Mario Party war schon immer ein Garant für spaßige Minispiele, gepaart mit einer Vielzahl unterschiedlicher Charaktere. Mit dem nun achtzehnten Teil hat Nintendo ein Best-of der vergangenen Titel veröffentlicht. Mit 100 verschiedenen Minispielen und fünf Spielbrettern laden Mario und Co zum Vergnügen und Ärgern ein. Nach intensiven Stunden auf den Brettern steht fest: Das Spiel bietet fantastische Minispiele und funktionierenden Online-Modus, leidet aber massiv unter fehlendem Freischalt-Content und zu geringer Anzahl an Spielbrettern. Für Nostalgie-Fans eine Empfehlung, für Neulinge fehlt die Langzeitmotivation.
Toads Party-Einladung: Minimale Rahmenhandlung
Eine großartige Story darf man erwartungsgemäß nicht erwarten. In Mario Party Superstars lädt Toad, der treue Helfer von Prinzessin Peach, die unterschiedlichsten Figuren aus dem Franchise zu einer Party auf seiner Insel ein. Das war es auch schon mit der Rahmenhandlung – mehr braucht Mario Party aber auch nicht.
Auf der Insel stehen verschiedene Einrichtungen von Anfang an zur Verfügung. Im Speicherhaus lassen sich die wichtigsten Einstellungen vornehmen. Das „Datenbank-Haus“ wird von Kamek mit seinem typischen Grinsen betreut – hier kann man Rekorde betrachten oder eine Spielerkarte für den Online-Modus erstellen.
Wer den ersten Teil von Mario Party auf dem Nintendo 64 gespielt hat, wird den ikonischen Shop sofort wiedererkennen. Dort bietet Toad verschiedene Artikel zum Einkauf an. Anders als in der Originalversion kann man allerdings keine Minispiele mehr freischalten, sondern nur Soundtracks, Datenbankeinträge der Figuren oder Sticker erwerben.

Das große Problem: Alles ist von Anfang an freigeschaltet
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie man sonst an neue Minispiele kommt. Die Antwort ist ernüchternd: gar nicht. Mario Party Superstars verfügt über 100 Minispiele, die sofort komplett freigeschaltet sind. Dasselbe gilt für die fünf Spielbretter – keine versteckten Inhalte, keine Belohnungen für fleißiges Spielen.
Das ist ein fundamentales Problem für die Langzeitmotivation. Während frühere Mario-Party-Teile durch das schrittweise Freischalten neuer Inhalte zum Weiterspielen motivierten, fehlt dieser Anreiz hier komplett. Nach wenigen Stunden hat man bereits alles gesehen, was das Spiel zu bieten hat.
Man kann hier nur darauf hoffen, dass Nintendo per DLC zusätzlichen Content nachliefert – eine offizielle Ankündigung dafür gab es zum Test-Zeitpunkt allerdings nicht.
Die fünf Spielbretter: N64-Klassiker aufpoliert
Um zu den Spielen zu gelangen, nutzt man die Röhre in der Mitte der Insel. Diese führt in einen Zwischenbereich, wo die grundlegenden Spieleinstellungen vorgenommen werden können.
Zu Beginn wählt man zwischen zehn ikonischen Figuren aus dem Mario-Universum. Ob Mario, Peach, Rosalina oder Waluigi – die Wahl ist reine Geschmackssache, denn unterschiedliche Stats gibt es nicht. Anschließend legt man den Schwierigkeitsgrad der computergesteuerten Gegner fest, wobei vier Stufen zur Verfügung stehen.
Dann kommt der wichtigste Part: die Wahl des Spielbretts. Auch hier wird man von der überschaubaren Auswahl enttäuscht. Es gibt nur fünf Bretter, alle aus der Nintendo-64-Ära:
- Yoshis Tropeninsel – Klassisches Einsteiger-Brett
- Space Land – Futuristisches Setting im Weltall
- Peachs Geburtstagstorte – Süßes Party-Brett
- Woodys Wald – Waldareal mit Überraschungen
- Horror Land – Tag-Nacht-Wechsel-Mechanik
Man merkt bei allen Brettern, dass sie für die Switch komplett neu und zeitgemäß gestaltet wurden. Die Grafik wurde aufpoliert, Animationen verbessert, Funktionen modernisiert. Trotzdem: Nur fünf Bretter sind für ein Vollpreis-Mario-Party-Spiel zu wenig.
Zum Vergleich: Mario Party 8 auf der Wii hatte sechs Bretter plus Bonusinhalte. Mario Party DS bot sieben Spielbretter. Superstars fühlt sich hier beschnitten an.
Das Spielprinzip: Bewährte Formel funktioniert
Auf dem Spielbrett angekommen erhält man eine ausführliche Einweisung. Glücklicherweise lässt sich diese überspringen – besonders hilfreich, wenn man dasselbe Brett bereits mehrfach gespielt hat.
Mario-Party-typisch wird die Zugreihenfolge per Würfel bestimmt. Wer die höchste Augenzahl würfelt, darf starten. Das Ziel ist wie immer, am Ende der vorgegebenen Rundenzahl die meisten Sterne zu besitzen. Dafür muss man stets im Auge behalten, wo sich Toadette auf dem Spielfeld befindet – bei ihr kann man für 20 Münzen einen Stern kaufen.
Richtiges Taktieren ist dabei der Schlüssel zum Sieg, denn die Felder lösen unterschiedliche Ereignisse aus:
- Blaue Felder: Bringen drei Münzen ein
- Rote Felder: Kosten drei Münzen
- Glücksfelder: Überschütten mit Münzen oder Items (grünes Feld mit Kleeblatt)
- Ereignisfelder: Lösen spezielle Brett-Mechaniken aus
Was bei Mario Party Superstars sofort auffällt: Die hohe Anzahl an Glücksfeldern. Gefühlt bei jedem dritten Stopp landet man auf einem solchen Feld. Während man in früheren Teilen oft mit Münz-Knappheit zu kämpfen hatte, schwimmt man hier regelrecht im Geld. Das verringert die strategische Tiefe – Ressourcen-Management spielt kaum noch eine Rolle.
Waren alle Spieler an der Reihe, wird das nächste Minispiel aus einer Liste zufällig ausgewählt.
100 Minispiele: Das Beste aus drei Dekaden
Aus einer Bibliothek werden die Minispiele per Zufall ausgewählt. Schnell wird klar: Nintendo hat nur die Crème de la Crème der letzten Jahre ausgewählt. Aus dem ersten Teil der Reihe (N64) stammen Klassiker wie „Fahnen-Wirrwarr“ oder „Kugelchaos“. Aus späteren Teilen kommen „Rugby-Remplerei“ oder „Bombombige Rechnung“.
Alle Spiele wurden komplett überarbeitet und optisch modernisiert. Es macht Spaß, die kurzweiligen Games zu spielen – Nintendo hat hier wirklich die besten herausgepickt.
Die klassischen Spielevarianten bleiben erhalten:
- Jeder gegen jeden: Alle vier Spieler kämpfen gegeneinander
- 1 vs 1: Direkter Zweikampf
- 2 vs 2: Team-Battles
- 1 vs 3: Einer gegen den Rest
Das Schöne an Mario Party Superstars: Jedes Minispiel lässt sich per Knopfsteuerung spielen. Bewegungssteuerung ist komplett optional. Dadurch können auch Switch-Lite-Besitzer den Titel problemlos genießen – ein großer Vorteil gegenüber früheren Mario-Party-Teilen auf Wii und Wii U, die oft Bewegungssteuerung voraussetzten.
Minispieleberg: Für Freunde des schnellen Spiels
Wer sich nach einem Brettspiel-Modus noch immer nicht satt gespielt hat, findet im Minispieleberg weitere Möglichkeiten. Dort kann man alle 100 Minispiele einzeln so oft spielen wie man möchte und eigene Rekorde aufstellen.
Auch der Online-Modus und wöchentliche Herausforderungen stehen hier zur Verfügung. Das ist praktisch für Spieler, die keine Zeit für komplette Brettspiel-Partien haben, sondern nur schnell ein paar Minispiele absolvieren wollen.
Der Minispieleberg bietet verschiedene Modi:
- Freies Spiel: Jedes Minispiel einzeln wählbar
- Survival: Wie viele Minispiele schafft man hintereinander?
- Tägliche Challenge: Wechselnde Aufgaben
- Mount Minigames: Staffel-Modus mit aufsteigender Schwierigkeit
Das sind nette Ergänzungen, aber sie können den Mangel an Spielbrettern nicht kompensieren.
Online-Modus: Endlich vollwertig implementiert
Ein großer Pluspunkt: Mario Party Superstars bietet endlich einen vollwertigen Online-Modus. Man kann sowohl komplette Brettspiel-Partien als auch nur Minispiele online mit Fremden oder Freunden spielen.
Die Online-Funktionen umfassen:
- Online-Brettspiele: Komplette Partien mit bis zu vier Spielern weltweit
- Online-Minispiele: Schnelle Matches ohne Brettspiel
- Freundeslisten-Integration: Einfaches Einladen von Freunden
- Lokaler Koop: Bis zu vier Spieler an einer Konsole
Das ist eine massive Verbesserung gegenüber Super Mario Party auf Switch, das zum Launch keinen vernünftigen Online-Modus hatte. Nintendo hat hier offensichtlich Feedback umgesetzt.
Die Verbindungsqualität ist solide. In unseren Tests gab es kaum Lag oder Verbindungsabbrüche. Die Wartezeiten zwischen den Zügen sind akzeptabel, auch wenn manche Spieler ihre Entscheidungen unnötig lange hinauszögern.
Grafik und Präsentation: Zeitgemäß aber nicht spektakulär
Grafisch präsentiert sich Mario Party Superstars solide aber nicht herausragend. Die Spielbretter wurden liebevoll neu gestaltet, mit sauberen Texturen und flüssigen Animationen. Die Charaktermodelle sind detailliert und ausdrucksstark.
Die Minispiele profitieren von der modernen Hardware – alles läuft butterweich mit konstanten 60fps (in Minispielen) bzw. 30fps (auf Brettern). Das ist ein spürbarer Unterschied zu den ruckeligen N64-Originalen.
Trotzdem: Im Vergleich zu anderen Switch-Exclusives wie Super Mario Odyssey oder The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom wirkt die Präsentation etwas bieder. Es ist hübsch, aber nicht beeindruckend.
Sound: Neuinterpretationen der Klassiker
Der Soundtrack besteht größtenteils aus neu arrangierten Versionen der Original-Musik von den N64-Brettern. Die Neuinterpretationen sind gelungen – sie bewahren den Charme der Originale, klingen aber deutlich voller dank moderner Audioqualität.
Die Soundeffekte sind typisch Mario – quietschige Münzen, fröhliche Fanfaren, dramatische Musik bei knappen Minispielen. Es funktioniert, auch wenn man nach stundenlangem Spielen manche Ansagen von Toad nervig finden könnte.
Die Spieler-Charaktere haben keine vollständige Sprachausgabe, sondern nur kurze Ausrufe und Reaktionen. Das ist serie-typisch und stört nicht.
Fantastische Minispiele wurden ausgewählt
Langzeitmotivation: Das größte Problem
Hier offenbart sich das fundamentale Problem von Mario Party Superstars: die fehlende Langzeitmotivation. Da alles von Anfang an freigeschaltet ist, gibt es kaum Gründe, nach den ersten 10-15 Stunden weiterzuspielen.
Man kann zwar im Toad-Shop mit gesammelten Münzen Soundtracks, Datenbank-Einträge und Sticker kaufen – aber diese Dinge haben keine Gameplay-Relevanz. Sie sind reine Sammlerstücke ohne Mehrwert.
Frühere Mario-Party-Teile motivierten durch:
- Freischaltbare Minispiele
- Versteckte Spielbretter
- Spezielle Herausforderungen mit Belohnungen
- Sammelbare Items mit Funktion
All das fehlt hier. Nach wenigen Abenden mit Freunden hat man alle fünf Bretter durchgespielt und die besten Minispiele mehrfach erlebt. Was bleibt dann noch?
Für wen eignet sich Mario Party Superstars?
Die Zielgruppe: Nostalgie-Fans und Party-Spieler mit Freunden.
Geeignet für:
- Fans der N64-Mario-Party-Ära
- Party-Spieler mit lokalen Freunden
- Familien mit Kindern (zugänglich, fair)
- Online-Multiplayer-Enthusiasten
- Leute die Best-of-Minispiel-Sammlungen schätzen
Nicht geeignet für:
- Solo-Spieler (gegen KI wird schnell langweilig)
- Leute die umfangreichen Content erwarten
- Spieler die Freischalt-Progression brauchen
- Fans komplexer strategischer Brettspiele
- Menschen ohne Online-/Lokal-Multiplayer-Optionen
Im Vergleich zur Konkurrenz: Super Mario Party hatte mehr Bretter aber schlechteren Online-Modus. Mario Party 8 auf Wii hatte mehr Content aber veraltete Technik. Superstars ist beste Minispiel-Auswahl, aber schwächster Umfang.
Unser Fazit
Schon lange war ich nicht mehr so hin- und hergerissen, wenn es um die Bewertung eines Spiels ging. Mario Party Superstars hat viele gute Ansätze – die verschiedenen Koop-Möglichkeiten, der Minispieleberg, die fantastische Auswahl der besten Minispiele aus drei Jahrzehnten Mario Party.
Aber genau das zweite Argument bringt auch den größten Nachteil mit sich: Mit der vorgegebenen Anzahl an Inhalten ist die Luft sehr schnell raus. Auch schade finde ich, dass man weder Spiele noch Bretter freischalten muss. Dadurch geht der Wiederspielwert schnell verloren, besonders wenn man alle fünf Spielbretter durchgespielt hat.
Mit den gewonnenen Münzen kann man zwar im Toad-Shop einkaufen gehen, doch haben diese Sammelobjekte im Endeffekt keine Relevanz. Frühere Teile boten hier deutlich mehr Belohnungen und Freischaltbares.
Alles in allem ist Mario Party Superstars ein gutes Spiel, wenn man in schöne nostalgische Erinnerungen schwelgen möchte. Solange man sich dieser Tatsache bewusst ist und keine revolutionären Neuerungen erwartet, wird man seine Freude mit dem Titel haben – besonders im lokalen Multiplayer mit Freunden.
Für Solo-Spieler oder Leute, die umfangreichen Content erwarten, gibt es bessere Alternativen. Für Party-Abende mit Freunden erfüllt es aber definitiv seinen Zweck.
Wertung: 7,0/10 – Gut
Eine gelungene Best-of-Sammlung mit fantastischen Minispielen und funktionierendem Online-Modus, die aber unter fehlendem Freischalt-Content und zu wenigen Spielbrettern leidet.
Pro und Contra
Pro:
- Fantastische Auswahl der besten 100 Minispiele aus drei Dekaden
- Alle fünf N64-Spielbretter liebevoll modernisiert
- Vollwertiger Online-Modus endlich implementiert
- Keine Bewegungssteuerung nötig (Switch Lite kompatibel)
- Minispieleberg mit diversen Modi und Challenges
- Flüssige Performance (60fps in Minispielen)
- Lokaler Koop für bis zu vier Spieler funktioniert perfekt
- Faire Spielmechanik ohne Pay-to-Win-Elemente
- Nostalgischer Soundtrack neu arrangiert
- Einsteigerfreundlich für Familien und Kinder
Contra:
- Nur fünf Spielbretter viel zu wenig für Vollpreis
- Alle Inhalte von Anfang an freigeschaltet (keine Progression)
- Toad-Shop bietet nur irrelevante Sammlerobjekte
- Zu viele Glücksfelder verringern strategische Tiefe
- Keine DLC-Ankündigung für zusätzlichen Content
- Langzeitmotivation fehlt nach 10-15 Stunden komplett
- Gegen KI wird schnell langweilig
- Grafisch solide aber nicht beeindruckend
- Manche Spieler-Animationen wirken steif
- Kein Crossplay zwischen verschiedenen Plattformen
Häufige Fragen zu Mario Party Superstars
Kann man alle Minispiele ohne Bewegungssteuerung spielen?
Ja! Das ist eine der größten Verbesserungen. Alle 100 Minispiele lassen sich komplett per Knopfsteuerung spielen. Switch Lite ist voll unterstützt.
Gibt es einen vollwertigen Online-Modus?
Ja. Man kann sowohl komplette Brettspiel-Partien als auch einzelne Minispiele online spielen. Das ist massive Verbesserung gegenüber Super Mario Party.
Wie viele Spielbretter gibt es?
Nur fünf – alle aus der N64-Ära (Yoshis Tropeninsel, Space Land, Peachs Geburtstagstorte, Woodys Wald, Horror Land). Das ist zu wenig.
Kann man neue Inhalte freischalten?
Nein. Alle 100 Minispiele und fünf Bretter sind von Anfang an verfügbar. Man kann nur irrelevante Sammelobjekte im Toad-Shop kaufen.
Lohnt es sich für Solo-Spieler?
Eher nicht. Gegen KI wird es schnell langweilig. Das Spiel lebt vom Multiplayer – lokal oder online.
Sind DLCs geplant?
Zum Test-Zeitpunkt gab es keine offizielle Ankündigung. Man kann nur hoffen, dass Nintendo zusätzliche Bretter nachliefert.
Wie lange hält die Motivation?
10-15 Stunden bis man alles gesehen hat. Danach fehlt Freischalt-Content. Nur für regelmäßige Party-Abende mit wechselnden Freunden länger motivierend.
Ist es besser als Super Mario Party?
In mancher Hinsicht ja (Online-Modus, Minispiel-Auswahl), in anderer nein (weniger Bretter, kein Freischalt-Content). Geschmackssache.
Technische Daten
Entwickler: NDcube
Publisher: Nintendo
Plattform: Nintendo Switch
Release: 29. Oktober 2021
Genre: Party-Spiel
Spieleranzahl: 1-4 (lokal), 1-4 (online)
Spielzeit: 10-15 Stunden (bis alles gesehen)
Sprachen: Deutsch, Englisch (Text + Menü)
Altersfreigabe: USK 0 / PEGI 3
Technische Specs:
- Auflösung: 1080p (TV), 720p (Handheld)
- Framerate: 60fps (Minispiele), 30fps (Spielbretter)
- Speicherplatz: 4,9 GB
- Online-Modus: Nintendo Switch Online erforderlich

