Mit Metal Gear Survive liefert Konami den ersten Ableger der legendären Reihe ohne Hideo Kojima. Die Trennung zwischen dem Kult-Entwickler und seinem langjährigen Publisher war turbulent, die Nachwirkungen sind bis heute spürbar – nicht zuletzt in den Köpfen der Fans.
Wenn man dann noch die Zauberworte „Mikrotransaktionen“ und „Onlinezwang“ in die Waagschale wirft, ist ein holpriger Start quasi vorprogrammiert. Das letzte bisschen Resthoffnung wurde von der Meldung torpediert, dass zusätzliche Speicherplätze mit Echtgeld erkauft werden müssen.
Als neugieriger – manche würden sagen schmerzfreier – Redakteur stürzt man sich natürlich trotzdem ins Abenteuer. Was steckt wirklich drin in Metal Gear Survive?

Story: Wurmloch statt Weltpolitik
Auch wenn es sich um einen waschechten Survival-Titel handelt – ein Genre, bei dem die Story oft auf einen halben Bierdeckel passt – ist man gespannt, was sich die Entwickler ausgedacht haben.
Abschied vom Metal Gear-Kanon
Vorab kann man festhalten: Von typischen Szenarien wie Kalter Krieg, Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und Spionage bleibt nicht viel übrig. Um das namensgebende Survival-Szenario zu liefern, öffnet sich wortwörtlich ein Wurmloch und wirft uns in den Überlebenskampf.
Kein Scherz.
Die Handlung
Metal Gear Survive spielt zwischen den Ereignissen von Metal Gear Solid V: Ground Zeroes und Metal Gear Solid V: The Phantom Pain.
Als Spieler schlüpft man in die Rolle eines namenlosen Söldners, den man per Editor selbst erstellen darf:
- Die Mother Base brennt und stürzt ins Meer
- Wir kämpfen uns durch anstürmende Gegner – und sterben
- Ein mysteriöser Mitarbeiter der geheimen Wardenclyffe-Sektion belebt uns wieder
- Durch ein Wurmloch landen wir auf der Parallelwelt Dite
- Dort bevölkern zombieartige Wesen namens „die Wandelnden“ die karge Landschaft
- Big Boss beauftragt uns: Informationen sammeln, Überlebende retten, Heimweg finden
Die minutenlange Einleitungssequenz ist kurzweilig inszeniert, aber wirklich verstehen, was dort vor sich geht, tut man nicht. Und ist man durch das Wurmloch durch, nimmt das Tutorial einen zwar an die Hand – richtig ins Spiel findet man aber erst später.
Gameplay: Survival pur
Die Grundlagen
Das Überleben ist alles andere als einfach – genau so erwartet man es von einem Survival-Spiel:
| Aspekt | Herausforderung |
|---|---|
| Ressourcen | Rar und kostbar, gut haushalten |
| Reichweite | Anfangs nicht zu weit von der Basis entfernen |
| Wasser | Ständig sauberes Wasser suchen |
| Nahrung | Tiere jagen und Vorräte anlegen |
| Datenfragmente | Aus verstreuten Servern sammeln |
| Waffen | Basteln und Munition sparen |
Die Wandelnden
In der Nähe der Server treiben sich die zombieartigen Gegner herum. Sie müssen bekämpft oder umgangen werden – Ersteres wird wohl häufiger zutreffen.
Die KI der Gegner ist allerdings reichlich simpel. Sie agieren ziemlich hirnlos, was die Kämpfe zwar einfacher, aber auch weniger spannend macht.
Basisverteidigung
Gelegentlich gilt es, sich gegen Horden von Gegnern zu verteidigen. Das kennt man aus diversen anderen Tower-Defense-ähnlichen Games. Von der schwachen KI mal abgesehen macht es aber durchaus Spaß:
- Terrain befestigen
- Fallen aufstellen
- Gegner am Eindringen hindern
- Ressourcen schützen
Hat man sich zurechtgefunden und gut gerüstet, steht auch noch der Basis-Ausbau auf der Aufgabenliste.
Multiplayer
Im Multiplayer-Modus bleibt das Spielkonzept gleich, allerdings macht es mit menschlichen Mitspielern – gerade bei der Verteidigung – deutlich mehr Spaß. Die Kooperation funktioniert gut und bringt Leben in die einsame Welt.

Atmosphäre: Endzeitstimmung gelungen
Was definitiv überzeugend gelungen ist: die endzeitliche Grundstimmung.
Der Dust
Besonders intensiv wird es, wenn man den Dust betritt:
- Die Luft zum Atmen wird knapp
- Die Sichtweite geht gegen null
- Die Orientierung fällt extrem schwer
- Man fühlt sich verloren und isoliert
- Hunger und Durst sind allgegenwärtig
Diese extreme Limitierung erzeugt echte Spannung – kann aber genauso gut nerven. Es ist ein schmaler Grat zwischen atmosphärischer Dichte und frustrierender Einschränkung.
Probleme und Kritik
Klingt vom Grundrezept her alles recht typisch und keinesfalls schlecht. Doch die Probleme liegen im Detail.
Unpassende Story
Für ein Metal Gear-Spiel wirkt die Geschichte fehl am Platz. Wurmlöcher, Parallelwelten, Zombies – das passt nicht zu dem, was Fans von der Reihe erwarten. Die immer wiederkehrenden, gleichartigen Missionen motivieren kaum.
Mikrotransaktionen
Hier wird es richtig ärgerlich:
Zusätzliche Speicherslots kosten extra:
- 10 Euro für einen zusätzlichen Speicherplatz
- Oder 1.000 SV-Coins (Ingame-Währung)
SV-Coins bekommt man zwar als Belohnung für regelmäßiges Einloggen – aber man muss einen ganzen Monat täglich erscheinen. Das kennt man sonst nur von Mobile-Games und werbefinanzierten Free-to-Play-Titeln.
Klar, Metal Gear Survive ist kein Vollpreis-Titel. Aber das Konzept bleibt trotzdem seltsam.
Always-Online
Der Onlinezwang ist in Zeiten von Singleplayer-Survival-Games fragwürdig. Ohne Internetverbindung läuft nichts – selbst wenn man alleine spielen möchte.

Grafik: Licht und Schatten
Die Grafik ist wechselhaft.
Positiv
- Überzeugende Lichteffekte
- Ordentliche Animationen
- Passende Endzeitatmosphäre
Negativ
- Karge, lieblos gestaltete Umgebungen
- Wenig Abwechslung in den Landschaften
- Die Fox Engine wird nicht ausgereizt
Sound: Zweischneidig
Die Soundkulisse ist gemischt.
Musik
Die überzeugende und passende Musik wird gekonnt eingesetzt. Sie könnte das Zünglein an der Waage sein – wenn nicht die nervigen KI-Ansagen das Ganze zunichtemachen würden.
Synchronisation
Die Geschichte wird überwiegend in Textfenstern mit gesprochenen Dialogen vorgetragen. Die meisten Sprecher machen ihren Job ganz gut und tragen die Dialoge akzeptabel vor – ohne besondere Glanzleistungen abzuliefern.
Wichtige dramatische Momente werden in großformatigen Zwischensequenzen präsentiert.
Für wen ist Metal Gear Survive?
Survival-Fans
Wer richtig Bock auf ein packendes Survival-Abenteuer hat und sich durch die ersten paar Stunden beißt – also durch die komplette Einführung und das Tutorial – kann durchaus Spaß haben.
Metal Gear-Fans
Wer mit besonderen Erwartungen und der Hoffnung auf ein typisches Metal Gear-Spiel herangeht, wird bitter enttäuscht. Stealth, Spionage, politische Intrigen? Fehlanzeige.
Koop-Spieler
Im Multiplayer macht das Spiel deutlich mehr Spaß. Wer Freunde hat, die mitmachen, bekommt mehr aus Metal Gear Survive heraus.
Das Kojima-Problem
Man kommt nicht umhin, den Elefanten im Raum anzusprechen: Metal Gear ohne Kojima fühlt sich falsch an.
Die Trennung von Konami war öffentlich und unschön. Die Fans haben Partei ergriffen – meist für Kojima. Metal Gear Survive hatte von Anfang an einen schweren Stand, und das Spiel selbst tut wenig, um die Skeptiker zu überzeugen.
Was Kojima nach seinem Abgang geschaffen hat, zeigt Death Stranding eindrucksvoll. Metal Gear Survive hingegen wirkt wie ein Versuch, aus dem bekannten Namen Kapital zu schlagen, ohne das Wesen der Reihe zu verstehen.
Fazit
Metal Gear Survive ist im wahrsten Sinne des Wortes ein zweischneidiges Schwert.
Was funktioniert
- Die Endzeitatmosphäre ist überzeugend
- Das Survival-Gameplay ist solide
- Die Basisverteidigung macht Spaß
- Der Multiplayer bringt Leben rein
- Der Dust erzeugt echte Spannung
Was nicht funktioniert
- Die Story passt nicht zu Metal Gear
- Mikrotransaktionen sind frech
- Zusätzliche Speicherslots kosten extra
- Der Onlinezwang nervt
- Die Missionen werden schnell repetitiv
- Die KI ist zu simpel
Das Urteil
Unterm Strich ist Metal Gear Survive ein solider Survival-Titel, der unter dem großen Namen und einigen fragwürdigen Designentscheidungen leidet.
Fans des Survival-Genres werden mehr Spaß haben als reine Fans des Franchise. Wer sich durch die ersten Stunden beißt und die Metal Gear-Erwartungen ablegt, kann Unterhaltung finden. Aber ob das ausreicht, um die Langzeitmotivation aufrechtzuerhalten, ist fraglich.
Metal Gear Survive ist nicht das schlechteste Spiel der Welt. Es ist nur das falsche Spiel unter dem falschen Namen zur falschen Zeit.
Bewertung: 5.5/10
Stärken:
- Überzeugende Endzeitatmosphäre
- Solides Survival-Gameplay
- Basisverteidigung macht Spaß
- Multiplayer-Koop funktioniert
- Der Dust erzeugt Spannung
- Gute Lichteffekte
- Passende Musik
- Charaktereditor vorhanden
- Fox Engine als Basis
Schwächen:
- Story passt nicht zu Metal Gear
- Wurmloch-Plot absurd
- Mikrotransaktionen fragwürdig
- Zusätzliche Speicherslots kosten Geld
- Onlinezwang auch im Singleplayer
- Repetitive Missionen
- Schwache Gegner-KI
- Karge Umgebungen
- Langes Tutorial
- Ohne Kojima fehlt die Seele
- Langzeitmotivation fraglich
Technische Daten:
- Entwickler: Konami Digital Entertainment
- Publisher: Konami
- Genre: Survival / Action
- Plattformen: PlayStation 4, Xbox One, PC
- Release: 22. Februar 2018
- Setting: Parallelwelt Dite (zwischen Ground Zeroes und Phantom Pain)
- Engine: Fox Engine
- Spielmodus: Singleplayer, Koop-Multiplayer
- Altersfreigabe: USK 18
