VW ID Update

ID. Software 6: VW macht es jetzt offiziell — eure Autos sind abgehängt

Jahrelang haben ID.-Fahrer auf Updates gewartet, Hotlines abgeklappert, in Foren diskutiert und VW-Supporttickets ins Leere laufen lassen. Jetzt ist es schwarz auf weiß: Mit ID. Software 6 bekommt ein Großteil der Bestandskunden garantiert nichts mehr. Keine neuen Funktionen. Kein neues Infotainment. Kein Anschluss an die nächste Generation. Die Zwei-Klassen-Gesellschaft, die wir hier seit über einem Jahr dokumentieren, ist damit offiziell festgeschrieben.

Was ist ID. Software 6?

Zum Modelljahreswechsel 2027, der ab Produktionswoche 18/2026 greift, rüstet VW seine ID.-Modelle grundlegend auf. ID. Software 6 bringt ein überarbeitetes Infotainment-System, einen integrierten App-Store mit Drittanbieter-Apps aus den Bereichen Audio, Video-Streaming, Laden und Navigation — und umfangreiche Erweiterungen bei Fahrassistenzsystemen wie Connected Travel Assist, Lane Assist und Emergency Assist. Dazu verlängert VW die Laufzeit des VW-Connect-Vertrags von zwei auf zehn Jahre. Klingt gut, oder?

Ja — für alle, die ab Produktionswoche 18/2026 ein neues Fahrzeug kaufen.

Für alle anderen kommt direkt der Dämpfer: Fahrzeuge mit ID. Software 4.x oder 5.x sind laut VW nicht hardwarekompatibel mit ID. Software 6. Ein Update ist schlicht unmöglich. Wer also ein ID.3, ID.4, ID.5 oder ID.7 aus den vergangenen Jahren fährt, bleibt dauerhaft auf dem Stand von gestern.

Das Ende einer langen Odyssee

Wer unsere Berichterstattung verfolgt hat, kennt die Geschichte. Ich habe meinen VW ID.3 im September 2024 gekauft — und über ein Jahr lang vergeblich auf verfügbare Software gewartet. Erst kam die mysteriöse Wellenpolitik, bei der manche Kunden Updates bekamen und andere nicht, ohne dass VW je transparent gemacht hätte, nach welchen Kriterien das entschieden wird. Dann die unfreiwillige Reise zwei Versionen zurück. Irgendwann dann, nach monatelangem Warten, das 3.7-OTA — endlich angekommen.

All das war frustrierend genug. Aber zumindest gab es immer noch die vage Hoffnung, dass VW das Steuer herumreißt und Bestandskunden irgendwann auf Augenhöhe mit Neukäufern bringt.

Diese Hoffnung ist jetzt erledigt.

CARIAD: Vom Totalversagen zur Umstrukturierung

Der Hintergrund dieser Entscheidung lässt sich direkt aus dem CARIAD-Desaster ableiten, das wir Anfang des Jahres ausführlich aufgearbeitet haben. VW hat 14 Milliarden Euro in die eigene Softwareschmiede CARIAD versenkt und am Ende kapituliert. Seit Oktober 2025 ist CARIAD kein eigenständiger Software-Entwickler mehr, sondern ein Integrator: Externe Technologien von Rivian aus den USA und Xpeng aus China werden in die Konzernmodelle eingebaut. VW kauft Software ein, statt sie selbst zu bauen.

Das ist die direkte Konsequenz daraus, dass die ursprüngliche Architektur der älteren ID.-Modelle schlicht nicht zukunftsfähig gebaut wurde. ID. Software 6 basiert laut VW auf einer Weiterentwicklung der elektronischen Architektur — und genau die haben ältere Fahrzeuge nicht. Das ist kein Bug, das ist Design. Man hat damals eine Plattform verkauft, die auf dem Papier updatefähig wirkte, deren Hardware aber zu schnell an ihre Grenzen stieß.

Interessant dabei: CARIAD meldete für das Geschäftsjahr 2025 einen Umsatzanstieg von 34 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro und lieferte Softwarepakete für acht neue Modellreihen. Der Konzern richtet sich neu aus — nur eben nicht für die Kunden, die schon da sind.

Was das für Bestandskunden bedeutet

Konkret heißt das: Wer heute einen ID.3 der ersten oder zweiten Generation fährt, wer mit einem ID.4 oder ID.5 aus 2022 oder 2023 unterwegs ist, bekommt offiziell keine ID. Software 6. Nicht über OTA, nicht in der Werkstatt. Nie.

Das Live-Service-Modell, das VW mit den ID.-Modellen implizit versprochen hat — regelmäßige Updates, neue Funktionen über die Nutzungsdauer — gilt offenbar nur so lange, wie es VW in den Kram passt. Der Day-One-Patch wurde zur Dauerbaustelle, aus der Hotfixes nie zu echten Weiterentwicklungen wurden.

Beim nächsten Autokauf werden viele das nicht vergessen.

Fazit: Das hätte man wissen müssen

VW hat die ID.-Reihe mit dem Versprechen verkauft, dass das Auto über Updates mit der Zeit besser wird. Ein Versprechen, das Tesla in seiner Branche etabliert hat und das viele Käufer explizit überzeugt hat. Was dabei herauskam, ist dokumentiert: eine Updatepolitik, die Kunden nach Klassen behandelt, jahrelange Wartezeiten auf längst verfügbare Software — und jetzt der offizielle Schlussstrich für die erste Generation.

Dass CARIAD parallel einen Umsatzrekord feiert und VW eine neue Architektur für Neuwagen ausrollt, macht das für Bestandskunden nicht besser. Im Gegenteil — es zeigt, dass der Konzern das Geld und die Kapazitäten hätte. Man hat sich nur anders entschieden.

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft unter VW-Kunden? Die war nie eine Verschwörungstheorie. Sie war immer Strategie.

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