Sechs Tage vor dem Release am 27. Mai hat IO Interactive die Steam-Seite von 007 First Light still und heimlich aktualisiert — mit einem Zusatz, der die Community sofort in Aufruhr versetzt hat: „Incorporates 3rd-party DRM: Denuvo Anti-Tamper.“ Was folgte, war eine Welle an Vorbestellungs-Stornierungen und Rückerstattungsanfragen. Eine offizielle Stellungnahme von IO Interactive gibt es bis heute nicht.
Was Denuvo bedeutet — und warum es die Community aufregt
Denuvo ist eine Anti-Piraterie-Software des österreichischen Unternehmens Irdeto, die auf Kernel-Ebene ins Betriebssystem eingreift — also mit den höchsten Systemrechten arbeitet, die ein Programm haben kann. Die Hauptkritikpunkte der Community sind dabei immer dieselben: potenzielle Performance-Einbußen, regelmäßige Online-Validierungen zum Besitznachweis und Probleme mit SteamOS-Nutzern, die beim Wechsel von Proton-Versionen auf Einschränkungen stoßen.
Hinzu kommt: 007 First Light empfahl zu Beginn 32 GB RAM für 1080p mit 60 FPS — eine Angabe, die IO Interactive nach Kritik auf 16 GB korrigieren musste. Das Vertrauen in die technische Kommunikation des Studios war also schon vor dem Denuvo-Zusatz angeknackst. Auch Path Tracing wird zum Launch nicht verfügbar sein — das Feature kommt erst im Sommer 2026 per Update nach.
Ein Steam-Nutzer brachte die Stimmung auf den Punkt: „Off the wishlist it comes. Denuvo will be bypassed day one or sooner, and I’ll be waiting for a steep sale on a third-party website to buy this now.“
Das eigentliche Problem: Transparenz und ein Rückschritt
Die technischen Bedenken sind real — aber der eigentliche Aufreger ist ein anderer. IO Interactive hat Denuvo erst am 21. Mai hinzugefügt, sechs Tage vor Release und Wochen nachdem die Vorbestellungen geöffnet wurden. Wer das Spiel vorbestellt hat, tat das ohne Kenntnis über das enthaltene DRM.
Besonders bitter: IO Interactive hat diesen Weg schon einmal verlassen. Hitman 1 und Hitman 2 starteten mit Denuvo — aber das Studio entfernte es später wieder. HITMAN World of Assassination erschien schließlich komplett ohne DRM. Warum 007 First Light diesen Fortschritt rückgängig macht, hat IO Interactive bisher nicht erklärt.
007 First Light ist dabei kein Einzelfall. LEGO Batman: Legacy of the Dark Knight fügte Denuvo zwei Wochen vor Launch hinzu, Crimson Desert tat dasselbe im März. Nur InZOI hat es anders gemacht: Das Spiel entfernte Denuvo nach Community-Kritik noch vor dem Early-Access-Launch — und erntete dafür breiten Respekt. Inzwischen petitionieren Spieler Valve, Denuvo als Pflichtangabe vor dem Start von Vorbestellungen einzuführen — ähnlich wie bei KI-generierten Assets.
Wie effektiv ist Denuvo überhaupt noch?
Das ist die eigentliche Ironie. Resident Evil: Requiem wurde in gerade mal 40 Tagen geknackt. Hypervisor-basierte Bypässe ermöglichen inzwischen sogar Day-Zero-Cracks noch vor dem offiziellen Release — und laut Community wird der Bypass für 007 First Light wahrscheinlich bereits am 26. Mai erscheinen, dem Tag des Pre-Order-Early-Access. IO Interactive schützt damit ein Spiel mit einer Technologie, die bestenfalls ein paar Wochen hält — und verärgert dabei zahlende Kunden, die das Spiel legal kaufen wollen.
Ob 007 First Light trotz des Ärgers ein guter James-Bond-Titel wird, zeigt sich ab dem 27. Mai.
