Vor genau zwei Jahren schrieb ich in meinem Test zu Assassin’s Creed: „Ein Spiel mit enormem Potenzial, das dieses Potenzial nur teilweise ausschöpft. Es ist das Fundament für etwas Großartiges – aber noch nicht selbst großartig.“ Das revolutionäre Parkour-System, die atmosphärischen Städte, die faszinierende Animus-Prämisse – all das war da. Aber erstickt unter repetitiven Missionen, einem zu simplen Kampfsystem und einer frustrierenden Story, die mehr Fragen aufwarf als beantwortete.
Jetzt, im November 2009, liegt Assassin’s Creed II vor mir, und ich kann mit Gewissheit sagen: Ubisoft Montreal hat zugehört. Sie haben jede einzelne Schwäche des Vorgängers erkannt und behoben. Sie haben aus dem vielversprechenden Prototypen ein ausgewachsenes Meisterwerk gemacht. Assassin’s Creed II ist nicht nur eine Verbesserung – es ist eine komplette Neuerfindung dessen, was die Serie sein kann.
Ezio Auditore da Firenze ist nicht Altair. Wo der Assassine aus dem ersten Teil arrogant, emotionslos und unsympathisch war, ist Ezio charmant, leidenschaftlich und unglaublich nahbar. Die Renaissance Italiens ist nicht das Heilige Land der Kreuzzüge – sie ist bunter, lebendiger, abwechslungsreicher. Und die Missionsstruktur? Die wurde nicht nur überarbeitet, sondern komplett neu gedacht.
Nach über 25 Stunden in Florenz, Venedig, der Toskana und am Ende sogar im Vatikan kann ich sagen: Assassin’s Creed II ist eines der besten Spiele, die 2009 zu bieten hatte. Es ist das Spiel, das der erste Teil hätte sein sollen. Und es ist der Beweis dafür, dass Videospiel-Fortsetzungen, wenn sie richtig gemacht werden, ihre Vorgänger in jeder Hinsicht übertreffen können.
La Storia di Ezio – Eine Familientragödie
Assassin’s Creed II beginnt genau dort, wo der erste Teil endete: In der Gegenwart (bzw. im Jahr 2012, aus heutiger Sicht die nahe Zukunft). Desmond Miles ist mit Hilfe der Assassinin Lucy Stillman aus der Abstergo-Einrichtung geflohen und wird in ein Versteck gebracht, wo er dem Analytiker Shaun Hastings und der Technikerin Rebecca Crane begegnet. Sie haben eine verbesserte Version des Animus – den Animus 2.0 – entwickelt und wollen Desmond durch den „Bleeding Effect“ trainieren: Die Fähigkeiten seiner Vorfahren sollen auf ihn übertragen werden.
Und so taucht Desmond ein in die Erinnerungen seines Vorfahren Ezio Auditore da Firenze, geboren 1459 in Florenz als Sohn einer wohlhabenden Bankiersfamilie. Aber im Gegensatz zu Altairs kalter Einführung im ersten Teil lernen wir Ezio als Menschen kennen, lange bevor er ein Assassine wird.
Die ersten Stunden des Spiels sind pure Charakterentwicklung. Wir sehen Ezio als jungen Mann – charmant, unbekümmert, ein bisschen arrogant, aber liebenswert. Er flirtet mit Frauen, prügelt sich mit Rivalen, klettert auf Türme, um seiner kleinen Schwester zu helfen. Er hat ein enges Verhältnis zu seinem Vater Giovanni, seinen Brüdern Federico und Petruccio, seiner Mutter Maria und seiner Schwester Claudia. Diese Familie fühlt sich real an. Man mag sie. Man lacht mit ihnen.
Und dann ändert sich alles.
Ezios Vater, der im Geheimen ein Assassine und Vertrauter von Lorenzo de‘ Medici ist, wird zusammen mit Ezios Brüdern Federico und Petruccio unter falschen Anschuldigungen verhaftet. Uberto Alberti, ein vermeintlicher Freund der Familie, verrät sie. Ezio versucht verzweifelt, Beweise für ihre Unschuld zu finden, aber es ist vergeblich. Auf dem Palazzo della Signoria werden sein Vater und seine beiden Brüder öffentlich gehängt. Ezio kann nur hilflos zusehen.
Diese Szene ist brutal, schockierend und emotional verheerend. Sie funktioniert, weil Ubisoft sich die Zeit genommen hat, uns diese Familie näherzubringen. Wenn Ezio in die Menge springt und Uberto niedersticht – sein erster Mord – fühlt es sich nicht wie ein Videospiel-Moment an, sondern wie eine menschliche Reaktion auf unsägliches Leid.
Ezio flieht mit seiner Mutter und Schwester zur Villa seines Onkels Mario in Monteriggioni. Dort findet er in einer geheimen Kammer die Ausrüstung seines Vaters – die Hidden Blade, die ikonische Waffe der Assassinen. Sein Onkel Mario beginnt, ihn auszubilden. Und so beginnt Ezios Reise: Von einem sorglosen Playboy zu einem der größten Assassinen, die Italien je gesehen hat.
Die Story spannt sich über mehr als zwei Jahrzehnte – von 1476 bis 1499. Wir sehen Ezio altern, reifen, sich verändern. Seine Quest beginnt als Rachefeldzug gegen die Verschwörer, die seine Familie getötet haben. Aber mit jedem Attentat wird die Verschwörung größer, das Netz komplexer. Die Pazzi-Familie in Florenz. Die Barbarigo in Venedig. Der Doge. Und schließlich: Rodrigo Borgia, der Spanier, der als Papst Alexander VI. bekannt werden wird – und der Großmeister der Templer.
Die Story ist brillant konstruiert. Sie verwebt historische Ereignisse (die Pazzi-Verschwörung, der Karneval von Venedig, der Aufstieg der Borgia) mit der fiktiven Assassinen-Templer-Geschichte. Historische Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci, Niccolò Machiavelli, Caterina Sforza spielen wichtige Rollen – nicht als Cameos, sondern als echte Charaktere mit eigenen Motivationen.
Leonardo da Vinci verdient besondere Erwähnung. Als Ezios bester Freund und Erfinder übersetzt er die Codex-Seiten von Altair und entwickelt daraus Waffen-Upgrades für Ezio. Die Szenen zwischen Ezio und Leonardo gehören zu den besten des Spiels – ihre Freundschaft fühlt sich echt an. Und die Mission, in der Ezio Leonardos Flugmaschine testet und über Venedig fliegt? Pure Magie.
Das Ende führt Ezio in den Vatikan, wo er Rodrigo Borgia konfrontiert. Aber statt ihn zu töten, verschont Ezio ihn – eine Entscheidung, die zeigt, wie weit er sich von dem rachsüchtigen jungen Mann entwickelt hat. Im Vault unter dem Vatikan begegnet Ezio dann Minerva, einem holographischen Wesen der „First Civilization“. Sie spricht nicht zu Ezio, sondern durch ihn hindurch – direkt zu Desmond. Sie warnt vor einer bevorstehenden Katastrophe im Jahr 2012, die die Menschheit bedroht.
Diese Szene ist unglaublich kraftvoll und lässt einen mit mehr Fragen als Antworten zurück. Aber im Gegensatz zum ersten Teil fühlt sich das Ende von AC II wie ein echter Abschluss von Ezios Geschichte an – zumindest für dieses Kapitel. Die Geschichte ist befriedigend, emotional, episch.
Das Renaissance-Italien – Florenz, Venedig und mehr
Optisch setzt Assassin’s Creed II neue Maßstäbe für Open-World-Spiele. Die Städte sind nicht nur größer als im ersten Teil – sie sind auch deutlich abwechslungsreicher und lebendiger.
Florenz ist die erste große Stadt, die man erkundet. Die Stadt ist in vier Distrikte unterteilt und bietet eine unglaubliche architektonische Vielfalt. Die Kathedrale Santa Maria del Fiore mit ihrer ikonischen Kuppel (die man natürlich erklimmen kann), der Palazzo Vecchio, die Ponte Vecchio – alles ist mit enormem Detailreichtum nachgebildet. Die Straßen sind voller Leben: Händler preisen ihre Waren an, Adelige flanieren, Künstler präsentieren ihre Werke. Man spürt den Reichtum und die kulturelle Blüte der Renaissance.
Venedig ist noch beeindruckender. Die Stadt auf dem Wasser ist komplett begehbar (und beschwimmbar!), mit ihren Kanälen, Gondeln, Brücken und Palästen. Der Markusplatz mit der Basilica San Marco und dem Dogenpalast ist atemberaubend. Der Karneval von Venedig – eine ganze Sequenz des Spiels – ist ein visuelles Fest mit Masken, Feuerwerk und Menschenmassen. Und natürlich gibt es die Mission mit Leonardos Flugmaschine, bei der man über die Dächer der Stadt fliegt.
Monteriggioni ist Ezios Basis, die Villa Auditore. Hier kann man die Stadt restaurieren, Gebäude upgraden, Gemälde kaufen und ausstellen, Waffen und Rüstungen sammeln. Die Villa wird im Laufe des Spiels zu einem richtigen Zuhause – man kehrt gerne zurück, sieht die Fortschritte, freut sich über die Verbesserungen.
Dazu kommen kleinere Städte wie San Gimignano mit seinen berühmten Türmen, Forlì mit seiner Festung, und am Ende sogar Rom bzw. der Vatikan.
Die Umgebungen zwischen den Städten – die Toskana, die Romagna, die Apenninen – sind ebenfalls wunderschön gestaltet. Man reitet durch sanfte Hügel, vorbei an Weinbergen und Olivenhainen, entdeckt versteckte Gräber und Aussichtspunkte.
Technisch basiert AC II auf einer verbesserten Version der Anvil-Engine. Die Grafik ist deutlich schöner als im Vorgänger – bessere Texturen, realistischere Beleuchtung, flüssigere Animationen. Die Framerate ist stabiler (auch wenn es auf PS3 noch gelegentliche Einbrüche gibt). Pop-in ist minimal. Die Kamera funktioniert besser, auch wenn sie in engen Innenräumen noch manchmal nervt.
Besonders beeindruckend sind die Tag-Nacht-Zyklen und Wettereffekte. Venedig im Sonnenuntergang, Florenz im Regen, die Toskana im Nebel – jede Stimmung hat ihre eigene Atmosphäre.
Der Soundtrack von Jesper Kyd ist erneut exzellent. Er mischt italienische Renaissance-Musik mit modernen elektronischen Elementen und schafft damit eine einzigartige Soundkulisse. Tracks wie „Ezio’s Family“ sind emotional und einprägsam. Die Musik unterstreicht perfekt die jeweilige Stimmung – episch bei Attentaten, melancholisch in ruhigen Momenten.
Die Sprachausgabe ist durchweg hervorragend. Roger Craig Smith als Ezio liefert eine fantastische Performance – charmant, witzig, emotional. Kristen Bell als Lucy, Nolan North als Desmond, die verschiedenen italienischen Akzente – alles passt. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es leider wieder nicht, aber die deutschen Untertitel sind solide.
Gameplay-Revolution – Alles besser als zuvor
Das Gameplay von Assassin’s Creed II ist in jeder Hinsicht eine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger. Ubisoft hat nicht nur die Probleme behoben – sie haben aktiv neue Systeme hinzugefügt, die das Spiel bereichern.
Parkour und Bewegung:
Das Parkour-System bleibt im Kern gleich – und das ist gut so, denn es war bereits im ersten Teil die große Stärke. Ezio klettert, springt und rennt genauso flüssig wie Altair. Aber die Umgebungen sind jetzt besser designed. Es gibt mehr Variationen in den Routen, mehr kreative Wege nach oben. Venedigs Kanäle erfordern eine Mischung aus Klettern und Schwimmen. Florenz‘ hohe Türme belohnen Wagemut.
Und ja: Ezio kann schwimmen! Diese simple Addition macht einen riesigen Unterschied. Kein sofortiger Tod mehr beim Sturz ins Wasser. Man kann Kanäle durchschwimmen, sich in Venedig zwischen Gondeln verstecken, sogar Unterwasser-Verstecke erkunden. Es ist eine so offensichtliche Verbesserung, dass man sich fragt, warum Altair das nicht konnte.
Kampfsystem:
Das Kampfsystem wurde deutlich erweitert. Es basiert immer noch auf Kontern, aber jetzt gibt es mehr Optionen:
- Entwaffnen: Gegner können entwaffnet werden, wodurch sie verwundbarer werden
- Doppel-Assassination: Mit zwei Hidden Blades können zwei Gegner gleichzeitig getötet werden
- Waffenvielfalt: Schwerter, Dolche, Äxte, Hämmer, Stangenwaffen – jede Waffenart spielt sich anders
- Gift-Blade: Eine vergiftete Klinge tötet Gegner langsam und unauffällig
- Rauchbomben: Perfekt, um Gegner zu verwirren und zu fliehen
- Wurfmesser: Für lautlose Fernkämpfe
Der Kampf fühlt sich brutaler und befriedigender an. Die Finishing Moves sind spektakulär animiert. Und dank der größeren Waffen- und Gadget-Auswahl gibt es tatsächlich taktische Tiefe, die im ersten Teil fehlte.
Die Assassinen-Grüfte:
Eine der besten Neuerungen sind die sechs Assassinen-Grüfte, versteckte Grabkammern unter den italienischen Städten. Diese fungieren als Platforming-Herausforderungen – oft mit Zeitlimit – und sind gleichzeitig kleine Rätsel. Man muss Schalter betätigen, Plattformen überqueren, durch bröckelnde Strukturen klettern.
Jede Gruft erzählt die Geschichte eines berühmten Assassinen aus der Vergangenheit. Und als Belohnung erhält man Siegel, die schließlich Altairs Rüstung freischalten – die beste Rüstung im Spiel, unzerstörbar und wunderschön designed.
Diese Grüfte sind optional, aber so gut gemacht, dass man sie alle finden möchte. Sie brechen die Routine auf und bieten eine willkommene Abwechslung zum Standard-Gameplay.
Villa Monteriggioni – Deine eigene Stadt:
Die Villa in Monteriggioni ist mehr als nur ein Safe House – sie ist ein vollwertiges Management-System. Ezio kann:
- Gebäude restaurieren: Schmieden, Ärzte, Tavernen, Bordelle – jedes restaurierte Gebäude erhöht den Wert der Stadt
- Gemälde kaufen: In jeder Stadt gibt es Kunsthändler, die berühmte Renaissance-Gemälde verkaufen (inklusive historischer Infos!)
- Waffen und Rüstungen sammeln: Die Waffenkammer in der Villa zeigt alle gesammelten Items
- Geld verdienen: Alle 20 Minuten (Echtzeit) generiert die Villa Einkommen, das in einer Truhe gesammelt wird
Dieses System ist befriedigend, aber nicht perfekt. Der größte Kritikpunkt: Man muss physisch zur Villa zurückkehren, um das Geld abzuholen. Und die Truhe hat ein Limit, sodass man regelmäßig zurückmuss, um nicht Geld zu verlieren. Das kann nerven, besonders mitten in spannenden Missionen. Zum Glück gibt es Fast-Travel-Punkte.
Wirtschaftssystem:
Erstmals gibt es ein richtiges Wirtschaftssystem. Ezio verdient Geld durch:
- Missionsziele
- Schatztruhen (über 330 in ganz Italien verteilt!)
- Villa-Einkommen
- Looting von getöteten Gegnern
Geld wird gebraucht für:
- Waffen und Rüstungen (die verschleißen und repariert werden müssen – außer Altairs Rüstung)
- Medizin und Items
- Villa-Restaurierung
- Gemälde
- Kleiderfärben (Ezio kann seine Robe in verschiedenen Farben färben!)
- Schmiergeld für Herolde (um Wanted-Status zu senken)
Das System ist simpel, aber funktional. Geld ist anfangs knapp, später hat man mehr als genug.
Missionsstruktur – Endlich Abwechslung!:
Die größte und wichtigste Verbesserung: Die Missionsstruktur ist nicht mehr repetitiv!
Im ersten Teil musste man vor jedem Attentat drei bis sechs identische Vorbereitungsmissionen absolvieren. In AC II gibt es:
- Hauptmissionen: Die Story-Missionen, die die Handlung vorantreiben
- Assassinationen: Immer noch der Kern, aber jetzt mit viel mehr Kreativität
- Tomb Raids: Die Assassinen-Grüfte
- Kuriermissionen: Zeitbasierte Parkour-Challenges
- Rennmissionen: Gegen die Zeit von Dach zu Dach
- Schläge (Beat-ups): Prügeleien ohne Waffen
- Federn sammeln: 100 Federn für Ezios Mutter (als Belohnung gibt’s einen Cape)
- Codex-Seiten: 30 Seiten von Altairs Codex, die Leonardo übersetzt
- Glyph-Rätsel: Versteckte Puzzles, die „The Truth“ enthüllen (eine Nebengeschichte)
- Schatzsuche: Schatzkarten führen zu versteckten Locations
- Villa-Management: Siehe oben
Die Vielfalt ist enorm. Man hat ständig etwas zu tun, ständig etwas zu entdecken. Und das Beste: Fast alles ist optional. Man kann die Hauptstory durchspielen, ohne Federn zu sammeln oder Grüfte zu erkunden. Aber für Komplettisten gibt es Dutzende Stunden zusätzlichen Content.
Notoriety-System:
Ezio kann berüchtigt werden, wenn er zu viel Chaos verursacht. Der Wanted-Status wird angezeigt durch Poster und Herolde. Man kann:
- Poster abreißen: Reduziert Bekanntheit
- Herolde bestechen: Schnellere Methode
- Offizielle töten: Riskant, reduziert aber auch Bekanntheit
Das System fügt eine nette strategische Ebene hinzu: Nach einem großen Attentat sollte man die Poster abreißen, bevor man weitermacht.
Desmond Miles – Der Bleeding Effect
Die Desmond-Segmente sind immer noch die schwächste Komponente, aber deutlich besser als im ersten Teil. Zwischen den Sequenzen von Ezios Leben gibt es Abschnitte, in denen Desmond im Versteck herumlaufen und mit Lucy, Shaun und Rebecca reden kann.
Diese Segmente sind kurz und überwiegend optional. Man kann E-Mails lesen, mit den Charakteren plaudern, mehr über die moderne Assassinen-Templer-Konfrontation erfahren. Es ist okay, aber nicht fesselnd.
Interessanter ist der „Bleeding Effect“: Desmond beginnt, Ezios Fähigkeiten zu erlangen. Am Ende des Spiels kann er im Versteck herumlaufen und kurze Parkour-Sequenzen absolvieren – ein kleiner Vorgeschmack auf das, was kommt.
Die Glyph-Rätsel und „The Truth“
Ein besonders faszinierendes Easter Egg sind die 20 Glyph-Rätsel, versteckt an Gebäuden in ganz Italien. Aktiviert man sie mit Eagle Vision, öffnen sich Puzzle-Minigames – Bildvergleiche, Codeknacker, Logikrätsel.
Diese Rätsel erzählen die Geschichte von „Subject 16“, dem Animus-Nutzer vor Desmond. Er hat kryptische Hinweise hinterlassen, die auf eine alternative Geschichte der Menschheit hindeuten: Adam und Eva als frühe Menschen, die gegen die „Götter“ (die First Civilization) rebellierten.
Das finale Video nach allen 20 Glyphs ist verstörend und wirft mehr Fragen auf als es beantwortet. Es ist ein cleverer Weg, Hardcore-Fans zusätzlichen Lore-Content zu bieten.

Für wen ist Assassin’s Creed II geeignet?
Das Spiel passt zu euch, wenn ihr:
- Den ersten Teil mochtet, aber frustriert wart
- Italienische Renaissance liebt
- Historische Settings schätzt
- Open-World-Erkundung genießt
- Parkour/Freerunning faszinierend findet
- Gute Charaktergeschichten mögt
- Sammel-Completionisten seid
- Action-Adventures mit Tiefgang wollt
- Leonardo da Vinci cool findet
- Die Ezio-Trilogie beginnen wollt
Das Spiel passt nicht zu euch, wenn ihr:
- Noch nie Assassin’s Creed gespielt habt (spielt erst AC1 für die Story!)
- Stealth-Puristen seid (es ist mehr Action-Adventure)
- Keine Zeit für 25+ Stunden habt
- Management-Systeme hasst
- Historische Ungenauigkeiten stören
- Sofort Next-Gen-Grafik (PS4/Xbox One) erwartet
- Keine Geduld für Collectibles habt
Fazit zu Assassin’s Creed II
Assassin’s Creed II ist das Paradebeispiel dafür, wie man ein Sequel richtig macht. Ubisoft Montreal hat jeden Kritikpunkt des ersten Teils ernst genommen und behoben. Das Ergebnis ist ein Spiel, das in jeder messbaren Hinsicht besser ist als sein Vorgänger.
Wo Altair emotionslos war, ist Ezio charmant und nahbar. Wo die Missionen repetitiv waren, gibt es jetzt Abwechslung. Wo die Städte sich gleich anfühlten, gibt es jetzt Vielfalt. Wo das Kampfsystem simpel war, gibt es jetzt Tiefe. Wo das Ende unbefriedigend war, gibt es jetzt echten Abschluss (mit Raum für Fortsetzungen).
Die Story ist phänomenal. Ezios Reise von einem sorglosen Playboy zu einem Meister-Assassinen, der über zwei Jahrzehnte erlebt wird, ist emotional, episch und persönlich. Die historischen Charaktere – Leonardo, Machiavelli, Caterina Sforza, Rodrigo Borgia – sind fantastisch integriert. Die Verschwörung ist komplex, aber nachvollziehbar. Und das Ende mit Minerva öffnet faszinierende Türen für die Zukunft der Serie.
Das Gameplay ist süchtig machend. Man verliert sich in den Straßen von Venedig, verbringt Stunden damit, Federn zu sammeln, Grüfte zu erkunden, die Villa zu verbessern. Das Parkour-System ist nach wie vor das beste seiner Art. Die Assassinationen sind kreativ und befriedigend. Und die Vielfalt der Aktivitäten sorgt dafür, dass es nie langweilig wird.
Technisch ist das Spiel beeindruckend. Die Städte sind wunderschön, die Animationen flüssig, der Soundtrack unvergesslich. Ja, es gibt gelegentliche Framerate-Einbrüche auf Konsolen, und die Kamera nervt manchmal noch. Aber das sind kleine Makel in einem ansonsten polierten Erlebnis.
Gibt es Schwächen? Sicher. Das Villa-Management ist etwas umständlich (die Truhe physisch abholen zu müssen ist nervig). Manche Missionen ziehen sich. Das Wirtschaftssystem ist rudimentär. Die Desmond-Segmente sind okay, aber nicht großartig. Und man könnte argumentieren, dass das Spiel zu groß ist – zu viele Collectibles, zu viel zu tun.
Aber ehrlich gesagt? Das sind Luxusprobleme. Die Kernfrage bei jedem Sequel lautet: Ist es besser als der Vorgänger? Und bei Assassin’s Creed II ist die Antwort ein donnerndes Ja.
Assassin’s Creed II ist nicht nur eines der besten Spiele von 2009 – es ist eines der besten Action-Adventures dieser Konsolengeneration. Es steht selbstbewusst neben Größen wie Uncharted 2, Batman: Arkham Asylum und BioShock. Es beweist, dass Open-World-Spiele Story und Gameplay vereinen können. Und es etabliert Ezio Auditore als einen der denkwürdigsten Videospiel-Protagonisten aller Zeiten.
Wenn ihr nur ein Spiel aus der Assassin’s Creed-Serie spielt, dann dieses. Wenn ihr das erste Spiel mochtet, werdet ihr dieses lieben. Wenn ihr vom ersten Spiel enttäuscht wart, gebt der Serie noch eine Chance – dieses hier macht alles richtig.
Requiescat in pace, Altair. Ezio hat das übernommen.
Wertung: 9.5/10
Stärken:
- Ezio ist ein fantastischer, nahbarer Protagonist
- Emotionale, epische Story über 20+ Jahre
- Renaissanice-Italien ist atemberaubend schön
- Florenz, Venedig, Toskana – enorme Vielfalt
- KEINE repetitiven Missionen mehr!
- Assassinen-Grüfte sind brillante Platforming-Challenges
- Villa Monteriggioni als Management-System
- Leonardo da Vinci als bester Freund
- Historische Figuren perfekt integriert
- Kampfsystem deutlich verbessert
- Doppel-Hidden-Blades, Gift-Blade, Rauchbomben
- Ezio kann schwimmen!
- Wirtschaftssystem fügt Tiefe hinzu
- Hunderte von Sammelobjekten
- Glyph-Rätsel sind faszinierend
- Altairs Rüstung als Ultimate Reward
- Jesper Kyds Soundtrack ist meisterhaft
- Roger Craig Smith ist perfekt als Ezio
- Technisch deutlich besser als AC1
- Flüssigere Animationen
- Bessere Framerate
- Fast-Travel-System
- Ende ist befriedigend (mit Cliffhanger)
- 25+ Stunden Hauptstory
- 40+ Stunden für 100% Completion
Schwächen:
- Villa-Truhe muss physisch geleert werden (nervig)
- Desmond-Segmente sind okay, nicht großartig
- Manche Missionen ziehen sich
- Kamera in engen Räumen noch problematisch
- Wirtschaftssystem ist rudimentär
- Später zu viel Geld, nichts zu kaufen
- Manche Collectibles sind Busywork
- 100 Federn für einen Cape? Schwach
- Notoriety-System ist oberflächlich
- KI manchmal dumm
- Noch keine echte Variation bei Attentaten
- Technische Probleme (gelegentliche Framedrops auf PS3)
- PC-Version kommt erst März 2010
- Keine Multiplayer-Modi
Technische Informationen:
Plattformen: Xbox 360, PlayStation 3 (PC-Version folgt März 2010)
Veröffentlichung: 17. November 2009 (USA), 20. November 2009 (Europa)
Entwickler: Ubisoft Montreal
Publisher: Ubisoft
Genre: Action-Adventure, Stealth, Open World
Engine: Anvil Engine (verbessert)
Spieleranzahl: 1 (Einzelspieler nur)
Sprachen: Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Deutsch (Sprachausgabe nur Englisch/Französisch/Italienisch)
Preis: ca. 69,99 Euro
USK: Keine Jugendfreigabe (ab 18 Jahren)
PEGI: 18
Speicherplatz: ca. 8 GB (Xbox 360), 4.6 GB (PS3)
Besonderheiten:
- Black Edition: Enthält Ezio-Statue, Art Book, Bonus-DVD, drei Zusatzmissionen
- White Edition: Enthält Ezio-Statue (kleiner)
- Lineage: Drei Live-Action-Kurzfilme als Prequel (auf YouTube verfügbar)
Zukünftige DLCs (angekündigt):
- Battle of Forlì: Januar 2010
- Bonfire of the Vanities: Februar 2010
Häufig gestellte Fragen
Frage: Muss ich Assassin’s Creed 1 gespielt haben?
Antwort: Für die Story: Ja, sehr empfehlenswert. AC II setzt direkt nach AC1 an, und viele Bezüge (Altairs Codex, Pieces of Eden, Desmond/Lucy) machen nur Sinn, wenn man den Vorgänger kennt. Gameplay-technisch: Nein, AC II erklärt alles.
Frage: Ist Ezio besser als Altair?
Antwort: Absolut. Ezio ist charmant, lustig, emotional – ein echter Charakter. Altair war cool, aber emotionslos. Ezio ist der Protagonist, den die Serie brauchte.
Frage: Wie lange dauert das Spiel?
Antwort: Hauptstory etwa 18-25 Stunden. Mit Nebenaktivitäten 30-35 Stunden. Für 100% Completion (alle Federn, Glyphs, Grüfte, Villa-Upgrades) 40-50 Stunden. Es ist deutlich länger als AC1.
Frage: Sind die Missionen noch repetitiv?
Antwort: Nein! Das war das größte Problem von AC1, und Ubisoft hat es komplett behoben. Es gibt enorme Vielfalt in Missionstypen, Settings und Zielen. Keine langweiligen Abhör-Missionen mehr!
Frage: Wann kommt die PC-Version?
Antwort: Ubisoft hat die PC-Version für März 2010 angekündigt (9. März USA, 6. März UK). Sie soll bessere Grafik und zusätzliche Missionstypen haben.
Frage: Gibt es Multiplayer?
Antwort: Nein, AC II ist rein Singleplayer. Aber ehrlich: Bei dieser Story und diesem Umfang braucht man keinen Multiplayer.
Frage: Was ist mit den DLCs?
Antwort: Ubisoft hat zwei DLCs angekündigt: „Battle of Forlì“ (Januar 2010) und „Bonfire of the Vanities“ (Februar 2010). Sie waren ursprünglich Teil des Hauptspiels (Sequenzen 12 und 13), wurden aber wegen Zeitdruck ausgelagert.
Frage: Lohnt sich die Black Edition?
Antwort: Wenn du Fan bist: Ja. Die Ezio-Statue ist großartig, das Art Book ist wunderschön, und die drei Bonus-Missionen sind nett. Aber für Gelegenheitsspieler reicht die Standard-Edition.
Frage: Wird es eine Fortsetzung mit Ezio geben?
Antwort: Das Ende legt das nahe, aber Ubisoft hat noch nichts angekündigt. Ich würde mich nicht wundern, wenn wir 2010 mehr von Ezio sehen. [Stand: November 2009]

