Kaum eine Spielereihe hat das westliche Rollenspiel-Genre so dauerhaft geprägt wie The Elder Scrolls. Seit 1994 erschafft Bethesda Game Studios den Kontinent Tamriel – eine Open-World-Fantasywelt, die mit jedem Hauptteil weiter gewachsen ist und Millionen von Spielerinnen und Spielern weltweit in ihren Bann gezogen hat. Dieser Artikel blickt auf die gesamte Entwicklung der Reihe zurück, vom holprigen Start bis zum gegenwärtigen Warten auf Teil 6.
Arena und Daggerfall: Ein riskanter Start
The Elder Scrolls: Arena erschien 1994 und war ursprünglich als reines Kampfspiel konzipiert – erst im Verlauf der Entwicklung wuchs es zu einem ausgewachsenen Rollenspiel heran. Bethesda produzierte nur rund 9.000 Exemplare und musste schnell hunderttausende nachproduzieren: Das Spiel traf einen Nerv. Arena bot eine gigantische, prozedural generierte Spielwelt, in der Spieler den Kaiser Uriel Septim aus den Fängen des Erzmagiers Jagar Tharn befreien mussten. Zwei Jahre später legte Daggerfall (1996) nach – mit einer der größten virtuellen Spielwelten überhaupt, noch heute ein Rekord in der Reihe. Beide Spiele stellte Bethesda später kostenlos zum Download bereit: Arena zum zehnten, Daggerfall zum fünfzehnten Jubiläum. Mit Battlespire (1997) und Redguard (1998) folgten zwei Spin-offs, die deutlich vom ursprünglichen Spielprinzip abwichen und kommerziell hinter den Erwartungen blieben.
Morrowind, Oblivion, Skyrim: Die goldene Ära
Mit The Elder Scrolls III: Morrowind (2002) vollzog die Reihe einen entscheidenden Sprung. Die düstere Welt Vvardenfell, fremdartige Fraktionen und eine erzählerische Tiefe, die das Genre bis dahin kaum kannte, machten Morrowind zum Kultspiel – und legten das Fundament für den heutigen Fan-Diskurs darüber, was ein Elder-Scrolls-Spiel ausmacht. The Elder Scrolls IV: Oblivion (2006) baute auf diesem Fundament mit verbesserter Grafik, Sprachausgabe für alle wichtigen Charaktere und dem damals bahnbrechenden Radiant-AI-System. Oblivion führte außerdem die Daedra-Fürsten als zentrale Spielwelt-Säule ein – ein Element, das die Reihe bis heute prägt.
The Elder Scrolls V: Skyrim (2011) wurde zur größten Erfolgsgeschichte der Franchise. Drachen, ein Drachentöter-Protagonist und ein modulares Fähigkeitssystem, das Einsteigerinnen und Einsteiger ebenso ansprach wie Veteranen, machten Skyrim zu einem der meistverkauften Spiele der Geschichte. Bethesda brachte das Spiel seitdem in unzähligen Versionen und auf nahezu jede Plattform heraus, was in der Community den Witz über das gefühlt allgegenwärtige Skyrim zum Dauerbrenner werden ließ.
Online und die Rückkehr von Oblivion
The Elder Scrolls Online erschien 2014 und trug das Franchise ins MMORPG-Fahrwasser. Chronologisch spielt das Online-Spiel rund tausend Jahre vor Oblivion und Skyrim, in einer Welt, die von Fraktionskriegen und dem Einfluss des Daedra-Fürsten Molag Bal geprägt ist. Zahlreiche Erweiterungen haben seitdem verschiedene Ecken Tamriels erschlossen – von Morrowind über Elsweyr bis Hochelfenland. Im April 2025 schließlich erschien The Elder Scrolls IV: Oblivion Remastered, entwickelt vom Studio Virtuous in Zusammenarbeit mit Bethesda. Das Remaster wurde mit Unreal Engine 5 modernisiert und traf einen Nerv: Es war nach nur einer Woche auf dem Markt das drittmeistverkaufte Spiel des Jahres 2025 in den USA und verkaufte sich im ersten Monat besser als das Original in seinen gesamten ersten fünfzehn Monaten.
Was macht Tamriel so besonders?
Ein wesentlicher Grund für die Langlebigkeit der Reihe liegt in der Tiefe ihrer Spielwelt. Tamriel besitzt eine jahrtausendealte Geschichte mit eigenen Kalendern, Religionen, Völkern und politischen Ären – von der Merethischen Ära über das Septim-Kaiserreich bis in die Vierte Ära, in der Skyrim spielt. Diese Weltenbau-Dichte zieht eine engagierte Community an, die Lore bis ins Detail auseinandernimmt und eigene Theorien entwickelt. Dazu kommt eine ausgeprägte Modding-Kultur: Gerade Morrowind, Oblivion und Skyrim wurden durch tausende Mods zu Spielen, die kaum noch mit dem Original vergleichbar sind.
The Elder Scrolls 6: Lange Wartezeit, wenig Neuigkeiten
The Elder Scrolls VI wurde im Juni 2018 im Rahmen der E3 angekündigt – mit einem wenige Sekunden langen Teaser, mehr nicht. Seitdem ist offiziell kaum etwas bekannt geworden. Bethesda bestätigte, dass das Spiel die Vorproduktionsphase verlassen hat und sich aktiv in der Entwicklung befindet. Todd Howard gab im März 2026 an, dass mittlerweile ein Großteil des Studios an Teil 6 arbeite – äußerte aber gleichzeitig, die frühe Ankündigung im Nachhinein lieber nicht gemacht zu haben. Beim Xbox Games Showcase im Juni 2026 fehlte das Spiel erneut. Xbox-Chef Matt Booty bestätigte in einem Interview, dass die Entwicklung gut laufe und das Spiel gut aussehe – konkrete Infos zu Termin oder Inhalt lieferte er nicht. Entwickelt wird TES 6 mit der Creation Engine 3, einer Weiterentwicklung der Engine aus Starfield. Einen realistischen Release vor 2028 halten Branchenbeobachter für unwahrscheinlich.
Für Spielerinnen und Spieler, die bis dahin in Tamriel eintauchen möchten, bleibt das Angebot groß: Oblivion Remastered ist der aktuelle Einstiegspunkt, Skyrim Special Edition läuft auf fast jeder modernen Plattform, und The Elder Scrolls Online wird weiterhin mit neuen Inhalten versorgt.
