Amazon kauft Globalstar

Amazon kauft Globalstar für 11,57 Milliarden Dollar und übernimmt iPhone-Satellitendienste

Amazon hat am Dienstag, den 14. April 2026, die Übernahme von Globalstar für 11,57 Milliarden Dollar bekanntgegeben. Der Satellitenbetreiber, der aktuell die Emergency SOS-Funktion des iPhone bereitstellt, wird Teil von Amazon Leo, Amazons Low Earth Orbit-Satellitennetzwerk. Parallel unterzeichneten Amazon und Apple eine separate Vereinbarung, die sicherstellt, dass iPhone- und Apple Watch-Funktionen künftig über Amazon Leo laufen. Der Deal soll 2027 abgeschlossen werden und markiert einen wichtigen Schritt in Amazons Kampf gegen SpaceX Starlink. Apple hatte 2024 für 1,5 Milliarden Dollar einen 20-Prozent-Anteil an Globalstar erworben, der nun Teil der Verhandlungen war.

Der Deal: 90 Dollar pro Aktie, Abschluss 2027

Globalstar-Aktionäre erhalten wahlweise 90 Dollar pro Aktie in bar oder 0,3210 Amazon-Aktien, wobei der Wert bei 90 Dollar gedeckelt ist. Das Angebot bedeutet einen Aufschlag von etwa 23,5 Prozent auf den vorherigen Schlusskurs. Amazon erwirbt sämtliche Satellitenbetriebe, Infrastruktur, Vermögenswerte und Lizenzen für mobile Satellitendienste mit globalen Genehmigungen. Der Abschluss ist für 2027 geplant, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen und der Erreichung bestimmter Satelliten-Einsatzmeilensteine durch Globalstar.

Globalstar mit Sitz in Covington, Louisiana, betreibt derzeit etwa 24 Satelliten in einem niedrigen Erdorbit. Das Unternehmen befindet sich mitten in einer von Apple finanzierten Expansion, die die Flotte auf 54 Satelliten erweitern soll. Die neuen Satelliten werden von MDA Space gebaut und sollen die Kapazität deutlich erhöhen. Amazon übernimmt diese Pläne und führt sie im Rahmen seines eigenen Amazon Leo-Netzwerks fort.

Apple und Amazon: Separate Verhandlungen waren nötig

Apples 20-Prozent-Beteiligung an Globalstar, die das Unternehmen 2024 für 1,5 Milliarden Dollar erwarb, war laut Berichten der Financial Times ein Knackpunkt in den Verhandlungen. Apple hatte sich 85 Prozent der Netzwerkkapazität von Globalstar für iPhone-Funktionen wie Emergency SOS, Nachrichten via Satellit und Find My-Standortaktualisierungen gesichert. Diese Kapazitätszusagen mussten in separaten Verhandlungen zwischen Amazon und Apple geklärt werden.

Das Ergebnis: Amazon und Apple unterzeichneten eine eigene Vereinbarung, die sicherstellt, dass aktuelle und zukünftige iPhone- und Apple Watch-Funktionen über Amazon Leo laufen. Amazon wird iPhone- und Apple Watch-Modelle weiterhin unterstützen, die Globalstars bestehende und geplante Low Earth Orbit-Satellitenkonstellationen nutzen. Zusätzlich will Amazon mit Apple an künftigen Satellitendiensten arbeiten, die das erweiterte Amazon Leo-Netzwerk nutzen.

Was ist Amazon Leo?

Amazon Leo ist Amazons Low Earth Orbit-Satellitennetzwerk, das sich noch im Aufbau befindet. Mit der Übernahme von Globalstar erhält Amazon nicht nur funktionierende Satelliten, sondern auch wertvolles Spektrum. Globalstars global harmonisiertes Spektrum-Portfolio umfasst L/S-Band, Band 53/n53 und C-Band-Optionen. In Kombination mit Amazons Fähigkeiten soll dies höhere Kapazität und spektraleffizientere Direct-to-Device-Dienste ermöglichen als ältere Direct-to-Cell-Systeme.

Amazon plant, ab 2028 sein eigenes Direct-to-Device-System einzusetzen. Direct-to-Device bedeutet, dass Mobilfunkgeräte direkt mit Satelliten kommunizieren können, ohne auf terrestrische Mobilfunkmasten angewiesen zu sein. Das ist besonders in abgelegenen Gebieten wichtig, wo der Ausbau von Mobilfunknetzen unwirtschaftlich oder unzuverlässig ist. Amazon will damit Mobilfunkbetreiber unterstützen, Sprach-, Text- und Datendienste in Regionen anzubieten, die bislang nicht erreichbar waren.

iPhone Emergency SOS und weitere Satellitenfunktionen

Globalstar liefert aktuell Satellitenverbindungen für iPhone 14 und neuere Modelle sowie für die Apple Watch Ultra 3. Die Funktionen umfassen Emergency SOS via Satellit, Nachrichten an Notdienste, Textnachrichten an Freunde und Familie, Anfragen für Pannenhilfe und Standortfreigabe. Diese Dienste funktionieren auch außerhalb der Reichweite terrestrischer Netzwerke und sind in bestimmten Regionen verfügbar.

Apple hatte die Satellitenfunktion erstmals 2022 mit dem iPhone 14 eingeführt. Seitdem hat das Unternehmen die Kapazität schrittweise erweitert. Berichten zufolge arbeitet Apple an einer Reihe neuer Satellitenfunktionen, darunter Apple Maps via Satellit und Fotos in Nachrichten via Satellit. Diese Features erfordern zusätzliche Infrastruktur-Upgrades bei Globalstar, die nun unter Amazons Regie stattfinden werden.

Amazon gegen Starlink: Der Kampf um die Vorherrschaft

Mit der Übernahme von Globalstar positioniert sich Amazon klarer gegen SpaceX und dessen Starlink-Netzwerk. Starlink ist derzeit der dominierende Anbieter von Low Earth Orbit-Satelliteninternet und hat Tausende von Satelliten im Orbit. Amazon Leo steht noch am Anfang, aber die Globalstar-Übernahme verschafft Amazon einen Vorsprung. Statt bei Null anzufangen, übernimmt Amazon ein funktionierendes Netzwerk mit etablierten Kunden, allen voran Apple.

Es gab Spekulationen, dass Apple aufgrund von Kapazitätsbeschränkungen zu Starlink wechseln könnte. Mit dem Amazon-Deal ist diese Option vom Tisch. Apple bleibt Partner eines Low Earth Orbit-Netzwerks, aber nun mit Amazon als Betreiber. Das verschafft Amazon einen prestigeträchtigen Kunden und zeigt, dass das Unternehmen im Satellitengeschäft ernst genommen werden will.

Spektrum und technische Vorteile

Eines der wertvollsten Assets, die Amazon mit Globalstar erwirbt, ist das Frequenzspektrum. Globalstar besitzt global lizenzierte Frequenzen, die für Satellitenkommunikation kritisch sind. Diese Spektren sind begrenzt und schwer zu bekommen. Amazon betont, dass die Kombination von Globalstars Spektrum mit Amazons technologischen Fähigkeiten spektral effizientere Dienste ermöglichen wird.

Das L/S-Band eignet sich besonders für mobile Satellitendienste, da diese Frequenzen besser durch die Atmosphäre dringen und weniger störanfällig sind. Band 53/n53 ist ein standardisiertes Frequenzband für terrestrische und nicht-terrestrische Netzwerke. Die C-Band-Optionalität erweitert die Flexibilität für künftige Anwendungen. Mit diesem Spektrum-Portfolio kann Amazon sowohl Verbraucher-, Unternehmens- als auch Regierungskunden bedienen.

Zeitplan und Meilensteine

Der Deal soll 2027 abgeschlossen werden. Das hängt von regulatorischen Genehmigungen und dem Erreichen bestimmter Satelliten-Einsatzmeilensteine ab. Globalstar baut derzeit seine Flotte aus, und Amazon wird diesen Prozess übernehmen. Die neuen Satelliten von MDA Space werden das Netzwerk auf 54 Satelliten erweitern und die Kapazität erhöhen.

Parallel plant Amazon den Start seines eigenen Direct-to-Device-Systems ab 2028. Das bedeutet, dass Amazon in den kommenden Jahren zwei parallele Systeme betreiben wird: das übernommene Globalstar-Netzwerk und das neu aufgebaute Amazon Leo D2D-System. Langfristig sollen beide integriert werden, um ein umfassendes globales Satellitennetzwerk zu schaffen.

Auswirkungen auf den Markt

Die Übernahme verändert die Landschaft der Satellitenkommunikation. Amazon tritt nun direkt gegen Starlink an und bringt mit Apple einen wichtigen Partner mit. Für Apple bedeutet der Deal Kontinuität. Die bestehenden iPhone- und Apple Watch-Funktionen bleiben erhalten, und künftige Innovationen werden gemeinsam mit Amazon entwickelt. Für Verbraucher ändert sich zunächst nichts, aber langfristig könnte Amazon Leo neue Features und bessere Kapazität bieten.

Für Mobilfunkbetreiber eröffnet Amazon Leo neue Möglichkeiten. In Regionen, wo der Bau von Mobilfunkmasten zu teuer ist, könnten Satelliten die Lücke schließen. Das ist besonders in ländlichen Gebieten, Entwicklungsländern oder auf See relevant. Amazon positioniert sich als Partner für Mobilfunkanbieter, nicht als Konkurrent. Das unterscheidet Amazon Leo von Starlink, das oft als direkter Internetanbieter für Endkunden auftritt.

Reaktionen und Analysen

Analysten sehen den Deal als strategisch klug. Amazon zahlt zwar 11,57 Milliarden Dollar, erhält dafür aber ein funktionierendes Netzwerk, wertvolles Spektrum und einen Vertrag mit Apple. Der Apple-Deal allein rechtfertigt aus Sicht vieler Experten einen großen Teil des Kaufpreises. Apple ist ein zahlungskräftiger Kunde mit langfristigen Plänen für Satellitenfunktionen.

Kritiker fragen, ob Amazon die komplexen technischen und regulatorischen Herausforderungen meistern kann. Satellitenkommunikation ist ein schwieriges Geschäft mit hohen Kapitalkosten und langen Vorlaufzeiten. Starlink hat Jahre gebraucht, um sein Netzwerk aufzubauen, und kämpft immer noch mit Profitabilität. Amazon wird ähnliche Herausforderungen bewältigen müssen.

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