Tomb Raider 2013

Tomb Raider (2013) im Test – Neustart gelungen, Legende lebt

Jede Legende hat einen Anfang — und manche Legenden haben auch einen Neuanfang. Als 1996 das erste Tomb Raider erschien, startete Lara Croft ihren weltweiten Siegeszug. Was danach folgte, war eine Serie im Jahrestakt auf allen erdenklichen Plattformen, bis Tomb Raider: The Angel of Darkness alles zum Kippen brachte. Der Schaden war so groß, dass Publisher Eidos die Lizenz an Crystal Dynamics weitergab. Und nun, nach einigen Zwischenstationen im alten Stil, hat das Studio im Auftrag von Square Enix etwas gewagt, das im Gaming selten wirklich gelingt: einen echten Neustart. Die Legende lebt — und sie ist besser als je zuvor.

Story: Die Geburt einer Überlebenskämpferin

Der Pazifische Ozean, an Bord der „Endurance“. Eine zwölfköpfige Forschungscrew, darunter die 21-jährige Lara Croft, sucht nach der sagenumwobenen Insel Yamatai und der verschollenen Flotte des Kublai Khan. Tage vergehen ohne neue Spur, Expeditionsleiter Dr. James Whitman ist ratlos. Als Lara vorschlägt, den Kurs ins mysteriöse Drachen-Dreieck zu ändern, wird sie abgewimmelt — Whitman will seinen großen Durchbruch, und Laras Idee passt nicht ins Bild. Erst Kapitän Roth, Laras erfahrener Mentor, unterstützt den Vorschlag. Dann trifft der Sturm.

Die Endurance strandet an einer unbekannten Insel, Lara wird bewusstlos geschlagen und verschleppt. Sie erwacht gefesselt, kopfüber in einer dunklen Höhle hängend. Was folgt, ist kein Abenteuer im klassischen Sinne — es ist ein Überlebenskampf. Diese Lara ist keine toughe Alleskönnerin. Sie ist jung, verängstigt und muss sich durch jede Situation erst hindurchkämpfen. Das ist der entscheidende Bruch mit der alten Serie, und er funktioniert.

Die Handlung erzählt überzeugend, wie aus der Nachwuchsforscherin eine Überlebenskämpferin wird — weniger durch Cutscenes allein, sondern durch das, was man selbst durchlebt. Wer am Abspann keine Gänsehaut bekommt, für den war Tomb Raider einfach nur ein Spiel.

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Gameplay: Erkunden, Kämpfen, Überleben

Zu Beginn schlägt Lara ihr erstes Lager auf — und das Lagersystem ist eines der cleveren Designentscheidungen des Spiels. Lager dienen als Speicherpunkte, aber auch als Upgrade-Station: Hier setzt Lara gesammelte Fähigkeitspunkte ein, verbessert ihre Ausrüstung mit gefundenem Beutegut und bereitet sich auf das Kommende vor. Drei Fähigkeitsbäume stehen zur Wahl — Überleben, Jäger und Kämpfer — die von neuen Nahkampfattacken über schärfere Instinkte bis zu höherer körperlicher Widerstandskraft alles abdecken. Im Spielverlauf erweitert sich außerdem das Werkzeug-Arsenal, das bisher unzugängliche Bereiche der Insel öffnet.

Die Steuerung ist den Entwicklern sehr gut gelungen. Klettern, Springen, Hangeln — alles greift sauber ineinander, ist intuitiv zu kontrollieren und macht auch nach Stunden noch Spaß. Kniffligere Passagen fordern gelegentlich mehrere Versuche, aber durch die zuverlässige Autospeicherfunktion entsteht zu keinem Zeitpunkt echter Frust. In den Kämpfen funktioniert das Zielsystem ebenfalls überzeugend, die verschiedenen Schusswaffen mit ihren unterschiedlichen Modi sind leicht zu beherrschen, und Deckung sucht Lara automatisch, sobald man hinter ein brauchbares Objekt läuft.

Zur Orientierung steht Lara der Überlebensinstinkt zur Verfügung: Die Umgebung verschwindet in Grau, während Gegner, Tiere und besondere Punkte farbig hervorleuchten. Das ist praktisch und hilft aus scheinbaren Sackgassen heraus. Schade nur, dass der Begriff mehr Versprechen hält als das System einlöst — erlegte Tiere werden lediglich ausgeweidet, um Beutegut zu sammeln. Heilung übernimmt Lara automatisch, Medipacks sucht man vergebens. Hier wäre mehr möglich gewesen.

Abseits der Hauptwege locken optionale Gräber — Grabkammern mit Rätseln, die besondere Schätze freischalten. Diese sind eines der Highlights des Spiels: kompakt, atmosphärisch, und genau das richtige Maß an Rückkehr in bereits bekannte Gebiete, wenn man neues Werkzeug ergattert hat. Wer jeden Winkel der frei erkundbaren Insel erkunden will, findet Reliquien, Tagebücher mit Hintergrundinformationen und eine Menge verborgener Ecken.

Grafik und Technik: PS3 am Limit

Man fragt sich immer wieder, wie es gelingt, der PlayStation 3 nach all den Jahren noch solche Leistungen zu entlocken. Tomb Raider beantwortet die Frage eindrucksvoll: Enorme Sichtweite, detailreiche Wälder, wunderschöne Wassereffekte, überzeugend dynamische Lichtsetzung in Kooperation mit realistischen Schatten. Von dunklen Wäldern und engen Stollen über wellenumtoste Klippen bis zu schneeumwehten Bergen — die Insel ist visuell abwechslungsreich und durchgehend atmosphärisch. Die Kamera hält in Kämpfen wie beim Erkunden zuverlässig mit, Ruckler sind auf der Insel genauso selten wie die Feinde freundlich, und nachladende Texturen sucht selbst der aufmerksamste Spieler vergebens. Für einen Multiplattform-Titel wird das Potenzial der PS3 optimal ausgeschöpft. Etwas mehr Abwechslung bei den Gegnermodellen hätte dem Spiel noch gutgetan — das bleibt der einzige visuelle Kritikpunkt.

Sound: Kino-Atmosphäre

Die deutsche Synchronisation ist absolut gelungen. Alle Sprecher passen zu ihren Rollen, die Dialoge klingen professionell und glaubwürdig. Lara Croft wird in der deutschen Version von Nora Tschirner gesprochen — eine Besetzung, die anfangs vielleicht skeptisch macht, sich aber schnell als wunderbar passend erweist. Lara stöhnt, schnauft, schreit, leidet — und man kauft ihr das alles ab. Wer trotzdem den Originalton bevorzugt, kann ihn in den Optionen auswählen, weitere europäische Sprachversionen liegen ebenfalls auf der Disc.

Auch die Umgebungsgeräusche überzeugen — stimmig und präsent, ohne aufdringlich zu sein. Gespräche sind jederzeit klar zu verstehen, Gegner hörbar, wenn es sein soll. Den Abschluss macht der Soundtrack von Jason Graves, der bereits Dead Space klanglich geprägt hat: episch, situationsangemessen, würdig einer Kinoproduktion. Das ist kein Videospiel-Soundtrack — das ist Filmmusik, die das Geschehen auf dem Bildschirm trägt.

Multiplayer: Pflicht ohne Überzeugung

Erstmalig in einem Tomb-Raider-Abenteuer ist ein Multiplayer-Modus enthalten. Auf fünf Karten — darunter Tempelanlage, Strand und Wüstenschlucht — gehen vier Überlebende gegen vier Inselbewohner in verschiedenen Modi an. Deathmatch-Varianten, ein Survivor-Modus, bei dem ein Spieler sicher zu einem Ziel gebracht werden muss, und eine Art Capture-the-Flag-Modus sind dabei. Zusätzlich zu den Möglichkeiten aus dem Einzelspieler können Fallen gestellt werden, und auf jeder Karte gibt es einen besonderen Ort, an dem man ein Naturereignis wie einen Sandsturm auslöst. Auch im Mehrspielermodus sammelt Lara Erfahrungspunkte für neue Fähigkeiten.

Das Grundgerüst macht Spaß. Aber fünf Karten sind zu wenig, alles ist schnell zu oft gesehen, und der Modus insgesamt wirkt, als habe man es als Pflicht empfunden, einen Mehrspielerteil anzubieten. Im Ansatz gelungen — aber klar das schwächste Glied des Pakets.

Fazit

Crystal Dynamics hat etwas geschafft, das selten gelingt: einen echten Neustart, der die Stärken des Originals ehrt, ohne von ihnen abhängig zu sein. Wer die alte Lara sucht, wird hier nicht fündig. Die toughe Alleskönnerin ist weg — dafür gibt es eine junge Frau, die man wirklich begleitet, nicht nur steuert. Das Abenteuer auf Yamatai ist packend, die Technik beeindruckend, der Soundtrack cineastisch, und das Gesamtpaket fühlt sich am Ende an wie ein Kinobesuch, bei dem etwas Besonderes passiert ist.

Der Multiplayer-Modus bleibt Beiwerk, die Rätseldichte hätte höher sein können, und der Überlebensinstinkt hält mehr Versprechen als er einlöst. Das sind echte Kritikpunkte — aber sie verblassen neben dem, was das Spiel richtig macht. Neustart gelungen. Die Legende lebt.

Wertung

8,5 / 10

Pro und Contra

Pro:

  • Gelungener Reboot mit überzeugender Charakterentwicklung
  • Wunderschöne Grafik — PS3 am technischen Limit
  • Kinoreifer Soundtrack von Jason Graves
  • Hervorragende deutsche Synchronisation mit Nora Tschirner
  • Intuitive, präzise Steuerung
  • Atmosphärische optionale Gräber als Bonus-Content
  • Grandiose Zwischensequenzen

Contra:

  • Multiplayer wirkt wie ein aufgezwungenes Beiwerk
  • Zu wenige und zu einfache Rätsel
  • Überlebensinstinkt-Konzept nicht konsequent zu Ende gedacht
  • Gegnermodelle könnten abwechslungsreicher sein
  • Automatische Heilung nimmt dem Überleben etwas den Druck

Häufig gestellte Fragen zu Tomb Raider (2013)

Muss ich die alten Tomb-Raider-Spiele kennen, um den Reboot zu verstehen?

Nein. Tomb Raider (2013) ist ein vollständiger Neustart und erzählt die Entstehungsgeschichte von Lara Croft von Grund auf neu. Vorkenntnisse der alten Serie sind nicht notwendig — das Spiel funktioniert als eigenständige Geschichte.

Auf welchen Plattformen ist Tomb Raider (2013) verfügbar?

Das Spiel ist für PlayStation 3, Xbox 360 und PC erschienen. Eine technisch überarbeitete Definitive Edition wurde später für PlayStation 4 und Xbox One veröffentlicht.

Ist Tomb Raider (2013) eher Action oder Erkundung?

Beides, mit deutlichem Schwerpunkt auf Action und Überleben. Das Spiel bietet eine frei erkundbare Insel mit optionalen Gräbern und Sammelobjekten, aber die Hauptgeschichte treibt das Tempo an. Rätselelemente sind vorhanden, spielen aber eine kleinere Rolle als in älteren Serienteilen.

Wie lang ist das Spiel?

Die Hauptkampagne dauert je nach Spielstil zwischen acht und zwölf Stunden. Wer optionale Gräber, Reliquien und alle Sammelobjekte abschließen möchte, kann deutlich länger mit der Insel beschäftigt sein.

Lohnt sich der Multiplayer-Modus?

Als Bonus ja, als eigenständigen Kaufgrund nein. Mit fünf Karten und einigen Standard-Modi ist der Mehrspielerteil solide aber mager. Der eigentliche Grund für Tomb Raider (2013) ist und bleibt der Einzelspieler.

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