James Bond ist seit über 60 Jahren eine popkulturelle Institution – in Büchern, Filmen und seit 1983 auch in Videospielen. Was mit einem simplen Sidescroller auf dem Atari 2600 begann, hat sich zu einer der ikonischsten Spielereihen der Geschichte entwickelt. Ein Rückblick auf Höhen, Tiefen und den aktuellen Neustart.
Die Anfänge: Heimcomputer und Domark (1983–1996)
Das erste lizenzierte Bond-Spiel erschien 1983 von Parker Brothers für den Atari 2600 – ein einfacher Sidescroller, in dem Bond ein Ölbohrinsel ansteuert. Spielerisch war es wenig beeindruckend, historisch jedoch ein Startschuss. In den folgenden Jahren übernahm der britische Entwickler Domark die Lizenz und veröffentlichte eine Reihe von Titeln zu den jeweiligen Filmstarts: The Living Daylights (1987), Licence to Kill (1989), The Spy Who Loved Me (1990). Die Spiele variierten in Genre und Plattform – von Shoot-‚em-ups bis hin zu Rennspielern –, blieben aber qualitativ mittelmäßig. Erwähnenswert ist die Ausnahme zweier Textadventures von Mindscape (1985/86), die von Raymond Benson geschrieben wurden – jenem Autor, der später selbst Bond-Romane verfassen sollte.
Diese frühe Ära ist vor allem für Sammler und Retro-Gaming-Enthusiasten von Interesse.
Der Quantensprung: GoldenEye 007 (1997)
1997 veränderte ein einziges Spiel die Geschichte des Shooters: GoldenEye 007 für den Nintendo 64, entwickelt von Rare. Was heute selbstverständlich klingt – präzise Steuerung, Headshots, Splitscreen-Multiplayer für vier Spieler –, war damals eine Revolution für Konsolen-Ego-Shooter. Das Spiel orientierte sich am Film, ging aber weit darüber hinaus: abwechslungsreiche Missionen, unterschiedliche Schwierigkeitsgrade mit eigenen Zielen, ein Schleichanspruch lange vor Splinter Cell oder Metal Gear Solid auf der Playstation.
GoldenEye 007 gilt bis heute als einer der einflussreichsten Spiele aller Zeiten und legte das Fundament für Halo, Call of Duty und den modernen Konsolenshooter. Rare wollte keine Fortsetzung entwickeln und arbeitete stattdessen an Perfect Dark – dem spirituellen Nachfolger.
Die EA-Ära: Hochform und Aufbruch (1999–2005)
Electronic Arts übernahm die Bond-Lizenz und startete holprig: Tomorrow Never Dies (1999) und 007 Racing (2000) waren schwache Titel ohne Multiplayer-Appeal. Mit Agent Under Fire (2001) fand EA seinen Rhythmus, und Nightfire (2002) gilt vielen als das beste Bond-Spiel nach GoldenEye – mit authentischem Filmatmosphäre, spielbaren Pre-Title-Sequenzen und erstklassigem Level-Design.
Den Höhepunkt der EA-Ära markierte Everything or Nothing (2004): Das Third-Person-Actionspiel setzte auf Deckungskämpfe, Gadgets und Fahrsequenzen mit dem Need-for-Speed-Motor – und war das erste Bond-Spiel mit Originalsprechern der Filmbesetzung, darunter Pierce Brosnan, Judi Dench und sogar Richard Kiel als Jaws. 007: From Russia with Love (2005) mit Sean Connery als Bond bildete einen würdigen Abschluss dieser Ära.
Activision übernimmt – und enttäuscht (2008–2012)
Activision erwarb die Bond-Lizenz und setzte mit Quantum of Solace (2008) auf den Engine der Call of Duty 4 – was funktionierte, aber wenig Bond-typisches Flair erzeugte. Das ambitioniertere Blood Stone (2010, Bizarre Creations) bot eine originale Story zwischen Quantum und Skyfall und Daniel Craig als Stimme, blieb aber unter seinem Potenzial. Das GoldenEye-Remake für die Wii (2010, Eurocom) war solide, konnte das N64-Original aber nicht ersetzen.
007 Legends (2012) versuchte, sechs Filmklassiker in einem Spiel zu vereinen – von Goldfinger bis Skyfall – und scheiterte daran, keinem gerecht zu werden. Mit gemischten Reviews und enttäuschenden Verkaufszahlen endete die Activision-Ära, und die Bond-Lizenz lag danach jahrelang brach.
Die lange Pause und der Neustart: 007 First Light (2026)
Über ein Jahrzehnt gab es kein großes Bond-Spiel. 2020 verkündete IO Interactive – bekannt durch die Hitman-Reihe – unter dem Arbeitstitel Project 007 eine Zusammenarbeit mit Amazon MGM Studios. 2025 wurde der Name enthüllt: 007 First Light.
Das Spiel erschien am 27. Mai 2026 für PS5, Xbox Series X/S und PC (die Nintendo Switch 2-Version folgt später im Sommer) und erzählt eine originale Origin-Story: Bond als 26-jähriger Royal-Navy-Soldat, der ins MI6-Programm rekrutiert wird – noch bevor er die Lizenz zum Töten erhält. Patrick Gibson spielt Bond, Lenny Kravitz verkörpert den Bösewicht Bawma. Die ersten internationalen Reviews loben das Spiel als bisher bestes Bond-Spiel überhaupt – mit dichten Sandbox-Missionen, Stealth-Mechaniken, Fahrsequenzen und einem cinematischen Gespür, das man von IO Interactive kennt.
Unseren ausführlichen 007 First Light Test findet ihr hier: 007 First Light Test

