis hin zu exotischen Rennmaschinen aus der Formel 1, IndyCar und Le Mans-Prototypen ist alles vertreten. Jedes einzelne Fahrzeug wurde mit akribischer Detailverliebtheit modelliert und fährt sich auch genauso einzigartig, wie es aussieht.
Der Karrieremodus im Detail: Man startet wie gewohnt mit der Straßenklasse und muss sich Schritt für Schritt zu den professionellen Rennautos nach oben fahren. Turn 10 nennt es zwar Karrieremodus, aber im Kern kauft man sich die passenden Autos für die jeweilige Klasse und fährt wie gewohnt ein Rennen nach dem anderen. Eine tiefgreifende Story oder ein narrativer roter Faden fehlt – hier geht es ums pure Racing.
Neuerungen im Karrieremodus:
- Man muss mindestens den 3. Platz erreichen, um weiterzukommen – das erhöht den Anspruch
- Leider gibt es nach wie vor keine echten Rennwochenenden mit Training und Qualifikation
- Dafür bietet der Karrieremodus jede Menge abwechslungsreiche Schaurennen
Die Schaurennen – echte Highlights: Besonders die Schaurennen stechen aus dem normalen Rennalltag hervor. Mit den Indy Cars auf dem legendären Daytona International Speedway rasen wir beispielsweise mit über 400 km/h über die Strecke und dürfen klassische Rennsport-Momente nacherleben. Diese speziellen Events lockern den Karrieremodus wunderbar auf und bieten unvergessliche Erlebnisse. Ob Oval-Rennen, historische Boliden oder exotische Fahrzeugklassen – die Schaurennen sind definitiv ein Grund, immer weiterzuspielen.
Gameplay: Präzision trifft auf Fahrspaß
Das Herzstück jeder Rennsimulation ist natürlich das Fahrverhalten – und hier kann Forza Motorsport 6 auf ganzer Linie überzeugen. Es macht verdammt viel Spaß, auch mit den „kleineren“ Autos zu fahren. Man weiß zu jeder Zeit, was das Auto macht, und kann daher im absoluten Grenzbereich fahren, ohne das Gefühl zu haben, die Kontrolle zu verlieren.
Die Fahrphysik: Die Fahrphysik wurde im Vergleich zu Forza 5 spürbar überarbeitet. Die Autos fühlen sich schwerer und realistischer an, ohne dabei den Arcade-Faktor komplett zu verlieren. Turn 10 hat hier eine hervorragende Balance zwischen Zugänglichkeit und Simulation gefunden. Anfänger können mit zahlreichen Assistenzsystemen sofort loslegen, während Profis alle Hilfen deaktivieren und ein authentisches Rennerlebnis genießen können.
Controller-Erfahrung: Zum Testzeitpunkt hatten wir leider kein kompatibles Lenkrad zur Verfügung, somit bezieht sich unsere Einschätzung ausschließlich auf das Spielgefühl mit dem Xbox One Controller. Die Trigger-Rumble-Funktion des Controllers wird hervorragend genutzt – man spürt förmlich, wenn die Reifen an ihre Grenzen kommen oder das ABS eingreift. Erfahrungsgemäß dürfte das Spielerlebnis mit einem hochwertigen Lenkrad wie dem Thrustmaster TX oder dem Fanatec CSL noch einmal deutlich präziser und immersiver sein.
Die KI-Gegner: Die computergesteuerten Gegner verhalten sich insgesamt gut und bieten spannende Rennen. Vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden gibt es regelrechte Kämpfe um jede einzelne Position. Die Drivatare – von echten Spielerdaten gelernte KI-Gegner – sorgen für abwechslungsreiche und unvorhersehbare Rennen. Allerdings gibt es auch einen Kritikpunkt: Egal auf welchem Schwierigkeitsgrad lassen sich die Gegner in Kurven zu leicht überholen. Sie bremsen oft zu früh und zu stark, was erfahrenen Spielern leichte Überholmanöver ermöglicht.
Das Schadensmodell – leider enttäuschend: Vom Schadensmodell bei Forza 6 haben wir uns deutlich mehr erhofft! Es gibt zwar:
- Mechanische Schäden, die das Fahrverhalten beeinflussen
- Reifenabnutzung über längere Renndistanzen
- Leichte optische Schäden wie Dellen und Kratzer
Aber ein wirklich physikalisches Schadensmodell sucht man vergebens. Egal mit welcher Geschwindigkeit man in eine Wand oder einen Gegner kracht – das Ergebnis sind lediglich ein paar kosmetische Beulen. Hier hätten wir uns deutlich mehr Realismus gewünscht, wie man ihn etwa aus der Project CARS-Serie kennt. Vermutlich spielen hier auch Lizenzvereinbarungen mit den Autoherstellern eine Rolle, die ihre Fahrzeuge ungern völlig zerstört sehen möchten.
Das neue Mod-System: Optionale Tiefe
Ein komplett neues Feature in Forza Motorsport 6 sind die sogenannten Mods. Dieses kartenbasierte System fügt dem Spielerlebnis eine zusätzliche Ebene hinzu, ohne dabei aufdringlich zu sein.
Was Mods bieten:
- Credits-Bonus: Erhöhe deine Einnahmen pro Rennen
- Besserer Startplatz: Starte weiter vorne im Feld
- Erfahrungsbonus: Levele schneller auf
- Fahrzeug-Upgrades: Temporäre Leistungssteigerungen
Herausforderungs-Mods: Besonders interessant sind die Mods, die uns zusätzlich herausfordern. Beispielsweise gibt es Karten, die uns zwingen, mit der Verfolgerkamera statt der Cockpit-Ansicht zu fahren, oder solche, die bestimmte Assistenzsysteme deaktivieren. Im Gegenzug erhält man höhere Belohnungen. Pro Rennen können bis zu 3 Mods gleichzeitig eingesetzt werden.
Das Mod-System ist komplett optional. Wer keine Lust darauf hat, kann es vollständig ignorieren und trotzdem alles erleben. Für Spieler, die gerne etwas mehr Tiefe und Abwechslung wünschen, bietet es jedoch eine willkommene Ergänzung.
Die besten Neuerungen: Regen- und Nachtrennen
Ohne Zweifel sind die Regen- und Nachtrennen die größten und besten Neuerungen in Forza Motorsport 6! Diese Features hat die Community seit Jahren gefordert, und Turn 10 hat endlich geliefert – und wie!
Regenrennen – Jeder Fehler wird bestraft: Besonders die Regenrennen fordern all unser fahrerisches Können. Der kleinste Fehler reicht aus, um von der Strecke zu rutschen und wertvolle Positionen zu verlieren:
- Ein bisschen zu viel Gas in der Kurve und das Auto ist nicht mehr abzufangen
- Pfützen auf der Strecke sorgen für gefährliches Aquaplaning
- Die Bremswege verlängern sich dramatisch
- Die Ideallinie verändert sich komplett
Die Pfützen sind dabei keine statischen Elemente, sondern bilden sich an realistischen Stellen auf der Strecke. Wer durch eine tiefe Wasserlache fährt, verliert für einen kurzen Moment die Kontrolle über sein Fahrzeug. Dieses Feature zwingt den Spieler, alternative Linien zu finden und nicht stur der vorgegebenen Ideallinie zu folgen. Brillant umgesetzt!
Nachtrennen – Atmosphärisch beeindruckend: Auch die Nachtrennen sind ein echter Augenschmaus und spielerisch reizvoll:
- Die Scheinwerfer der Fahrzeuge werfen realistische Lichtkegel
- Der Wechsel zwischen beleuchteten und dunklen Streckenabschnitten erhöht die Spannung
- Bremspunkte sind schwerer zu erkennen
- Die gesamte Atmosphäre ist deutlich intensiver
Der Wermutstropfen: Trotz aller Begeisterung gibt es einen Kritikpunkt: Sowohl Nacht- als auch Regenrennen sind nur auf ausgewählten Strecken verfügbar. Nicht jeder Kurs bietet diese dynamischen Wetterbedingungen oder Tageszeiten an. Hier hätten wir uns gewünscht, dass Turn 10 diese Features auf allen 26 Strecken ermöglicht hätte. Vielleicht kommt dies ja noch per Update oder in einem zukünftigen Ableger der Serie.

Technik: Visuelle Perfektion bei 60 FPS
Grafisch setzt Forza Motorsport 6 neue Maßstäbe für Rennspiele auf Konsolen. Turn 10 hat die Hardware der Xbox One bis an ihre Grenzen ausgereizt.
Die Fahrzeugmodelle:
- Jedes der über 450 Autos verfügt über ein originalgetreu nachgebildetes Cockpit
- Die Innenraumdetails sind atemberaubend – von funktionierenden Armaturen bis zu korrekten Materialien
- Die Spiegelungen auf dem Lack sind die besten, die wir je in einem Rennspiel gesehen haben
- Bei Regenrennen perlt das Wasser realistisch von der Karosserie ab
Die Strecken: Die 26 Strecken sind optisch hervorragend umgesetzt. Von der Nürburgring Nordschleife über Spa-Francorchamps bis hin zu exotischen Kursen wie dem Circuit of the Americas – jede Strecke fühlt sich authentisch und lebendig an. Besonders die Regenrennen sind ein visueller Augenschmaus mit ihren reflektierenden Pfützen und der dramatischen Atmosphäre.
Kritik an der Streckenrandgestaltung: Allerdings passiert am Streckenrand insgesamt zu wenig. Ab und zu gibt es ein Feuerwerk bei Nachtrennen, gelegentlich fliegt ein TV-Hubschrauber über die Strecke, aber mehr ist da nicht. Zuschauer wirken oft statisch und leblos. Hier hätten wir uns mehr Dynamik gewünscht.
Performance – Rocksolid: Die technische Leistung ist beeindruckend:
- 1080p Auflösung zu jeder Zeit
- Konstante 60 FPS ohne Einbrüche – selbst bei vollen Startfeldern und Regenrennen
- Im Vergleich zu Forza 5 wurde das störende Kantenflimmern deutlich reduziert
- Keine spürbaren Ladezeiten dank geschicktem Asset-Streaming
Sound – Motorenbrüllen vom Feinsten: Der Sound ist einer der heimlichen Stars von Forza 6:
- Die Motorensounds sind brutal authentisch – vom kreischenden V12 eines Ferrari bis zum grollenden V8 eines Muscle Cars
- Jedes Fahrzeug klingt einzigartig und wurde offensichtlich mit echten Aufnahmen versehen
- Der Dolby Atmos-Support sorgt für räumlichen Klang
Kritik am Crash-Sound: Leider kommen die Crashs akustisch kaum zur Geltung. Kollisionen klingen blechern und wenig impactvoll – passend zum bereits kritisierten schwachen Schadensmodell. Hier besteht definitiv Verbesserungspotenzial.
Multiplayer und Online-Features
Neben dem umfangreichen Karrieremodus bietet Forza Motorsport 6 auch ein reichhaltiges Online-Angebot:
Online-Rennen:
- Bis zu 24 Spieler können gleichzeitig auf der Strecke fahren
- Hopper-System für schnelle Rennen ohne lange Wartezeiten
- Ranglistenrennen für kompetitive Spieler
- Leagues für organisierte Meisterschaften
Drivatare: Das Drivatar-System aus Forza 5 wurde weiter verfeinert. Die KI lernt vom Fahrverhalten echter Spieler und sorgt so für realistische und abwechslungsreiche Gegner – auch wenn man offline spielt.
Fazit
Forza Motorsport 6 ist ein gewaltiger Sprung nach vorne im Vergleich zum kritisierten Vorgänger. Turn 10 Studios hat die berechtigte Kritik an Forza 5 offensichtlich sehr ernst genommen und liefert nun ein Inhaltsmonster ab, das seinesgleichen sucht. Über 450 Fahrzeuge und 26 Strecken – das ist eine Ansage!
Die neuen Regen- und Nachtrennen sind echte Highlights und fordern selbst erfahrene virtuelle Rennfahrer bis an ihre Grenzen. Das Fahrverhalten ist präzise und macht sowohl mit Controller als auch vermutlich mit Lenkrad großen Spaß. Die Grafik ist auf dem technischen Höhepunkt dessen, was die Xbox One aktuell leisten kann, und die stabilen 60 FPS sorgen für butterweiches Racing.
Aber nicht alles ist perfekt: Das Schadensmodell bleibt enttäuschend oberflächlich, die KI-Gegner lassen sich in Kurven zu leicht überholen, und die dynamischen Wetter- und Nachtfeatures sind leider nur auf ausgewählten Strecken verfügbar. Der Karrieremodus ist zwar umfangreich, aber auch recht gleichförmig strukturiert ohne echte Rennwochenenden oder eine packende Story.
Trotz dieser Kritikpunkte ist das Gesamtpaket beeindruckend. Für Rennspiel-Fans auf der Xbox One ist Forza Motorsport 6 ein absoluter Pflichtkauf und ohne Frage der beste Teil der Motorsport-Serie seit langem. Turn 10 ist wieder auf der Überholspur!
Bewertung: 8.8/10 ⭐
Stärken:
- Über 450 Fahrzeuge mit detaillierten Cockpits
- 26 Strecken mit zahlreichen Varianten
- Regen- und Nachtrennen als echte Highlights
- Konstante 1080p bei 60 FPS ohne Einbrüche
- Präzises, spaßiges Fahrverhalten
- Hervorragende Grafik und Lichteffekte
- Authentische, brutale Motorensounds
- Interessantes, optionales Mod-System
- Spannende Schaurennen im Karrieremodus
- Umfangreicher Online-Multiplayer
Schwächen:
- Schwaches, unrealistisches Schadensmodell
- KI-Gegner zu leicht in Kurven zu überholen
- Nacht/Regen nur auf ausgewählten Strecken
- Karrieremodus ohne echte Rennwochenenden
- Wenig Aktivität am Streckenrand
- Crash-Sounds enttäuschend
Technische Daten:
- Entwickler: Turn 10 Studios
- Publisher: Microsoft Studios
- Plattform: Xbox One (exklusiv)
- Release: 15. September 2015
- Genre: Rennsimulation
- Auflösung: 1080p bei 60 FPS
- Fahrzeuge: 450+
- Strecken: 26 (mit zahlreichen Varianten)
- Spieler: 1-24 (Online)
- Altersfreigabe: USK 0




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