Stormind Games hatte mit Remothered: Tormented Fathers 2018 bewiesen, dass ein kleines italienisches Studio atmosphärischen Survival-Horror erschaffen kann. Zwei Jahre später sollte Broken Porcelain die Geschichte fortsetzen, vertiefen und verbessern. Das Ergebnis ist ein Spiel, das an seinen eigenen Ambitionen zerbricht – ein technisches Desaster, das durch Patches teilweise gerettet wurde, aber nie das Potenzial erreichte, das in der Prämisse steckte.
Story: Prequel und Sequel zugleich – komplex bis verwirrend
Broken Porcelain ist sowohl Prequel als auch Sequel zu Tormented Fathers. Die Geschichte spielt 1973 im Ashmann Inn, einem abgelegenen Hotel. Hauptfigur ist Jennifer, eine 15-jährige Rebellin, die vom Mädcheninternat Flemmington Girls‘ Institute verwiesen und ins Ashmann Inn geschickt wurde, wo sie als Dienstmädchen arbeitet. Dort trifft sie auf Lindsay, eine schüchterne Geigenspielerin, die ebenfalls als Dienstmädchen angestellt ist. Die beiden freunden sich an – und werden Zeugen, wie das Personal des Hotels von mörderischem Wahnsinn befallen wird.
Parallel dazu ermittelt Rosemary Reed, die Protagonistin aus Tormented Fathers, weiter im Fall der verschwundenen Celeste Felton. Ihre Ermittlungen führen sie zum Ashmann Inn, wo sie auf Stefano Ashmann trifft – dessen Gesicht entstellt ist, sein linker Arm verstümmelt.
Die Story ist komplex. Zu komplex. Sie springt zwischen Zeitebenen, Charakteren und Enthüllungen hin und her, ohne jemals Klarheit zu schaffen. Es gibt geheime Phenoxyl-Labore, telepathische Mottenmütter, Hypnose, Gedankenkontrolle, Missbrauch, Rache und eine Liebesgeschichte zwischen Jennifer und Lindsay. Das alles wird in großen Exposition-Brocken präsentiert, ohne organisch zu fließen. Wer Tormented Fathers nicht gespielt hat, ist hoffnungslos verloren. Wer es gespielt hat, ist nur ein bisschen weniger verloren.
Es gibt Momente, in denen die Erzählung funktioniert – besonders die Beziehung zwischen Jennifer und Lindsay ist berührend. Aber die Story ist zu ambitioniert für die Mittel, die zur Verfügung standen. Das Ergebnis ist Verwirrung statt Spannung.
Gameplay: Gute Ideen, schlechte Umsetzung
Broken Porcelain ist ein Stealth-Survival-Horror-Spiel. Jennifer ist weitgehend wehrlos. Sie kann sich verstecken, schleichen, Gegner ablenken und im Notfall einmalige Verteidigungsgegenstände einsetzen – kleine Messer, Glasscherben, ähnlich wie im Vorgänger. Später erhält sie die Fähigkeit, Motten zu kontrollieren, die Gegner ablenken oder außer Gefecht setzen können.
Die Ideen sind gut. Die Umsetzung ist katastrophal. Die Stealth-Mechaniken funktionieren nicht zuverlässig. Gegner entdecken Jennifer durch Wände. Die KI ist unberechenbar – manchmal blind, manchmal allwissend. Verstecke funktionieren nicht konsistent. Die Mottenfähigkeit ist zu mächtig und nimmt die Spannung aus dem Spiel. Sobald Jennifer ein Messer hat, kann sie Gegner von hinten abstechen – das macht sie zur Jägerin statt zur Gejagten, was dem Genre widerspricht.
Die Bosskämpfe bestehen aus Hit-and-Run-Taktiken: Angreifen, wegrennen, neuen Gegenstand aufsammeln, wiederholen. Das ist eintönig und frustrierend.
Die Puzzles sind dünn. Die Erkundung ist linear. Das Ashmann Inn ist atmosphärisch, aber das Setting wird schnell repetitiv. Es gibt keine Abwechslung, keine Ortswechsel, keine Momente, in denen man durchatmen kann.

Technischer Zustand: Ein Desaster zum Launch
Broken Porcelain wurde am 13. Oktober 2020 veröffentlicht – eine Woche früher als geplant, um dem dichten Horror-Release-Monat zu entgehen. Das war ein Fehler. Das Spiel war zum Launch praktisch unspielbar.
Die Probleme waren massiv: Spieler steckten in Möbeln fest, Gegner sahen durch Wände, QuickTime-Events funktionierten nicht, Soundeffekte spielten nicht ab, Texturen luden nicht, das Spiel stürzte ab. Es gab gamebreaking Bugs, die Fortschritte unmöglich machten. Manche Mechaniken funktionierten gar nicht. Die Kritiken waren vernichtend – Metacritic-Scores im 40er-Bereich, OpenCritic bezeichnete es als „kaum spielbar“.
Stormind Games veröffentlichte mehrere Patches in den Wochen nach Release. Diese verbesserten das Spiel erheblich. Viele der schlimmsten Bugs wurden behoben, die Balance wurde angepasst, die Stealth-Mechaniken wurden stabiler. Aber das Spiel ist immer noch nicht poliert. Es fehlt an Feinschliff. Lippensynchro passt nicht, Animationen wirken steif, Möbel schweben, Stühle stehen auf dem Kopf. Soundeffekte triggern unzuverlässig. Die Verfolgungsmusik bleibt manchmal hängen, sodass man nicht weiß, ob man noch gejagt wird oder nicht.
Das Spiel ist spielbar – aber nicht ohne Frust.
Grafik und Sound: Gut, aber nicht großartig
Grafisch ist Broken Porcelain solide. Die Gesichter sind realistisch, die Umgebungen detailliert, die Beleuchtung atmosphärisch. Das Ashmann Inn fühlt sich bedrohlich an. Aber es ist kein technisches Meisterwerk. Die Animationen sind steif, die Lippensynchronisation mangelhaft, die Details fehlen an manchen Stellen.
Der Soundtrack von Luca Balboni ist exzellent – düster, bedrohlich, perfekt für Horror. Die englische Sprachausgabe ist solide, deutsche Untertitel sind vorhanden. Der Sound unterstützt die Atmosphäre, aber die technischen Probleme (fehlende Soundeffekte, hängende Musik) untergraben die Wirkung.
Länge und Wiederspielwert
Die Spielzeit liegt bei etwa acht bis zehn Stunden, je nachdem, wie viel man erkundet und wie oft man stirbt. Das ist kurz für ein Vollpreistitel (30 Euro). Es gibt Geheimnisse zu entdecken, aber der Wiederspielwert ist gering. Die Geschichte ist einmal erzählt, danach gibt es keinen Grund zurückzukehren.
Fazit: Ein gescheitertes Sequel
Remothered: Broken Porcelain ist ein tragischer Fall von Ambition ohne Mittel. Die Ideen sind gut: eine komplexe Story, neue Gameplay-Mechaniken, eine atmosphärische Setting, eine berührende Liebesgeschichte. Aber die Ausführung ist katastrophal. Das Spiel wurde zu früh veröffentlicht, zu wenig poliert, zu sehr mit Inhalten überladen, die es nicht tragen kann.
Die Patches haben das Spiel von „unspielbar“ zu „frustrierend“ verbessert. Das ist besser als nichts, aber nicht gut genug. Wer Tormented Fathers liebte, wird von Broken Porcelain enttäuscht sein. Wer Survival-Horror mag und extreme Geduld hat, findet hier eine interessante, wenn auch gebrochene Erfahrung. Alle anderen sollten einen weiten Bogen machen.
Broken Porcelain ist kein schlechtes Spiel, weil es keine Ideen hat. Es ist ein schlechtes Spiel, weil es seine Ideen nicht umsetzen kann. Das ist frustrierender als jeder Jumpscare.
Wertung: 4,5 / 10 – Schwach
| Entwickler | Stormind Games, Darril Arts |
| Publisher | Modus Games |
| Genre | Survival-Horror |
| Plattformen | PC, PS4, Xbox One, Nintendo Switch |
| Release | 13. Oktober 2020 |
| USK | Ab 16 Jahren |
| Preis (2020) | ca. 30 € |
Pro
- Atmosphärisches Setting (Ashmann Inn)
- Exzellenter Soundtrack von Luca Balboni
- Berührende Beziehung zwischen Jennifer und Lindsay
- Patches haben die schlimmsten Probleme behoben
- Mottenfähigkeit ist eine interessante Mechanik
- Grafisch solide (für Indie-Verhältnisse)
Contra
- Zum Launch praktisch unspielbar
- Auch nach Patches technisch fehlerhaft
- Stealth-Mechaniken funktionieren nicht zuverlässig
- Story ist verwirrend und überladen
- Zu kurz für den Preis (8-10 Stunden)
- Gameplay wird durch Mottenfähigkeit zu einfach
- KI ist unberechenbar
- Eintönige Bosskämpfe
- Lineare Struktur ohne Abwechslung
- Wenig Wiederspielwert
FAQ
Ist Remothered: Broken Porcelain besser als Tormented Fathers?
Nein, Broken Porcelain ist deutlich schwächer als der Vorgänger. Die technischen Probleme, die verwirrende Story und die frustrierenden Mechaniken machen es zu einem enttäuschenden Sequel.
Wurden die Bugs in Remothered: Broken Porcelain gefixt?
Viele der schlimmsten Bugs wurden durch Patches behoben, aber das Spiel ist immer noch nicht poliert. Es gibt weiterhin technische Probleme, unzuverlässige Mechaniken und fehlende Details.
Muss ich Tormented Fathers gespielt haben, um Broken Porcelain zu verstehen?
Ja, dringend empfohlen. Die Story ist so komplex und verwoben, dass man ohne Vorkenntnisse hoffnungslos verloren ist.
Wie lange dauert Remothered: Broken Porcelain?
Etwa acht bis zehn Stunden, abhängig davon, wie viel man erkundet und wie oft man stirbt.
Ist Remothered: Broken Porcelain auf Deutsch spielbar?
Die Sprachausgabe ist Englisch, deutsche Untertitel sind vorhanden. Eine deutsche Synchronisation gibt es nicht.
Lohnt sich Remothered: Broken Porcelain trotz der Probleme?
Nur für extreme Horror-Fans mit viel Geduld und Toleranz für technische Probleme. Alle anderen sollten lieber zum Vorgänger Tormented Fathers greifen.



