Stellar Blade

Stellar Blade im Test – Stilvolle Action aus Südkorea

Mit Stellar Blade präsentiert sich ein exklusiver PlayStation-Titel vom eher unbekannten Entwicklerstudio SHIFT UP. Für die bisherigen Titel des Studios muss man wohl – völlig wertfrei! – einen recht speziellen Geschmack haben. Folglich gehe ich einfach davon aus, dass man von diesem Entwickler bisher noch nichts gehört hat.

Aber – ein ganz großes! – das ist überhaupt nicht schlimm, denn frischer Wind ist immer gut und macht die Sache spannender. Es ist das erste Konsolenspiel des südkoreanischen Studios.

Auch eine Demo stand kurz vor dem Release zur Verfügung, sodass man den Anfangspart bereits erleben konnte. Trotzdem bin ich mir sicher, dass für viele das finale Spiel eine ziemliche Überraschung war – zumindest ging es mir so.

Story: Postapokalyptische Erde

Die Geschichte beginnt recht rasant und zu Beginn waren mir ein paar Dinge erstmal gar nicht so klar. Das ist gar nicht so tragisch, denn im Laufe des Spiels baut sich durch Dialoge, Missionen und zahlreiche Sammelobjekte das Gesamtbild nach und nach auf.

Die Erde ist eine postapokalyptische Einöde, die Menschen sind in eine Kolonie im Weltraum geflüchtet.

EVE und die Naytiba

Wir spielen als EVE – ein Mitglied des 7. Luftlandegeschwaders. Sie wird auf die Erdoberfläche geschickt, um die Naytiba zu bekämpfen, schreckliche Monster, die die Erde nach der Flucht der Menschen erobert haben.

Vier Hyperkerne

Es folgt eine relativ vorhersehbare Geschichte, in der EVE sich mit den letzten Kolonien verbündet und vier Hyperkerne sammeln muss, die von vier großen Bossen bewacht werden. Jede Begegnung enthüllt neue Details darüber, was der Erde passiert ist.

Keine der Enthüllungen war besonders überraschend, allerdings wurde die zweite Hälfte interessanter, sobald einige Fakten zum Vorschein kamen. Wirklich emotionale Momente gibt es jedoch kaum, weil in der ersten Hälfte fast keine Charakterentwicklung stattfand und einfach ein bisschen der „epische Touch“ fehlt.

Stellar Blade Test
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Der Visualist

In einem Interview hat Director Hyung-Tae Kim verlauten lassen, dass er sich selbst eher als Visualist und weniger als Geschichtenerzähler sieht. Er versucht, das, was Stellar Blade an Story fehlt, durch Gameplay und Optik auszugleichen.

Dies ist eine erfrischend ehrliche Aussage – und wenn man Stellar Blade länger gespielt hat, kann man sie auch größtenteils als zutreffend bezeichnen.

Das ist nicht per se schlecht, man muss es nur entsprechend objektiv und differenziert betrachten. Stellar Blade ist ein wirklich wunderschönes Actionspiel mit exzellentem Charakter- und Monsterdesign sowie aufregenden Kämpfen, die sich im Verlauf des rund 30-stündigen Abenteuers auf unterhaltsame Weise weiterentwickeln.

Das Problem: Blasse Charaktere

Dies ist das größte Problem mit der Story: Die Charaktere haben keinerlei Persönlichkeit, Charme, Charisma oder etwas, das sie auf irgendeine Weise sympathisch macht.

Nach 30 Stunden ist selbst EVE als Hauptfigur total blass. Es gibt kaum etwas über sie zu erzählen, außer dass sie ihrer Mission leidenschaftlich verpflichtet ist und eine enge Beziehung zu ihrer Kameradin Tachy hat. Ach ja, nass wird sie scheinbar auch ungern, wie man im Spielverlauf vernehmen kann.

Wir bekommen nie irgendeinen Einblick, wer sie wirklich als Charakter ist. Sie hat keinen Sinn für Humor, und ihre Interaktionen mit Adam und Lily sind unglaublich oberflächlich. Auch diese beiden sind nicht besser dran – obwohl sie so tun, als hätten sie eine starke Bindung, fühlt sich das nie glaubwürdig an.

Ohne all dies war es schwer, sich für EVE, ihre Mission oder die Welt von Stellar Blade konkret zu interessieren.

Stellar Blade
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Gameplay: Exzellente Action

Den wichtigsten Aspekt eines Actionspiels – die Action selbst – erfüllt Stellar Blade jedoch sehr gut. Die Kämpfe sind flüssig animiert, herausfordernd, befriedigend, bieten eine gesunde Vielfalt an Gegnern und, obwohl es eine gewisse Tiefe beim Kampfsystem gibt, ist es nach kurzer Eingewöhnung gut zu handhaben.

Defensiver Start

Doch das actionlastige Gameplay verlangt auch einiges an Taktik – in der Eröffnung ist es recht defensiv ausgelegt. Das ist auch ratsam, denn es empfiehlt sich besonders bei neuen Gegnern, erstmal zu beobachten, wie sie agieren und welche Attacken sie beherrschen.

Viele Gegner neigen dazu, lange, ununterbrechbare Kombos zu starten. Die einzige Möglichkeit, richtig mit ihnen umzugehen, besteht darin, die Blocktaste im richtigen Moment zu drücken.

Parieren ist King

Jeder Parierangriff nimmt dem Gegner einen Punkt von seinem Gleichgewicht. Sobald das Gleichgewicht gebrochen ist, kann man einen enorm schädigenden Schlag landen, der die meisten Standardgegner sofort tötet und Bossen massiven Schaden zufügen kann.

Farbcodierte Angriffe

Unparierbare Angriffe werden deutlich durch farbige Effekte angekündigt:

Farbe Bedeutung Reaktion
Gelb Direkt unparierbar Ausweichen
Blau Umgehbar Vorwärts + Ausweichen auf die Rückseite des Gegners
Violett Abwehrbar Zurückhalten + Ausweichen = Parieren und Schwachstelle entblößen

Je nach Schwierigkeitsgrad ist das sichere Anwenden wichtig bis unabdingbar.

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Beta-Fähigkeiten

Entwickler SHIFT UP hat sich dazu Spezialattacken überlegt. Diese sind eine Reihe von vier Spezialangriffen, die EVE für bestimmte Zwecke einsetzen kann:

  • Weitreichender Angriff, der mehrere Gegner trifft
  • Dreifacher Stichangriff mit massivem Einzelschaden
  • Schockwellenbewegung für Fernkampf
  • Schildbrecher mit zusätzlichem Rüstungsschaden

Diese Angriffe verbrauchen Beta-Energie, die durch Landen von Treffern und Parieren gewonnen wird. Daher lohnt es sich, sich auf das Kampfsystem einzulassen und es effektiv zu nutzen.

Gegnervielfalt

Was diese Gegner betrifft, so kann Stellar Blade besonders in der Vielfalt und dem Design glänzen. Es gibt mehr als 48 verschiedene Typen von Naytiba! Obwohl einige nur leichte Variationen sind, haben diese ihre eigenen Kombos und Techniken, mit denen man umgehen können sollte.

Die Bosskämpfe sind auch großartig – intensive Kämpfe gegen große und aggressive Monster, die einen wirklich fordern.

Nie langweilig

Die Kämpfe wurden während des gesamten Spieldurchlaufs eigentlich nie langweilig. Dies lag teilweise an der Vielfalt der Gegner, aber auch daran, dass man bei fast jedem größeren Kapitel neue Ausrüstung bekam oder eine neue Technik erlernte, die neue Möglichkeiten und erweiterte Taktiken erlaubte.

Beispielsweise eine am Handgelenk montierte Drohne, die als Schusswaffe eingesetzt werden kann und mit verschiedenen Munitionsarten bestückbar ist.

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RPG-Elemente und Erkundung

Wenn man nicht gerade gegen die schrecklich aussehenden Naytiba-Monstrositäten kämpft, führt man einige leichte RPG-Aktivitäten durch.

Xion – Letzte Bastion

In Xion, der letzten Bastion der menschlichen Zivilisation, kann man:

  • Vorräte in Geschäften auffüllen
  • Schnelle Aufträge von einer Anschlagtafel aufnehmen
  • Umfangreichere Nebenquests von NPCs annehmen

Nebenquests: Durchwachsen

Allerdings war der Großteil dieser Aufgaben nicht besonders interessant, zumindest aus erzählerischer Sicht. Man sieht immer wieder gute Ansätze aufblitzen, die dann aber nicht konsequent fortgeführt werden.

Was das Thema Nebenquests zusätzlich torpediert: Man bekommt selten das Gefühl, dass sich der Aufwand lohnte. Meistens sind die Belohnungen nur Gold und Erfahrungspunkte.

Viele Nebenquests führen dazu, dass man zu bereits erkundeten Locations zurückkehrt. Während dies in den offeneren Zonen mit Schnellreisepunkten okay ist, ist es in den linearen Levels absolut mühsam. Man verfolgt buchstäblich seine Schritte zurück, ohne Überraschungen, nur um einen einzelnen Gegenstand zu sammeln.

Erkundung macht Spaß

Das Erkunden hat tatsächlich, ohne viele Aufträge, Spaß gemacht. Die beiden offenen Zonen sind zwar nicht riesig, aber dicht gepackt mit versteckten Sammlerstücken und unterhaltsamen Feindbegegnungen:

  • Sammelbare Getränkedosen für Belohnungen
  • Kernteile, die Gesundheit und Energie erhöhen
  • Roboter-Loot-Piñatas (laufende Ballons, auf die man einkloppt, bis sie platzen)
  • Exoskelette, die EVEs Stats erheblich verändern
Stellar Balde Review
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Outfits und Kosmetik

Nicht verschweigen möchte ich die zahlreichen Outfits, mit denen man EVEs Erscheinungsbild ändern kann. Diese Kostüme bieten eine beeindruckende Vielfalt – für jedes knappe Badeoutfit oder Minirock gibt es auch ein elegantes Kleid oder ein stylisches Outfit.

Spielerisch macht es natürlich keinen Unterschied: Ihr könnt weder im Badeanzug schneller schwimmen, noch bekommt ihr im Minirock Rabatt bei den Händlern.

Dazu kann man in Xion zum Friseur gehen und EVE kann verschiedene Brillen finden – rein kosmetische Accessoires. All das unterstreicht, dass den Entwicklern „Optik“ sehr wichtig ist.

Gameplay-Variation

Ein weiterer positiver Aspekt: Stellar Blade variiert sein Gameplay ziemlich gut. Es geht nicht immer nur darum, sich durch Gegner zu schnetzeln.

Dunkle Bereiche

Gelegentlich muss man in unterirdische, unerkundete Bereiche vordringen, in denen Scanner und Schwert nicht funktionieren. Das erhöht die Spannung durchaus. Hier wäre zwar mit entsprechendem Sound und mehr Überraschungseffekten noch mehr herauszuholen gewesen, aber Spaß macht es.

Plattforming

Es gibt auch Passagen, in denen Klettern und Springen die entscheidenden Disziplinen sind. Nicht alle diese Pausen vom Kampfgeschehen sind komplett gelungen und die plattformlastigen Abschnitte sind meist besonders nervig – aber sie tragen dennoch dazu bei, die Monotonie zu durchbrechen, die entstehen würde, wenn man einfach nur von Kampf zu Kampf zieht.

Sound: Außergewöhnlich

Was bei Stellar Blade auch bemerkenswert ist, ist der außergewöhnliche Soundtrack, der alles von energiegeladenen Tracks während der Bosskämpfe bis hin zu wunderschönen, ohrenschmeichelnden Melodien beim Erkunden der trostlosen Welt bietet.

Ich hätte mir zwar bei einigen Erkundungspassagen etwas zurückhaltendere und vielleicht auch düsterere Klänge gewünscht, aber das akustische Gesamtbild (gilt das als Wortspiel?) ist absolut klasse.

Fazit

Nun, wahrlich haben wir es hier nicht mit einem „Meisterwerk“ zu tun. Mich persönlich stört das überhaupt nicht, aber gelegentlich bekommt man das Gefühl, das sei die grundsätzliche Erwartungshaltung bei „Exklusivtiteln“.

Stellar Blade hat mich, trotz der vorherigen Demo, total überrascht und mir phasenweise richtig Spaß gemacht. Es macht viel richtig und ein paar Sachen eben nicht.

Wenn ich EVE eine Brille aufsetze, könnte ich fast meinen, ich spiele Bayonetta. Laufe ich bei den seichten Songs mit den ruhigen Vocals durch die Wüste, bekomme ich Final Fantasy-Feelings. Und immer wieder entdecke ich Dinge, die mich an andere Spiele erinnern.

Stellar Blade mischt sehr viele Dinge, ohne wirklich was Neues oder Besonderes zu schaffen – macht das aber so gut, dass man zu keiner Zeit geneigt ist, dies negativ auszulegen.

Ich fühlte mich fast 11 Jahre in die Vergangenheit versetzt. Damals testete ich das Spiel „Remember Me“ (ihr erinnert euch?) eines gewissen Studios namens DONTNOD. Das hatte zwar mit seinem Kampfsystem schon eine gewisse Besonderheit und war das Erstlingswerk des Studios, aber ich fühlte mich irgendwie ähnlich.

Damals schrieb ich „DONTNOD – wir hören von euch!“ Heute schreibe ich: SHIFT UP – bis zum nächsten Mal!


Bewertung: 8/10

Stärken:

  • Exzellentes Kampfsystem
  • Flüssig animierte Kämpfe
  • Parieren befriedigend
  • Farbcodierte Angriffe gut lesbar
  • Beta-Fähigkeiten taktisch wertvoll
  • Über 48 Gegnertypen
  • Bosskämpfe großartig
  • Atemberaubende Optik
  • Exzellentes Charakter- und Monsterdesign
  • Außergewöhnlicher Soundtrack
  • Vielfältige Outfits
  • Dichte offene Zonen
  • Gameplay-Variation
  • Ca. 30 Stunden Spielzeit
  • Vielversprechendes Erstlingswerk

Schwächen:

  • Vorhersehbare Story
  • Blasse Charaktere
  • EVE ohne Persönlichkeit
  • Kaum emotionale Momente
  • Oberflächliche Interaktionen
  • Nebenquests langweilig
  • Belohnungen meist nur Gold/EXP
  • Backtracking in linearen Levels mühsam
  • Plattforming-Abschnitte nervig
  • Kein „epischer Touch“

Technische Daten:

  • Entwickler: SHIFT UP
  • Publisher: Sony Interactive Entertainment
  • Genre: Action-Adventure
  • Plattformen: PlayStation 5
  • Release: 26. April 2024
  • Protagonistin: EVE
  • Setting: Postapokalyptische Erde
  • Spielzeit: ca. 30 Stunden
  • Altersfreigabe: USK 16

 

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