Alex Hutchinson, ehemaliger Creative Director von Assassin’s Creed 3 und Far Cry 4, hat in einem Interview mit Eldorado.gg kein Blatt vor den Mund genommen: Games-as-a-Service sei „darauf ausgelegt, Menschen Zeit und Geld zu entziehen“ – und Assassin’s Creed solle diesen Weg niemals einschlagen.
Klare Ansage gegen GaaS
Hutchinson, der heute das unabhängige Studio Raccoon Logic (Revenge of the Savage Planet) leitet, sieht im Live-Service-Modell ein grundsätzliches Problem: Es optimiere nicht für gute Spielerlebnisse, sondern für maximale Verweildauer und Ausgaben. Für eine Franchise wie Assassin’s Creed, die auf narrativer Dichte und historischer Atmosphäre aufgebaut ist, wäre das laut Hutchinson ein Kategorienfehler.
Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Ubisoft mit Assassin’s Creed Infinity genau diese Richtung verfolgt – eine Hub-Plattform, die mehrere AC-Erfahrungen unter einem Live-Service-Dach bündeln soll.
Indien und Südamerika als Wunschsettings
Käme Hutchinson für ein neues Assassin’s Creed zurück in die AAA-Entwicklung, wäre sein Ziel klar: ein Spiel während des British Raj im kolonialen Indien. Alternativ nennt er präkolumbianisches Südamerika – Maya, Inka, Tolteken – als historisch ergiebiges Territorium, das die Reihe bislang gemieden hat.
Die Branche verdient ihr Geld oben, nicht in der Mitte
Hutchinson nutzt das Interview auch für eine nüchterne Branchendiagnose: Trotz Millionen Spielern habe Revenge of the Savage Planet finanziell gekämpft. Die Einnahmen konzentrierten sich zunehmend an der Spitze – bei wenigen Megahits –, während die breite Entwicklerschicht mit sinkenden Margen und unterbezahlten Teams arbeite. Steam-Wishlists seien heute keine Kaufabsichtssignale mehr, sondern Discount-Alerts: Spieler listeten Titel, um auf den nächsten 90-Prozent-Sale zu warten.
Zu Far Cry 7 äußert Hutchinson sich ebenfalls: Die internen Probleme bei Ubisoft seien struktureller Natur – wechselnde Führungsvorgaben und fehlende kreative Vision, dasselbe Muster, das bereits das eingestellte Projekt Pioneer zu Fall gebracht habe.
Einordnung
Hutchinsons Aussagen sind keine isolierte Meinung: Die Debatte um Live-Service-Mechaniken und ihre Auswirkungen auf Spieldesign und Monetarisierung ist seit Jahren ein Dauerthema der Branche. Dass ein ehemaliger AAA-Director mit konkreter Ubisoft-Erfahrung so direkt Stellung bezieht, gibt dem Ganzen besonderes Gewicht – zumal er mit Raccoon Logic selbst gerade die Grenze zwischen künstlerischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität auslotet.
Quelle: Interview mit Alex Hutchinson bei Eldorado.gg


