Moderne Spiele fordern immer mehr Rechenleistung. 4K-Auflösung, Ray Tracing und hohe Bildraten gleichzeitig zu erreichen, überfordert selbst aktuelle High-End-Grafikkarten. Hier kommen Upscaling-Technologien ins Spiel: Sie berechnen Spiele in niedrigerer Auflösung und skalieren das Bild anschließend intelligent auf die Zielauflösung hoch. Das Ergebnis sind höhere Bildraten bei nahezu gleicher Bildqualität.
Dieser Artikel erklärt die vier wichtigsten Upscaling-Technologien: Nvidia DLSS, AMD FSR, Intel XeSS und Sony PSSR. Wir zeigen, wie sie funktionieren, welche Hardware sie benötigen und wo die Unterschiede liegen.
Was ist Upscaling?
Beim Upscaling wird ein Bild von einer niedrigeren Auflösung auf eine höhere Auflösung hochgerechnet. Ein einfaches Beispiel: Das Spiel rendert intern mit 1080p, das Bild wird aber auf einem 4K-Monitor angezeigt. Klassisches Upscaling streckt das Bild einfach, was zu Unschärfe führt.
Moderne Upscaling-Technologien arbeiten intelligenter. Sie nutzen temporale Daten (Informationen aus vorherigen Bildern), Bewegungsvektoren und teilweise maschinelles Lernen, um fehlende Details zu rekonstruieren. Das hochskalierte Bild sieht dadurch fast so scharf aus wie ein nativ gerendertes.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Weniger Pixel berechnen bedeutet weniger Arbeit für die Grafikkarte. Die gewonnene Leistung kann für höhere Bildraten, bessere Effekte oder energiesparenderen Betrieb genutzt werden.
Nvidia DLSS
Deep Learning Super Sampling (DLSS) ist Nvidias Upscaling-Technologie und gilt als Pionier auf diesem Gebiet. Die erste Version erschien 2018 mit den GeForce-RTX-2000-Karten. Seitdem hat Nvidia die Technologie kontinuierlich weiterentwickelt.
DLSS nutzt ein neuronales Netzwerk, das auf Nvidias Supercomputern trainiert wurde. Das Netzwerk lernt anhand von hochauflösenden Referenzbildern, wie ein scharfes Bild aussehen sollte. Die eigentliche Berechnung erfolgt auf den Tensor-Kernen der RTX-Grafikkarten, speziellen Einheiten für KI-Berechnungen.
Die aktuelle Version DLSS 4 bietet neben dem Upscaling auch Frame Generation. Dabei werden zusätzliche Zwischenbilder berechnet, um die Bildrate weiter zu erhöhen. DLSS 4 mit Multi Frame Generation kann bis zu drei zusätzliche Bilder pro gerendertem Frame erzeugen.
Voraussetzungen für DLSS
DLSS erfordert eine Nvidia GeForce RTX-Grafikkarte. Die Technologie ist nicht auf AMD- oder Intel-Karten verfügbar. Innerhalb der RTX-Familie gibt es Abstufungen: DLSS 4 mit Multi Frame Generation läuft nur auf RTX-5000-Karten, ältere Versionen funktionieren auch auf RTX 2000, 3000 und 4000.
Qualitätsmodi
DLSS bietet verschiedene Qualitätsstufen, die bestimmen, wie stark das interne Rendering reduziert wird:
Quality rendert mit etwa 67 Prozent der Zielauflösung und bietet die beste Bildqualität bei moderatem Leistungsgewinn. Balanced liegt bei etwa 58 Prozent und stellt einen Kompromiss dar. Performance nutzt etwa 50 Prozent und priorisiert Geschwindigkeit. Ultra Performance rendert mit nur 33 Prozent der Zielauflösung und ist für 8K-Auflösungen gedacht.
AMD FSR
FidelityFX Super Resolution (FSR) ist AMDs Antwort auf DLSS. Die erste Version erschien 2021 und basierte auf einem einfachen räumlichen Algorithmus ohne KI-Komponente. FSR 2.0 führte temporales Upscaling ein, FSR 3 ergänzte Frame Generation.
Der größte Vorteil von FSR: Es funktioniert auf nahezu jeder Grafikkarte, unabhängig vom Hersteller. Auch Nvidia- und Intel-Nutzer können FSR verwenden, sofern das Spiel es unterstützt. Das macht FSR zur am breitesten einsetzbaren Upscaling-Lösung.
Mit FSR 4 (auch FSR Upscaling AI genannt) hat AMD 2025 eine KI-basierte Version eingeführt, die auf den RDNA-4-Grafikkarten (Radeon RX 9000) läuft. Diese Version nutzt spezielle KI-Einheiten und erreicht eine Bildqualität, die näher an DLSS heranreicht.
Voraussetzungen für FSR
FSR 1 bis 3.1 läuft auf praktisch jeder modernen Grafikkarte, auch auf integrierten Grafikeinheiten. Selbst auf Spielkonsolen wie der PlayStation 5 und Xbox Series X wird FSR in vielen Spielen eingesetzt. FSR 4 mit KI-Unterstützung benötigt eine AMD Radeon RX 9000-Karte für optimale Ergebnisse, funktioniert aber eingeschränkt auch auf älteren Modellen.
Qualitätsmodi
FSR nutzt dieselben Bezeichnungen wie DLSS: Quality, Balanced, Performance und Ultra Performance. Die internen Auflösungen sind vergleichbar, wobei sich die Bildqualität je nach Version unterscheidet.
Intel XeSS
Xe Super Sampling (XeSS) ist Intels Beitrag zum Upscaling-Markt. Die Technologie erschien 2022 zusammen mit den Intel Arc-Grafikkarten. XeSS kombiniert temporales Upscaling mit maschinellem Lernen.
Eine Besonderheit von XeSS: Es existieren zwei Varianten. Auf Intel Arc-Karten läuft die XMX-Version, die spezielle Matrix-Einheiten für KI-Berechnungen nutzt. Auf AMD- und Nvidia-Karten kommt die DP4a-Version zum Einsatz, die auf regulären Shader-Einheiten arbeitet und etwas schwächere Ergebnisse liefert.
XeSS 2 und XeSS 3 erweitern die Technologie um Frame Generation beziehungsweise Multi Frame Generation. Der eigentliche Upscaling-Algorithmus bleibt dabei unverändert.
Voraussetzungen für XeSS
XeSS läuft auf allen modernen Grafikkarten. Die beste Qualität erreicht es auf Intel Arc-Karten mit XMX-Unterstützung. Auf AMD- und Nvidia-Hardware funktioniert es ebenfalls, aber mit leicht reduzierter Bildqualität durch die DP4a-Variante.
Qualitätsmodi
Intel verwendet ab XeSS 1.3 ein abweichendes Namensschema. Was bei DLSS und FSR Balanced heißt, nennt Intel Quality. Die tatsächlichen Rendering-Auflösungen sind aber vergleichbar.
Sony PSSR
PlayStation Spectral Super Resolution (PSSR) ist Sonys Upscaling-Technologie, die exklusiv auf der PlayStation 5 Pro verfügbar ist. Die Technologie wurde zusammen mit der Konsole im November 2024 eingeführt.
PSSR nutzt maschinelles Lernen, um Bilder von niedrigeren Auflösungen auf 4K hochzuskalieren. Die KI-Berechnungen laufen auf einer speziellen Hardware-Einheit der PS5 Pro. Sony verspricht eine Latenz von etwa zwei Millisekunden für die Hochskalierung eines 1080p-Bildes auf 4K.
Im Gegensatz zu den PC-Lösungen ist PSSR fest in die Konsolen-Architektur integriert. Entwickler müssen ihre Spiele für PSSR optimieren, ein automatisches Upgrade älterer Titel ist nicht möglich. Zum Launch unterstützten über 50 Spiele die Technologie.
Voraussetzungen für PSSR
PSSR läuft ausschließlich auf der PlayStation 5 Pro. Die Standard-PS5 und die PS5 Slim unterstützen die Technologie nicht. Auf PCs ist PSSR nicht verfügbar.
Vergleich der Technologien
Jede Upscaling-Technologie hat ihre Stärken und Schwächen. DLSS gilt als qualitativ führend, ist aber auf Nvidia-Hardware beschränkt. FSR bietet die breiteste Kompatibilität, erreicht aber erst mit der neuesten KI-Version vergleichbare Qualität. XeSS ist ein solider Mittelweg, der auf allen Plattformen funktioniert. PSSR ist Sonys Exklusivlösung für die PS5 Pro.
In der Praxis hängt die Wahl oft von der verfügbaren Hardware ab. Nvidia-Nutzer greifen zu DLSS, AMD-Nutzer zu FSR, Intel-Nutzer zu XeSS. PlayStation-5-Pro-Besitzer profitieren von PSSR. In Spielen, die mehrere Technologien unterstützen, empfiehlt sich ein eigener Vergleich, da die Ergebnisse je nach Titel variieren können.
Frame Generation: Zusätzliche Bilder durch KI
Neben dem reinen Upscaling bieten DLSS, FSR und XeSS auch Frame Generation. Diese Technologie erzeugt zusätzliche Zwischenbilder zwischen den tatsächlich gerenderten Frames. Das Ergebnis: Die angezeigte Bildrate verdoppelt sich oder mehr.
Frame Generation hat allerdings Nachteile. Sie erhöht die Eingabeverzögerung (Input Lag), was in kompetitiven Spielen stören kann. Außerdem sollte die Basis-Bildrate bereits stabil bei mindestens 50 bis 60 fps liegen, bevor Frame Generation zugeschaltet wird. Bei niedrigeren Bildraten können die generierten Zwischenbilder zu einem schwammigen Spielgefühl führen.
Fazit
Upscaling-Technologien haben sich vom Notbehelf zum unverzichtbaren Feature entwickelt. Sie ermöglichen 4K-Gaming und Ray Tracing auch auf Hardware, die native Auflösungen nicht bewältigen würde. DLSS, FSR, XeSS und PSSR unterscheiden sich in Details, verfolgen aber dasselbe Ziel: mehr Leistung bei möglichst geringen visuellen Kompromissen.
Für Spieler bedeutet das mehr Flexibilität. Statt teure Hardware-Upgrades können Software-Lösungen die Lebensdauer der Grafikkarte verlängern. Die Technologien entwickeln sich rasant weiter, und die Qualitätsunterschiede zwischen den Anbietern werden von Generation zu Generation kleiner.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist besser: DLSS, FSR oder XeSS?
DLSS gilt als qualitativ führend, gefolgt von FSR 4 und XeSS. Die Unterschiede sind jedoch spielabhängig und werden mit jeder Version kleiner. Auf Nvidia-Hardware empfiehlt sich DLSS, auf AMD-Hardware FSR, auf Intel-Hardware XeSS.
Funktioniert DLSS auf AMD-Grafikkarten?
Nein, DLSS ist exklusiv für Nvidia GeForce RTX-Grafikkarten. AMD-Nutzer können stattdessen FSR verwenden, das in vielen Spielen als Alternative angeboten wird.
Verschlechtert Upscaling die Bildqualität?
Modernes KI-Upscaling erreicht eine Bildqualität, die nativem Rendering sehr nahe kommt. In manchen Fällen kann Upscaling sogar besser aussehen als native Auflösung mit herkömmlicher Kantenglättung, da die KI zusätzliche Details rekonstruiert.
Was ist Frame Generation?
Frame Generation erzeugt zusätzliche Zwischenbilder durch KI-Berechnungen. Die angezeigte Bildrate erhöht sich dadurch deutlich, allerdings steigt auch die Eingabeverzögerung.
Welche Grafikkarte brauche ich für Upscaling?
FSR und XeSS laufen auf fast jeder modernen Grafikkarte. DLSS erfordert eine Nvidia RTX-Karte. Für die neuesten Versionen mit KI-Unterstützung werden aktuelle Modelle empfohlen.
Was ist PSSR?
PlayStation Spectral Super Resolution ist Sonys Upscaling-Technologie für die PS5 Pro. Sie funktioniert ähnlich wie DLSS und nutzt maschinelles Lernen zur Bildverbesserung.




