Die Gerüchteküche brodelte seit Wochen, Google selbst hatte vollmundig die „Zukunft des Gamings“ angekündigt – und heute war es auf der GDC 2019 endlich soweit. Im Rahmen eines Livestreams hat der Tech-Konzern Google Stadia offiziell enthüllt: einen eigenen Cloud-Gaming-Dienst, der Spiele-Streaming auf nahezu allen smarten Geräten ermöglichen soll.
Damit löst Google die Spekulationen der letzten Wochen zumindest teilweise auf. Während viele Branchenbeobachter eine eigene Konsole für möglich hielten, entschied sich Google für den Streaming-Weg – was angesichts der Infrastruktur des Unternehmens wenig überrascht. Das oft bemühte Bild eines „Netflix für Spiele“ trifft es dabei ganz gut, auch wenn Stadia konzeptionell etwas weiter geht als ein reines Abo-Modell.
Was Stadia konkret bieten soll
Das Versprechen ist groß: 4K-Gaming mit 60 Frames pro Sekunde auf fast jedem internetfähigen Gerät – vom Smartphone über den Laptop bis hin zum Fernseher. Und Google denkt bereits weiter: 8K bei 120fps soll langfristig ebenfalls möglich sein, sobald die Infrastruktur und die Endgeräte mitziehen.
Technisch setzt Google dabei auf eine speziell für Stadia entwickelte AMD-GPU mit 10,7 Teraflops Rechenleistung – zum Vergleich: Die PlayStation 4 Pro bringt es auf 4,2 Teraflops. Sowohl die Unreal Engine als auch Unity werden die Plattform unterstützen, was Entwicklern den Einstieg erleichtern dürfte.
Features, die neugierig machen
Abseits der reinen Technik-Versprechen präsentierte Google einige Features, die tatsächlich Potenzial haben:
Besonders interessant ist die geplante YouTube-Integration: Wer ein Spiel in einem Video sieht, soll es direkt aus dem Video heraus starten können – ohne Umwege über einen Shop oder Download. Das wäre eine konsequente Verknüpfung von Content und Spielerlebnis, wie sie bisher kein Anbieter so direkt umgesetzt hat.
Dazu kommt der nahtlose Gerätewechsel während einer laufenden Session. Man spielt also am PC weiter, wo man auf dem Smartphone aufgehört hat – ohne Ladezeiten, ohne Unterbrechung. Auf Knopfdruck soll außerdem das direkte Streaming auf YouTube möglich sein, ohne zusätzliche Hardware oder Capture-Cards.
Der Google Assistant soll ebenfalls tief integriert werden und kontextbezogene Tipps und Hilfen zu laufenden Spielen liefern. Wie sinnvoll das in der Praxis ist, bleibt abzuwarten – das Potenzial ist aber durchaus da.
Eigener Controller, aber keine Pflicht
Google kündigte einen eigenen Stadia-Controller an, der direkt mit den Servern kommuniziert und damit Latenz minimieren soll. Wer möchte, kann aber auch andere Controller verwenden – Stadia soll offen für bestehende Eingabegeräte sein.
Offene Fragen bleiben
Was Google bisher noch schuldig geblieben ist: ein konkreter Preis und genaue Details zum Spieleangebot. Denn 4K und 60fps alleine machen noch keinen attraktiven Dienst – entscheidend wird sein, welche Spiele zum Launch verfügbar sind und zu welchen Konditionen. Im Sommer 2019 sollen weitere Informationen folgen, der Launch selbst ist noch für Ende 2019 geplant.
Mit Jade Raymond hat Google kurz vor der Enthüllung eine der erfahrensten Führungskräfte der Branche an Bord geholt. Die ehemalige Ubisoft- und EA-Managerin leitet nun Googles eigenes Spielestudio, das exklusive Stadia-Titel entwickeln soll. Ein starkes Signal – auch wenn konkrete Spiele aus diesem Studio noch auf sich warten lassen.
Ob Google Stadia tatsächlich das Gaming-Streaming salonfähig macht oder an den gleichen Hürden scheitert wie frühere Versuche – Latenz, Spieleauswahl, Preismodell – wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Das Potenzial ist unbestreitbar vorhanden. Die Fragen aber auch.
Ankündigung: GDC 2019
Geplanter Launch: Ende 2019
Plattformen: Browser, Chromecast, Android, weitere smarte Geräte
Entwickler/Publisher: Google




