Blu-ray-Comeback

Blu-ray-Comeback: Was hinter dem 10.000-Prozent-Anstieg wirklich steckt

Ein britisches Fertigungsunternehmen für physische Medien meldet einen Anstieg der Blu-ray-Verkäufe um über 10.000 Prozent – eine Zahl, die seit Wochen durch die Medien geht. Aktuelle Branchenzahlen zeigen: Blu-ray wächst tatsächlich, aber deutlich moderater, als die Schlagzeile suggeriert. Wer genauer hinsieht, findet trotzdem einen echten Trend – nur mit anderen Dimensionen.

Die 10.000-Prozent-Zahl eingeordnet

Die Zahl stammt von Kath Summersgill, Joint Group Head of Sales bei der Key Production Group, einem britischen Hersteller physischer Medien für Musik, Video und Spiele. Im Gespräch mit dem Magazin TechRadar erklärte sie, ihr Unternehmen habe einen Anstieg der Blu-ray-Verkäufe von über 10.000 Prozent verzeichnet – insbesondere bei Blu-ray Audio. Entscheidend ist der Zeitraum: Es handelt sich um eine Entwicklung über die vergangenen acht bis zehn Jahre, nicht um einen plötzlichen aktuellen Sprung. Zudem beziehen sich die Zahlen auf die Auftragslage eines einzelnen Produktionsunternehmens im britischen Markt, nicht auf branchenweite Einzelhandelsdaten.

Was die Branchenberichte tatsächlich zeigen

Belastbarer sind die Zahlen der britischen Entertainment Retailers Association (ERA) für 2025: Der physische Videomarkt (DVD und Blu-ray zusammen) schrumpfte im Vereinigten Königreich um 4,7 Prozent – die langsamste Rückgangsrate seit 2010. Blu-ray, einschließlich 4K UHD, festigte dabei seine Position als stärkstes physisches Videoformat mit einem Umsatz von 84,2 Millionen Pfund gegenüber 64,7 Millionen Pfund bei DVD. Besonders das 4K-UHD-Segment legte 2025 um 19,5 Prozent zu, unterstützt von Sammlereditionen: Jede zehnte 4K-Veröffentlichung erschien als Steelbook, das trotz höherem Durchschnittspreis rund ein Fünftel der gesamten 4K-Blu-ray-Umsätze ausmachte. Auch in den USA zeigt sich ein ähnliches Bild: Laut Digital Entertainment Group stiegen die UHD-Blu-ray-Verkäufe 2025 um 12 Prozent, während die Gesamtausgaben für DVD und Blu-ray zusammen um 9,3 Prozent auf 870 Millionen Dollar zurückgingen.

Was bedeutet das für Käufer?

Die Zahlen zeigen kein Massenphänomen, sondern eine klare Nischenverschiebung: Reines Blu-ray- und DVD-Geschäft schrumpft weiter, während das hochpreisige 4K-UHD-Segment und limitierte Sammlereditionen wachsen. Wie diese Entwicklung mit Vorfällen wie der jüngsten Löschung von 551 Filmen aus PlayStation-Konten und wachsendem Streaming-Werbeanteil zusammenhängt, ordnen wir ausführlich in unserem Artikel zum Comeback physischer Medien ein. Wer sich für Sammlereditionen wie Steelbooks interessiert, findet Hintergründe in unserem Steelbook-Erklärartikel sowie im Vergleichsartikel zu Mediabooks. Was Blu-ray als Format technisch ausmacht und wie es sich von anderen physischen Formaten unterscheidet, erklären wir demnächst ausführlich in unserem Blu-ray-Erklärartikel.

Für Käufer heißt das konkret: Wer auf günstige Mainstream-Blu-rays hofft, sollte sich vom Wachstumstrend nicht täuschen lassen – die eigentliche Bewegung findet im Premium- und Sammlersegment statt. Wer dagegen Wert auf maximale Bildqualität, verlässlichen Zugriff unabhängig von Lizenzverträgen und physischen Besitz legt, für den bestätigen die Zahlen: Das Format lebt, wenn auch in einer kleineren, aber zahlungsbereiteren Nische als früher.

Quellen: TechRadar (Interview mit Kath Summersgill, Key Production Group); Entertainment Retailers Association (ERA) Jahresbericht 2025; Digital Entertainment Group (DEG) Jahresbericht 2025.

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