Es ist soweit. Nach über einem Jahr Warten, nach Kundenklassifizierung statt Kundendienst und dem Frust, zwei Versionen hinter dem aktuellen Stand zu sein, hat mein VW ID.3 heute tatsächlich das Update 3.7 per OTA angeboten. Einfach so. Ohne Werkstatttermin, ohne Diskussionen mit dem Händler, ohne dass ich irgendetwas tun musste außer auf „Installieren“ zu tippen.
210 Minuten für ein Update
Die angezeigte Installationsdauer beträgt 210 Minuten. Dreieinhalb Stunden, in denen das Fahrzeug nicht genutzt werden kann. Nicht laden, nicht fahren, nicht einmal die Türen öffnen, ohne den Vorgang abzubrechen. Tesla spielt vergleichbare Updates in 20 bis 30 Minuten ein. Selbst für VW-Verhältnisse ist das am oberen Ende der Skala, was wohl daran liegt, dass mein Fahrzeug von Version 3.2 kommt und nicht von 3.5.
Aber wisst ihr was? Es ist mir egal. Das Update läuft. Over the Air. Ohne Werkstatt. Das allein fühlt sich an wie ein kleines Wunder, wenn man die vergangenen Monate Revue passieren lässt.
Was bringt Version 3.7?
Ehrlich gesagt: nicht viel Spektakuläres. VW selbst kommuniziert die Changelogs so spärlich, dass man in Foren nach Informationen suchen muss. Die wichtigsten Neuerungen sind die Vorbereitung für bidirektionales Laden (V2H) bei Fahrzeugen mit 77-kWh-Batterie, eine Minimierung von Ladegeräuschen bei bestimmten Netzanschlüssen und diverse „Stabilitätsverbesserungen“. Das Infotainment soll minimal schneller reagieren, wobei langjährige ID-Fahrer berichten, dass sich dieser Eindruck nach einigen Wochen wieder relativiert.
Die bittere Wahrheit: Version 3.7 markiert faktisch das Ende der Softwarepflege für die ältere Hardware. Neue Funktionen werden nur noch für Fahrzeuge mit der Software 4.x und der entsprechenden neuen Infotainment-Hardware entwickelt. Wer wie ich einen ID.3 der ersten Generation fährt, bekommt künftig bestenfalls noch Bugfixes und Sicherheitsupdates.
Was VW gelernt hat. Und was nicht.
Die Update-Politik von Volkswagen bleibt ein Trauerspiel. Das „Canary Release“ genannte Wellen-Prinzip, bei dem Updates zunächst an 1.000 Fahrzeuge ausgerollt werden und dann exponentiell wachsen, klingt in der Theorie vernünftig. In der Praxis bedeutet es, dass manche Kunden monatelang warten, während andere längst die neue Version haben. Eine transparente Kommunikation, wann welches Fahrzeug an der Reihe ist, existiert nicht.
Das Frustrierende: Selbst mit dem Wellen-Prinzip hätte jeder ID-Fahrer längst versorgt sein müssen. 1.000 Fahrzeuge pro Woche, exponentiell wachsend? Das wären zehntausende Fahrzeuge pro Monat. Über ein Jahr Wartezeit auf ein Update, das technisch längst verfügbar war, lässt sich damit nicht erklären. Was genau bei VW so lange gedauert hat, bleibt ein Rätsel, das der Konzern seinen Kunden schuldig bleibt.
Die Konkurrenz ist Lichtjahre voraus
Während VW dreieinhalb Stunden für ein Update braucht und Kunden über ein Jahr auf verfügbare Software warten lässt, rollt Tesla neue Funktionen innerhalb von Wochen an die gesamte Flotte aus. Chinesische Hersteller wie BYD oder NIO liefern regelmäßig substanzielle Verbesserungen per OTA. Bei anderen Konzernmarken wie Škoda oder Cupra sieht es übrigens nicht besser aus: Alle nutzen dieselbe Software-Basis (MIB), alle kämpfen mit denselben Problemen. Enyaq-Fahrer und Cupra-Born-Besitzer können ein Lied davon singen.
Das Problem sitzt tiefer. VW hat die Software-Entwicklung jahrelang unterschätzt und versucht nun, den Rückstand aufzuholen. Die Gründung der Software-Tochter Cariad sollte das ändern, doch die Sparte kämpft selbst mit massiven Problemen. Für Bestandskunden wie mich bedeutet das: Wir fahren Fahrzeuge, deren Software-Potenzial nie voll ausgeschöpft wird.
Fazit: Besser spät als nie?
Morgen früh werde ich die erste Fahrt mit Version 3.7 machen. Vermutlich werde ich keinen großen Unterschied bemerken. Das Infotainment wird weiterhin nicht so flüssig laufen wie bei der Konkurrenz, die Routenplanung wird weiterhin nicht an Tesla heranreichen, und die App wird weiterhin ihre Macken haben.
Aber das Update ist da. Nach über einem Jahr. Per OTA. Und irgendwie fühlt sich das nach einem Abschluss an. Nicht nach einem Happy End, eher nach einem „Schwamm drüber, weiter geht’s“. Der ID.3 ist ein gutes Auto mit einer mittelmäßigen Software. Version 3.7 ändert daran wenig, aber zumindest bin ich jetzt auf dem Stand, den ich vor einem Jahr schon hätte haben können.
Ob sich das Warten gelohnt hat? Nein. Aber es ist vorbei. Und das ist mehr, als ich zwischenzeitlich zu hoffen gewagt hatte.




