Metro-Romantrilogie und Metro 2033 Universum

Metro-Romantrilogie und Metro 2033 Universum erklärt: Alle Bücher im Überblick

Was ist die Metro-Romantrilogie?

Die Metro-Romantrilogie ist eine Reihe von drei Romanen des russischen Autors Dmitry Glukhovsky, die zwischen 2005 und 2015 erschienen. Sie bildet das literarische Fundament des gesamten Metro-Franchise — einer postapokalyptischen Welt, in der ein nuklearer Krieg die Menschheit in die Tunnel der Moskauer U-Bahn getrieben hat. Alle drei Bücher folgen demselben Protagonisten: Artjom, der im Laufe der Reihe vom einfachen Tunnelbewohner zum Schlüssel für das Schicksal der Metro-Gesellschaft wird.

Auf Basis der Trilogie entstanden außerdem das sogenannte Metro 2033 Universum — eine Anthologiereihe, in der andere Autoren in Glukhovskys Welt schreiben — sowie die Videospielreihe von 4A Games. Wer die Bücher und die Spiele zusammen betrachtet, bekommt das vollständige Bild der Metro-Welt.

Dmitry Glukhovsky: Der Autor hinter der Reihe

Dmitry Glukhovsky, geboren 1979 in Moskau, studierte Journalismus und Internationale Beziehungen in Jerusalem und arbeitete anschließend als TV- und Radiojournalist, unter anderem für internationale Sender in Russland. Metro 2033 begann er Anfang der 2000er Jahre als Webprojekt — er veröffentlichte den Roman kapitelweise auf seiner Website und lud Leser ein, die Entwicklung zu begleiten und zu kommentieren. Dieses Crowdsourcing-Modell war für die damalige Zeit ungewöhnlich und trug wesentlich zur frühen Fangemeinschaft bei.

Glukhovsky lebt seit Jahren im Exil und hat sich öffentlich klar gegen den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine positioniert. Seine Romane — besonders Metro 2035 — lassen sich als Kommentare auf Zensur, staatliche Kontrolle und die Unterdrückung von Wahrheit in Russland lesen. Diese politische Dimension ist kein nachträglicher Rahmen, sondern von Anfang an Teil der Metro-Bücher.

Metro 2033 (Roman, 2005)

Der erste Band erschien 2005 auf Russisch in gedruckter Form, nachdem er zuvor ab 2002 als kostenloses Online-Kapitel veröffentlicht worden war. Die deutsche Ausgabe folgte 2007 bzw. 2008 im Heyne Verlag. Metro 2033 ist heute in Dutzende Sprachen übersetzt und gilt international als Klassiker des postapokalyptischen Genres.

Worum geht es?

Das Buch spielt im Jahr 2033 — zwanzig Jahre nach einem nuklearen Krieg, der die Erdoberfläche weitgehend unbewohnbar gemacht hat. Die wenigen Überlebenden haben sich in die Tunnel der Moskauer Metro zurückgezogen. Dort haben sich eigene Gesellschaften, Fraktionen und Machtsysteme herausgebildet: kommunistische Linien, faschistische Stationen, Händlerbünde und religiöse Gemeinschaften — alles auf engstem Raum unter der Erde.

Protagonist Artjom lebt auf der Station WDNCh im Norden der Metro. Als mysteriöse Wesen — die Schwarzen — seine Heimatstation bedrohen, bricht er auf einer gefährlichen Reise quer durch die gesamte Metro auf, um Hilfe zu suchen und eine Rakete auf das Nest der Schwarzen abzufeuern. Die Reise ist ein Panorama der Metro-Gesellschaft: Artjom begegnet fast allen großen Fraktionen und erlebt, wie Angst, Ideologie und Überlebenswille die Menschen unter der Erde formen.

Das Ende ist dunkel: Die Rakete trifft ihr Ziel. Doch im letzten Moment zeigt sich, dass die Schwarzen keine Feinde waren, sondern eine höher entwickelte, telepathisch begabte Form der Menschheit, die Kontakt aufnehmen wollte. Artjom hat aus Unkenntnis und Angst etwas Unwiederbringliches vernichtet.

Unterschied zur Spielversion

Das gleichnamige Videospiel folgt der Romanhandlung eng, weicht aber in einem entscheidenden Punkt ab: Es gibt ein zweites, kanonisches Ende — das sogenannte Erleuchtet-Ende — in dem Artjom die Schwarzen nicht zerstört. Dieses Ende existiert im Roman nicht. Es wurde für die Spielreihe eingeführt und gilt als Basis für alle weiteren Spiele.

Metro 2034 (Roman, 2009)

Der zweite Band erschien 2009 auf Russisch und einige Jahre später auf Deutsch im Heyne Verlag. Er ist der ungewöhnlichste und unter Fans umstrittenste Teil der Trilogie — und gleichzeitig derjenige, den man am besten versteht, wenn man ihn als eigenständiges literarisches Werk liest und nicht als direkte Fortsetzung von Metro 2033.

Worum geht es?

Das Buch spielt im Jahr 2034, ein Jahr nach dem ersten Band. Artjom selbst tritt kaum auf — er taucht kurz auf, ist aber nicht mehr der Mittelpunkt. Stattdessen folgt der Roman dem erfahrenen Stalker Hunter sowie dem Mädchen Sascha und einem alten Musiker namens Homer. Die drei unternehmen eine Expedition durch die Metro, auf der Homer die Geschichte der Menschheit in der Dunkelheit festhalten will.

Metro 2034 ist lyrischer und philosophischer als der Vorgänger. Es geht weniger um Action als um Einsamkeit, die Kraft der Musik und die Frage, was bleibt, wenn eine Zivilisation zusammenbricht. Wer den ersten Band als Reiseabenteuer geschätzt hat, wird hier etwas anderes vorfinden — Glukhovsky wollte offenbar beweisen, dass die Metro-Welt mehr als ein Abenteuerrahmen ist.

Verhältnis zum Videospiel

Das zweite Videospiel Metro: Last Light hieß ursprünglich intern Metro 2034, hat mit dem gleichnamigen Roman aber inhaltlich kaum etwas gemein. Das Spiel ist eine direkte Spielfortsetzung zu Metro 2033 (dem Spiel), nicht eine Adaption des Romans. Metro 2034 (das Buch) wurde nie als Vorlage für ein Spiel umgesetzt.

Metro 2035 (Roman, 2015)

Der dritte und abschließende Band erschien 2015 auf Russisch und 2016 auf Deutsch im Heyne Verlag. Er ist das inhaltlich engste Bindeglied zwischen Büchern und Spielen und der politisch expliziteste Roman der Reihe.

Worum geht es?

Artjom lebt nach den Ereignissen von Metro: Last Light (dem Spiel) mit seiner Frau Anna in der Polis. Er ist desillusioniert und davon überzeugt, dass es jenseits von Moskau noch andere Überlebende gibt — und dass Funksignale aus der Außenwelt empfangen werden können. Die Führung der Metro will das vertuschen. Was folgt, ist eine Geschichte über Informationskontrolle, staatliche Lügen und den Preis, den jemand zahlt, der die Wahrheit herausfinden will.

Der Roman endet damit, dass Artjom gemeinsam mit Anna und einer kleinen Gruppe Überlebender die Moskauer Metro verlässt und gen Osten aufbricht — exakt dort setzt das Videospiel Metro Exodus ein. Metro 2035 und Metro Exodus wurden in enger Zusammenarbeit zwischen Glukhovsky und 4A Games entwickelt und sind inhaltlich aufeinander abgestimmt.

Die politische Lesart

Metro 2035 ist der am stärksten als Russland-Allegorie lesbare Band der Trilogie. Die Mechanismen der Metro — Propaganda, Informationsunterdrückung, eine Führung, die die Bevölkerung belügt, um die eigene Macht zu sichern — spiegeln Entwicklungen wider, die Glukhovsky im realen Russland der 2010er Jahre beobachtete. Er sprach in Interviews offen darüber, dass das Buch auch als politischer Roman gemeint ist.

Das Evangelium nach Artjom

Neben der Trilogie verfasste Glukhovsky eine Kurzgeschichte mit dem Titel Das Evangelium nach Artjom. Sie ist in der Originalausgabe von Metro 2033 enthalten und auch als eigenständige Veröffentlichung erhältlich. Inhaltlich schließt sie thematisch an den ersten Roman an und beleuchtet Artjoms Innenleben und seine Wahrnehmung der Welt. Wer die Kurzgeschichte bereits in der Metro-2033-Ausgabe gelesen hat, muss sie nicht separat kaufen — der Inhalt ist identisch.

Das Metro 2033 Universum: Andere Autoren, dieselbe Welt

Ab 2009 öffnete Glukhovsky seine Welt für andere Schriftsteller. Das sogenannte Metro 2033 Universum (russisch: Wselennaja Metro 2033) ist eine Anthologiereihe, in der Autoren aus verschiedenen Ländern eigene Romane in der postapokalyptischen Metro-Welt schreiben — mit Glukhovskys Genehmigung, aber ohne seine direkte Autorenschaft. Die Reihe umfasst inzwischen weit über hundert Bände, der überwiegende Teil davon nur auf Russisch oder Polnisch.

Was unterscheidet diese Bücher von der Haupttrilogie?

Die Universum-Romane spielen in derselben Welt, folgen aber eigenen Handlungen und Figuren. Die meisten haben keinen direkten Bezug zu Artjom. Stattdessen erkunden sie, wie andere Städte und Regionen die Apokalypse erlebt haben: Nicht überall gibt es eine Metro — manche Bücher spielen in Kellern, Bunkern oder anderen Untergrundstrukturen. Der Ton variiert je nach Autor erheblich, und die literarische Qualität ist uneinheitlicher als in der Haupttrilogie.

In Sachen Kanonstatus gilt die Faustformel: Die Universum-Bücher sind offiziell lizenziert und von Glukhovsky genehmigt, gelten aber nicht als gleichrangig mit der Haupttrilogie. Fans sprechen häufig von einem Suspect Canon — genehmigt, aber nicht von Glukhovsky geschrieben und daher in Details gelegentlich inkonsistent.

Auf Deutsch erschienene Universum-Romane

Im Heyne Verlag erschienen die Universum-Romane unter dem Label METRO 2033-Universum-Roman. Die folgende Übersicht zeigt die ins Deutsche übersetzten Bände mit ihren Schauplätzen:

Schauplatz Moskau:

  • Im Tunnel von Sergej Antonow — spielt in der Moskauer Metro, einer der ersten Universum-Romane überhaupt
  • Das marmorne Paradies von Sergej Kusnezow — ebenfalls Moskau, erkundet die Kalinin-Konföderation

Schauplatz Sankt Petersburg:

  • Die Reise ins Licht von Andrej Djakow — erster Band der Petersburger Trilogie
  • Die Reise in die Dunkelheit von Andrej Djakow — zweiter Band
  • Hinter dem Horizont von Andrej Djakow — dritter Band, schließt die Petersburger Trilogie ab
  • Piter von Schimun Wrotschek — weiterer St.-Petersburg-Roman eines anderen Autors

Schauplatz Nowosibirsk:

  • In die Sonne von Sergej Moskwin — spielt in der sibirischen Stadt Nowosibirsk, zeigt wie das Universum über Moskau hinauswächst

Schauplatz Kaliningrad:

  • Das Erbe der Ahnen von Suren Zormudjan — einer der geografisch am weitesten von Moskau entfernten Romane in deutscher Übersetzung

Schauplatz Italien:

  • Die Wurzeln des Himmels von Tullio Avoledo — das erste Buch außerhalb Russlands, zeigt dass die Apokalypse ein globales Phänomen ist

Weitere Universum-Romane existieren auf Französisch (zwei Bände von Pierre Bordage, die in Paris spielen), auf Polnisch und auf Russisch — der Großteil der über hundert Bände ist nicht ins Deutsche übersetzt worden.

Lesereihenfolge: Wie sollte man einsteigen?

Für die meisten Leser empfiehlt sich folgende Reihenfolge:

  1. Metro 2033 — Pflichtlektüre als Einstieg in die Welt
  2. Metro 2034 — optional, aber empfehlenswert für das vollständige Bild; wer nur die Spielhandlung verfolgen will, kann diesen Band auch nach Metro 2035 lesen
  3. Metro 2035 — direktes Bindeglied zu Metro Exodus
  4. Universum-Romane — frei wählbar, thematisch unabhängig; guter Einstieg ist Im Tunnel (Moskau) oder Die Reise ins Licht (Petersburg)

Wer zusätzlich die Videospiele spielt, bekommt das vollständigste Erlebnis: Metro 2033 (Buch + Spiel), dann Metro: Last Light (Spiel, kein direkt zugehöriger Roman), dann Metro 2035 (Buch) und Metro Exodus (Spiel) bilden zusammen eine durchgängige Erzählung.

Häufige Fragen zur Metro-Romantrilogie

Muss man alle drei Romane lesen?

Nicht zwingend. Metro 2033 ist das Herzstück und für jeden Einstieg unverzichtbar. Metro 2034 ist ein eigenständiges Werk, das thematisch bereichernd, aber für das Verständnis der Spielhandlung nicht notwendig ist. Metro 2035 ist für alle, die Metro Exodus gespielt haben oder spielen wollen, sehr empfehlenswert — die beiden Werke greifen direkt ineinander.

Kann man die Universum-Romane lesen, ohne die Haupttrilogie zu kennen?

Grundsätzlich ja — die meisten Universum-Romane spielen mit eigenen Figuren an anderen Schauplätzen und setzen keine detaillierte Kenntnis der Haupttrilogie voraus. Allerdings versteht man die Welt, die Regeln und die Atmosphäre deutlich besser, wenn man zumindest Metro 2033 gelesen hat.

Sind die Universum-Romane kanonisch?

Sie sind offiziell lizenziert und von Glukhovsky genehmigt, aber nicht von ihm geschrieben. In der Fan-Community gilt für sie der Begriff Suspect Canon: Sie sind Teil des offiziellen Universums, stehen aber nicht im selben Rang wie die drei Hauptromane und können in Details von ihnen abweichen.

Gibt es einen vierten Glukhovsky-Roman?

Nein — die Haupttrilogie endet mit Metro 2035. Glukhovsky hat seitdem andere Romane außerhalb der Metro-Welt geschrieben (TextFutu.re), aber keinen weiteren Metro-Band angekündigt. Die Fortsetzung der Metro-Geschichte findet in den Videospielen statt — zuletzt im angekündigten Metro 2039.

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