Werbung in Spielen

Werbung in Xbox-Spielen? Microsoft prüft werbefinanzierte Gaming-Modelle

Microsoft denkt laut über werbefinanzierte Zugangsstufen für Xbox-Spiele nach. In einem Interview mit The Game Business hat Matthew Ball, Chief Strategy Officer bei Xbox, bestätigt, dass das Unternehmen neue Monetarisierungsmodelle nach dem Vorbild des Streaming-Marktes prüft. Konkret testet Microsoft bereits eine kostenlose Stufe für Xbox Cloud Gaming in ausgewählten Regionen, bei der Nutzer Spielzeit gegen das Ansehen von Werbespots eintauschen können.

Der Hintergrund ist ein strukturelles Problem der gesamten Branche: Die Budgets für AAA-Spiele übersteigen regelmäßig 100 Millionen US-Dollar, während Spieler kaum mehr als den seit Jahren etablierten Vollpreis von 70 bis 80 Euro zu zahlen bereit sind. Gleichzeitig steigen die Hardware-Kosten – ein Druck, den Microsoft durch neue Einnahmequellen abfedern will. Ball betonte dabei, es gehe nicht um klassische In-Game-Werbung innerhalb von Vollpreistiteln. Das Ziel sei vielmehr, Spielen erschwinglich zu halten und niedrigschwelligen Zugang zu ermöglichen – etwa für jüngere Nutzer oder Gelegenheitsspieler, die keinen Game Pass-Abo abschließen wollen.

Das Modell orientiert sich an Netflix, das mit seinem werbefinanzierten Tarif binnen kurzer Zeit über 70 Millionen Abonnenten gewonnen hat – deutlich mehr als erwartet. Für Microsoft wäre eine ähnliche Ebene beim Game Pass ein Weg, die Abonnentenbasis zu verbreitern, ohne den bestehenden zahlenden Kundenstamm zu belasten. Premium-Abos ohne Werbung sollen weiterhin die Standarderfahrung bleiben.

Das wurde schon einmal versucht

Werbung in Spielen ist kein neues Thema – und Microsoft ist dabei kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 2006 kaufte der Konzern Massive Incorporated, einen der ersten Anbieter dynamischer In-Game-Ads, der Werbetafeln in Titeln wie NFLBattlefield 2142 oder frühen FIFA-Versionen per Internet in Echtzeit aktualisieren konnte. Das Modell galt kurzzeitig als Zukunft der Spielefinanzierung – geriet dann aber in der Versenkung, weil die Spielerzahlen Ende der 2000er noch nicht die Reichweiten lieferten, die Werbetreibende erwarteten. Microsoft stellte Massive 2010 ein.

Der zweite Anlauf kam 2023: In Forza Motorsport tauchten plötzlich Werbeanzeigen auf Ladebildschirmen auf. Die Reaktion der Community war so heftig, dass Microsoft den Test binnen 24 Stunden zurücknahm – ohne offizielle Stellungnahme. Auch EA hatte in FIFA 23 ähnliche Experimente unternommen und ähnlich schnell zurückgerudert. Kein völliges Neuland für Xbox also – aber auch kein leichtes Terrain. Dass das Thema nun dennoch zurückkehrt, zeigt, wie groß der wirtschaftliche Druck im Gaming-Sektor inzwischen geworden ist. Ball räumt ein, dass werbefinanzierte Modelle in der Spielerschaft traditionell auf Ablehnung stoßen, sieht darin aber eine lösbare Kommunikations- und Design-Aufgabe – sofern die Werbung nicht in bezahlte Vollpreistitel eingreift.

Für Spieler bedeutet das: Eine kostenlose Xbox-Cloud-Gaming-Option könnte kommen – mit Werbeunterbrechungen als Gegenleistung. Ob und wann Microsoft dieses Modell offiziell ausrollt und auf welche Titel oder Dienste es sich erstreckt, ist noch offen. Angekündigt ist bislang nur der laufende Test. Was klar ist: Die Debatte darüber, wer die explodierenden Kosten der Spieleentwicklung trägt – Entwickler, Publisher, Spieler oder Werbetreibende – hat gerade eine neue Runde eingeläutet. Live-Service-ModelleMonetarisierungsstrategien und die Frage nach dem fairen Preis für Spielerlebnisse werden die Branche noch lange beschäftigen.

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