Drei Jahre nach dem ersten Teil schickt Ubisoft die Agenten der Division erneut ins Feld. Diesmal geht es nicht nach New York, sondern in die amerikanische Hauptstadt. Washington D.C. liegt in Trümmern, und nur die Division kann das Land vor dem totalen Zusammenbruch retten. Hat Massive Entertainment aus den Fehlern des ersten Teils gelernt?
Die Story: Sieben Monate später
Sieben Monate sind seit den Ereignissen in New York vergangen. Das Green Poison hat die Welt verändert, die Gesellschaft ist zusammengebrochen. Washington D.C. – das Herz der amerikanischen Demokratie – ist gefallen. Das Weiße Haus dient nun als Basis der Division, aber die Stadt wird von feindlichen Fraktionen beherrscht.
Ein Notruf erreicht die Agenten: Washington braucht Verstärkung. Als erfahrener Division-Agent wirst du in die Hauptstadt geschickt, um das SHD-Netzwerk wiederherzustellen, die Zivilisten zu schützen und die feindlichen Fraktionen zurückzudrängen. Gerüchte besagen, dass Präsident Ellis noch lebt – und mit ihm die Hoffnung auf ein Heilmittel.
Die Story ist solide, aber nicht der Hauptgrund, The Division 2 zu spielen. Sie dient als Rahmen für das, was wirklich zählt: Gameplay, Loot und Endgame.
Die Fraktionen: Vier Feinde, vier Spielstile
Anders als im Vorgänger, wo die Fraktionen eher generisch wirkten, haben die Feinde in The Division 2 echte Persönlichkeit.
Die Hyenas sind eine lose organisierte Gang von Plünderern. Sie tragen Gasmasken, konsumieren eine Droge namens „Spice“ und greifen in chaotischen Wellen an. Sie sind die schwächste Fraktion, aber in großen Gruppen gefährlich. Ihre Bosse sitzen im „Hyena Council“ und kontrollieren verschiedene Gebiete.
Die True Sons sind das genaue Gegenteil: Eine paramilitärische Gruppe aus ehemaligen JTF-Soldaten und Kriminellen unter der Führung von General Ridgeway. Sie sind diszipliniert, schwer bewaffnet und kontrollieren strategisch wichtige Punkte. Ihre Medics können gefallene Kameraden wiederbeleben – eine nervige, aber clevere Mechanik.
Die Outcasts sind Überlebende einer gescheiterten Quarantäne auf Roosevelt Island. Unter der Führung der fanatischen Emeline Shaw verbreiten sie Krankheit und Chaos. Sie sind die aggressivste Fraktion und setzen auf Selbstmordattentäter und biologische Waffen.
Die Black Tusk erscheinen erst im Endgame. Diese hochgerüstete private Militärfirma ist der gefährlichste Gegner. Sie nutzen Drohnen, Roboterhunde und fortschrittliche Taktiken. Wenn die Black Tusk auftauchen, beginnt das Spiel erst richtig.

Gameplay: Evolution statt Revolution
Das Grundgerüst bleibt gleich: Third-Person-Deckungsshooter mit RPG-Elementen. Aber Massive Entertainment hat an vielen Stellschrauben gedreht.
Das Deckungssystem ist noch flüssiger geworden. Übergänge zwischen Deckungen sind schneller, das Zielen präziser. Die Gegner-KI wurde verbessert – sie flankieren aggressiver, nutzen Granaten clever und ziehen sich zurück, wenn sie überwältigt werden. Die Kämpfe fühlen sich dynamischer und taktischer an als im Vorgänger.
Fähigkeiten wurden komplett überarbeitet. Statt drei Flügeln gibt es jetzt acht Skill-Kategorien:
- Geschützturm: Automatische Verteidigung, verschiedene Varianten (Angriff, Scharfschütze, Artillerie)
- Drohne: Angriffs-, Bomber-, Heiler- oder Aufklärungsvariante
- Chemiewerfer: Säure, Feuer, verstärkende Wolke oder Schaum zur Bewegungseinschränkung
- Seeker Mine: Verschiedene Sprengminen, die Gegner verfolgen
- Puls: Scannt die Umgebung nach Feinden
- Schild: Ballistikschild in verschiedenen Größen
- Bienenstock: Mikro-Drohnen für Heilung, Wiederbelebung oder Angriff
- Firefly: Blendgranate, EMP oder explosive Variante
Jede Fähigkeit hat mehrere Varianten mit unterschiedlichen Einsatzzwecken. Die Build-Vielfalt ist enorm.
Rüstung funktioniert anders als im ersten Teil. Statt regenerierender Gesundheit hat man jetzt eine Rüstungsleiste, die durch Rüstungskits repariert werden muss. Das macht Kämpfe intensiver und Positionierung wichtiger.
Loot: Noch mehr, noch besser
The Division 2 ist ein Loot-Fest – und das ist gut so. Waffen und Ausrüstung regnen förmlich vom Himmel. Die Seltenheitsstufen sind bekannt: Grau, Grün, Blau, Lila, Gold/Orange (High-End), und neu: Gear Sets (Grün mit Set-Boni) und Exotics (Orange mit einzigartigen Talenten).
Waffentypen sind vielfältiger denn je:
- Sturmgewehre, SMGs, LMGs, Schrotflinten, Gewehre, Scharfschützengewehre, Pistolen
- Jede Kategorie hat Dutzende verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Handling-Eigenschaften
- Waffen-Mods sind jetzt permanent freigeschaltet – keine nervige Mod-Verwaltung mehr
Ausrüstung besteht aus sechs Teilen: Maske, Körperpanzer, Rucksack, Handschuhe, Holster und Knieschützer. Jedes Teil hat:
- Rüstungswert
- Hauptattribut (Waffen-Schaden, Rüstung oder Skill-Power)
- Bonus-Attribute
- Talent (bei High-End)
Brand Sets sind neu: Ausrüstungsteile bestimmter Marken geben Set-Boni, wenn man mehrere Teile trägt. Drei Teile einer Marke? Mehr kritischer Schaden. Das ermöglicht gezielteres Farming und Build-Planung.
Gear Sets kommen im Endgame und bieten mächtige Vier- und Sechs-Teile-Boni für spezialisierte Builds: Tank, Heiler, DPS oder Hybrid.
Die Open World: Lebendiger denn je
Washington D.C. ist circa 20% größer als Manhattan im ersten Teil – und fühlt sich noch größer an. Die Karte ist vollgestopft mit Aktivitäten:
Kontrollpunkte sind das neue Highlight. Diese feindlichen Stellungen können erobert werden. Der Clou: Sie bleiben nicht dauerhaft befreit. Feindliche Fraktionen erobern sie zurück, wenn man nicht aufpasst. Das hält die Welt lebendig.
Siedlungen sind Zivilisten-Camps, die ausgebaut werden können. Das Theater und der Campus sind die beiden Hauptsiedlungen. Durch Missionen schaltet man Verbesserungen frei: Werkbänke, Händler, Projekte. Die Siedlungen fühlen sich an wie lebendige Orte, nicht nur wie Menüs.
Aktivitäten sind überall:
- Propaganda-Sendeanlagen zerstören
- Versorgungskonvois überfallen
- Öffentliche Hinrichtungen stoppen
- Territorium-Kontrolle sichern
- Geiseln befreien
- Elite-Patrouillen ausschalten
Die Welt reagiert auf deine Aktionen. Kontrollpunkte in freundlicher Hand schicken Patrouillen aus. Zivilisten sammeln Ressourcen. Das Sommersetting – im Gegensatz zum winterlichen New York – macht die Erkundung abwechslungsreicher: Parks, Monumente, überflutete Gebiete, historische Gebäude.
Dark Zones: Drei statt einer
The Division 2 hat nicht eine, sondern drei Dark Zones:
- DZ South: Kompakt, urban, schnelle Kämpfe
- DZ East: Größer, mit Wasserwegen und industriellen Bereichen
- DZ West: Offen, weitläufig, für Scharfschützen geeignet
Das Normalisierungssystem ist neu: In normalisierten Dark Zones werden Stats angeglichen, damit Gear-Unterschiede weniger ins Gewicht fallen. Das macht die PvP-Erfahrung fairer für Einsteiger. Für Hardcore-Spieler gibt es Occupied Dark Zones ohne Normalisierung – hier zählt nur das beste Gear.
Das Rogue-System wurde überarbeitet. Statt versehentlich Rogue zu werden, muss man es jetzt aktiv aktivieren. „Going Rogue“ erfordert einen Knopfdruck. Es gibt drei Stufen: Rogue (grau), Disavowed (rot) und Manhunt (orange, höchste Stufe). Je höher die Stufe, desto größer die Belohnungen – und die Gefahr.
Extraktion funktioniert wie gewohnt: Kontaminierten Loot am Seil befestigen, 90 Sekunden überleben, Helikopter abholen. Die Spannung bleibt unübertroffen.
Endgame: Hier beginnt das eigentliche Spiel
Das Endgame war die größte Schwäche des ersten Teils. Massive Entertainment hat daraus gelernt. Nach Erreichen von Level 30 geht es erst richtig los:
World Tiers strukturieren die Progression. Nach der Kampagne erscheinen die Black Tusk und übernehmen bereits befreite Missionen. Diese „Invaded Missions“ müssen erneut abgeschlossen werden – mit neuen Gegnern und höherem Schwierigkeitsgrad. Fünf World Tiers mit steigendem Gear Score (250 → 500) bieten langfristige Ziele.
Spezialisierungen sind Endgame-Klassen mit einzigartigen Signaturwaffen:
- Survivalist: Armbrust mit explosiven Bolzen, Bonus auf Status-Effekte
- Demolitionist: Granatwerfer, Bonus auf Explosionsschaden
- Sharpshooter: TAC-50 Scharfschützengewehr, Bonus auf Headshot-Schaden
Jede Spezialisierung hat einen eigenen Skill-Tree mit Perks, Granatentypen und Bonus-Attributen. Man kann zwischen ihnen wechseln und alle drei leveln.
Strongholds sind die großen Endgame-Missionen: District Union Arena, Capitol Building, Roosevelt Island und später Tidal Basin. Jede Stronghold ist ein mehrstufiger Kampf mit mehreren Bossen.
Raids kommen nach Launch: Acht-Spieler-Aktivitäten mit den härtesten Herausforderungen und besten Belohnungen. Das erste Raid „Operation Dark Hours“ führt in den Flughafen.
Koop: Nahtlos und spaßig
The Division 2 ist für Koop gemacht. Bis zu vier Spieler können gemeinsam durch die Kampagne, Dark Zones und das Endgame ziehen. Matchmaking ist schnell und unkompliziert. Die Skalierung funktioniert gut – Missionen werden mit mehr Spielern schwieriger, aber nicht unfair.
Call for Backup ist eine clevere neue Funktion: Spieler in Not können um Hilfe rufen, und andere Agenten können als Verstärkung beitreten. Das fördert die Community und hilft Solo-Spielern durch schwierige Passagen.
Loot bleibt individuell – jeder sieht seine eigenen Drops. Nicht benötigte Items können an Teammitglieder weitergegeben werden.
Umfang: Massiv
The Division 2 bietet enorme Spielzeit:
- Kampagne: 25-30 Stunden für die Story und alle Nebenmissionen
- World Tiers durchspielen: Weitere 15-20 Stunden
- Gear Score maximieren: 50+ Stunden
- Alle Spezialisierungen leveln: 30+ Stunden
- Dark Zone, Raids, Projekte: Endlos
Für Completionists und Loot-Jäger bietet The Division 2 hunderte Stunden Content. Und das ohne DLCs – drei kostenlose Story-Episoden und der kostenpflichtige „Warlords of New York“-DLC kommen noch.
Technische Umsetzung
Die Snowdrop-Engine zeigt, was sie kann. Washington D.C. sieht fantastisch aus: Detaillierte Gebäude, überwucherte Straßen, dramatische Lichtstimmungen. Die Ladezeiten sind kurz, die Performance stabil. Auf der PS4 Pro und Xbox One X läuft das Spiel in dynamischer 4K-Auflösung.
Der Sound ist exzellent: Waffensounds haben Wucht, die Umgebungsgeräusche sind atmosphärisch, die Musik untermalt die Stimmung perfekt.
Fazit
Tom Clancy’s The Division 2 ist in fast jeder Hinsicht besser als der Vorgänger. Das Endgame ist robust, die Fraktionen interessant, die Welt lebendig. Wer den ersten Teil mochte, wird den zweiten lieben. Wer vom mageren Endgame des Originals enttäuscht war, bekommt hier genau das, was gefehlt hat.
Die Kämpfe sind taktisch und befriedigend, das Loot-System motiviert, und Washington D.C. ist ein fantastisches Setting. Kleine Kritikpunkte wie die etwas generische Story und gelegentliche Bugs fallen kaum ins Gewicht.
Für Fans von Loot-Shootern ist The Division 2 ein Pflichtkauf. Ubisofts Agenten sind zurück – und besser denn je.
Bewertung: 8.5/10 ⭐
Stärken:
- Robustes Endgame von Anfang an
- Lebendige, reaktive Open World
- Vier unterschiedliche Fraktionen mit Persönlichkeit
- Drei Dark Zones mit verschiedenen Spielstilen
- Spezialisierungen bieten langfristige Ziele
- Hervorragende Grafik und Performance
- Verbessertes Loot- und Gear-System
- Koop nahtlos integriert
Schwächen:
- Story bleibt im Hintergrund
- Endgame-Grind kann repetitiv werden
- Einige Bugs zum Launch
- Dark Zone Balancing noch nicht perfekt
- Kein Steam-Release (nur Epic Games Store/Uplay)
Technische Daten:
- Entwickler: Massive Entertainment
- Publisher: Ubisoft
- Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One
- Release: 15. März 2019
- Genre: Online-RPG / Third-Person-Shooter / Loot-Shooter
- Engine: Snowdrop
- Setting: Washington D.C.
- Maximallevel: 30 (danach Gear Score bis 500)
- Spielmodi: Koop (1-4 Spieler), PvP (Dark Zones), Raids (8 Spieler)
- Spielzeit: 30+ Stunden (Kampagne), 100+ Stunden (Endgame)
- Altersfreigabe: USK 18

