Kabellose Headsets für die Xbox One waren bisher eine Problemzone. Während PlayStation-Spieler seit Jahren einfach einen USB-Dongle einstecken und losspielen, mussten Xbox-Besitzer zu teuren Lösungen mit Basisstationen greifen oder sich mit Kabelsalat am Controller abfinden. SteelSeries will das mit dem Arctis 9X ändern: Ein Headset, das sich wie ein Controller direkt mit der Konsole verbindet. Klingt verlockend, kostet aber auch 199,99 Euro. Ob das neue Flaggschiff seinen Preis wert ist, klärt unser ausführlicher Test.
Unser Test-Video zum SteelSeries Arctis 9X:

Features:
- Integrierte Xbox Wireless-Konnektivität – Sie verbinden das Headset genau wie einen kabellosen Controller mit der Xbox und können in Sekundenschnelle loslegen – kein Kabel oder Dongle nötig. Volle Funktionalität mit Xbox Series X|S
- Simultanes Bluetooth-Audio – Verbinden Sie simultan per Bluetooth und mit der Xbox, um beim Spielen Musik zu hören oder zu telefonieren. Sie können das Headset auch kabellos mit Ihrem Handy nutzen
- Geräuschunterdrückendes ClearCast-Mikro – Das Arctis ClearCast-Mikrofon verwendet ein zweifachgerichtetes Design mit überragender Geräuschunterdrückung, damit Ihre Stimme klar und natürlich klingt. Kopfhörer-Frequenzgang: 20 – 22000 Hz
- Der typische Arctis-Sound – Die preisgekrönte, typische Klanglandschaft von Arctis mit ihrem Fokus auf subtilen, aber dennoch entscheidenden Klängen verschafft Ihnen den Sound-Vorteil
- Uber 20 Stunden Akkulaufzeit – Ein brandneues, speziell für die Xbox entwickeltes Chipset mit überragender Audioqualität und Dual-Wireless-Unterstützung, optimiert für extrem geringen Stromverbrauch
Xbox Wireless: So einfach wie ein Controller
Das Arctis 9X ist das erste Headset überhaupt, das Microsofts Xbox Wireless Technologie nutzt. Dieselbe Funktechnik, die auch Xbox-Controller verwenden, steckt hier in den Ohrmuscheln. Das Ergebnis ist beeindruckend simpel: Man drückt den Pairing-Knopf an der Konsole, hält die Einschalttaste am Headset gedrückt, und nach wenigen Sekunden ist die Verbindung hergestellt. Kein Dongle, kein USB-Stick, keine Basisstation. Das Headset taucht im Zubehör-Menü der Xbox auf wie ein ganz normaler Controller.
SteelSeries hat das Arctis 9X in Zusammenarbeit mit Microsoft entwickelt, und das merkt man. Die Verbindung ist stabil, die Latenz unmerklich, und das Headset schaltet sich automatisch ein, wenn die Xbox hochfährt. Nach Jahren mit Kabeln am Controller oder klobigen Transmittern fühlt sich das wie eine kleine Revolution an. Einmal eingerichtet, denkt man nicht mehr darüber nach. Es funktioniert einfach.
Bluetooth als Bonus
Neben dem Xbox Wireless verfügt das Arctis 9X über Bluetooth 4.1. Das erlaubt nicht nur die Nutzung am Smartphone oder Tablet, sondern ermöglicht auch einen cleveren Trick: Beide Verbindungen können gleichzeitig aktiv sein. Man spielt also an der Xbox und nimmt nebenbei einen Anruf entgegen, ohne das Headset abzunehmen oder die Verbindung zu wechseln. Auch Musik vom Handy lässt sich parallel zum Spielsound einblenden.
In der Praxis funktioniert das erstaunlich gut. Die Chat-Mix-Wippe an der linken Ohrmuschel regelt das Verhältnis zwischen Game-Audio und Chat beziehungsweise Bluetooth-Quelle. So kann man während einer Multiplayer-Runde in Forza Horizon 4 den eigenen Podcast weiterlaufen lassen oder bei einem Singleplayer-Titel wie Sekiro Musik hören, ohne den Spielsound komplett zu übertönen. Ob man das braucht, ist eine andere Frage, aber als Option ist es willkommen.
Der typische Arctis-Tragekomfort
SteelSeries hat das bewährte Design der Arctis-Reihe beibehalten. Der Kopfbügel besteht aus einem Stahlband, das von einem elastischen Stoffband im Skibrillenstil umspannt wird. Dieses Konzept verteilt das Gewicht gleichmäßig über den Kopf und eliminiert die Druckpunkte, die bei klassischen Polsterkopfbügeln auftreten können. Das Stoffband ist in der Länge verstellbar und passt sich verschiedenen Kopfgrößen an.
Die AirWeave-Ohrpolster bestehen aus einem atmungsaktiven Gewebe, das SteelSeries aus dem Sportbekleidungsbereich übernommen hat. Sie liegen angenehm auf den Ohren und bleiben auch bei längeren Sessions relativ kühl. Allerdings sind die Ohrmuscheln etwas flach geraten. Spieler mit größeren Ohren werden feststellen, dass die Ohren nach einigen Stunden an den Treibern im Inneren anliegen. Das wird auf Dauer unangenehm. Tiefere Ohrmuscheln hätten dem Arctis 9X gutgetan.
Mit 375 Gramm gehört das Headset nicht zu den leichtesten Vertretern seiner Zunft. Zum Vergleich: Das kabelgebundene Arctis 3 wiegt nur 294 Gramm. Die zusätzliche Technik für Xbox Wireless und Bluetooth fordert ihren Tribut. Im Alltag fällt das Gewicht dennoch nicht negativ auf, solange das Kopfband richtig eingestellt ist. Das Design mit den grünen Xbox-Akzenten an den Nähten ist dezent genug, um auch außerhalb des Wohnzimmers nicht albern auszusehen.
Klangqualität: Ausgewogen mit Luft nach oben
Im Arctis 9X arbeiten 40-Millimeter-Neodym-Treiber mit einem Frequenzgang von 20 bis 22.000 Hertz. Die Abstimmung entspricht dem typischen Arctis-Sound: klar, ausgewogen, mit Betonung auf Mitten und Höhen. Feine Details wie Schritte, Nachladen oder Umgebungsgeräusche sind gut herauszuhören. Das ist vor allem in kompetitiven Spielen ein Vorteil, wo solche akustischen Hinweise über Sieg oder Niederlage entscheiden können.
Im Test mit Gears of War 4 und Apex Legends war die räumliche Ortung von Gegnern präzise. Schüsse von links, Schritte von hinten, das Surren einer Drohne über dem Kopf: Das Arctis 9X stellt diese Informationen zuverlässig dar. Die Unterstützung für Windows Sonic auf der Xbox sorgt für einen virtuellen Surround-Effekt, der gut funktioniert, auch wenn er echten Raumklang nicht ersetzen kann.
Weniger überzeugend fällt der Bass aus. Explosionen und tiefe Frequenzen kommen zwar durch, aber mit weniger Wucht, als man es bei einem 200-Euro-Headset erwarten würde. Wer auf druckvolle Bässe steht, wird hier nicht vollständig glücklich. Für actionreiche Titel wie Devil May Cry 5 hätte mehr Tiefgang gutgetan. Auch bei Musik macht sich die zurückhaltende Bassabstimmung bemerkbar. Das Arctis 9X ist kein Kopfhörer für Bassheads, sondern für Spieler, die Klarheit und Ortung priorisieren.
ClearCast-Mikrofon: Bewährt und verbessert
Das ausziehbare ClearCast-Mikrofon gehört zu den Stärken der Arctis-Reihe, und das gilt auch für das 9X. Es verwendet ein bidirektionales Design, das Umgebungsgeräusche effektiv ausblendet. Im Test kam die Stimme klar und natürlich bei den Mitspielern an, selbst wenn im Hintergrund ein Ventilator lief oder jemand anderes im Raum sprach.
Die Mikrofonqualität liegt über dem, was die meisten Gaming-Headsets bieten. SteelSeries gibt eine Empfindlichkeit von -38 dBV/Pa an, was eine Verbesserung gegenüber früheren Modellen darstellt. Das Mikrofon ist Discord-zertifiziert und funktioniert tadellos mit dem Xbox-Party-Chat. Wer das Mikrofon nicht braucht, kann es komplett in die linke Ohrmuschel versenken, wo es nicht stört.
Akkulaufzeit: 20 Stunden und mehr
SteelSeries verspricht über 20 Stunden Akkulaufzeit, und im Test wurde dieses Versprechen gehalten. Bei moderater Lautstärke und gelegentlicher Bluetooth-Nutzung kam das Headset auf etwa 22 Stunden, bevor es an die Steckdose musste. Das ist deutlich mehr als bei vielen Konkurrenten und reicht für mehrere ausgedehnte Spielwochenenden.
Geladen wird über Micro-USB. In einer Zeit, in der USB-C sich als Standard durchsetzt, wirkt das etwas veraltet. Immerhin kann das Headset während des Ladens weiter genutzt werden, sodass man nicht auf die nächste Session warten muss. Eine vollständige Ladung dauert etwa zwei Stunden.
Bedienung und Einstellungen
Die Bedienelemente befinden sich an den Ohrmuscheln und sind nach kurzer Eingewöhnung blind zu bedienen. Links sitzen die Chat-Mix-Wippe und das Mikrofon, rechts die Lautstärkewippe, die Stummschalttaste, der Bluetooth-Knopf und der Ein-Aus-Schalter. Das ist viel für zwei Ohrmuscheln, aber das Layout ist durchdacht. Die Lautstärkeregelung ist getrennt von Chat-Mix, sodass keine Verwechslungen passieren.
Über die SteelSeries Engine Software lassen sich Equalizer-Einstellungen anpassen, allerdings nur am PC. Die Xbox selbst bietet keine Möglichkeit, den Klang zu konfigurieren. Wer einen Gaming-PC mit Xbox-Wireless-Adapter besitzt, kann das Headset auch dort nutzen und Einstellungen vornehmen. Diese werden dann im Headset gespeichert und gelten auch an der Konsole.
Kompatibilität und Einschränkungen
Das Arctis 9X ist primär für die Xbox One konzipiert. Es funktioniert an allen Modellen der Konsolenfamilie: Xbox One, Xbox One S und Xbox One X. Am PC ist die Nutzung mit dem separat erhältlichen Xbox Wireless Adapter möglich, der mit etwa 25 Euro zu Buche schlägt. Einige neuere Mainboards und Laptops haben Xbox Wireless bereits integriert.
An der PlayStation 4 funktioniert das Headset nicht. Das Xbox Wireless Protokoll ist proprietär und nicht kompatibel. Bluetooth allein reicht für Gaming nicht aus, da die Konsole Audio nicht über Bluetooth ausgibt. Wer ein plattformübergreifendes Headset sucht, muss zu anderen Modellen der Arctis-Reihe greifen, etwa dem Arctis 7, das einen USB-Dongle für PS4 und PC mitbringt.
Technische Daten
Die Treiber messen 40 Millimeter und nutzen Neodym-Magnete. Der Frequenzgang erstreckt sich von 20 bis 22.000 Hertz, die Empfindlichkeit liegt bei 98 dB SPL, die Impedanz bei 32 Ohm. Das Mikrofon deckt einen Frequenzbereich von 100 bis 6.500 Hertz ab und arbeitet mit einer Empfindlichkeit von -38 dBV/Pa bei einer Impedanz von 2.200 Ohm. Die Funkverbindung nutzt Xbox Wireless für die Konsole und Bluetooth 4.1 für mobile Geräte. Die Reichweite beträgt bis zu 12 Meter. Im Lieferumfang befinden sich das Headset und ein USB-Ladekabel. Ein Klinkenkabel für kabelgebundene Nutzung liegt nicht bei.
Fazit
Das SteelSeries Arctis 9X ist das Headset, auf das Xbox-Spieler gewartet haben. Die Integration von Xbox Wireless macht Schluss mit Kabeln und Dongles. Das Pairing ist so einfach wie bei einem Controller, die Verbindung stabil, die Latenz nicht wahrnehmbar. Die simultane Bluetooth-Funktion ist ein nettes Extra, das Mikrofon gehört zu den besten im Gaming-Bereich, und die Akkulaufzeit von über 20 Stunden ist hervorragend.
Nicht alles ist perfekt. Der Bass könnte kräftiger sein, die Ohrmuscheln tiefer, und Micro-USB wirkt im Jahr 2019 nicht mehr zeitgemäß. Auch der Preis von 199,99 Euro ist eine Ansage. Doch für Xbox-Spieler, die ein kompromissloses kabelloses Erlebnis wollen, gibt es derzeit keine bessere Wahl. Das Arctis 9X setzt einen neuen Standard für Xbox-Headsets.
Wertung
8/10
Pro und Contra
Pro:
- Nahtlose Xbox Wireless Integration ohne Dongle
- Simultane Bluetooth-Verbindung für Telefonate und Musik
- Ausgezeichnetes ClearCast-Mikrofon mit effektiver Geräuschunterdrückung
- Über 20 Stunden Akkulaufzeit
- Bewährter Arctis-Tragekomfort mit AirWeave-Polstern
- Klarer, detailreicher Klang mit guter räumlicher Ortung
Contra:
- Bass für ein 200-Euro-Headset etwas zurückhaltend
- Ohrmuscheln könnten tiefer sein
- Micro-USB statt USB-C zum Laden
- Kein Klinkenkabel im Lieferumfang
- Nur an Xbox und PC mit Wireless-Adapter nutzbar
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich einen Adapter für das Arctis 9X an der Xbox One?
Nein. Das Arctis 9X nutzt die integrierte Xbox Wireless Technologie und verbindet sich direkt mit der Konsole, genau wie ein kabelloser Controller.
Funktioniert das Arctis 9X an der PlayStation 4?
Nein. Das Xbox Wireless Protokoll ist nicht mit der PS4 kompatibel, und Bluetooth-Audio wird von der PlayStation nicht unterstützt.
Kann ich das Arctis 9X am PC nutzen?
Ja, mit dem separat erhältlichen Xbox Wireless Adapter. Einige neuere PCs haben Xbox Wireless bereits integriert.
Wie lange hält der Akku des Arctis 9X?
SteelSeries gibt über 20 Stunden an. Im Test erreichte das Headset bei moderater Nutzung etwa 22 Stunden.
Unterstützt das Arctis 9X Surround Sound?
Das Headset unterstützt Windows Sonic, den virtuellen Surround-Sound der Xbox One. Dolby Atmos kann optional erworben und aktiviert werden.



