WM 2026

WM 2026: Das größte Sportevent der Welt hat (bis jetzt) kein Videospiel

Ich erinnere mich noch gut an das offizielle EM-Spiel zur Euro 96 – nicht von EA, aber trotzdem da. Zwei Jahre später dann FIFA: Road to World Cup 98. Das Gefühl, ein Weltturnier im Controller zu haben, war damals selbstverständlich. 2026 ist das offenbar niemandem mehr wichtig genug.

Am 11. Juni 2026 beginnt in Mexiko City die Fußball-Weltmeisterschaft. Erstmals nehmen 48 Mannschaften teil – mehr als jemals zuvor in der Geschichte des Turniers. Drei Länder, über ein Dutzend Spielorte, ein Milliardenpublikum. Die WM ist, noch vor der Champions League, das sportliche Großereignis schlechthin. Und videospieltechnisch: so gut wie inexistent.

Das ist kein Unfall. Es ist das Ergebnis mehrerer Entwicklungen, die zusammen dafür gesorgt haben, dass das größte Sportereignis der Welt ohne begleitendes Videospiel dasteht. Ende 2025 kündigte FIFA-Präsident Gianni Infantino ein kostenloses WM-Mobilegame für Netflix-Abonnenten an – entwickelt vom Studio Refactor Games, mit dem üblichen Großversprechen ausgestattet. Seitdem: nichts. Kein Name, kein Trailer, kein Datum. Und Refactor Games schreibt auf seiner Website noch immer Stellen für Programmierer und QA-Tester aus – für ein Spiel, das theoretisch längst fertig sein müsste.

Man könnte einwenden, der Entwicklungszeitraum sei das Problem. Aber das zieht bei einem WM-Spiel nicht: Termin und Austragungsort der WM stehen Jahre im Voraus fest. Was bis zuletzt offen bleibt, sind die teilnehmenden Mannschaften – deren Kader aber ohnehin digital gepflegt und kurzfristig aktualisiert werden könnten. Die WM 2026 war also seit Jahren planbar. Wer wollte, hätte anfangen können.

Das eigentliche Problem ist ein anderes. Ein WM-Spiel hat ein hartes Ablaufdatum: Kurz nach dem Finale am 19. Juli sinkt das Interesse schlagartig. Der kommerzielle Verwertungszeitraum beträgt vielleicht sechs bis acht Wochen. Für einen vollständig eigenentwickelten Titel mit Vollpreisanspruch ergibt das schlicht keine tragfähige Kalkulation – was erklären würde, warum EA schon länger keine eigenständigen WM-Ableger mehr veröffentlicht und sich auf WM-Modi innerhalb von EA Sports FC beschränkt hat. Jetzt, da auch diese Partnerschaft beendet ist, klafft eine Lücke, die FIFA offenbar nicht füllen kann.

Was bleibt, ist ein etwas ernüchterndes Bild: Das reale Sportereignis wächst – mehr Teams, mehr Länder, mehr Reichweite. Das digitale Angebot schrumpft. SEGA integriert einen WM-Modus in den Football Manager, auf Roblox gibt es FIFA Super Soccer, und FIFA Rivals wartet mit einem Live-Service-Modell auf NFT-Basis auf. Das ist nicht das WM-Spiel, das 1996 oder 1998 den Moment eingefangen hat.

Vielleicht erscheint das Netflix-FIFA doch noch – als Shadowdrop kurz vor dem Anpfiff. Aber nach aktuellem Stand sieht es so aus, als würde die WM 2026 ohne offizielles Videospiel stattfinden. Für ein Turnier dieser Größe ist das ein bemerkenswertes Versäumnis.

Quelle: Öffentliche Angaben von FIFA und Refactor Games; eigene Einschätzung

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