Im Januar vor 25 Jahren nahm die Erfolgsgeschichte der Wikipedia ihren Anfang. Was mit einigen hundert englischsprachigen Artikeln begann, hat sich dank des unglaublichen Engagements tausender Freiwilliger weltweit zum größten Wissensprojekt der Menschheit entwickelt – mehr als 65 Millionen Artikel in über 300 Sprachversionen. Für Gaming-Journalisten, Spieler und die gesamte digitale Kultur ist Wikipedia mehr als nur eine Enzyklopädie: Sie ist die erste Anlaufstelle für Informationen über Spiele, Entwickler, Gaming-Geschichte und Industrie-Zusammenhänge. Ein Vierteljahrhundert freies, zugängliches Wissen – gebaut von Menschen für Menschen.
Wikipedia ist so selbstverständlich geworden, dass wir oft vergessen wie revolutionär das Konzept war: Eine Enzyklopädie, die jeder bearbeiten kann, ohne Bezahlung, ohne Werbung, ohne kommerzielle Interessen. 2001 klang das verrückt. Heute ist Wikipedia eine der meistbesuchten Websites der Welt und eine der wenigen großen Plattformen, die nicht von Tech-Konzernen kontrolliert wird.
Gaming und Wikipedia: Eine unverzichtbare Beziehung
Für jeden, der über Games schreibt oder spielt, ist Wikipedia unverzichtbar. Die englische Wikipedia hat über 30.000 Artikel nur zum Thema Videospiele. Von „The Legend of Zelda“ über „Half-Life“ bis „Elden Ring“ – praktisch jedes bedeutende Spiel hat einen detaillierten Artikel mit Entwicklungsgeschichte, Rezeption, technischen Details und kultureller Bedeutung.
Die deutsche Wikipedia ist ebenso umfangreich. Artikel über „Dark Souls„, „The Witcher„, „Counter-Strike“ – alle sind akribisch recherchiert, mit Quellen belegt, regelmäßig aktualisiert. Wenn ein neues Spiel erscheint, dauert es oft nur Stunden bis der Wikipedia-Artikel existiert. Wenn ein Entwickler-Studio schließt, wird es dokumentiert. Wenn ein Gaming-Skandal auftritt, wird die Historie festgehalten.
Als Gaming-Journalist nutzt man Wikipedia täglich. Wann wurde Bethesda gegründet? Welche Spiele hat Hideo Kojima entwickelt? Wie viele Kopien hat „GTA V“ verkauft? Wikipedia beantwortet diese Fragen mit verlässlichen, quellenbasierten Informationen. Es ist keine perfekte Quelle – aber es ist oft die beste erste Quelle.
Die unsichtbaren Helden: Freiwillige Autoren
Was Wikipedia besonders macht: Alle Artikel werden von Freiwilligen geschrieben und gepflegt. Keine bezahlten Redakteure, keine professionelle Redaktion. Menschen, die ihre Zeit opfern weil sie an freies Wissen glauben.
Gaming-Artikel auf Wikipedia werden von Fans geschrieben, die hunderte Stunden in Recherche investieren. Sie sammeln Verkaufszahlen, dokumentieren Patches und Updates, archivieren Entwicklerinterviews, katalogisieren Rezensionen. Wenn ein Spiel wie „Cyberpunk 2077“ kontrovers ist, wird die Kontroverse neutral dokumentiert – mit Quellen von allen Seiten.
Diese Arbeit ist unsichtbar aber essenziell. Ohne diese Freiwilligen gäbe es keine zentralisierte, kostenlose Quelle für Gaming-Wissen. Jeder könnte seine eigene Website aufbauen, aber Wikipedia ist die Plattform, der Menschen vertrauen weil sie transparent, quellenbasiert und community-moderiert ist.
Wikipedia als Archiv der Gaming-Geschichte
Spiele verschwinden. Entwickler-Studios schließen. Websites gehen offline. Magazine stellen ein. Aber Wikipedia bleibt. Artikel über längst vergessene Spiele aus den 1980ern existieren neben aktuellen Blockbustern. Die Geschichte wird bewahrt.
Nehmen wir „Ultima Online“ – eines der ersten MMOs, 1997 veröffentlicht. Der Wikipedia-Artikel dokumentiert nicht nur die technischen Details, sondern auch die kulturelle Bedeutung: Wie „Ultima Online“ die MMO-Genre prägte, wie virtuelle Wirtschaften entstanden, wie Spieler-Communities sich bildeten. Das ist Gaming-Archäologie, festgehalten für zukünftige Generationen.
Oder „E.T. the Extra-Terrestrial“ für Atari 2600 – oft als schlechtestes Spiel aller Zeiten bezeichnet, verantwortlich für den Videospiel-Crash von 1983. Wikipedia dokumentiert die Kontroverse, die Beerdigung der Cartridges in der Wüste, die Ausgrabung 2014. Das ist Geschichte, bewahrt durch Freiwillige die sich darum kümmern.
Wikimedia Deutschland: Mehr als nur Wikipedia
Wikipedia ist die bekannteste, aber nicht die einzige Plattform. Wikimedia Deutschland – der deutsche Förderverein – unterstützt auch Projekte wie Wikidata (strukturierte Daten), Wikimedia Commons (freie Medien), und Wiktionary (Wörterbuch). Für Gaming sind besonders Wikimedia Commons relevant: Freie Bilder, Screenshots, Logos – alles unter offenen Lizenzen verfügbar.
Wikimedia Deutschland investiert in technische Infrastruktur, entwickelt Software gegen Vandalismus, unterstützt Freiwillige mit Veranstaltungen und Fachliteratur. Sie kämpfen auch für digitale Unabhängigkeit: Das Internet ist weitgehend kommerzialisiert und in Händen weniger Tech-Konzerne. Wikipedia ist eine der letzten großen unabhängigen Plattformen.
Das „Digital Independence Day“-Projekt ermutigt Menschen, von monopolartigen Plattformen zu offenen, gemeinwohlorientierten Alternativen zu wechseln. Das ist relevant für Gamer: Steam dominiert PC-Gaming, aber es gibt GOG, itch.io, und andere DRM-freie Plattformen. Discord dominiert Gaming-Kommunikation, aber es gibt Matrix, Mumble, und selbst-gehostete Alternativen. Die Philosophie hinter Wikipedia – offen, gemeinschaftlich, unabhängig – gilt auch für Gaming-Infrastruktur.
Herausforderungen im KI-Zeitalter
Wikipedia steht vor neuen Herausforderungen. KI-generierte Texte überschwemmen das Internet. Große Sprachmodelle wie ChatGPT wurden mit Wikipedia-Daten trainiert – ironischerweise könnte KI jetzt versuchen, Wikipedia zurückzuschreiben.
Wikimedia Deutschland entwickelt Software, um KI-generierte Texte aufzuspüren. Das ist entscheidend: Wikipedia lebt von menschlicher Expertise, Quellenarbeit, kritischem Denken. Ein KI-generierter Artikel mag flüssig klingen, aber er hat keine Quellenrecherche, keine Faktenchecks, keine menschliche Perspektive.
Für Gaming ist das besonders relevant. KI könnte „Artikel“ über Spiele generieren basierend auf Marketing-Material und User-Reviews. Aber ein echter Wikipedia-Artikel entsteht durch Freiwillige, die Entwicklerinterviews lesen, Verkaufszahlen recherchieren, Rezensionen vergleichen, Kontroversen dokumentieren. Das kann KI nicht ersetzen.
Warum Wikipedia für Gaming-Kultur wichtig ist
Wikipedia ist mehr als eine Informationsquelle. Sie ist ein Statement: Wissen soll frei sein, für jeden zugänglich, nicht hinter Paywalls oder Abonnements. In einer Zeit wo jede Website ein Premium-Abo verkaufen will, ist Wikipedia radikal.
Für Gaming bedeutet das: Jeder kann lernen über Gaming-Geschichte. Jeder kann recherchieren über Entwickler, Genres, Technologien. Egal ob Schüler, Journalist, Indie-Entwickler, oder einfach neugieriger Spieler – Wikipedia ist offen für alle.
Wikipedia dokumentiert auch Gaming-Kultur in ihrer ganzen Vielfalt. E-Sport-Turniere, Speedrunning-Rekorde, Gaming-Kontroversen, Indie-Erfolgsgeschichten – alles wird festgehalten. Die Seite über „Speedrunning“ erklärt die Geschichte, bekannte Speedrunner, verwendete Techniken, Events wie „Games Done Quick“. Das ist kulturelle Dokumentation.
25 Jahre und kein Ende in Sicht
Wikipedia ist 25, aber nicht alt. Die Plattform entwickelt sich ständig weiter. Neue Features, bessere Editoren, mobile Optimierung, verbesserte Suche. Wikimedia investiert kontinuierlich in Technologie, um Wikipedia aktuell und zugänglich zu halten.
Die Herausforderung: Neue Freiwillige gewinnen. Wikipedia-Autoren sind oft langjährig dabei, aber jüngere Generationen engagieren sich seltener. Das ist ein Problem für langfristige Nachhaltigkeit. Wikimedia arbeitet daran, die Einstiegshürden zu senken und neue Autoren zu unterstützen.
Für Gaming-Artikel gilt das besonders. Jedes Jahr erscheinen hunderte neue Spiele. Jedes braucht Dokumentation. Die Freiwilligen, die diese Arbeit machen, sind die unsichtbaren Helden der Gaming-Kultur.
Was wir von Wikipedia lernen können
Wikipedia zeigt, dass gemeinschaftliche Projekte funktionieren können. Ohne zentrale Autorität, ohne finanzielle Anreize, nur durch gemeinsame Vision: Wissen für alle. In einer zunehmend kommerziellen, fragmentierten digitalen Welt ist das bemerkenswert.
Die Gaming-Community könnte mehr solche Projekte gebrauchen. Open-Source-Spiele-Entwicklung existiert, aber ist Nische. Community-gepflegte Gaming-Datenbanken wie MobyGames oder IGDB existieren, aber kämpfen gegen kommerzielle Konkurrenten. Wikipedia’s Erfolg zeigt: Wenn Menschen sich engagieren, können sie Großartiges erschaffen.
Fazit: Ein Vierteljahrhundert freies Wissen
25 Jahre Wikipedia sind ein Grund zu feiern. Nicht nur weil es die größte Enzyklopädie der Welt ist, sondern weil es beweist dass das Internet mehr sein kann als soziale Medien und E-Commerce. Wikipedia ist ein Ort wo Wissen geteilt wird, nicht verkauft. Wo Menschen zusammenarbeiten, nicht gegeneinander konkurrieren. Wo Gemeinwohl wichtiger ist als Profit.
Für alle, die über Games schreiben, über Games lernen, oder einfach Games lieben: Wikipedia ist ein unverzichtbarer Teil unseres Ökosystems. Jedes Mal wenn wir einen Wikipedia-Link teilen, einen Artikel zitieren, oder eine Jahreszahl nachschlagen, profitieren wir von der Arbeit tausender Freiwilliger.
Zum 25. Jubiläum verdient Wikipedia unseren Respekt – und für die, die es sich leisten können, auch finanzielle Unterstützung. Denn während die Freiwilligen ihre Zeit geben, braucht die Infrastruktur dahinter Ressourcen. Server, Entwicklung, Moderation gegen Vandalismus – all das kostet Geld. Wikimedia Deutschland und andere Wikimedia-Organisationen weltweit sind auf Spenden angewiesen.
Die nächsten 25 Jahre werden neue Herausforderungen bringen: KI, Desinformation, technologische Umbrüche. Aber wenn die letzten 25 Jahre etwas gezeigt haben, dann dass eine Community engagierter Menschen Außergewöhnliches erreichen kann. Wikipedia ist nicht perfekt, aber sie ist einzigartig – und für das freie Internet unverzichtbar.
Wikipedia in Zahlen
Global:
- 65+ Millionen Artikel
- Über 300 Sprachversionen
- Millionen Freiwillige weltweit
- Eine der Top-10-Websites weltweit
Gaming-Relevanz:
- Über 30.000 Videospiel-Artikel (Englisch)
- Tausende Gaming-bezogene Artikel (Deutsch)
- Dokumentation von 50+ Jahren Gaming-Geschichte
- Primäre Quelle für Gaming-Recherche
Philosophie:
- Komplett werbe- und gebührenfrei
- Keine kommerzielle Kontrolle
- Transparente Quellenarbeit
- Community-moderiert
Unterstützung:
- Wikimedia Deutschland
- Finanziert durch Spenden
- Entwickelt Technologie gegen Vandalismus und KI-Missbrauch
- Fördert digitale Unabhängigkeit
Jubiläums-Website: wikimedia.de/wikipedia25

