Es gibt Jahre, in denen Call of Duty einfach Call of Duty ist – solide, verlässlich, nicht überraschend. Und dann gibt es Black Ops 7. Treyarch hat hier etwas gebaut, das sich kaum mit einem einzigen Urteil fassen lässt: Der Multiplayer gehört zum Besten, was die Serie je geliefert hat. Die Kampagne hingegen ist so seltsam verunglückt, dass selbst langjährige Black-Ops-Fans auf die Palme gebracht werden. Was bleibt, ist ein gespaltenes Paket – und die Frage, was einem persönlich an einem Call-of-Duty-Jahr am meisten bedeutet.
Avalon brennt – Geschichte & Atmosphäre
Zehn Jahre nach den Ereignissen von Black Ops 2, im Jahr 2035, kehrt David Mason zurück. Sein Vater Alex kämpfte einst gegen Raul Menendez – nun ist es Davids Aufgabe, den Antagonisten erneut zu stellen. Diesmal hat sich Menendez hinter The Guild verschanzt, einem ehemaligen Verbrechersyndikat aus Black Ops 6, das sich inzwischen zum globalen Technologieriesen gemausert hat – inklusive Privatarmee und schießwütigen Kampfrobotern. Das klingt nach solidem Black-Ops-Stoff, und die Settings lassen sich auf dem Papier sehen: Nicaragua, Los Angeles, Tokyo, Alaska und die fiktive Technopolis Avalon bieten visuell abwechslungsreiche Schauplätze.
Das Problem liegt nicht in der Prämisse, sondern in der Ausführung. Die Kampagne ist ausschließlich online spielbar – wer alleine durch die elf Hauptmissionen will, tut das in einer Geistermannschaft, ohne KI-Teamkollegen und ohne Pausenmöglichkeit. Das eigentliche Desaster ist das Drehbuch: Narrative Logik wird an mehreren Stellen einfach über Bord geworfen, Charaktermotive bleiben im Nebel, und einzelne Missionen – darunter ein besonders kritisierter Boss-Kampf mit Fortnite-Ästhetik – bleiben meilenweit hinter dem Setpiece-Niveau früherer Black-Ops-Teile zurück. In etwa fünf Stunden ist man durch – und fühlt sich dabei trotzdem zu lange aufgehalten. Dass Activision nach dem Release XP-Token an Spielerinnen und Spieler vergab, die die Kampagne bis zu einem bestimmten Datum abschlossen, sagt mehr als jede Rezension. Ein Sequel zu Black Ops 2 hatte schlicht mehr verdient.
Gerettet wird der Story-Anteil teilweise durch den Endgame-Modus, der nach dem Abschluss der Hauptkampagne freigeschaltet wird – dazu weiter unten mehr.
Gunplay neu definiert – Multiplayer
Im Multiplayer sieht das Bild grundlegend anders aus. Der Shooter-Modus von Black Ops 7 ist, ohne Übertreibung, einer der stärksten der gesamten Franchise-Geschichte. Das überarbeitete Omnimovement aus Black Ops 6 wird konsequent weiterentwickelt: Wall-Hops, Super-Sprünge, Wandläufe und Grappling-Hooks sorgen für ein Bewegungsarsenal, das vertikales Gameplay ernst nimmt, ohne dabei in die Beliebigkeit von Black Ops 3 zurückzufallen. Wer früher dachte, die Serie habe sich nach oben hin ausgereizt, lernt hier das Gegenteil.
Die Map-Rotation zum Launch überzeugt. Klassiker wie Hijacked kehren zurück und funktionieren im neuen Kontext hervorragend; die neu entworfenen Karten sind nicht alle sofort einprägsam, liefern aber überwiegend klare Sightlines und faire Engpässe. Der neue Overload-Modus – ein objektbasiertes Format, das aktives Kämpfen belohnt und Passivität bestraft – ist ein Highlight und dürfte schnell zum Lieblingsmodus vieler werden. Das erweiterte Prestige-System fühlt sich nach echtem Fortschritt an statt nach aufgepumpten XP-Kurven.
Kritik verdient weiterhin das Skill-Based Matchmaking. Nach der Beta, in der die SBMM-Einstellungen deutlich gelockert waren, zogen die Entwickler zur Veröffentlichung die Schraube wieder an – eine Entscheidung, die in der Community für anhaltenden Unmut sorgt. Im Casual-Bereich fühlt sich das System gelegentlich strafend an; wer den Ranked-Modus nutzt, ist davon weniger betroffen. Das Waffengefühl selbst ist erstklassig: jedes Schussbild hat Gewicht, die Hit-Detection ist präzise, und das Recoil-System belohnt Spielende, die sich mit ihrem Setup wirklich auseinandersetzen.

Aus der Erde ins All – Zombies
Wer befürchtet hatte, der Round-based Modus würde erneut ausgespart: Treyarch hält Wort. Zum Launch ist Ashes of the Damned der einzige Zombies-Schauplatz – ein solider Einstieg mit klassischem Feel, der aber mit einem einzelnen Map dünn wirkt. Season 1 kompensiert das mit Astra Malorum, und dieser zweite Schauplatz rechtfertigt die Geduld.
Das ehemalige Thurston Planetarium, in den 1920er-Jahren ins Dark Aether gerissen, treibt nun als Schädelasteroid in den Ringen des Saturns. Was sich wie Marketing-Absurdität liest, ergibt ingame einen visuell faszinierenden Schauplatz: zerbrochene Observatoriumsflügel, kosmische Störungen, unmögliche Geometrie. Das Easter-Egg-Questline ist mehrstufig und anspruchsvoll; der Endgegner Caltheris bietet einen Vier-Phasen-Kampf, der das Beste aus klassischem Zombies herausholt. Die übergeordnete Dark-Aether-Narrative rund um Dempsey, Nikolai, Takeo und Richtofen wird konsequent weitergeführt – Lore-Fans bekommen hier Stunden von Beschäftigung.
32 Spieler, eine Stadt – Der Endgame-Modus
Nach den elf Kampagnenmissionen öffnet sich Avalon als persistente PvE-Zone für bis zu 32 Spielerinnen und Spieler gleichzeitig. Hier übernehmt ihr Missionen, baut euren Combat Rating aus und prescht in immer gefährlichere Bereiche der Stadt vor. Wer Combat Rating 45 oder höher erreicht, schaltet zusätzliche Cutscenes der Hauptkampagne frei – ein cleverer Anreiz, der den Story-Faden über den Abspann hinaus zieht.
Endgame ist weder Warzone noch Battle Royale; es ist ein Mittelding aus Open-Zone-PvE und kooperativem Extraction-Feeling. Es funktioniert, weil es sich die Zeit nimmt, die der Hauptkampagne fehlt. Ob der Modus langfristig trägt, wird von der Qualität der Live-Service-Updates abhängen – zum Testzeitraum zeigt er aber echtes Potenzial als Endgame-Schleife für alle, die nach dem Abspann weiterspielen wollen.
Technik & Performance
Visuell gehört Black Ops 7 zur Spitze des FPS-Genres. Gesichtsanimationen, Umgebungsdetails in den Urbanen Settings und die schiere technische Produktionsqualität sind beeindruckend. Das Sound-Design ist schlicht outstanding: Jede Waffe hat eine eigene akustische Identität, Umgebungsgeräusche erzeugen echte Präsenz, die Sprachausgabe ist durchweg professionell. Hier merkt man, was ein AAA-Budget bedeutet, wenn er konsequent eingesetzt wird.
Auf PS5 läuft das Spiel stabil mit optionalen Performance-Modi zwischen priorisierter Framerate und erhöhter Bildqualität; Bildfehler oder größere technische Aussetzer fielen im Test nicht auf. Auf PC war der Launch dagegen mit Kontroversen verbunden: Activision setzt TPM 2.0 und Secure Boot voraus, was ältere Systeme faktisch ausschließt und von einem nennenswerten Teil der Spielerschaft als unnötige Hürde empfunden wird. AMD FSR Redstone ist integriert, wenngleich zum Launch nur ein Teil der Features zur Verfügung stand.
Ein Punkt, der unbedingt erwähnt gehört: Black Ops 7 ist ab Tag eins im Xbox Game Pass verfügbar – für Abonnentinnen und Abonnenten entfällt der Vollpreis von 69,99 €.
Fazit
Call of Duty: Black Ops 7 ist das widersprüchlichste Paket, das die Serie seit Jahren geliefert hat. Wenn Treyarch liefert – und das tun sie im Multiplayer und beim Zombies-Modus – ist das Ergebnis Weltklasse. Das Gunplay ist präzise, die Maps sind gut, Astra Malorum ist eine der stärksten Zombies-Karten der letzten Jahre, und der Endgame-Modus überrascht mit echtem Potenzial. All das wäre für sich genommen klar empfehlenswert.
Das „aber“ ist groß. Die Kampagne ist ein echtes Problem: narrativ inkohärent, technisch hinter dem, was man sich von einem Black-Ops-2-Sequel erhofft hätte, und durch die Online-Pflicht im Solomodus unnötig eingeschränkt. Die Community-Reaktion war entsprechend – und sie ist nicht unberechtigt. Hinzu kommt, dass Treyarch das Carry-Forward-Versprechen aus BO6 kurz vor Release zurückzog, was zusätzliches Vertrauen kostete.
Wer Call of Duty für seinen Multiplayer spielt, erhält hier eines der besten Pakete der letzten Jahre. Wer auf eine starke Einzelspielerkampagne hoffte, wird bitter enttäuscht sein. Black Ops 7 ist brillant und kaputt zugleich – manchmal sogar im selben Atemzug.
| ✅ Stärken | ❌ Schwächen |
|---|---|
| + Bester Multiplayer der Serie seit Jahren – Omnimovement, Wall-Hops, starke Maps | – Kampagne narrativ inkohärent und deutlich zu schwach für ein BO2-Sequel |
| + Round-based Zombies kehrt zurück – Ashes of the Damned und Astra Malorum überzeugen | – Kampagne online-only: kein Pausieren, keine KI-Mitspieler im Solomodus |
| + Endgame-Modus als starke Post-Campaign-Ergänzung für bis zu 32 Spieler | – SBMM-System nach der Beta deutlich verschärft – frustrierend im Casual-Bereich |
| + Herausragendes Sound-Design und makellose Waffen-Identität | – Nur eine Zombies-Map zum Launch |
| + Ab Tag eins im Xbox Game Pass verfügbar | – PC: TPM 2.0 und Secure Boot-Pflicht schließt ältere Hardware aus |
| + Visuell und technisch auf höchstem AAA-Niveau | – Carry-Forward-Versprechen aus BO6 kurz vor Release gebrochen |
Getestete Version: PS5 – Patch 1.00, Stand November 2025
UVP: 69,99 €
Für wen: Multiplayer- und Zombies-Fans, die auf eine starke Kampagne verzichten können – oder Game-Pass-Abonnenten, die nichts zu verlieren haben.
Offenlegung: Getestet auf Basis eines vom Publisher bereitgestellten Review-Codes.

