Es ist die Rückkehr, die niemand erwartet hat – und die viele gefürchtet haben dürften: Uwe Boll, der wohl umstrittenste Regisseur Deutschlands, plant ein Reboot seiner 2005 erschienenen Videospiel-Verfilmung „Alone in the Dark“. Der Filmemacher hat sich von Publisher THQ Nordic die Rechte gesichert und verspricht diesmal einen werktreuen Film, der sich eng am 2024 erschienenen Spiele-Remake orientiert.
Nach fast zwei Jahrzehnten will Boll beweisen, dass er es beim zweiten Anlauf besser machen kann. Doch kann der kontroverse Regisseur sein Image als „schlechtester Filmemacher der Welt“ abschütteln? Oder steht uns eine weitere Trash-Perle bevor?
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Die Ankündigung: Boll ist zurück im Horror-Business
Wie das US-Branchenmagazin The Hollywood Reporter berichtete, hat Bolls Produktionsfirma Event Films die Option auf die Filmrechte zur beliebten Survival-Horror-Reihe von Publisher THQ Nordic erworben. Im Mittelpunkt steht erneut der Privatdetektiv Edward Carnby, der sich mit übernatürlichen Bedrohungen und den Untoten auseinandersetzt.
„Wir werden den Geist und die Ära der Originalspiele einfangen und der Geschichte des neuen Spiels folgen“, erklärte Boll in seiner Stellungnahme. Der neue Film soll sich an das 2024 erschienene Remake halten, das von den Entwicklern Pieces Interactive stammte und im gotischen amerikanischen Süden der 1920er-Jahre angesiedelt ist.
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Was macht „Alone in the Dark“ aus?
Die Alone in the Dark-Reihe gilt als Pionier des Survival-Horror-Genres und wurde maßgeblich von den Werken H.P. Lovecrafts inspiriert. Seit dem ersten Teil 1992 hat die Franchise sieben Hauptspiele hervorgebracht und weltweit Millionen Einheiten verkauft.
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Im Zentrum der Geschichte steht Edward Carnby, ein Privatdetektiv mit einer Affinität für paranormale Fälle. Gemeinsam mit Emily Hartwood untersucht er im aktuellen Remake das mysteriöse Verschwinden von Emilys Onkel Jeremy in einem düsteren Herrenhaus in Louisiana.
Das Spiel besticht durch:
- Lovecraft’sche Atmosphäre mit kosmischem Horror
- Rätsel und Puzzle-Elemente
- Übernatürliche Bedrohungen und Monster
- Psychologischen Terror und Spannung
- 1920er-Jahre-Setting mit Art-Déco-Ästhetik
Der Skandal von 2005: Bolls erste „Alone in the Dark“-Verfilmung
Um zu verstehen, warum die Ankündigung für so viel Aufsehen sorgt, muss man einen Blick auf Bolls erste Verfilmung von 2005 werfen. Der Film mit Christian Slater (56), Tara Reid (50) und Stephen Dorff (52) gilt als eines der größten Desaster der Videospiel-Verfilmungsgeschichte.
Die vernichtende Kritik
Die Zahlen sprechen Bände:
- Rotten Tomatoes: 1% Kritiker-Wertung (eine der niedrigsten je gemessen)
- Budget: 20 Millionen US-Dollar
- Einspielergebnis: Nur 12,7 Millionen US-Dollar weltweit
- Letterboxd: 1,3 von 5 Sternen, 70% der Nutzer gaben maximal einen Stern
Der Film wurde für seine inkohärente Handlung, schlechtes Editing, hölzerne Schauspielleistungen und die völlige Missachtung der Spielvorlage kritisiert. Statt atmosphärischen Horror bot der Film generische Action-Sequenzen und eine Geschichte, die mit dem Original fast nichts zu tun hatte.
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Razzies und Kultstatus
Die Goldenen Himbeeren (Razzies) nominierten den Film in mehreren Kategorien als „schlechteste“ Leistungen. Paradoxerweise hat der Film über die Jahre einen gewissen Kultstatus erreicht – allerdings nicht als guter Film, sondern als Paradebeispiel für „So-Bad-It’s-Good“-Kino.
Uwe Boll: Der umstrittenste Filmemacher Deutschlands
Uwe Boll, geboren am 22. Juni 1965 in Wermelskirchen, ist eine der polarisierendsten Figuren der Filmbranche. Der promovierte Literaturwissenschaftler (Dissertation: „Die Gattung Serie und ihre Genres“) wurde durch eine Vielzahl stark kritisierter Videospiel-Verfilmungen international bekannt.
Die „Erfolgsgeschichte“ der Videospiel-Verfilmungen
Bolls Portfolio umfasst zahlreiche Adaptionen:
- House of the Dead (2003) – Zum Spiel
- Alone in the Dark (2005) – Filmkritik
- BloodRayne (2005) – Game-Review
- In the Name of the King: A Dungeon Siege Tale (2007)
- Postal (2007)
- Far Cry (2008) – Far Cry Serie im Überblick
Fast alle diese Filme wurden von Kritikern verrissen und floppten an den Kinokassen. Dennoch gelang es Boll stets, neue Projekte zu finanzieren – unter anderem durch geschickte Nutzung deutscher Steuerschlupflöcher (bis 2005) und kosteneffiziente Produktionen in Kanada.
Die Razzie-Krone: „Schlechtestes Lebenswerk“
2009 erhielt Boll die Goldene Himbeere als „Schlechtester Regisseur“ für gleich drei Filme gleichzeitig: „Postal“, „1968 Tunnel Rats“ und „In the Name of the King“. Zusätzlich verlieh ihm die Jury den Sonderpreis für das „Schlechteste Lebenswerk“ (Worst Career Achievement) – eine Auszeichnung, die zuvor seit 1987 nicht mehr vergeben worden war.
Bolls Reaktion? Er bezeichnete die Jury als „Arschlöcher“ und nutzte die Publicity für weitere Projekte.
Mehr dazu: Goldene Himbeere: Die schlechtesten Filme | Razzie-Gewinner im Überblick
Der legendäre Box-Event
Als besonders skurril ging Bolls Reaktion auf seine Kritiker in die Geschichte ein: 2006 lud er fünf seiner härtesten Kritiker zu einem Boxkampf nach Vancouver ein. Voraussetzung zur Teilnahme waren mindestens zwei veröffentlichte negative Rezensionen.
Boll, der über Boxerfahrung verfügt, gewann alle fünf Kämpfe deutlich – darunter gegen den damals 17-jährigen Blogger Nelson Chance Minter. Die Aktion wurde dokumentiert und zeigt Bolls eigenwillige Art, mit Kritik umzugehen.
Kann das Reboot erfolgreich werden?
Die zentrale Frage bleibt: Wird Boll es beim zweiten Anlauf besser machen? Einige Faktoren sprechen dafür, andere dagegen.
Pro: Das Timing ist besser
Videospiel-Verfilmungen erleben derzeit eine Renaissance. Erfolgsbeispiele wie:
- The Last of Us (HBO-Serie, 2023) – Serie im Test
- Fallout (Prime Video, 2024) – Staffel 1 Review
- Sonic the Hedgehog-Filmreihe – Alle Filme im Ranking
- The Super Mario Bros. Movie (2023) – Filmkritik
- Minecraft (kommend 2025) – Trailer-Analyse
Diese Produktionen beweisen, dass Videospiel-Adaptionen funktionieren können – wenn sie respektvoll mit der Vorlage umgehen und die richtigen kreativen Talente involviert sind.
Weiterlesen: Warum Videospiel-Verfilmungen endlich funktionieren | Die erfolgreichsten Gaming-Adaptionen
Boll und sein Produzent Michael Roesch verweisen selbst auf diese Erfolge als Beweis für das Marktinteresse an Gaming-Stoffen.
Pro: Bessere Vorlage
Das 2024er Remake von Alone in the Dark bot eine solide Basis für eine Verfilmung:
- Klare Charaktere (Emily Hartwood und Edward Carnby)
- Atmosphärisches Setting (Louisiana, 1920er)
- Überschaubare Handlung in einem Herrenhaus
- Starke visuelle Identität
- Prominente Sprachausgabe (David Harbour, Jodie Comer)
Die Vorlage ist diesmal deutlich filmischer und narrativer als das ursprüngliche Spiel von 1992.
Contra: Bolls Track-Record
Der Elefant im Raum ist und bleibt Bolls Filmografie. Seine bisherigen Arbeiten zeigen wiederholt dieselben Probleme:
- Schwache Drehbücher mit logischen Brüchen
- Inkonsistente Inszenierung
- Budget-Limitierungen, die sich negativ auswirken
- Fehlendes Verständnis für die Spielvorlagen
- Generische Action statt Genre-gerechter Atmosphäre
Contra: Casting und Budget unklar
Boll kündigte zwar an, nach einem neuen Edward Carnby zu suchen, Details zu Besetzung und Budget wurden jedoch noch nicht bekanntgegeben. Seine früheren Produktionen operierten meist mit sehr begrenzten Mitteln, was sich in der Produktionsqualität niederschlug.
Weitere Projekte: Boll ist zurück
Das Alone in the Dark-Reboot ist nicht Bolls einziges aktuelles Projekt. Der Regisseur arbeitet an mehreren Fronten:
Übersicht: Uwe Bolls kommende Filme 2025/2026
„First Shift“-Sequels
Bolls Cop-Thriller „First Shift“ aus 2024 war überraschenderweise ein Streaming-Hit auf Paramount+. Der Regisseur hat bereits zwei aufeinanderfolgende Sequels gedreht, die sich derzeit in der Postproduktion befinden.
„Citizen Vigilante“ mit Armie Hammer
Abgedreht ist auch der Action-Thriller „Citizen Vigilante“ mit Armie Hammer (39) in der Hauptrolle – ein bemerkenswertes Casting, da Hammer nach Kontroversen 2021 weitgehend aus Hollywood verschwunden war.
„23 Years Later: Return to Zombie Island“
Boll plant außerdem ein Sequel zu seinem 2003er Film „House of the Dead“. Für „23 Years Later: Return to Zombie Island“ sammelt er via Crowdfunding Fan-Spenden – ein Indiz dafür, dass traditionelle Finanzierungswege möglicherweise schwieriger geworden sind.
Mögliche TV-Serie
Produzent Michael Roesch deutete an, dass neben dem Film auch eine Fernsehserie zu Alone in the Dark in Planung sein könnte. Details dazu stehen noch aus.
Die Community-Reaktion: Zwischen Skepsis und Neugier
Die Ankündigung des Reboots löste in der Gaming- und Film-Community gemischte Reaktionen aus:
Die Skeptiker warnen vor einem weiteren filmischen Desaster und erinnern an Bolls lange Liste missglückter Adaptionen. Für viele ist die Vorstellung eines weiteren Boll-Films schlicht beängstigend.
Die Neugiereigen hingegen zeigen sich vorsichtig interessiert. Nach fast 20 Jahren könnte Boll gereift sein – und wenn nicht, verspricht zumindest das Trash-Potenzial Unterhaltung.
Die Nostalgiker sehen den 2005er Film mittlerweile als Kultklassiker und freuen sich auf ein potenzielles „So-Bad-It’s-Good“-Sequel.
Kann man Boll eine zweite Chance geben?
Die Filmindustrie hat schon mehrfach bewiesen, dass Regisseure sich weiterentwickeln können. James Cameron wurde für „Piranha 2“ ausgelacht, bevor er „Terminator“ schuf. Peter Jackson begann mit Splatter-Trash, bevor er „Herr der Ringe“ realisierte.
Allerdings hatte Boll bereits Dutzende Chancen, sich zu beweisen – und scheiterte weitgehend konsistent. Seine wenigen positiven Ausnahmen („Darfur“, „Rampage“) zeigen, dass er durchaus handwerkliches Können besitzt, wenn er sich Mühe gibt.
Fazit: Die kontroverseste Videospiel-Verfilmung 2026?
Uwe Bolls Rückkehr zu „Alone in the Dark“ ist zweifellos die überraschendste Ankündigung der letzten Monate. Der Regisseur, der 2016 seinen Rückzug aus dem Filmgeschäft verkündet hatte, zeigt keine Anzeichen, sich von Kritik beirren zu lassen.
Ob das Reboot tatsächlich besser wird als sein Vorgänger, bleibt abzuwarten. Die Messlatte liegt allerdings extrem niedrig – schlechter als 1% auf Rotten Tomatoes kann es kaum werden.
Für Fans des Spiels dürfte die Nachricht mit Vorsicht zu genießen sein. Für Liebhaber von Trash-Kino könnte 2026 ein weiteres Highlight werden. Und für Uwe Boll selbst? Eine weitere Gelegenheit zu zeigen, dass ihm die Meinung seiner Kritiker herzlich egal ist.
Der Drehbeginn und die Besetzung stehen noch aus. Boll kündigte an, Anfang 2026 weitere Details zu verkünden. Bis dahin bleibt die Frage: Verdient „Alone in the Dark“ eine zweite Chance? Oder sollte man manche Dinge einfach in der Vergangenheit ruhen lassen?
Eines ist sicher: Langweilig wird es nicht.
Diskutiere mit uns: Was hältst du von Uwe Bolls Comeback? Wird das Reboot besser als das Original? Schreib uns deine Meinung in den Kommentaren!
Quellen:
- The Hollywood Reporter
- THQ Nordic (Offizielle Pressemitteilung, Dezember 2025)
Veröffentlichungsdatum: 27. Mai 2026 (geplant) Produktionsfirma: Event Films Regie: Uwe Boll Produzent: Michael Roesch Basierend auf: Alone in the Dark (2024) von Pieces Interactive




