Mit Ghost of Tsushima wagte sich Sucker Punch Productions an ein völlig neues Terrain. Das Studio, primär durch die inFAMOUS-Serie bekannt geworden, lieferte mit diesem feudalen Japan-Setting einen radikalen Genrewechsel. Veteranen erinnern sich vielleicht noch an Sly Raccoon für PlayStation 2, doch die jüngere Vergangenheit war klar von superkräftigen Antihelden geprägt. Die ersten Teaser zum Samurai-Abenteuer sorgten für immense Aufregung und katapultierten den Titel schnell auf zahlreiche Wunschlisten.
Die Begeisterung resultiert nicht allein aus dem Exklusiv-Status. Das gezeigte Stealth-Gameplay und das historische Japan-Ambiente weckten unweigerlich Assoziationen zu Assassinen und Schattenkämpfern – ein Setting, das Fans seit Jahren für Assassin’s Creed forderten. Nach dem Unity-Debakel signalisierten Umfragen deutliches Interesse an einem Japan-basierten AC-Ableger. Stattdessen führte der Weg bekanntlich nach Ägypten, Griechenland und schließlich ins Wikinger-Reich. Abseits der Chronicles-Spin-offs blieb das Land der aufgehenden Sonne für Ubisofts Franchise unerreichbar.
Natürlich lässt sich Sucker Punchs Werk als Third-Person Open-World Action-Adventure mit vielen Titeln vergleichen. Frühe Kritiker zogen Parallelen zu Sekiro: Shadows Die Twice und Dark Souls, doch Ghost of Tsushima verfolgt einen deutlich zugänglicheren Ansatz. Statt permanenter Vergleiche werfen wir einen eigenständigen Blick auf das, was Ghost of Tsushima tatsächlich bietet und wie es sich präsentiert.
Die Mongolen kommen – Tsushimas dunkelste Stunde
Das Jahr 1274 markiert den Schauplatz: Die malerische Insel Tsushima zwischen koreanischer Halbinsel und japanischem Kernland. Diese strategisch bedeutsame Lage wird ihr zum Verhängnis. Am Horizont tauchen hunderte Schiffe auf, die tausende Krieger Kublai Khans an den Strand spülen. Die erste Mongoleninvasion Japans beginnt, und Tsushima soll als Brückenkopf für die Eroberung dienen.
Die Samurai der Insel stellen sich tapfer dem Ansturm entgegen, doch gegen die zahlenmäßige Übermacht und fortschrittliche Kriegstaktiken der Mongolen sind sie chancenlos. Das Massaker fordert nahezu alle Verteidiger. Nur ein schwerverletzter Krieger wird geborgen – die Kami scheinen besondere Pläne mit ihm zu haben. Dieser Samurai heißt Jin Sakai, und er schwört, seine Heimat um jeden Preis zu befreien. Der Geist von Tsushima erwacht.

Als Spieler übernehmen wir Jin Sakai, verkörpert von Schauspieler Daisuke Tsuji (bekannt aus The Man in the High Castle, Letters from Iwo Jima, Prey). Nach der Genesung starten wir bescheiden ausgerüstet mit notdürftig geflickter Rüstung und einem Schwert. Zunächst eliminieren wir kleinere Mongolen-Patrouillen, verteidigen Zivilisten vor Übergriffen und attackieren erste feindliche Feldlager.
Unser übergeordnetes Ziel: die verbliebenen Samurai und kampffähigen Inselbewohner mobilisieren, um den Invasoren Einhalt zu gebieten. Ob dieser Plan gelingt und welche Wendungen die Geschichte nimmt, sei hier nicht verraten. Klar ist: Tsushima bietet reichlich Beschäftigung mit zahlreichen hervorragend inszenierten Nebenquests, und die Spielwelt entpuppt sich größer als zunächst vermutet.
Kampfkunst zwischen Ehre und Schatten
Zu Beginn attackieren wir Feinde entweder direkt mit dem Katana durch grundlegende Schlagkombinationen oder eliminieren sie heimlich mit dem Wakizashi aus den Schatten. Im Spielverlauf erlernen wir zusätzliche Kampfstile, zwischen denen wir per Knopfdruck wechseln – auch mitten im Gefecht. Diese Flexibilität ist essenziell, denn jeder Gegnertyp erfordert einen spezifischen Stil. Dieses System ist keineswegs oberflächlich oder rein kosmetisch, wie sich schnell herausstellt.
Sucker Punch entwickelte ein durchdachtes, befriedigendes Kampfsystem – möglicherweise der Grund, warum frühe Vergleiche eher zu Sekiro oder Dark Souls gezogen wurden statt zu Assassin’s Creed. Doch keine Sorge: Die Mechaniken sind zugänglich, schnell erlernbar und bieten verschiedene Schwierigkeitsgrade (jederzeit wechselbar) für unterschiedliche Ansprüche.

Neben den Hauptwaffen erhalten wir im Verlauf Wurfmesser, Bögen, Rauchbomben und diverse andere Werkzeuge für taktische Vielfalt. Sämtliche Waffen und Rüstungen lassen sich beim Schmied oder Handwerker mit gesammelten Ressourcen verbessern, wodurch Statuswerte steigen. Das System bleibt angenehm überschaubar und ufert nicht aus – ein angenehmer Kontrast zu überkomplexen RPG-Systemen.
Die Rüstungsauswahl ist begrenzt, aber jedes Set passt zu spezifischen Spielstilen und Situationen. Zusätzlich kann Jin Talismane anlegen, die verschiedene Attribute wie Gesundheit, Schaden oder Spezialfertigkeiten boosten. Das Progressionssystem bleibt dabei stets verständlich und überfordert nicht mit unnötigen Statistiken.
Das Stand-Off-System – Duelle wie im Samurai-Film
Eine besondere Mechanik verdient gesonderte Erwähnung: das Stand-Off-System. Jin kann Gegner zu Duellen herausfordern, die direkt einem klassischen Samurai-Film entsprungen scheinen. Beide Kontrahenten starren sich an, die Hand schwebt über dem Schwertgriff, Spannung liegt in der Luft. Im richtigen Moment zuschlagen – zu früh oder zu spät bedeutet den sicheren Tod.
Diese Stand-Offs sind nicht nur visuell beeindruckend, sondern auch taktisch wertvoll. Erfolgreiche Duelle können mehrere Gegner auf einmal ausschalten und verschaffen Jin psychologische Vorteile gegenüber verunsicherten Feinden. Das System fügt sich perfekt in die Samurai-Thematik ein und bietet eine willkommene Abwechslung zu Standard-Gefechten.

Missionsvielfalt auf hohem Niveau
Story-Missionen und Hauptaufgaben sind auf der Karte golden markiert. Daneben existieren umfangreiche silberne Nebenstorys, oft mehrteilig und liebevoll ausgearbeitet. Besonders die Begleiterquests mit Charakteren wie Masako, Yuna, Norio und Ishikawa entwickeln emotional tiefgehende Erzählstränge, die dem Hauptplot in nichts nachstehen.
Zusätzlich warten zahlreiche Miniaufgaben und Zufallsbegegnungen – alle mit erkennbarer Sorgfalt kreiert. Von der Befreiung besetzter Dörfer über das Aufspüren versteckter Heiligtümer bis hin zu Haiku-Kompositionen an malerischen Aussichtspunkten bietet Tsushima enorme Vielfalt. Die Haiku-Momente sind dabei eine besondere Perle: Jin sitzt an atmosphärischen Orten, und Spieler wählen Verse, die nicht nur poetisch sind, sondern auch kosmetische Belohnungen freischalten.
Natürlich tauchen auch generische Ereignisse auf, die sich irgendwann wiederholen. Bemerkenswert ist jedoch, wie lange es dauert, bis dieser Effekt bewusst wird – ein Zeugnis der detailverliebten Entwicklungsarbeit. Ghost of Tsushima strotzt vor kleinen Details für aufmerksame Spieler, die sich darauf einlassen.
Erkundung ohne UI-Überfrachtung
Ein brillantes Designelement: Ghost of Tsushima verzichtet weitgehend auf aufdringliche UI-Elemente. Statt traditioneller Wegpunkte und Kompass-Marker folgen Spieler dem Wind, der dynamisch Richtungen anzeigt. Rauchsäulen signalisieren Konflikte, Vögel führen zu versteckten Orten, und Füchse leiten Jin zu Inari-Schreinen.
Diese organische Navigation verstärkt die Immersion erheblich. Wo Red Dead Redemption 2 ebenfalls auf subtile UI-Gestaltung setzt, geht Ghost of Tsushima noch einen Schritt weiter. Das HUD lässt sich nahezu komplett ausblenden, ohne dass die Spielbarkeit leidet – perfekt für cinematische Erlebnisse und Fotomodus-Sessions.
Tsushima – Naturschönheit im Kriegsgewand
Atmosphärisch ist Ghost of Tsushima ein absolutes Kraftpaket. Das Setting wirkt authentisch, die Inselgestaltung beeindruckend. Die Schauplätze selbst sind oft schlicht gehalten – Dörfer mit einfachen Holzhütten, teilweise niedergebrannt, größere Siedlungen mit ähnlicher Architektur. Auch die Mongolen errichten ihre Feldlager funktional-militärisch ohne Schnörkel. Diese Schlichtheit stört keineswegs, denn die wahren Highlights liegen in der Natur.
Tsushima präsentiert vielfältigste Landschaften mit atemberaubenden Farbspielen. Von goldenen Pampas-Gras-Feldern über blutrote Ahornwälder bis zu schneebedeckten Berggipfeln – jede Region besitzt eine eigene visuelle Identität. Selten nutzte ich den Fotomodus so exzessiv wie hier, und war dankbar für seine Existenz. Die architektonische Zurückhaltung lässt andere Elemente umso stärker hervorstechen.

Kurz nach The Last of Us Part II demonstriert Ghost of Tsushima als letzter großer PS4-Exklusivtitel eindrucksvoll das Potenzial der Plattform, besonders der PS4 Pro. Dazu kommen nahezu inexistente Ladezeiten – und wenn welche auftreten, fallen sie kaum auf.
Der legendäre Kurosawa-Modus
Die Inspiration durch klassische Samurai-Filme ist omnipräsent und zeigt die intensive thematische Auseinandersetzung der Entwickler. Der aktivierbare Kurosawa-Modus (benannt nach Regisseur Akira Kurosawa) präsentiert das Spiel in Schwarz-Weiß mit typischen Filmeffekten der 50er/60er – Artefakte, Bildrauschen inklusive.
Eine grandiose Hommage an den Schöpfer von Die sieben Samurai, Yojimbo und Rashomon. Dieser Modus ist nicht nur kosmetisches Gimmick, sondern verwandelt das Gameplay-Erlebnis fundamental. Kämpfe wirken noch cinematischer, Landschaften gewinnen eine zeitlose Eleganz, und die gesamte Atmosphäre verschiebt sich von Video Game zu interaktivem Kunstwerk.
Audiovisuelles Kino-Erlebnis
Auch akustisch überzeugt das Spiel vollumfänglich. Komponisten Shigeru Umebayashi und Ilan Eshkeri schufen einen Soundtrack, der das Gesehene perfekt untermalt und die Atmosphäre veredelt. Von meditativen Shakuhachi-Flötenmelodien bis zu epischen Orchesterarrangements während intensiver Schlachten – die musikalische Bandbreite ist beeindruckend.
Die deutsche Lokalisierung ist durchweg hochwertig und bildet zusammen mit der visuellen Präsentation Kino-Qualität. Optional stehen englische oder – besonders authentisch – japanische Sprachausgabe zur Verfügung. Die japanische Synchronisation verleiht dem Spiel zusätzliche Authentizität und wird von Genre-Fans stark empfohlen.
Das Sounddesign im Kampf verdient gesonderte Würdigung. Jeder Schwertschlag, jedes Ausweichmanöver, jeder Block klingt satt und präzise. Das Zischen von Pfeilen durch die Luft, das Klirren kreuzender Klingen, das Ächzen besiegter Gegner – alles fügt sich zu einer akustischen Symphonie, die Kämpfe zu cineastischen Erlebnissen erhebt.
Technische Exzellenz auf PS4 und PS4 Pro
Auf PS4 und PS4 Pro läuft Ghost of Tsushima beeindruckend stabil. Die Standard-PS4 erreicht solide 30fps bei 1080p, während die Pro-Version zwischen 1800p-2160p mit gelegentlichen Drops auf 30fps skaliert. Die Texturqualität bleibt durchgehend hoch, Pop-in ist minimal, und die Draw Distance beeindruckt für Hardware-Verhältnisse von 2013.
Ladezeiten sind erfreulich kurz – Fast Travel dauert auf PS4 etwa 15-20 Sekunden, auf PS4 Pro noch weniger. Das ist bemerkenswert für eine Open-World dieser Größe und Detaildichte. Die Engine-Optimierung verdient höchstes Lob – Sucker Punch hat das Letzte aus der PlayStation 4 herausgeholt.
Barrierefreiheit und Optionen
Ghost of Tsushima bietet umfangreiche Barrierefreiheitsoptionen, die zeigen, dass Sucker Punch Zugänglichkeit ernst nimmt. Das Spiel enthält vollständig anpassbare Schwierigkeitsgrade, Farbenblindheitsmodi, anpassbare Kamerageschwindigkeit, große Untertitel mit konfigurierbarer Größe, visuelle Hinweise für Audio-Cues und Auto-Aim-Optionen.
Diese Features machen Ghost of Tsushima für ein breites Publikum spielbar, ohne dass die Core-Experience leidet. Es ist ein Musterbeispiel dafür, wie moderne AAA-Spiele Barrierefreiheit implementieren sollten.
Vergleich mit Genre-Konkurrenz
Im direkten Vergleich zu anderen Open-World-Titeln positioniert sich Ghost of Tsushima einzigartig. Gegenüber Assassin’s Creed bietet es strafferes Design ohne RPG-Bloat und Mikrotransaktionen. Im Vergleich zu Sekiro ist es zugänglicher, aber weniger mechanisch anspruchsvoll. Neben Red Dead Redemption 2 wirkt es fokussierter und weniger simulationistisch.
Was Ghost of Tsushima auszeichnet, ist die konsequente Vision. Wo andere Open-World-Spiele Dutzende Mechaniken stapeln und auf „mehr ist mehr“ setzen, konzentriert sich Sucker Punch auf wenige, perfekt ausgearbeitete Systeme. Das Ergebnis fühlt sich kohärent an – jedes Element unterstützt die zentrale Samurai-Fantasy.
In der PlayStation-Exklusiv-Landschaft reiht sich Ghost of Tsushima nahtlos neben Meisterwerke wie God of War, Horizon Zero Dawn und Spider-Man ein.
Langzeitmotivation und Platin-Trophäe
Für Kompletionisten bietet Ghost of Tsushima umfangreiche Beschäftigung. Die Platin-Trophäe erfordert das Abschließen aller Hauptmissionen, Nebenstorys, das Finden sämtlicher Sammelobjekte (Schreine, heiße Quellen, Bambushaine, Haiku-Spots) und das Meistern diverser Kampf-Herausforderungen.
Die Trophäenliste respektiert die Spielerzeit und motiviert zur vollständigen Erkundung, ohne zu frustrieren. Die durchschnittliche Komplettierungszeit liegt bei 50-60 Stunden – ein süßer Punkt zwischen zu kurz und überwältigend lang.

Kritikpunkte – Kleinigkeiten im Gesamtkunstwerk
Trotz überwältigender Qualität existieren Schwachstellen. Die Gegner-KI agiert gelegentlich fragwürdig – Feinde verlieren manchmal das Interesse an Jin, selbst wenn er in Sichtweite bleibt, oder reagieren verzögert auf Angriffe. In Stealth-Sequenzen kann es vorkommen, dass Mongolen direkt an versteckten Spielern vorbeigehen, ohne zu reagieren.
Die architektonische Vielfalt leidet unter dem historischen Setting. Japanische Holzhütten des 13. Jahrhunderts sahen nun mal ähnlich aus, aber nach 40+ Stunden beginnt selbst liebevoll gestaltete Monotonie zu ermüden. Siedlungen unterscheiden sich primär durch Größe und Anordnung, nicht durch fundamentale architektonische Unterschiede.
Technisch traten zum Launch vereinzelte Bugs auf – fehlende Quest-Trigger, durch Texturen fallende Charaktere, Audio-Desynchronisation. Die meisten wurden durch Patches behoben, aber gelegentlich berichten Spieler noch von kleineren Glitches.
Kulturelle Sensibilität und historische Akkuratesse
Ein sensibles Thema: Wie authentisch präsentiert ein amerikanisches Studio japanische Kultur? Sucker Punch arbeitete eng mit kulturellen Beratern zusammen und bereiste Japan extensiv für Research. Das Ergebnis ist respektvoll und sorgfältig recherchiert, auch wenn dramatische Freiheiten genommen wurden.
Die historische Mongoleninvasion 1274 fand tatsächlich statt, aber Jin Sakai und die meisten Charaktere sind fiktional. Architektur, Kleidung, Waffen und kulturelle Praktiken basieren auf historischen Fakten, sind aber für Gameplay-Zwecke angepasst.
Als respektvolle, kunstvolle Interpretation japanischer Geschichte und Kultur verdient Ghost of Tsushima Anerkennung. Es ist keine dokumentarische Darstellung, aber eine liebevolle Hommage.
Schlusswort
Seit inFAMOUS: Second Son (2014) herrschte Funkstille bei Sucker Punch, und ehrlich gesagt erwarteten wir eher einen weiteren inFAMOUS-Ableger als diese Überraschung. Das Setting darf als erfrischend unverbraucht gelten, die Umsetzung ist schlichtweg fantastisch. Ghost of Tsushima bietet alles, was man von einem solchen Titel erwartet: beeindruckende zeitgemäße Präsentation, packende Story, reichhaltige Entdeckungsmöglichkeiten und ordentlichen Umfang.
Die wenigen Kritikpunkte – gelegentlich fragwürdige Gegner-KI, architektonische Repetition und vereinzelte technische Kleinigkeiten – verblassen angesichts des Gesamtpakets. Ghost of Tsushima ist nicht nur ein herausragendes Spiel, sondern ein Kunstwerk, das demonstriert, was das Medium erreichen kann, wenn Vision, Handwerk und Respekt für das Thema zusammenkommen.
Ob im farbenprächtigen Standard-Modus oder im atmosphärischen Kurosawa-Schwarz-Weiß, ob als ehrenvoller Samurai oder pragmatischer Ghost – Ghost of Tsushima bietet eine der besten Open-World-Erfahrungen der PlayStation 4-Generation. Es ist ein Pflichttitel für jeden PS4-Besitzer und definitiv würdig, auf jeder Must-Play-Liste zu stehen.

Bewertung: 9/10
Stärken:
- Atmosphärisch dichte, authentische Japan-Darstellung aus dem Jahr 1274
- Durchdachtes, zugängliches Kampfsystem mit Stand-Off-Duellen
- Atemberaubende Naturlandschaften und exzellenter Fotomodus
- Herausragender Soundtrack von Shigeru Umebayashi und Ilan Eshkeri
- Revolutionärer Kurosawa-Modus als geniale Hommage an Samurai-Filme
- Umfangreiche Story mit emotional tiefgehenden Nebenquests
- Minimale Ladezeiten, optimale Nutzung von PS4 Pro
- Organische Navigation durch Wind, Vögel und natürliche Wegweiser
- Umfangreiche Barrierefreiheitsoptionen für breite Zugänglichkeit
- Japanische Sprachausgabe mit hervorragender Synchronisation
- Faire Platin-Trophäe ohne frustrierende Anforderungen
Schwächen:
- Gelegentlich fragwürdige Gegner-KI mit verzögerten Reaktionen
- Architektonisch repetitive Siedlungsstrukturen nach 40+ Stunden
- Vereinzelte technische Bugs zum Launch (größtenteils gepatcht)
- Generische Zufallsereignisse bei sehr langem Spielen
- Stealth-Mechaniken manchmal zu nachsichtig
Update: Director’s Cut & PlayStation 5 (August 2021)
Über ein Jahr nach dem ursprünglichen Release erschien im August 2021 die Director’s Cut Edition für PS4 und PS5. Diese erweiterte Version bringt signifikante Verbesserungen und zusätzlichen Content.
Iki Island – Die Erweiterung
Die Iki Island-Erweiterung führt ein zusätzliches Gebiet mit 10-15 Stunden neuem Content ein. Die Insel Iki liegt nahe Tsushima und wurde ebenfalls von Mongolen überfallen. Jin reist dorthin, um Verbündete zu finden, und konfrontiert dabei traumatische Erinnerungen an seinen verstorbenen Vater.
Iki Island bietet nicht nur geografische Erweiterung, sondern auch narrative Tiefe. Die Story taucht in Jins Vergangenheit ein und beleuchtet seinen komplexen Ehrenkodex sowie die Beziehung zu seinem Vater. Neue Gegnertypen, Schamanen mit halluzinogenen Angriffen und frische Gameplay-Mechaniken sorgen für Abwechslung.
PlayStation 5 Verbesserungen
Auf PlayStation 5 entfaltet das Spiel sein volles Potenzial. Der Performance-Modus liefert butterweiche 60fps bei 1800p-dynamischer Auflösung, während der Resolution-Modus native 4K mit stabilem 30fps bietet. Ladezeiten schrumpfen von 15-20 Sekunden (PS4) auf unter 2 Sekunden (PS5) – Fast Travel wird praktisch instantan.
Das DualSense-Feedback ist subtil, aber effektiv implementiert. Bogenschüsse spürt man in den adaptiven Triggern, Schwerthiebe erzeugen haptisches Feedback, und Umgebungsgeräusche werden räumlich über 3D-Audio positioniert. Diese Features sind keine revolutionären Nutzungen der PS5-Hardware, aber angenehme Ergänzungen, die Immersion verstärken.
Zusätzlich führt der Director’s Cut ein Katana-Schmied-Feature ein, mit dem Spieler ihre Waffen individuell anpassen können, sowie eine verbesserte japanische Lippensynchronisation, die Mundbewegungen an die japanische Sprachausgabe anpasst.
Ghost of Tsushima: Legends
Im Oktober 2020 fügte Sucker Punch Ghost of Tsushima: Legends kostenlos hinzu – einen Koop-Multiplayer-Modus für 2-4 Spieler. Anders als erwartet ist Legends kein einfacher Aufguss der Hauptkampagne, sondern ein eigenständiges Erlebnis inspiriert von japanischer Mythologie.
Spieler wählen zwischen vier Klassen (Samurai, Hunter, Ronin, Assassin), absolvieren Story-Missionen, kämpfen in Survival-Wellen oder tackeln den anspruchsvollen Raid. Die Klassen bieten unterschiedliche Spielstile und fördern Teamwork auf clevere Weise.
PC-Version (Mai 2024)
Im Mai 2024 erschien die Director’s Cut Version für PC via Steam. Die PC-Version unterstützt Ultrawide-Monitore, ungebundene Framerates, DLSS/FSR-Upscaling, erweiterte Grafikoptionen und Maus-Tastatur-Steuerung. Sie enthält die komplette Hauptkampagne, Iki Island-Erweiterung und Legends-Multiplayer.
Häufig gestellte Fragen zu Ghost of Tsushima
Lohnt sich Ghost of Tsushima heute noch?
Absolut! Ghost of Tsushima bleibt Jahre nach Release ein Meisterwerk. Die Director’s Cut Version für PS5 bietet 60fps, schnellere Ladezeiten, DualSense-Integration und die Iki Island-Erweiterung. Mit einer Bewertung von 9/10 ist es ein Pflichttitel für PlayStation-Besitzer. Die atemberaubenden Landschaften, das durchdachte Kampfsystem und der einzigartige Kurosawa-Modus haben nichts von ihrer Faszination verloren.
Was ist der Kurosawa-Modus?
Der Kurosawa-Modus ist eine spielbare Hommage an Regisseur Akira Kurosawa (Die sieben Samurai). Er präsentiert Ghost of Tsushima komplett in Schwarz-Weiß mit authentischen Filmeffekten der 1950er/60er Jahre – inklusive Bildrauschen, Vignettierung und Artefakten. Dieser Modus verwandelt das Spiel in einen interaktiven Samurai-Film und ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal, das keine andere Open-World bietet.
Wie lange dauert Ghost of Tsushima?
Die Hauptstory dauert etwa 25-30 Stunden. Mit allen Nebenquests, Sammelobjekten (Schreine, Haikus, heiße Quellen) und Erkundungen kommt man auf 50-70 Stunden Spielzeit. Die Director’s Cut Version mit Iki Island-Erweiterung fügt weitere 10-15 Stunden hinzu. Der Multiplayer-Modus Legends bietet zusätzlich unbegrenzte Koop-Action.
Ist Ghost of Tsushima schwierig?
Nein, Ghost of Tsushima ist deutlich zugänglicher als Soulslike-Spiele wie Sekiro oder Dark Souls. Das Spiel bietet vier Schwierigkeitsgrade (Leicht, Normal, Schwer, Tödlich), die jederzeit wechselbar sind. Selbst auf höheren Schwierigkeitsgraden liegt der Fokus auf filmreifen Kämpfen statt auf brutaler Herausforderung. Das Kampfsystem ist durchdacht aber fair – perfekt für Spieler, die cinematische Samurai-Action ohne Souls-Frustration suchen.
Gibt es einen Multiplayer-Modus?
Ja! Ghost of Tsushima: Legends ist ein kostenloser Koop-Multiplayer-Modus für 2-4 Spieler, der im Oktober 2020 hinzugefügt wurde. Er bietet Story-Missionen, Survival-Wellen-Modi und einen anspruchsvollen Raid. Legends basiert auf japanischer Mythologie und ist komplett von der Hauptstory getrennt. Spieler wählen zwischen vier Klassen (Samurai, Hunter, Ronin, Assassin) mit unterschiedlichen Fähigkeiten.
Ist Ghost of Tsushima historisch akkurat?
Teilweise. Die Mongoleninvasion 1274 ist historisch belegt und bildet den realen Hintergrund. Jin Sakai und die meisten Charaktere sind jedoch fiktional. Sucker Punch hat sich von historischen Ereignissen inspirieren lassen, aber dramatische Freiheiten genommen. Architektur, Rüstungen und kulturelle Details wurden sorgfältig recherchiert, aber das Spiel priorisiert cinematische Unterhaltung über strikte Geschichtsgenauigkeit.
Welche Sprachen werden unterstützt?
Ghost of Tsushima bietet deutsche Untertitel und eine hochwertige deutsche Lokalisierung aller Texte. Bei der Sprachausgabe kann zwischen Englisch (mit Daisuke Tsuji als Jin Sakai) und Japanisch gewählt werden. Die japanische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln bietet die authentischste Erfahrung und wird von der Community stark empfohlen. Eine deutsche Sprachausgabe existiert nicht.
Brauche ich die PS5 Version oder reicht PS4?
Die PS4-Version läuft bereits hervorragend, besonders auf PS4 Pro mit stabilem 30fps und hoher Auflösung. Die PS5 Director’s Cut Version bietet jedoch deutliche Vorteile: 60fps Performance-Modus, 4K Resolution-Modus, nahezu keine Ladezeiten dank SSD, haptisches DualSense-Feedback, 3D-Audio und die Iki Island-Erweiterung. PS4-Besitzer können zum reduzierten Preis upgraden.
Gibt es Ghost of Tsushima für PC?
Ja! Die Director’s Cut Version erschien im Mai 2024 für PC via Steam und Epic Games Store. Die PC-Version unterstützt Ultrawide-Monitore, ungebundene Framerates, DLSS/FSR-Upscaling, erweiterte Grafikoptionen und Maus-Tastatur-Steuerung. Sie enthält die komplette Hauptkampagne, Iki Island-Erweiterung und Legends-Multiplayer.
Was ist besser: Ghost of Tsushima oder Sekiro?
Das hängt von persönlichen Vorlieben ab. Sekiro bietet anspruchsvolleres, präziseres Kampfsystem mit höherer Lernkurve und intensiverer Herausforderung. Ghost of Tsushima ist zugänglicher, cinematischer und fokussiert auf Open-World-Erkundung statt reine Kampfkunst. Sekiro für Hardcore-Action-Fans, Ghost of Tsushima für Spieler, die Samurai-Fantasy mit Story und Atmosphäre erleben wollen. Beide sind Meisterwerke in ihrem jeweiligen Ansatz.


