First Party, Second Party, Third Party

First Party, Second Party, Third Party: Was bedeutet das bei Videospielen?

„Das ist ein First-Party-Titel“ – wer Gaming-Berichte liest oder Ankündigungen auf Showcases verfolgt, begegnet diesem Begriff regelmäßig. Aber was genau steckt dahinter? Wer ist die „erste Partei“, wer die dritte – und was hat das mit der Frage zu tun, ob ein Spiel exklusiv für eine Plattform erscheint? Dieser Artikel erklärt die Begriffe, ihre Herkunft und warum die Unterschiede in der Praxis manchmal fließender sind als erwartet.

Was bedeutet „Party“ in diesem Kontext?

Der Begriff „Party“ stammt aus dem Vertragsrecht und bezeichnet die beteiligten Parteien einer Geschäftsbeziehung. Im Gaming-Kontext ist die erste Partei (First Party) der Plattformanbieter selbst – also Sony, Microsoft oder Nintendo. Die dritte Partei (Third Party) ist ein unabhängiges Unternehmen, das nicht zum Plattformanbieter gehört. Dazwischen liegt – zumindest in der Theorie – eine zweite Partei (Second Party), auf die wir gesondert eingehen.

Vereinfacht gesagt: Wer ein Spiel für eine Plattform entwickelt oder veröffentlicht, lässt sich danach einordnen, in welcher Beziehung er zum Plattformanbieter steht.

First Party: Plattformanbieter und ihre eigenen Studios

Als First-Party-Entwickler bezeichnet man Studios, die direkt einem Plattformanbieter gehören. Sie entwickeln Spiele im Auftrag und mit dem Budget des Mutterkonzerns, der auch Verleger (Publisher) der fertigen Titel ist.

Bekannte First-Party-Studios:

  • Sony PlayStation Studios: Naughty Dog (The Last of Us, Uncharted), Santa Monica Studio (God of War), Guerrilla Games (Horizon), Insomniac Games (Spider-Man, Ratchet & Clank)
  • Xbox Game Studios / Bethesda: 343 Industries (Halo), The Coalition (Gears of War), Turn 10 Studios (Forza Motorsport), id Software (Doom), Bethesda Game Studios (The Elder Scrolls, Fallout)
  • Nintendo EPD: Das interne Nintendo-Entwicklungsstudio, zuständig für Mario, Zelda, Splatoon und weitere Kernfranchises

First-Party-Titel erscheinen in der Regel als Exklusivtitel für die jeweilige Plattform – zumindest zunächst. Microsoft weicht davon insofern ab, als Xbox-First-Party-Titel grundsätzlich auch für Windows-PC erscheinen und seit 2024 teilweise auch auf PlayStation.

Ein wichtiger Punkt: Die Zugehörigkeit zu einem Plattformanbieter definiert das First-Party-Studio – nicht zwingend, wer das Spiel technisch entwickelt hat. Der ehemalige PlayStation-Manager Shuhei Yoshida erläuterte das 2025 am Beispiel von Returnal: Das Spiel wurde von Housemarque entwickelt, einem damals noch unabhängigen Studio. Sony finanzierte es, veröffentlichte es und behandelte es als First-Party-Titel – obwohl die Entwicklung extern stattfand. Kurz darauf kaufte Sony Housemarque auf, womit das Studio zum echten First-Party-Studio wurde.

Third Party: Unabhängige Entwickler und Publisher

Third-Party-Studios sind Unternehmen, die weder Sony, Microsoft noch Nintendo gehören. Sie entwickeln Spiele eigenständig und können ihre Titel auf mehreren Plattformen veröffentlichen – oder sich vertraglich für Exklusivität entscheiden.

Große Third-Party-Publisher sind beispielsweise Electronic Arts, Ubisoft, Activision Blizzard (seit 2023 Teil von Microsoft, aber weiterhin multi-plattform aktiv), Capcom, Konami oder Square Enix. Ihre Spiele erscheinen in der Regel plattformübergreifend – für PlayStation, Xbox, Nintendo und PC gleichzeitig oder in kurzen Abständen.

Third-Party-Studios können jedoch exklusive Deals mit Plattformanbietern eingehen: Ein Spiel von einem unabhängigen Studio kann als zeitlich begrenzter oder dauerhafter Exklusivtitel erscheinen, wenn der Plattformanbieter dafür bezahlt. Final Fantasy XVI erschien beispielsweise zunächst exklusiv auf PlayStation 5 – entwickelt und veröffentlicht von Square Enix, einem Third-Party-Unternehmen, das einen entsprechenden Exklusivdeal mit Sony abgeschlossen hatte.

Second Party: Der umstrittene Mittelbegriff

Der Begriff „Second Party“ ist in der Gaming-Industrie nicht offiziell definiert – und wird auch innerhalb der Branche unterschiedlich verwendet. In der Gaming-Community hat sich folgendes Verständnis durchgesetzt: Ein Second-Party-Studio ist ein unabhängiges Unternehmen, das eng und dauerhaft mit einem Plattformanbieter zusammenarbeitet, häufig exklusiv für diesen entwickelt, aber nicht vollständig zu ihm gehört.

Das bekannteste historische Beispiel ist Rare: Das britische Studio arbeitete in den 1990er-Jahren fast ausschließlich für Nintendo, an dem Nintendo zeitweise eine Minderheitsbeteiligung hielt. Rare galt als klassisches Second-Party-Studio – bis Microsoft das Unternehmen 2002 vollständig übernahm und damit zum First-Party-Studio machte.

Shuhei Yoshida beschrieb Second Party aus Sony-Sicht am Beispiel von Rise of the Ronin: Koei Tecmo entwickelte und mitfinanzierte das Spiel eigenständig, behielt das geistige Eigentum – Sony veröffentlichte es lediglich. Aus Sony-Perspektive war das ein Second-Party-Titel.

In Fachkreisen und Entwicklerforen wird der Begriff jedoch kritisch betrachtet. Viele Brancheninsider halten „Second Party“ für eine Marketing-Kategorie ohne klare rechtliche oder strukturelle Grundlage – und verwenden ihn entsprechend selten. Für das Verständnis als Spieler ist er dennoch nützlich, um Studios zu beschreiben, die sich in einer Grauzone zwischen Unabhängigkeit und Plattformbindung befinden.

Warum ist die Unterscheidung wichtig?

Die Einordnung als First-, Second- oder Third-Party-Studio hat direkte Konsequenzen für Spieler:

Exklusivität: First-Party-Titel sind fast immer plattformexklusiv – zumindest zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung. Third-Party-Titel erscheinen in der Regel auf mehreren Plattformen, es sei denn, ein Exklusivdeal verhindert das vorübergehend.

Qualitätssicherung und Budgets: First-Party-Studios haben direkten Zugang zu den Ressourcen, technischen Informationen und Budgets des Plattformanbieters. Das erlaubt es ihnen, Hardware-Features früher und tiefer zu nutzen – was erklärt, warum First-Party-Titel oft als technische Referenztitel einer Plattform gelten.

Langfristige Verfügbarkeit: First-Party-Titel sind dauerhaft im Katalog des Plattformanbieters verankert. Third-Party-Titel können nach Auslauf von Lizenzverträgen vom Markt verschwinden oder den Plattformkatalog wechseln. Mehr dazu im Artikel zu digitalen Spielelizenzen.

Plattformstrategie: Die Stärke eines First-Party-Portfolios ist einer der entscheidenden Faktoren im Konsolenkrieg. Wer über die überzeugendsten eigenen Studios verfügt, hat einen strukturellen Vorteil im Wettbewerb um Spieler.

Indie: Die vierte Kategorie

Neben First, Second und Third Party gibt es noch eine vierte Kategorie, die im Gaming-Alltag eine wichtige Rolle spielt: Independent-Studios, kurz Indie. Diese entwickeln und veröffentlichen Spiele ohne Bindung an einen großen Publisher oder Plattformanbieter – oft mit kleinen Teams und überschaubaren Budgets.

Indie-Spiele sind technisch gesehen Third-Party-Titel, werden aber in der Wahrnehmung und im Marketing getrennt behandelt. Plattformanbieter wie Sony, Microsoft und Nintendo haben eigene Indie-Programme aufgebaut, um kleinere Studios zu unterstützen und ihre Plattformen attraktiver zu machen.

Ein Studio wie Supergiant Games (Hades, Bastion) oder Team Cherry (Hollow Knight) ist ein klassisches Indie-Studio: unabhängig, eigenfinanziert, multi-platform. Der Übergang von Indie zu Third Party ist fließend – und einige Studios wie CD Projekt Red begannen als kleine unabhängige Entwickler und wuchsen zu großen Third-Party-Publishern heran.

Häufige Fragen zu First Party und Third Party

Sind alle First-Party-Spiele Exklusivtitel?
Fast immer – aber nicht zwingend dauerhaft. Sony portiert viele First-Party-Titel verzögert auf den PC. Microsoft veröffentlicht First-Party-Spiele grundsätzlich auch für Windows, seit 2024 teilweise auch auf PlayStation. Nintendo bleibt bei strikter Plattformexklusivität.
Kann ein Third-Party-Spiel exklusiv sein?
Ja, durch Exklusivdeals. Ein Plattformanbieter zahlt einem unabhängigen Studio oder Publisher dafür, einen Titel für eine bestimmte Zeit oder dauerhaft exklusiv zu halten. Final Fantasy XVI (Square Enix / PlayStation) ist ein bekanntes Beispiel.
Was passiert mit einem Studio, wenn es aufgekauft wird?
Es wechselt den Status: aus einem Third-Party-Studio wird ein First-Party-Studio des kaufenden Konzerns. Bekannte Beispiele: Insomniac Games (Third Party → Sony First Party, 2019), Bethesda Game Studios (Third Party → Xbox First Party, 2021), Housemarque (Third Party → Sony First Party, 2021).

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