Microsoft schließt Ninja Theory. Das Cambridge-Studio, bekannt für die Hellblade-Reihe, wurde am 16. Juni 2026 über das Ende informiert – nur neun Tage nachdem das Team auf dem Xbox Games Showcase sein nächstes Spiel, Senua, angekündigt hatte. Gleichzeitig verhandeln Double Fine Productions und Compulsion Games mit Microsoft über einen möglichen Spin-off, um einer Schließung zu entgehen. Es ist der bislang größte Einschnitt in der Geschichte von Xbox Game Studios an einem einzigen Tag.
Laut einem Bericht von Bloomberg-Journalist Jason Schreier, der von mehreren Quellen bestätigt wurde, wurden Ninja-Theory-Mitarbeiter an diesem Montag in einem internen Meeting über die Schließung informiert. Das Studio sucht aktuell nach einem Käufer, der das Team geschlossen übernehmen könnte – ob sich jemand findet, ist offen. Das Schicksal von Senua, dem geplanten Action-Adventure für 2027, ist damit ungewiss: Entweder übernimmt ein externer Käufer das Projekt, Microsoft überträgt es einem anderen internen Studio – oder das Spiel wird nie erscheinen.
Ninja Theory wurde 2018 von Microsoft übernommen, als Teil einer umfangreichen Akquisitionsstrategie unter der Führung von Phil Spencer. Seitdem verantwortete das Studio Senua’s Saga: Hellblade II (2024), das für seine visuelle und akustische Qualität gelobt, aber auch für seine kurze Spielzeit kritisiert wurde. Für Senua hatte Studio-Chef Dom Matthews zuletzt bestätigt, dass alle 85 Entwicklerinnen und Entwickler vollständig auf das neue Projekt konzentriert waren – das zuvor angekündigte Horror-Experiment Project Mara war bereits eingestellt worden.
Double Fine, das San Francisco-Studio von Tim Schafer (Psychonauts, Brutal Legend), und das Montréaler Studio Compulsion Games (South of Midnight, We Happy Few) befinden sich laut Bloomberg in aktiven Verhandlungen mit Microsoft. Beide Teams könnten sich theoretisch von Xbox loslösen und eigenständig weiterarbeiten – doch selbst im besten Fall wären Stellenabbau und ein erheblicher Neustart unvermeidlich. Schreier zufolge gibt es jenseits dieser drei Studios noch weitere Teams im Xbox-Portfolio, die unter Druck stehen. Konkrete Entscheidungen sollen bis Ende Juni fallen, also vor dem Ende von Microsofts Geschäftsjahr am 30. Juni.
Hintergrund ist die laufende Neuausrichtung von Microsoft Gaming unter CEO Asha Sharma, die das Amt im Februar 2026 übernahm. Sharma hatte öffentlich von einem notwendigen „Reset“ gesprochen, weil das Geschäft „nicht gesund“ sei. Wenige Tage vor den Schließungsmeldungen veröffentlichten sie und Chief Content Officer Matt Booty ein unternehmensweites Memo, das die neue Richtung skizzierte. Am selben Tag, an dem die Schließungen bekannt wurden, trat Craig Duncan, Leiter von Xbox Game Studios, zurück – er hatte noch 48 Stunden zuvor auf LinkedIn seine Begeisterung für die Zukunft des Bereichs bekundet.
Was bedeutet das für Spieler? Wer Senua auf dem Showcase gesehen hat und auf eine Fortsetzung der Hellblade-Geschichte gehofft hat, muss sich auf eine lange Ungewissheit einstellen. Gleiches gilt für das nächste Projekt von Double Fine und für alles, was Compulsion Games nach South of Midnight geplant hatte. Für alle drei Studios gilt: Die Spiele existieren vorerst nur als Ankündigung oder Konzept – ob und wann sie erscheinen, hängt vom Ausgang der laufenden Verhandlungen ab.
Mehr zum Hintergrund der Xbox-Umstrukturierung und was ein Publisher wie Microsoft für die Entwicklung eines Spiels bedeutet, erklärt Gamefinity in einem eigenen Artikel. Wie viel ein AAA-Titel tatsächlich kostet und warum das Modell unter Druck steht, beleuchtet auch unser Artikel zu den Entwicklungskosten großer Videospiele.
Quellen: Bloomberg (Jason Schreier), The Verge, VGC, Engadget, PC Gamer – 15./16. Juni 2026


