Was noch vor wenigen Monaten undenkbar schien, ist jetzt Realität: Die PlayStation 5 kann als PS3-Emulator betrieben werden. Die Hardware-Analysten von Digital Foundry haben den quelloffenen Emulator RPCS3 auf einer PS5 mit Linux-Exploit zum Laufen gebracht und in einem knapp 30-minütigen Video dokumentiert, welche PS3-Spiele funktionieren — und welche kläglich scheitern.

Grundlage des Experiments ist der Linux-Loader für die PS5, der im März 2026 erstmals auftauchte. Er funktioniert nur auf Konsolen mit Firmware 6.02 oder früher und ist laut Digital Foundry unkompliziert einzurichten. RPCS3 läuft dabei als native Linux-Anwendung direkt auf der Hardware — ohne Proton-Übersetzungsschicht. Digital Foundry installierte Linux auf einer SSD im M.2-Slot der PS5 und nutzte den RADV-Grafiktreiber.
Die Ergebnisse sind zweigeteilt. Frühe PS3-Titel, die die ungewöhnliche Prozessorarchitektur der Konsole noch kaum ausreizten, profitieren deutlich von der stärkeren GPU der PS5. Ridge Racer 7 etwa läuft unter RPCS3 mit 4K-Auflösung und stabilen 60 FPS — eine Darstellungsqualität, die die originale PS3-Hardware nie erreichen konnte. Auch Resistance: Fall of Man macht trotz kleinerer Frame-Pacing-Probleme einen soliden Eindruck.
Das Bild dreht sich bei Spielen, die das Herzstück der PlayStation 3 intensiv nutzen: den Cell Broadband Engine-Prozessor mit seinen acht Synergistic Processing Units (SPUs). GTA IV, das 2008 erschien und die PS3-Hardware stark beanspruchte, läuft auf der PS5 unter RPCS3 wie eine Diashow — unabhängig von der gewählten Auflösung. Auch God of War: Ascension und Killzone enttäuschten im Test. Das im Emulator zuschaltbare MLAA-Deaktivieren verbesserte die Framerate in einigen Titeln, weil die Option auf der originalen Hardware stark auf die SPUs drückte — doch selbst das half bei den CPU-lastigsten Spielen nicht ausreichend.
Der Test liefert damit eine technische Erklärung für ein seit Jahren diskutiertes Phänomen: Warum Sony so wenige PS3-Spiele auf aktuelle Plattformen portiert. Die Cell-Architektur ist für moderne x86-CPUs schwer zu imitieren — selbst die verhältnismäßig leistungsstarke Zen-2-CPU der PS5 stößt bei SPU-intensiven Titeln an ihre Grenzen. Digital Foundry vermutet, dass erst die Zen-6-CPU der zukünftigen PS6 genug Rechenleistung mitbringen könnte, um diese Engpässe zuverlässig zu überwinden.
Für PS5-Besitzer ohne exploitbare Firmware bleibt die Situation unbefriedigend. Das offizielle PS3-Angebot über PlayStation Plus Premium beschränkt sich auf einen überschaubaren Katalog, der per Cloud-Streaming bereitgestellt wird — mit den bekannten Latenznachteilen. Viele PS3-Exklusivtitel, die besonders von der Cell-Architektur abhingen, bleiben damit weiterhin auf der Originalplattform gefangen. Ein Thema, das im Kontext der Spieleerhaltung zunehmend an Relevanz gewinnt.
RPCS3 selbst macht derweil rasante Fortschritte: Stand April 2026 gelten über 73 Prozent aller PS3-Spiele als vollständig spielbar — ein Meilenstein für ein Community-Projekt, das seit 2011 entwickelt wird. Das vollständige Digital-Foundry-Video ist auf YouTube verfügbar.


