Es gibt Filmfiguren, die sich ins kollektive Gedächtnis einer Generation einbrennen. Der Predator gehört dazu. Seit 1987 jagt die außerirdische Spezies der Yautja auf der Leinwand – mal als unaufhaltsame Bedrohung aus dem Dschungel, mal als würdiger Gegner in einem kosmischen Kräftemessen, mal als peinliche Reminiszenz daran, was passiert, wenn eine Idee in die falschen Hände gerät. Die Filmreihe ist alles andere als konsistent. Sie hat Hochpunkte, die bis heute Maßstäbe setzen, und Tiefpunkte, bei denen man am liebsten vergessen möchte, dass es sie je gegeben hat. Sie hat sich in eine der bekanntesten Crossover-Kooperationen der Filmgeschichte geworfen, sich wieder herausgezogen und ist unter Dan Trachtenberg zu etwas geworden, das man vor wenigen Jahren noch nicht für möglich gehalten hätte: einem lebendigen, wachsenden Universum mit echter kreativer Ambition.
Dieser Artikel ist kein neutraler Überblick. Es ist eine persönliche Reise durch alle neun Filme, chronologisch geordnet, mit dem Blick eines Menschen, der von Anfang an dabei war.
Predator (1987)
John McTiernan hat 1987 einen der perfektesten Actionfilme der Dekade gedreht – und dabei ganz nebenbei eine der ikonischsten Filmfiguren aller Zeiten geschaffen. Dabei beginnt Predator gar nicht als Predator-Film. Die ersten vierzig Minuten sind knallhartes Militärabenteuer: Major Alan „Dutch“ Schaefer, gespielt von Arnold Schwarzenegger auf dem Gipfel seiner körperlichen Präsenz, führt ein Eliteteam in einen zentralamerikanischen Dschungel. Dann verlagert sich das Genre, fast unmerklich, fast beiläufig, und plötzlich ist Predator ein Horrorfilm. Etwas beobachtet sie. Etwas jagt sie. Und es ist nicht von dieser Welt.
Was McTiernan damals so außergewöhnlich gelungen ist, war das Verhältnis von gezeigt und geahnt. Der Predator bleibt lange unsichtbar. Wir sehen seinen Blick durch die Wärmebildkamera, wir sehen, was er zurücklässt – und die Fantasie des Zuschauers füllt den Rest mit etwas, das mindestens so bedrohlich ist wie jede konkrete Darstellung. Die Enthüllung des Wesens, wenn sie kommt, ist dann umso wuchtiger. Carl Weathers, Jesse Ventura, Bill Duke: Dieser Cast wäre heute nicht mehr finanzierbar, und er gibt dem Film ein Gewicht, das viele Actionproduktionen dieser Ära vermissen. Der Schluss ist filmisches Handwerk in Reinform – Dutch gegen den Predator, ohne Waffe, mit Verstand.
Jahre später erfuhr ich, dass Jean-Claude Van Damme ursprünglich die Rolle des Predators übernehmen sollte. Als bekennender Van-Damme-Fan hätte ich das damals definitiv gefeiert. Aber mal ehrlich betrachtet: Es hätte wohl kaum einen Unterschied gemacht. Man sieht den Predator die meiste Zeit kaum, wenn man ihn sieht trägt er seine Maske, und wenn dann schließlich sein berühmtes Gesicht enthüllt wird, dann ist das ohnehin eine Kreatur, mit der kein Mensch freiwillig Augenkontakt sucht. Kevin Peter Hall, der den Predator letztlich spielte und mit 2,20 Meter Körpergröße das Wesen erst physisch glaubwürdig machte, war in diesem Fall die richtig getroffene Entscheidung.
Was diesen Film Ende der 1980er so perfekt zusammensetzt, lässt sich kaum analytisch greifen: Es passte einfach alles. Schwarzenegger als einer der größten Actionhelden seiner Zeit, der ins Setting passte wie die Faust aufs Auge. Nebenrollen, die nicht als Nebenrollen wirken, weil jede Figur genau das ist, was sie sein soll. Keine Tiefgründigkeit, die niemand vermisst. Nur Typen, die funktionieren, ein Dschungel, der bedrückt, und ein Killer aus dem All, den man nie vergisst. „Wenn es bluten, können wir es töten“ ist seitdem allgemeiner Sprachgebrauch – und das sagt eigentlich alles darüber, was dieser Film in der Popkultur hinterlassen hat.
Ja, es gibt einen Kultbonus. Der Film hat mich als Teenager geprägt, und das färbt jede Wiederbegegnung. Aber selbst ohne diesen Bonus bleibt Predator ein handwerklich makelloses Werk, das sein Genre definiert und ein Filmmonster in die Welt gesetzt hat, das vier Jahrzehnte später noch trägt. 9/10
Predator 2 (1990)
Predator 2 ist der Film, für den man sich damals ein bisschen geschämt hat, und den man heute vorbehaltlos verteidigt. Regisseur Stephen Hopkins verlegt die Jagd vom Dschungel in das Häusermeer von Los Angeles im Jahr 1997, wo Drogenkriege die Stadt in ein permanentes Schlachtfeld verwandelt haben. Danny Glover spielt Lieutenant Mike Harrigan, einen Cop alter Schule, der inmitten dieses Chaos dem ersten Predator-Besuch auf städtischem Terrain begegnet.
Mit heutigem Wissen schaut man manche Entscheidungen dieses Films durchaus kritischer an. Warum sucht sich ein technologisch überlegener und offenbar sehr erfahrener Yautja ausgerechnet Los Angeles aus? Ob eine Horde schwer bewaffneter 90er-Jahre-Drogendealer wirklich einen adäquaten Gegner für ein Wesen dieser Klasse darstellt, darf man ruhig in Frage stellen. Es gab damals sicher anderswo auf der Welt größere Brandherde und ernsthaftere Konflikte. Aber der Film löst das mit einer einfachen und funktionierenden Gegenfrage: Was, wenn dieser Ort für einen Yautja schlicht reizvoll ist, weil er im permanenten Ausnahmezustand brennt? Der Nachrichtensprecher bringt es auf den Punkt: „Die Stadt befindet sich im Krieg.“ Die Gangster sind bis an die Zähne bewaffnet, das Chaos ist echt. Als Kind der 90er hat uns das abgeholt.
Gary Busey, Adam Baldwin, Bill Paxton – eine Nebenrollenriege, die den Film adelt. Paxton als vorwitziger Detective, der seine Überheblichkeit bitter büßt, ist eine der besten komödiantischen Figuren des Franchises, ohne je zum Witz zu werden. Und Kevin Peter Hall spielte wieder den Predator, diesmal natürlich einen anderen Jäger. Er war es, der die Figur körperlich erst begreifbar machte, in beiden Teilen.
Dann ist da die U-Bahn-Szene. Wer sie kennt, weiß welche gemeint ist. Wir haben damals pausiert. Gezoomt. Debattiert. Sieht man da tatsächlich die Wirbelsäule? Oder ist das Schatten? Fortschreitende Technik hat uns das irgendwann zweifelslos gelüftet, und heute wissen wir ohnehin: Ja, sie machen sowas. Damals war es ein kollektiver Schock und eine dieser Szenen, die man nicht mehr loswird.
Der absolute Mindfuck kam am Ende, als die Kamera durch die Trophäenkammer des Predator-Schiffes glitt und dort, zwischen den Schädeln diverser Beutetiere, ein Xenomorph-Schädel zu sehen war. Kein Hinweis, keine Erklärung, keine Überleitung. Einfach da. Für eine Generation von Horrorfilm-Fans war das ein Moment, der keine Worte brauchte. Es hat über ein Jahrzehnt gedauert, bis sich jemand getraut hat, die Konsequenz daraus zu ziehen – aber die Konsequenz an sich war in dieser einen Sekunde gesetzt.
Predator 2 ist kein besserer Film als sein Vorgänger. Er ist lauter, hektischer, manchmal zu sehr auf seinen eigenen Exzess konzentriert. Aber er hat denselben Geist, dieselbe Bereitschaft zur Konsequenz – und er hat Danny Glover in Hochform. Kultbonus inklusive, aber verdient. 9/10
Alien vs. Predator (2004)
Wenn man ehrlich ist, hatte man mit der Ankündigung von Alien vs. Predator gemischte Gefühle. Zwei der großartigsten Monsterfranchises des Kinos in einem Film – das klingt entweder nach dem Event des Jahrzehnts oder nach dem Versuch, mit zwei bekannten Namen einen mittelmäßigen Film zu verkaufen. Paul W.S. Anderson lieferte am Ende etwas dazwischen, aber näher an der guten Seite als sein Ruf es manchmal suggeriert.
Das eigentliche Konzept des Films ist nämlich verdammt stark. Unter dem antarktischen Eis befindet sich eine uralte Pyramide, in der Yautja seit Jahrhunderten Xenomorphen als Gegner für ihre Initiationsjagden heranzüchten. Bäm. Mit einem einzigen Worldbuilding-Zug bekommt man gleich drei Dinge auf einmal serviert: Die Yautja besuchen uns nicht erst seit Arnie im Dschungel, sondern seit Jahrhunderten, möglicherweise Jahrtausenden. Xenomorphen befinden sich auf unserem Planeten. Und das Unternehmen Weyland tritt in Erscheinung – gespielt von Lance Henriksen, der damit eine Brücke zu seiner Rolle als Android Bishop in Aliens schlägt und dem Auftritt eine Resonanz gibt, die über die reine Besetzungsentscheidung weit hinausgeht. Das ist kein Zufall, das ist Absicht – und es funktioniert. Mit Henriksen bekommt Weyland ein Gesicht, das Fans beider Franchises sofort liest, und das schlägt damit die erste echte Brücke zwischen beiden Universen. Das sind drei separate Gedanken, die jeder für sich allein einen Film tragen könnte.
Sanaa Lathan als Bergsteigerin Alexa Woods ist eine sympathische Protagonistin, die dem Film einen menschlichen Anker gibt, ohne zu versuchen, das Rampenlicht von den Titelkandidaten zu stehlen. Die Actionszenen, wenn Predatoren gegen Aliens kämpfen, sind das, wofür man ins Kino gegangen ist – und Anderson liefert sie mit ausreichend Wucht.
Natürlich stellt man sich heute Fragen. Warum die Erde? Mit dem Wissen, das das Franchise seitdem aufgebaut hat, über die Reichweite der Yautja, über die Herkunft der Xenomorphen, über das, was Prometheus und Alien: Covenant zum Kanon beigetragen haben, wirkt die Erde als zentraler Schauplatz dieser uralten Tradition etwas klein gedacht. Und ob das alles am Ende sauber in den Kanon passt, der sich mittlerweile rund um beide Franchises entwickelt hat, ist eine Frage, auf die man keine wirklich befriedigende Antwort bekommt. Das offizielle Universum behandelt AvP seit Jahren als eine Art schwebende Grauzone – offiziell nicht widerlegt, aber auch nicht wirklich eingebunden.
Was stört, bleibt das PG-13-Rating. Alien ohne Blut ist kein Alien, und ein Predator, der keine echte Bedrohung für menschliches Fleisch darstellt, verliert einen Teil seiner Wirkung. Trotzdem bleibt AvP kurzweiliges, ideenreiches Popcornkino, das mehr auf dem Tisch hat als sein Ruf vermuten lässt. 7,5/10
Aliens vs. Predator: Requiem (2007)
Mit Requiem bekamen wir das R-Rating, das dem Vorgänger gefehlt hatte. Was die Gebrüder Strause daraus gemacht haben, ist leider das beste Argument dafür, dass ein Rating allein noch kein gutes Kino macht.
Die Grundidee ist dabei durchaus nicht schlecht: Ein Alien-Predator-Hybrid bricht aus einem abgestürzten Schiff aus und verseucht eine amerikanische Kleinstadt, ein Predator-Krieger wird zur Schadensbegrenzung entsandt. Das hat Potenzial. Zwei Franchises, ein kompakter Schauplatz, ein Killer auf der Jagd nach einem anderen Killer inmitten ahnungsloser Zivilisten. In anderen Händen hätte daraus ein knalliger, konsequenter Horrorfilm werden können.
Stattdessen artet Requiem in genau den 08/15-Schmarrn aus, vor dem das Franchise an diesem Punkt stand. Menschliche Charaktere, für die man keinerlei Interesse aufbringen kann. Eine Handlung ohne erkennbare Struktur. Und das bereits erwähnte buchstäbliche Beleuchtungsproblem: Weite Teile des Films spielen in einer Dunkelheit, die nicht atmosphärisch ist, sondern schlicht unbrauchbar. Man kann nicht sehen, was passiert. Wer kämpft gegen wen. Das ist kein Stilmittel, das ist ein handwerkliches Versagen.
Requiem ist zum damaligen Zeitpunkt ein Tiefpunkt gewesen – und zwar gleich für beide Franchises gleichzeitig. Das Alien-Franchise hatte nach diesem Film keine gute Antwort auf die Frage, wohin es gehen soll. Und Predator stand kurz davor, in eine ähnliche Orientierungslosigkeit zu geraten. Als Warnung, was passiert, wenn man ein starkes Konzept ohne Handwerk und Überzeugung abarbeitet, taugt Requiem immerhin als Lehrstück. 6/10
Predators (2010)
An die Ankündigung von Predators kann man sich noch gut erinnern. Robert Rodriguez als Produzent, ein Cast der sich las wie eine Wunschliste: Adrien Brody, Walton Goggins, Laurence Fishburne, Danny Trejo. Das klang nach einem ernsthaften Comeback. 2010, mitten in Rom, hingen die Plakate überall in der Stadt – und irgendwie hatte man dieses Gefühl: hier steht was Großes vor der Tür. Das Franchise meldet sich zurück, mit Gewicht, mit dem richtigen Namen, mit einem Cast der Lust macht.
Die Grundidee ist stark und dreht die ursprüngliche Prämisse clever um: Statt dass die Yautja zur Erde kommen, werden diesmal Menschen auf ihren Planeten gebracht – als Jagdwild. Verschiedene Killer und Krieger aus Konfliktherden rund um den Globus, auf fremdem Terrain, ohne Orientierung, ohne Ausrüstung. Wer jagt hier eigentlich wen? Das Konzept greift zurück auf das, was den ersten Film groß gemacht hat, und gibt ihm gleichzeitig neuen Spielraum.
Adrien Brody zieht das körperlich und charakterlich überzeugend durch, auch wenn die Wahl auf dem Papier ungewöhnlich wirkte. Walton Goggins als Strafgefangener ist wie immer eine Freude anzusehen. Laurence Fishburne in seiner kurzen, aber eindrucksvollen Rolle als gestrandeter Überlebender ist einer der stärksten Momente des Films. Und Danny Trejo – leider viel zu wenig.
Genau da beginnt das verschenkte Potenzial. Der Cast wäre stark genug gewesen, um jedem dieser Charaktere mehr Tiefe zu geben. Stattdessen werden einige zu schnell abgehakt. Die Yautja bleiben blasser, als sie hätten sein müssen. Der Film ist insgesamt solide, kurzweilig, deutlich besser als Requiem – aber er erreicht nie ganz das, was die Vorfreude versprochen hatte. Ein guter Film, der ein sehr guter hätte sein können. 7/10
The Predator (2018)
Bei uns bekannt als Predator: Upgrade. Und schon der deutsche Verleihtitel fasst das Problem ganz gut zusammen: Man versucht, dem Ganzen einen modernen Anstrich zu verpassen, und landet dabei irgendwo zwischen hilfloser Erklärung und falschen Versprechen.
Shane Black als Regisseur – das klang nach einer Idee, die auf dem Papier funktioniert. Der Mann hat in Predator mitgespielt, er hat Lethal Weapon geschrieben, The Last Boy Scout, The Nice Guys. Einer, der Tempo kann, der Figuren kann, der weiß wie Action-Komödien mit Biss funktionieren. Der muss doch einen Predator-Film hinkriegen. Muss er doch, oder?
Beim Cast keine wirklich großen Namen, aber ein paar bekannte Gesichter. Thomas Jane ist immer gut für eine Watchlist. Und mit Yvonne Strahovski kriegt man zumindest ein vertrautes Videospielgesicht, wer Mass Effect kennt, kennt Miranda Lawson. Reicht leider nicht.
Was dann kommt, ist vor allem eins: ärgerlich. Ein Mensch schnappt sich einfach die Ausrüstung eines Yautja und kommt damit mehr oder weniger klar. Dumm, aber noch irgendwie hinnehmbar, wenn der Film es richtig aufbaut. Stattdessen wird das Zeug einfach per Paket versendet. Per Paket. Das ist entweder das bekloppteste Drehbuch der Franchise-Geschichte oder die verzweifeltste Schreibblockaden-Lösung, die je auf Produktionskosten der Steuerzahler umgesetzt wurde.
Und dann marschiert die Eliteeinheit an. In schwarzen Pickups. Mit G36. Junge. Arnies Truppe war besser ausgestattet, und die hatte immerhin keine Ahnung, was auf sie zukommt. Hier weiß man angeblich Bescheid, ist angeblich vorbereitet, hat angeblich eine Spezialeinheit – und schickt dann das los. Das passiert, wenn man sich mit der Vorlage nicht ernsthaft auseinandersetzt und offensichtlich auch nicht im Blick hat, was das Franchise bedeutet und wohin es sich entwickeln soll.
The Predator ist grottenschlecht, und man darf sich beim Schauen ruhig verarscht fühlen, weil man es schlicht wird. Das Sahnehäubchen obendrauf: Der Film gilt offiziell nicht einmal als Fortsetzung. Er ist lediglich im selben Universum angesiedelt. Man hat also nicht einmal den Anspruch, eine echte Weiterführung der Reihe zu liefern – und scheitert trotzdem. Hochgradig peinlich. Unterirdisch. Und damit hat The Predator AvP: Requiem als Tiefpunkt der gesamten Reihe abgelöst – eine Leistung, die man erst mal hinkriegen muss. Der einzige Trost: Die Messlatte lag danach so tief, dass alles danach nur besser werden konnte. Und mit Prey wurde dieser Trost dann tatsächlich eingelöst. 4/10
Prey (2022)
Prey macht alles anders – und das ist genau richtig so. Dan Trachtenberg tritt nicht an, um das Franchise zu reparieren, sondern denkt es neu. Und das Ergebnis ist die beste Ergänzung der Reihe seit dem Original.
Ja, wir sind wieder auf der Erde. Und ja, wie sich das alles anbahnt, folgt dem bekannten Schema: Ein Predator kommt, beobachtet, beginnt zu jagen. Aber das Setting ist clever gewählt. Wir schreiben das Jahr 1719, die Komanche-Nation in den Great Plains Nordamerikas. Eine junge Kriegerin namens Naru will ihrem Volk beweisen, dass sie als Jägerin ihren Platz verdient. Und dann landet ein Yautja mitten in dieser Welt.
Was Prey so gut macht, ist wie konsequent es den technologischen Abstand zwischen beiden Seiten ausreizt. Die Menschen dieser Zeit haben dem überlegenen Gegner auf den ersten Blick schlicht nichts entgegenzusetzen. Keine Schusswaffen der Neuzeit, kein Verständnis von dem, womit sie es zu tun haben, keine Vorwarnung. Und trotzdem unterhält das prächtig, weil Amber Midthunder als Naru nicht mit Stärke gewinnt, sondern mit Verstand. Das ist der Triumph des Films. Der Erfindungsreichtum, mit dem sie die Situation liest und nutzt, was ihr zur Verfügung steht, ist überzeugender als jede moderne Waffenkammer.
Prey hat bewiesen, dass Predator als Franchise noch etwas zu sagen hat – und dass das Geheimnis nicht im Bombast liegt, sondern in der Konsequenz des Konzepts. 8/10
Predator: Killer of Killers (2025)
Die erste Reaktion war ehrlich gesagt: häh, wo kommt der denn jetzt her? Und warum ein Animationsfilm? Das ist keine Kritik, nur Überraschung. Mitten im Trachtenberg-Comeback, zwischen Prey und dem angekündigten Badlands, taucht plötzlich eine Anthologie auf, die optisch und konzeptionell einen völlig eigenen Weg geht.
Und dieser Weg ist absolut gelungen. Der visuelle Stil ist stark und die verschiedenen Episoden – ein Wikinger-Krieger, ein Ninja im feudalen Japan, ein WWII-Pilot – sind total cool. Jedes einzelne Setting hätte man sich auch wunderbar als eigenständigen Langfilm vorstellen können. Jedes davon hätte funktioniert. Aber als Anthologie funktioniert es ebenfalls, weil die Episoden nicht einfach nur nebeneinander stehen, sondern in einem gemeinsamen Finale zusammenlaufen.
Was Killer of Killers dabei besonders wertvoll macht: Man bekommt ein paar echte Einblicke in die Kultur der Yautja, ohne dass zu viel gelüftet wird. Das ist die richtige Balance. Genug, um die Spezies als ernstzunehmende Zivilisation zu verstehen, wenig genug, um das Mysterium zu erhalten. Trachtenberg signalisiert damit, dass er weiß, wie man mit dieser Welt umgeht. Killer of Killers ist eines der überraschendsten und erfreulichsten Kapitel des gesamten Franchises. 8/10
Predator: Badlands (2025)
Predator: Badlands führt uns von der Erde weg, zurück auf fremde Planeten – und das ist die richtige Richtung. Dek, ein junger Yautja, der von seinem Clan verstoßen wurde, findet auf dem tödlichen Planeten Genna eine unerwartete Verbündete in der Weyland-Yutani-Androidin Thia. Dass das funktioniert, liegt an zwei Dingen: der körperlich beeindruckenden Darstellung von Dimitrius Schuster-Koloamatangi und der ruhigen, genauen Beobachtungsgabe von Elle Fanning, die Thia mit einer Mischung aus Mechanik und Wärme ausstattet, die die Figur weit über ihren Klischee-Status hebt.
Badlands gibt uns weitere Einblicke in die Yautja-Kultur, und man spürt dabei, dass Trachtenberg die Hausaufgaben gemacht hat. Comics, Bücher und die frühen Filme haben so etwas wie einen grundlegenden Kanon gebildet – einen Fundus, der jahrzehntelang eher als lose Referenz diente. Trachtenberg scheint entschlossen, diesen Kanon nun voranzutreiben und mit echtem Leben zu füllen. Das gefällt. Das Franchise entfernt sich weiter vom Horror-Ursprung und wird offen zu einem Sci-Fi-Abenteuerfilm, was man als Verlust betrachten kann. Aber Trachtenberg tauscht das gegen Verständnis ein: Wir begreifen die Yautja tiefer als je zuvor, was ihr Codex verlangt, was ihre Ausrüstung bedeutet, was es kostet, in dieser Welt zu sein.
Und genau da stellt sich die große Frage, die Badlands implizit aufwirft, ohne sie zu beantworten: Woher haben die Yautja ihre Technologie? Selber entwickelt über Jahrtausende? Oder erobert – von wem auch immer auf dem Weg nach oben besiegt wurde? Das ist keine kleine Frage. Denn wenn die Yautja ihre Technologie nicht vollständig selbst entwickelt haben, folgt daraus zwingend: Es gibt weitere intelligente Völker im Universum, die vielleicht noch aktiv sind. Vielleicht nähern wir uns dieser Frage eines Tages auch aus dem Alien-Franchise heraus – oder gar über Blade Runner, das im selben erweiterten Universum verankert ist. Die Verbindungen sind längst gelegt. Es wird spannend sein, wohin die Reise geht. 8/10
Die Reihe im Überblick
Neun Filme in fast vier Jahrzehnten erzählen nicht nur die Geschichte einer außerirdischen Spezies, sondern auch die Geschichte des Blockbuster-Kinos selbst. Die Klassiker des späten 20. Jahrhunderts, die sich keine Rechenschaft schuldig fühlten. Die Crossover-Ära, die mit Markenwert spielte und dabei unterschiedlich erfolgreich war. Der tiefe Absturz von 2018, als das Franchise in den Händen eines Mannes verpuffte, der es eigentlich liebt. Und dann Trachtenberg, der bewies, dass Liebe allein nicht reicht – man muss auch wissen, was man damit macht.
Die Yautja sind, wenn man ehrlich ist, zu gut für schlechte Filme. Sie verdienen eine Welt, in der man sie ernst nimmt. Seit 2022 bekommen sie genau das. Und wenn man in Badlands hört, dass Trachtenberg noch eine dritte Idee in der Schublade hat, die ihn von Anfang an angetrieben hat, dann ist Vorfreude keine schlechte Reaktion.
| Film | Jahr | Regie | Wertung |
|---|---|---|---|
| Predator | 1987 | John McTiernan | 9/10 (Kultbonus!) |
| Predator 2 | 1990 | Stephen Hopkins | 9/10 (Kultbonus!) |
| Alien vs. Predator | 2004 | Paul W.S. Anderson | 7,5/10 |
| Aliens vs. Predator: Requiem | 2007 | Colin & Greg Strause | 6/10 |
| Predators | 2010 | Nimród Antal | 7/10 |
| The Predator | 2018 | Shane Black | 4/10 |
| Prey | 2022 | Dan Trachtenberg | 8/10 |
| Predator: Killer of Killers | 2025 | Dan Trachtenberg / Joshua Wassung | 8/10 |
| Predator: Badlands | 2025 | Dan Trachtenberg | 8/10 |

